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Schwetzingen wird zum 12. Mal Mitte der Autogeschichte - Classic-Gala 2016

Erstellt am 30. August 2016
, Leselänge 8min
Text:
Sara Räss
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Classic-Gala Schwetzingen 
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Pietro Frua, Turin (I) 
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Archiv Daimler AG 
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BMW AG 
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AvD-Classic-Gala Schwetzingen 
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Archiv 
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Concours d’Elegance als Präsentationsform der Zukunft

Wie allgemein zu beobachten steigen die Werte klassischer Automobile weiterhin. Das führt dazu, dass die Besitzer der Pretiosen ihren Fahrzeugen weniger zumuten, als bisher. Bei den Oldtimer-Rallies steigt die Zahl jüngerer Automobile und Youngtimer, ganz alte Fahrzeuge, die vor 1945 gebaut wurden, werden nicht mehr so häufig bewegt und reisen immer häufiger in Anhängern. Deshalb gewinnen Schauveranstaltungen nach Art der Concours d’Elegances an Bedeutung, denn dort werden die Fahrzeuge ruhend in gepflegter Umgebung so präsentiert, dass man sie von allen Seiten bewundern kann.

Als die AvD-Classic-Gala Schwetzingen im Jahre 2001 erstmals stattfand, war dies der einzige Concours d’Elegance dieser internationalen Art in Deutschland. Inzwischen sind eine ganze Zahl ähnlicher Veranstaltungen hinzu gekommen, doch die meisten können sich schon allein vom Veranstaltungsort her mit dem badischen Vorbild nicht mithalten. Wie seinerzeit angenommen ist Schwetzingen inzwischen ein Synonym für die einzige Fahrzeugpräsentation der Welt, bei der die Fahrzeuge nach Baujahren und Themen geordnet in einem französischen Achsengarten aufgestellt werden.

Bild Classic-Gala Schwetzingen
Classic-Gala Schwetzingen

Der Tisch für den 12. Int. Concours d’Elegance AvD-Classic-Gala 2016 ist wieder gedeckt.

Vom 2. bis 4. September 2016 werden sich wieder mehr als 150 klassische Automobile aus ganz Europa im einzigartigen Schlosspark von Schwetzingen treffen, um sich dem Votum der 25-köpfigen Expertenjury für die Trophäen im Reglement des Weltverbandes FIVA (Federation Internationale des Vehicules Anciens) zu stellen. Für das Publikum stellt sich Classic-Gala Schwetzingen als Freiluft-Museum der Automobilgeschichte dar, garniert mit  Accessoires, Mode, Automobilia, Zubehör und Literatur, dazu Live-Jazz mit den Strangers und der österreichische Jazz-Pianist Burle Baumgartner vor der Kunstausstellung im Südflügel des Schlosses.

Einmalige Einzelstücke der Automobilgeschichte

Es ist erstaunlich, dass immer wieder Automobile auftauchen, die vorher in privaten Garagen standen und manchmal sogar vergessen wurden oder noch nie den Weg zu einer öffentlichen Ausstellung genommen haben. Classic-Gala Schwetzingen zeigt ein paar dieser Raritäten.

Ein königlicher Rolls Royce für einen schweizer Kaufmann

Bild Rolls-Royce Phantom VI Frua Cabriolet (1973) - mit dunklem Verdeck
Rolls-Royce Phantom VI Frua Cabriolet (1973) - mit dunklem Verdeck

Der Rolls Royce Phantom VI war in den 70er Jahren ein 6,10 Meter-Repräsentationswagen für Potentaten. Und doch gab es einen schweizer Kaufmann, der wollte, dass bei seinen Fahrten die Alpen mit in seinem Auto reisen. Sein Auftrag für das sündhaft teure Chassis des Phantom VI kam Rolls Royce sehr gelegen, denn die Edelmarke hatte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Es wurde bei Frua in Italien karossiert und der Auftraggeber bestand darauf, der große Kühlergrill dürfe nicht verkleinert werden. Das riesige lindgrüne Cabriolet war der Star der Autosalons 1973 und wurde in den folgenden Jahren von seinem begeisterten Besitzer mehr als 400.000 Kilometer gefahren, bevor es für Jahre in der Garage von Sammlern verschwand und nun erstmals wieder öffentlich gezeigt wird.

Die Formel-1 im Maßanzug

Nur für die Saison 1955 war es gestattet, Formel-Rennfahrzeuge mit einer Stromlinien-Karosserie zu fahren. Mercedes setzte mit Fangio und Lang den W 196 Stromlinier ein, Maserati baute einen 250 F Aerodinamica, der 2014 in Schwetzingen zu sehen war und die kleine britische Schmiede Connaught verkleidete ihren B-Typ zum Streamliner - dieses Auto ist ein Star von AvD-Classic-Gala 2016.
Ein Silberfisch aus der Nachkriegszeit

Nur zwei Jahre nach dem Kriegsende wollten die Menschen wieder Automobilrennen sehen und überall entstanden provisorische Rennstrecken wie der Grenzlandring bei Aachen, das Schleizer- und das Dieburger Dreieck oder die Dresdner Autobahnspinne. Doch es gab keine Autos! Aus den Restbeständen von BMW 328 baute Ernst Loof den Veritas, der Münchner Rennfahrer und Konstrukteur Alex von Falkenhausen 1949 den AFM 50-5, der mit seiner unlackierten Aluminiumhaut vom Rennfahrer Karl-Günther Bechem noch 1953 erfolgreich gefahren wurde, bevor er in Vergessenheit geriet - jetzt ziert er den Garten von Schwetzingen.

Nur noch weltweit Eins und doch 1, 2, 3 - meins

Das Internet ist manchmal Quell ungeahnter Schätze. Ein Berliner Sammler suchte einen offenen Ford A von 1930 und sah zufällig ein schönes dunkelrotes Cabriolet aus der gleichen Zeit. Es heißt Rockne, völlig unbekannt. Im Internet fand er Informationen, dass es sich um ein Sondermodell von Studebaker handelt, dass nach dem damals berühmten Footballtrainer Rockne benannt war. Der Wagen war 1930 in Teilen nach Norwegen geliefert und dort gebaut worden. Der Berliner kaufte ihn und erfuhr erst später, dass er den letzten fahrbereiten Rockne besitzt und dieser Wagen auch noch völlig unrestauriert ist. Ein weitere Star von AvD-Classic-Gala Schwetzingen 2016.

Der Kleinwagen-Concours mausert sich zur Microlympiade

Nach der großen Begeisterung des Publikums für die Kleinwagenparade wird das Thema 2016 weiter gepflegt, denn so, wie Schwetzingen schon 2001weltweit der erste Concours mit einer Klasse H für unrestaurierte Originale war, erfand man hier den Wettbewerb für Kleinwagen. Als hommage an Olympia heißt er nun „Microlympiade“.

Bild BMW Isetta (1957) - einfarbig
BMW Isetta (1957) - einfarbig

Ein Highlight wird bestimmt die Schau der Kleinwagen des Flugzeugkonstrukteurs Messerschmitt sein. Auftreten werden die Messerschmitt Kabine 175ccm, ein Messerschmitt Cabrio und ein Roadster, der vierrädrige Messerschmitt Tiger und der Weltrekord-Rennwagen, der 1955 im benachbarten Hockenheim lange gültige Maßstäbe setzte.

Mehr als 30 Kleinwagen aus der Wirtschaftswunderzeit werden sich unter den südlichen Arkaden am Hirschbrunnen versammeln und bilden einen reizvollen Kontrast zu den dicken Straßenkreuzern des US-Classic-Car-Concours, der sich ausschließlich originalgetreuen Amerikanern widmet. Bei den Kleinwagen sieht man den seltenen Kroboth ebenso, wie den Maico 500 oder die Mopetta des damaligen Rennfahrers Egon Brütsch, dessen Motor fast so klein ist wie der Einzylinder-ILO 125ccm des Kleinschnittger aus Arnsberg im Sauerland, dessen Felgen aus Einkochtopfdeckeln an einer mit Gummibändern gefederten Achse hängen.

Neben der legendären Isetta und vielen anderen ist erstmals auch die Marke Gutbrod mit der viersitzigen Limousine, dem seltenen Cabrio und dem Kleinst-Lastwagen Atlas vertreten. Schwetzingen ist der erste Concours d’Elegance, der den Kleinsten ein großes Forum bietet - die Helden der Wirtschaftswunderzeit lassen kein Auge trocken.

Zwei uralte Mercedes

Aus dem Auto- und Technikmuseum in Sinsheim kommen zwei besonders alte Mercedes: der schon 1906 gebaute Simplex mit einem 5,3 Liter Vierzylinder und Kettenantrieb, der mit seiner 2-sitzigen Rennkarosserie 80 km/h erreichte obwohl er nur etwa 35 PS hatte.
Der 1928 gebaute Mercedes 630 Kompressor erinnert an dem damals neuen Nürburgring - ein Autofan ließ sich damals auf dem Chassis des Mercedes-Rennwagens von der britischen Firma Park Ward ein einmaliges Cabriolet bauen. Der 6,3-Liter Sechszylinder hat 100 PS, mit Kompressor sogar 140 - das reicht für 150 km/h in einer Welt ohne Autobahnen.

Der Mercedes mit der Ponton-Karosserie wird 60

Bild Mercedes Benz 180 (1959) - die zweite Generation mit kosmetischen Anpassungen
Mercedes Benz 180 (1959) - die zweite Generation mit kosmetischen Anpassungen

Nur langsam trennte man sich ab etwa 1953 von Autos mit freistehenden Kotflügeln und Trittbrettern. Die neue glattflächige Linie nannte man Ponton-Form und nach der neuen Mercedes-Limousine von 1955 erschien 1956 eine zweitürige Version des Typs 220, die als Cabriolet und Coupé Inbegriff des Wirtschaftswunders wurde. Mercedes selbst hatte nicht mit so viel Interesse gerechnet, denn ein 220 S Cabriolet kostete zwei Jahresgehälter eines Fabrikdirektors, und so baute man die sportlichen Ableger der Limousine noch überwiegend in Handarbeit. Mindestens 20 der W 180/2 genannten Traumwagen treffen sich unter Ägide der Mercedes Benz IG in Schwetzingen zu ihrer Geburtstagsfeier.

100 Jahre BMW ist ein Classic-Gala Thema

Auch wenn die Zeit der großen hundertjährigen Jubiläen fast vorbei ist, gibt es doch jedes Jahr Jahrestage, die die beliebte Frage „Weißt Du noch“ für immer andere Besuchergruppen aufwerfen.

Bild BMW 328 (1939) - strikt für zwei Personen
BMW 328 (1939) - strikt für zwei Personen

Diesmal ist es das Hundertjährige von BMW, das die Besucher einerseits im Ehrenhof mit einer Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart begrüßt, andererseits sieht man im Park auch den legendären Sportwagen BMW 328 und natürlich andere Highlights wie den „Barockengel“, die für das 100-jährige der Auto-Motorrad- und Flugmotorenwerke BMW mit Sitz in Eisenach, Spandau und München stehen und in Zusammenarbeit mit der BMW-Niederlassung Mannheim und der BMW Krauth-Gruppe präsentiert werden.

Der Dampfkessel-Prüfverein wird sogar 150

Nach verheerenden Dampfkessel-Explosionen in der Gründerzeit formierte sich 1866 ein Verein zur Prüfung und Abnahme dieser technischen Geräte - was lange vor Erfindung des Automobils begann ist heute die bekannteste Sachverständigen-Organisation für Automobile. Doch aus dem „ich muss zum TÜV“ ist zwischenzeitlich die Zusammenarbeit mit kompetenten Experten geworden, die mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung vor allem auch die Besitzer von klassischen Fahrzeugen beraten, die sich um Restaurierung und Wiederzulassung kümmern. Es liegt nahe, dass sich der TÜV Süd zu seinem 150-jährigen Jubiläum einerseits mit seinen Experten auch im Concours d’Elegance Classic-Gala Schwetzingen engagiert, bei dem wichtige Referenzobjekte aus 130 Jahren Automobilgeschichte mit wertvollen Trophaen ausgezeichnet werden, andererseits aber auch den Besuchern und Gästen beratend zur Seite steht.

Raritäten aus aller Welt und allen Epochen

Beeindruckend ist der Auftritt eines der ältesten französischen Automobile, des DeDietrich von 1896, der seine Wiege im Elsass hatte. Aus Südafrika kommt der zauberhafte Cadillac Imperial, 1930 in USA gebaut. Die Supersportwagen heißen Bizzarrini A3C, vertreten mit dem Teamauto der berühmten Scuderia Serenissima aus Venedig.

Bild Classic-Gala Schwetzingen
Classic-Gala Schwetzingen

Während die Amerikaner auf den bärenstarken 10-Zylinder des Dodge Viper setzten, versuchte man sich in Südafrika mit dem EB Tazio, der im Jahr 2001 ungeduldig wartende Bugatti-Kunden abspenstig machen sollte.

In Deutschland nahmen gleich zwei Konstrukteure den großen Motor des Mercedes 600 als Antrieb für ihre Flügeltüren-Sportwagen: Mladen Mitrovic schuf bei Stuttgart 1984 den Kodiak und im benachbarten Leonberg schuf der Porsche-Designer Eberhard Schulz den Isdera Imperator, der die Leistung des Basistriebwerks auf 500 PS verdoppelte. Er wird gemeinsam mit den anderen Isdera-Sportwagen zu bewundern sein.

Internationale Juroren als Experten

Ein Concours d’Elegance ist nur so gut wie seine Juroren, denn nur das Urteil von Fachleuten hat international Gewicht. Unter der Leitung des Vorkriegs-Auto-Spezialisten Ing. Robert Schramm entscheiden unter anderem der langjährige Rosso-Bianco-Museumsinhaber Peter Kaus, der langjährige Mazda-Chefdesigner Peter Birdwhistle, der Porsche-Designer Gabo Herczeg, der FIA-Klassik-Sachverständige Klaus-Peter Bender, die niederländische VW-Designerin Oona Scheepers und der Schweizer Klassik-Sachverständige und langjährige Leiter der nationalen Automobilkommission der Schweiz, Mark Rufer darüber, welches Fahrzeug sich in welcher FIVA-Klasse als besonders originalgetreu erweist.

Der Konstrukteur Eberhard Schulz tauscht sich mit dem bekannten Fotografen und Historiker Werner Eisele aus, bevor eine der 90 Trophaen am Sonntag, den 6. September 2015 beim Defilée der Kandidaten an einen Sieger vergeben wird.

Das alles erwartet die Besucher für den Eintrittspreis von nur 6.- Euro für die staatlichen Schlösser und Gärten in Württemberg – AvD-Classic-Gala Schwetzingen will damit ganz bewusst Freunde von Architektur und Gartenkunst, der Kultur und alle Familien und Fans klassischer Automobile einladen, diese einzigartige Schau der Automobilgeschichte zu genießen.

Weitere Informationen sind auf der Website der Veranstaltung zu finden.

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