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Motorsportversionen des Škoda Favorit (1989): alles anders – und dennoch bekannt

Erstellt am 14. September 2021
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Skoda-Media
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Während im September 1987 noch der Škoda 130 LR über die heimischen Rallye-Strecken fuhr, kam es auf der Internationalen Maschinenbaumesse in Brünn zu einem regelrechten Paradigmenwechsel: Unter großem Interesse der Öffentlichkeit präsentierte Škoda dort erstmals den Favorit. Das Kurzheckmodell mit Frontmotor und -antrieb war eine komplette Neuentwicklung, für die sich der tschechische Automobilhersteller auch auf den anspruchsvollen westeuropäischen Märkten gute Absatzchancen ausrechnete. Also begann man in Mladá Boleslav umgehend mit der Entwicklung einer Rallye-Version, deren Erfolge das neue Modell international bewerben sollten.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Rennfahrzeugs spielte Werksfahrer Vladimír Berger. Er fuhr den damals noch nicht offiziell homologierten Škoda Favorit zu Abstimmungszwecken auf ausgewählten Rallyes der tschechoslowakischen Meisterschaft 1988. Am 1. Januar 1989 folgte unter der Kennung A-5373 die Homologation des Fahrzeugs, bevor der Favorit kurz darauf mit den Fahrerteams Křeček/Motl, Sibera/Gross und Berger/Petera bei der traditionsreichen Rallye ‘Valašská zima’ ein erfolgreiches Debüt feierte. International gab der Favorit bei der finnischen Hanki Rally seinen Einstand und fuhr mit Kalevi Aho am Steuer zum Klassensieg. Auch in der Folge dominierte der Favorit und fuhr fast ausschließlich zu Klassensiegen. Dabei setzte er sich auch bei anspruchsvollen WM-Läufen wie der Rallye Monte Carlo, der RAC Rallye, der finnischen 1000-Seen-Rallye oder der Acropolis Rallye gegen die Konkurrenz durch. Besonders beeindruckend ist die Siegesserie des Duos Pavel Sibera/Petr Gross, die bei der Rallye Monte Carlo zwischen 1991 und 1994 viermal in Folge ihre Klasse gewannen.

Bild Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Das Duo Pavel Sibera/Petr Gross fuhr bei der Rallye Monte Carlo von 1991 bis 1994 zu vier Klassensiegen in Folge.
Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Das Duo Pavel Sibera/Petr Gross fuhr bei der Rallye Monte Carlo von 1991 bis 1994 zu vier Klassensiegen in Folge.
Copyright / Fotograf: Skoda-Media

Mit der Ausschreibung des Weltpokals für Fahrzeuge mit Saugmotoren, einem maximalen Hubraum von zwei Litern und einer angetriebenen Achse – ab 1995 Formel 2 genannt – traten 1993 im Rallye-Sport neue Regeln in Kraft. In der ersten Saison belegte das Škoda Motorsport Werksteam den zweiten Platz, bevor es im Folgejahr zahlreiche namhafte Konkurrenten hinter sich ließ und sich den Weltmeistertitel in der 2-Liter-Klasse sicherte.

Als Rallye-Fahrzeug der Klasse A ähnelte der Škoda Favorit dem Serienmodell auf den ersten Blick zwar sehr, es handelte sich allerdings um einen reinen Rennwagen. Die Steifigkeit der aus dünnerem Blech gefertigten Karosserie verbesserte ein zertifizierter Sicherheitsrahmen. Das Dach verfügte gegenüber der Serienausführung über eine mechanische Klappe, die für eine bessere Belüftung des Innenraums sorgte. Scheiben und Türverkleidungen stammten zwar aus dem Serienmodell, Polsterungen und Rückbank wurden allerdings entfernt und dank zahlreicher weiterer Maßnahmen gelang es, das Leergewicht auf 750 Kilogramm zu senken.

Die Schalttafel blieb unverändert, Anzeigen und Schalter wurden jedoch angepasst und so platziert, dass sie bei Bedarf auch vom Beifahrer bedient werden konnten. Ein Bremskraftverteiler, der sich entsprechend den aktuellen Streckenverhältnissen anpassen ließ, leitete den Bremsdruck an die Hinterräder. Ein Sportlenkrad vereinfachte die Handhabung des Favorit.

Bild Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Die Schalttafel blieb unverändert, Anzeigen und Schalter wurden jedoch angepasst und so platziert, dass sie bei Bedarf auch vom Beifahrer bedient werden konnten.
Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Die Schalttafel blieb unverändert, Anzeigen und Schalter wurden jedoch angepasst und so platziert, dass sie bei Bedarf auch vom Beifahrer bedient werden konnten.
Copyright / Fotograf: Skoda-Media

Der Motor verfügte über eine OHV-Ventilsteuerung, der Hubraum stieg gegenüber dem Serientriebwerk von 1.289,4 auf 1.299,6 Kubikzentimeter. Pleuel, Nocken und weitere Teile waren neu. Das Triebwerk leistete zunächst 76 kW bei 6.500 Umdrehungen pro Minute, später stieg die Leistung dank eines Pierburg-Doppelvergasers auf 88 kW bei 7.000 Umdrehungen. Für den Kraftschluss sorgte zunächst ein Fünfganggetriebe, das in der Folge von einem Sechsganggetriebe mit Geradverzahnung abgelöst wurde. Die Höchstgeschwindigkeit des Favorit lag – je nach Gesamtübersetzung – zwischen 150 und 210 km/h.

Die weiße Karosserie zierten ursprünglich rote und blaue Streifen, die später einem Schachbrettmuster in den gleichen Farben wichen. Dieses wurde 1993 von einem in grün gehaltenen Siegeszeichen "V" und einem roten Streifen abgelöst – dem heutigen Emblem der RS-Fahrzeuge.

Der für Rennzwecke modifizierte Škoda Favorit 136 L/A behauptete sich abseits der Rallye-Pisten auch auf Rundstrecken und bei Bergrennen. Technisch besonders interessant war der 1989 für Rundstrecken entwickelte Favorit 136 L/H. Der verbaute Vierzylindermotor 790.16 OHC war ein Prototyp mit einem auf 1.596 ccm vergrößerten Hubraum. Der Wagen verfügte über zwei Weber-Doppelvergaser und leistete 123 kW (167 PS) bei 6.500 U/min. Das Drehmoment von 176 Nm lag bei 5.500 U / min an. Das Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h und beschleunigte innerhalb von sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Motor erhielt später eine Direkteinspritzung und die Leistung stieg auf 129 kW (175 PS). Der erstarkte Škoda Favorit startete unter anderem beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, wo das Trio Kvaizar/Samohýl/Obermann einen Klassensieg einfuhr.

Auf der Rallye-Piste ersetzte den Škoda Favorit im Jahr 1995 zwar der modernere Škoda Felicia, allerdings stand der Favorit als ebenso leistungsfähiges wie erschwingliches Motorsportfahrzeug noch viele Jahre auf den Startlisten zahlreicher Rennen.

Bild Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Die weiße Karosserie zierten ursprünglich rote und blaue Streifen, die später einem Schachbrettmuster in den gleichen Farben wichen. Ab 1993 zierte das das grüne "V" den Renner.
Škoda Favorit 136 L/A (1989) – Die weiße Karosserie zierten ursprünglich rote und blaue Streifen, die später einem Schachbrettmuster in den gleichen Farben wichen. Ab 1993 zierte das das grüne "V" den Renner.
Copyright / Fotograf: Skoda-Media

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von ha******
14.09.2021 (20:41)
Antworten
... beim Blick ins sehr reduzierte und angepasste Cockpit stellt sich mir die ehrliche Frage, für welche Funktion man in einem Rallyeauto eine vergleichsweise überdimensionierte Blinkerschale im Blickfeld benötigt (unten links)?
Als früherer Besitzer des Favorit würde ich mal vermuten: Warnung vor Nässe im Verteiler. ;-) ?

Nebenbei sehe ich zwei vertraute Details: der oben durchhängende Instrumententräger und die (hier vermutlich gleich mal weggelassenen) fragilen Kappen der Fensterkurbeln... :-)

Aber es ist wie mit der ersten Freundin: das erste Auto vergisst man nie :-)
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