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Seltene Modelle aus 125 Jahren Škoda Auto - Der Kombi-Prototyp ,Hajaja‘ und warum er nie in Serie ging

Erstellt am 22. April 2020
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Mit dem legendären 1000 MB präsentierte Škoda Auto Mitte der 1960er-Jahre erstmals ein viertüriges Serienmodell mit Heckmotor und Heckantrieb, das seinerzeit zu den modernsten Fahrzeugen seiner 1,0-Liter-Klasse zählte. Was viele nicht wissen: Neben der bekannten Stufenheckversion und dem 1000 MBX De Luxe genannten Coupé, das 1966 debütierte, entstanden in Mladá Boleslav auch die Prototypen einer Roadster- und einer Kombivariante.

Bild Skoda 1000 MB De Luxe (1967) - auf dem Clubstand (Techno Classica 2017)
Skoda 1000 MB De Luxe (1967) - auf dem Clubstand (Techno Classica 2017)

Der 1963 gebaute Fünftürer blieb ein Unikat und zählt heute zu den Schmuckstücken des Škoda Museums. Seinen Spitznamen ,Hajaja‘ verdankt dieser Typ 990 indes einer beliebten Radiosendung mit Gutenachtgeschichten…

Bild Skoda 1000 M (1965) - Das einzige Exemplar des Škoda 1000/1100 MB als Kombi steht heute im Škoda Museum. Im Frühling 1963 entstand es auf Basis eines gebrauchten Stufenheckmodells aus einer 50 Fahrzeuge umfassenden Prototypen-Vorserie.
Skoda 1000 M (1965) - Das einzige Exemplar des Škoda 1000/1100 MB als Kombi steht heute im Škoda Museum. Im Frühling 1963 entstand es auf Basis eines gebrauchten Stufenheckmodells aus einer 50 Fahrzeuge umfassenden Prototypen-Vorserie.

Einer der grössten Technologieumbrüche bei Škoda

Im Frühling 1959 arbeiteten die Autoexperten von Škoda an einem der größten Technologieumbrüche in der Geschichte des Unternehmens: Der neue 1000 MB sollte in Mladá Boleslav den Wechsel von Fahrzeugen mit separatem Rahmen hin zur modernen selbsttragenden Karosserie sowie den Umstieg vom Frontmotor-Heckantrieb-Konzept auf Modelle mit Heckmotor einläuten – Anfang der 1960er-Jahre der Stand der Technik.

Gleichzeitig errichtete Škoda am böhmischen Stammsitz des Unternehmens ein neues Automobilwerk für den 1000 MB, das weltweit modernsten Anforderungen entsprach und im April 1964 den Betrieb aufnahm. Zusammen mit den Fertigungsstätten in Kvasiny und Vrchlabí vervierfachte sich hierdurch die Gesamtproduktion der Marke Škoda innerhalb von zehn Jahren bis 1973 von 42'550 auf 162'208 Einheiten pro Jahr.

"Hajaja"

Die Entwicklung des 1000 MB begann 1959 mit dem Projekt Š 990 NOV (nový osobní vůz/neuer Personenwagen). Bis Oktober 1961 entstand eine Kleinserie von 50 Prototypen mit verschiedenen Karosserieausführungen über das viertürige Stufenheckmodell hinaus, von dem es probeweise eine Variation ohne B-Säule gab – quasi ein Vorläufer des 1966 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellten Škoda 1000/1100 MBX.

Bild Der ŠKODA MBX mit einem Hubraum von 988 cm3 und 1107 cm3 wurde insgesamt 2'517 Mal gebaut.
Der ŠKODA MBX mit einem Hubraum von 988 cm3 und 1107 cm3 wurde insgesamt 2'517 Mal gebaut.

Weitere Varianten waren ein offener Roadster als 2+2-Sitzer mit Heckmotor, der die Typenbezeichnung 990/991 trug, sowie ein Kombi mit dem späteren Spitznamen ,Hajaja‘.

Bild Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - die Kombination von Heckmotor und Kombiheck
Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - die Kombination von Heckmotor und Kombiheck

Ein waschechter Hybride

Die Gedankenspiele, die zu letzterem Prototypen führten, kamen nicht von ungefähr: Praktische Kombimodelle haben in der 125-jährigen Historie von Škoda Auto seit jeher einen festen Platz. Als Urahn gilt der L&K 110, den Laurin & Klement – die 1895 gegründete Firma der Unternehmensväter Vaclav Laurin und Vaclav Klement – Mitte der 1920er-Jahre angeboten hat. Dessen clevere Idee: Der hintere Teil der Karosserie ließ sich austauschen.

Diente der Wagen werktags als Lieferwagen für Gewerbetreibende, so konnte das Heck durch ein Modul mit Sitzplätzen für den Wochenendausflug mit der Familie ersetzt werden. Ab 1934 feierte Škoda mit leichten Nutzfahrzeugversionen seines Bestsellers Popular Erfolge. Sie konnten bis zu 300 Kilogramm zuladen und kamen zum Beispiel in den Fuhrparks des mährischen Schuhherstellers Baťa und der Wiener Kaffeeröster-Kette Julius Meinl zum Einsatz, die damals gut 1'000 Filialen in ganz Europa umfasste.

Alltagstaugliche Station Wagons

Ende der 1940er-Jahre entstand auf Basis des Škoda 1101/1102 ,Tudor‘ neben Lieferwagenkarosserien auch eine Station Wagon (STW) genannte Kombiversion.

Bild Skoda 1102 (1950) - zweisitziges Cabriolet - Genfer Autosalon 1950
Skoda 1102 (1950) - zweisitziges Cabriolet - Genfer Autosalon 1950

Sie überzeugte mit einer deutlich größeren Verglasung, einer besonders umfangreichen Ausstattung und vor allem mit der großen Variabilität ihres Innenraums: Durch das Umklappen der Rückbank entstand eine bis zu 1,49 Meter lange Ladefläche, die zwischen 980 und 1.390 Millimeter breit war. Dem Serienmodell, das in den Werken Vrchlabí und Kvasiny von den Bändern lief, gingen zahlreiche Prototypen voraus. Ab Frühjahr 1953 entstand in Vrchlabí das geräumige Kombimodell Škoda 1200 STW. Es wurde in modernisierter Ausführung als 1201 STW bis Oktober 1961 weitergebaut, dann folgte der Škoda 1202.

Bestseller von 1960 bis in die Gegenwart: Škoda Octavia

Als meistverkauftes Kombimodell von Škoda in den 1960ern aber ist der Octavia Combi in die Geschichte eingegangen. Ein erster Prototyp stand bereits im September 1959 auf den Rädern, ein Jahr später stieß die Serienversion bei ihrer Premiere in Brünn auf große Resonanz. Von 1961 bis 1971 fuhren insgesamt 54.086 Fahrzeuge dieses Typs aus dem Werkstor in Kvasiny.

Bild Eine Legende wird 60 - Der Skoda Octavia feiert Jubiläum - Der variable Octavia Combi rollte von 1960 bis 1971 im Werk Kvasiny vom Band
Eine Legende wird 60 - Der Skoda Octavia feiert Jubiläum - Der variable Octavia Combi rollte von 1960 bis 1971 im Werk Kvasiny vom Band

Auch in den Exportmärkten erfreute sich die Karosserievariante hoher Nachfrage: 1966 gingen 72 Prozent aller Octavia Combi ins Ausland – Rekord! 1996 kehrte der Octavia in moderner Form in das Modellprogramm von Škoda zurück und stieg schnell zum Herz der Marke auf. Ein Jahr später folgte auch die besonders beliebte Combia-Adaption. Aktuell startet der Bestseller in seiner vierten Generation der Neuzeit durch.

Hajaja und Gutenachtgeschichten

Doch zurück zum ,Hajaja‘: Das Einzelstück – heute eine der besonderen Raritäten in der Ausstellung des Škoda Museums in Mladá Boleslav – basierte auf dem Prototyp Nummer 34, dem es nach 31'000 Testkilometern als Stufenhecklimousine im Februar 1963 nachträglich ans Blech gegangen war. Doch der Umbau erwies sich komplizierter als gedacht: Um das Problem mit dem Kofferraumboden zu lösen, wurde der Reihenvierzylinder im Heck liegend installiert.

Der Zylinderkopf zeigte dabei nach links, der Wasserkühler befand sich rechts daneben. Und da die Maschine in dieser Konstellation aussah, als hätte sie sich zum Schlafen gelegt, hatte das Unikat schnell seinen Spitznamen weg: ,Hajaja‘, damals der Titel einer populären Märchensendung im Radio mit Gutenachtgeschichten.

Bild Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - Der 988 ccm große und 42 PS starke Reihen-Vierzylinder wurde liegend hinter der angetriebenen Hinterachse eingebaut und sah aus, als hätte er sich zur Ruhe gelegt. Dies brachte dem Unikat den Spitznamen "Hajaja" ein
Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - Der 988 ccm große und 42 PS starke Reihen-Vierzylinder wurde liegend hinter der angetriebenen Hinterachse eingebaut und sah aus, als hätte er sich zur Ruhe gelegt. Dies brachte dem Unikat den Spitznamen "Hajaja" ein

Das Gepäckabteil des 4,15 Meter langen, 1,62 Meter breiten und 1,40 Meter hohen Kombi war durch eine nach oben aufschwingende Heckklappe gut zugänglich. Der Radstand blieb mit 2,40 Metern gegenüber der Stufenhecklimousine unverändert. Im Laderaum hatten bis zu 1,60 Meter lange Gegenstände Platz. Weil der Motor nun im Heck steckte, entstand unter der Fronthaube ein zusätzlicher Stauraum. Das Leergewicht von 811,5 Kilogramm drückte zu 61 Prozent auf die Hinterachse. Die maximale Zuladung lag bei 380 Kilogramm, genug für vier Erwachsene und noch etwa 80 Kilogramm Gepäck.

Bild Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - Im Gegensatz zum dreitürigen Octavia Combi bot der ,Hajaja‘ einen bequemeren Einstieg in den Fond.
Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - Im Gegensatz zum dreitürigen Octavia Combi bot der ,Hajaja‘ einen bequemeren Einstieg in den Fond.

Trotz Assoziation mit einer Gutenachtgeschichte - ordentlich Power

Im Rahmen eines dreiwöchigen Versuchsprogramms spulte der Kombi-Prototyp im Mai und Juni 1963 weitere 7'000 Kilometer ab und erzielte dabei einen Durchschnittsverbrauch von 7,6 Litern pro 100 Kilometern bei einer mittleren Geschwindigkeit von 74 km/h. Der 988 ccm große Vierzylinder entwickelte eine Leistung von 31 kW (45 PS), was dem ,Hajaja‘ zu einem Spitzentempo von immerhin 115 km/h verhalf.

Besonders positiv fiel den Testern auch das luftige Platzangebot im Innenraum und das großzügige Stauvolumen in beiden Kofferräumen auf. Nachteilig machte sich jedoch der komplizierte Motoreinbau im Heck bemerkbar, der Wartungs- und Servicearbeiten wesentlich erschwerte. Probleme bereitete auch die Kühlung des Vierzylinders – letztlich die K.O.-Kriterien, die gegen eine Serienfertigung dieser Modellvariante sprachen.

Bild Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - obwohl er sich über dem Motor befand, überzeugte der Kofferraum mit einer Ladehöhe von nur 550 bis 650 Millimeter. Ein zusätzliches Gepäckabteil wartete unter der Fronthaube
Skoda Typ 990 "Hajaja" (1963) - obwohl er sich über dem Motor befand, überzeugte der Kofferraum mit einer Ladehöhe von nur 550 bis 650 Millimeter. Ein zusätzliches Gepäckabteil wartete unter der Fronthaube

Verlängerte Karriere des Octavia Combi

Škoda konzentrierte sich vielmehr ganz auf den Produktionsanlauf der gelungenen Stufenheckversion des 1000/1100 MB. Von der konnten zwischen 1964 und 1969 insgesamt 440'639 Exemplare an Kunden ausgeliefert werden. 1966 folgte, wie bereits beschrieben, als einziges Derivat dieser Baureihe der attraktive Zweitürer 1000/1100 MBX. Er kam ohne B-Säule aus und wurde bis 1969 exakt 2517 mal gebaut. Die Nachfrage nach einem praktischen Kombimodell verlängerte derweil die Karriere des Octavia Combi bis 1971.

Bild Neben dem attraktiven Design bestach die MBX-Karosserie mit dem besseren Seitenausblick. Man konnte nicht nur die Scheiben in den Türen herunterkurbeln, sondern auch die kleineren neben der Rückbank.
Neben dem attraktiven Design bestach die MBX-Karosserie mit dem besseren Seitenausblick. Man konnte nicht nur die Scheiben in den Türen herunterkurbeln, sondern auch die kleineren neben der Rückbank.

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von Aristoteles
03.05.2020 (14:29)
Antworten
Es war der 01.09.1967, da begann ich in Bremen im Autohaus Bundgaard & Sohn eine KfZ-Mechaniker Lehre. Wir hatten u.a. die Skoda Vertretung in Bremen. Den Skoda 1000 MB haben wir verkauft wie geschnitten Brot. Der Skoda war schön, gräumig, preiswert, und reparaturfreundlich. Ich mochte dieses Auto unheimlich gern. Leider hat der Überfall der Sowjets auf die damals noch Tschecheslowakei über Nacht zum Ende geführt.
Später, ende der 70er kaufte ich mir einen Skoda 120 LS, und immer noch konnte ich dieses Auto, obwohl schon ewig nicht mehr in dem Beruf arbeitend, mit verbundenen Augen reparieren!
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