Die Sonderausstellung in Murten für die Schweizer Rennfahrer Jo Siffert und Herbert Müller geht in die letzte Runde, am 31. Oktober schliessen sich die Tore. Fünf neue Autos in der Ausstellung sorgen noch mal für Attrraktivität, denn zu ihrer Historie gehören auch die Erfolge der beiden Rennstars.
Cobra Shelby 427 (1964)
Die Cobra Shelby ist aus einem relativ unauffälligen englischen AC hervorgegangen. Um mit Ferrari konkurrieren zu können, hatte Carroll Shelby dieses Modell Mk III 427 S/C entwickelt, das von einem Ford-V8-Motor angetrieben wurde, dessen Hubraum zwischen 4,2 und 7 Litern lag und dessen Leistung bei einem Gewicht von etwa 1.150 kg bis zu 485 PS erreichte.
Jo Siffert hatte das Privileg, ihn im Rahmen der Marken Weltmeisterschaft 1964 zu fahren und beim Bergrennen am Schauinsland (Schwarzwald), nur eine Woche nachdem er mit seinem Brabham den 4. Platz beim Grossen Preis von Deutschland errungen hatte. Für diesen einmaligen Einsatz hatte ihn Shelby als Verstärkung neben dem Amerikaner Bob Bondurant und dem Deutschen Jochen Neerpasch verpflichtet. Mit einem Ergebnis, das man als „durchschnittlich“ bezeichnen könnte: Platz 23.
1965 wurde die Cobra 427 von der Scuderia Filipinetti eingesetzt, wobei Herbert Müller Gelegenheit bekam, diesen im Renneinsatz zu fahren. Am Steuer des Wagens mit der Startnummer 45 bewies «Stumpen-Herbi» sein Können. Am Bergrennen St. Ursanne - Les Rangiers fuhr er auf den dritten Rang der Sportwagenklasse. Beim Schweizermeisterschaftslauf in Monza fuhr er das Fahrzeug in derselben
Klasse zum Sieg.
Porsche Carrera 904 GTS (1964)
Für Siffert war es das Fahrzeug, mit dem er sein eigentliches Debüt im internationalen Langstreckensport gab. Am 31. Mai 1964 bei den 1000 Kilometern auf dem Nürburgring sorgte Siffert auf Anhieb für Furore, als er gemeinsam mit dem Genfer Heinz Schiller, Besitzer des Fahrzeugs, den 8. Platz belegte. Das reichte aus, um die Aufmerksamkeit von den Verantwortlichen des Werks in Stuttgart auf sich zu lenken, die zwar etwas Zeit brauchten, um zu reagieren, ihm aber schliesslich einen Werksfahrervertrag anboten – mit der beeindruckenden Erfolgsbilanz, die alle kennen.
Müller seinerseits bestritt sein Debüt am Steuer bei den Vorab-Testfahrten für die 24 Stunden von Le Mans im April 1964 unter der Schirmherrschaft der Scuderia Filipinetti und fuhr anschliessend die Targa Florio, Spa/Francorchamps und dem Nürburgring. Danach kehrte er nach Le Mans zum 24-Stunden-Rennen zurück, bei dem er mit Co-Équipier Claude Sage (später Chef von Honda Schweiz und Direktor des Genfer Autosalons) den elften Platz in der Gesamtwertung und 4. in der Klassenwertung belegte.
Müller zeigte sein Talent, gepaart mit Präzision und Zähigkeit auch - und vor allem - auf den steilen Strecken der Berg-Europameisterschaft, vom Mont Ventoux über das Rossfeld und Trento-Bondone bis nach Ollon-Villars, und sicherte sich schliesslich den Titel des GT-Bergeuropameisters 1965.
Abarth 1000 Sport 1966
Der von Mario Colucci gebaute und von Pininfarina karossierte Wagen – eines von insgesamt 53 Exemplaren – ging in den Besitz von Herbie über. 1966 errang er am Steuer dieses Wagens mehrere Klassensiege auf dem Nürburgring, in Montlhéry und in Aosta-Pila.
Dieser «kleine Bombe» mit 988 ccm Hubraum leistet 105 PS, wird von zwei Weber-Doppelvergasern vom Typ 40 DCOE2 versorgt und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Diese Autos ermöglichten es vielen Fahrern, trotz begrenzter finanzieller Mittel erste Wettkampferfahrungen zu sammeln. Carlo Abarth spielte in Italien und natürlich auch in der Schweiz eine wichtige Rolle.
Sauber C5 (1976/77)
Dieses Auto wurde in den Jahren 1976–77 für die Kategorie „Sportprototypen“ gebaut. Der längs eingebaute 4-Zylinder-Motor von BMW mit 1.998 cm³ Hubraum in mittlerer Heckposition leistet 290 PS, die über ein 5-Gang-Getriebe vom Typ Hewland FGA 400 übertragen werden. Der 630 kg schwere Rennwagen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h.
Beim Interseries-Finale am 31. Oktober 1976 in Hockenheim um den „Sudwestpokal“ steuerte Herbie Müller seinen rot lackierten Sauber C5 BMW meisterhaft und gewann mit 13 Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem Lola T294 BMW von Helmut Bross!
Ferrari 512 M Sunoco 1971
Das Werk setzte mehrere 512 S gleichzeitig ein (unter anderem 1970 in Le Mans, wo vier Autos am Start waren, darunter eines für Clay Regazzoni), aber auch private Teams wie die Scuderia Filipinetti, NART und die Ecurie Francorchamps taten dies mit einigem Erfolg. Am Steuer eines Wagens des Genfer Rennstalls zeichnete sich Herbert Müller (mit dem Briten Mike Parkes als Teamkollegen) durch einige beeindruckende Leistungen aus (4. Platz auf dem Nürburgring).
In der folgenden Saison (1971) erzielte er mit seinem eigenen Rennstall („Herbert Müller Racing“) und einem von ihm selbst modifizierten 512 M mit Unterstützung des Solothurners René Herzog ebenfalls einige beachtliche Erfolge (4. Platz in Brands Hatch, 6. Platz in Monza). Im Anschluss daran zögerte Müller nicht, sich, die aus dem Fundus des Le Mans Filmes mit Steve McQueen übriggebliebenen 512er von der Solar Productions zu erwerben, die er privat einsetzte.
Müller trat mit diesen Ferrari auch in der CanAm-Serie (1971) und anschliessend in der Schweizer Meisterschaft (Rennstrecken und Bergrennen) an und sicherte sich dabei 1973 den nationalen Titel in der Kategorie „Sport“.









































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