Die Automobilbranche steht vor einem eklatanten Widerspruch: Einerseits wird die Nachhaltigkeit in der Fahrzeugreparatur immer stärker propagiert – etwa durch den vor kurzem auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar verstärkt geforderten Einsatz von Gebrauchtteilen („Green Parts“) – andererseits machen es die Konstruktionsphilosophien der Hersteller zunehmend unmöglich, diese langfristig instand zu halten.
Ein Problem besteht bei den Steuergeräten: „Die Steuergeräte von heute erschweren, dass die damit bestückten Fahrzeuge jemals Oldtimer werden“, warnt Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes. „Was nützen uns Green Parts, wenn die Elektronik – das Herzstück jedes modernen Fahrzeugs – nach wenigen Jahren nicht mehr instandgesetzt werden kann?“
Dieses Phänomen hat verschiedene Ursachen. Komplexe Steuergeräte sind aus den Fahrzeugen von heute nicht wegzudenken. Auf die Fahrzeug-Elektronik entfallen 30 bis 50 % der Herstellungskosten. Ein defektes Steuergerät muss nicht zwangsläufig das Ende des gesamten Fahrzeugs bedeuten. Es gibt spezialisierte Unternehmen, die defekte Steuergeräte wieder instand setzen können.
Reparatur schwierig
Allerdings wird ihnen ihre Arbeit immer schwerer bis unmöglich gemacht. Um nur zwei Gründe zu nennen. Früher kamen in den Steuergeräten Bausteine aus der Consumer- Electronic zum Einsatz. Diese wurden milliardenfach hergestellt und waren deshalb als Ersatzteile leicht verfügbar. Seit der Jahrtausendwende lassen sich die Hersteller diese Teile extra für ihren Bedarf herstellen – in einer kleinen Stückzahl. Deshalb gibt es sie schon nach wenigen Jahren oft nicht mehr. Außerdem hat sich die Art der Herstellung geändert. „Es wird zunehmend auf eine Multilayer-Technologie bei Platinen gesetzt. Die bestehen aus bis zu 30 Schichten. Da lässt sich nichts mehr auseinandernehmen und reparieren. Ganz aktuell kommt auch verstärkt das sogenannte Overmolding zum Einsatz, d.h. Platinen werden mit einer Kunststoffmasse übergossen. Dass sich da nichts mehr instand setzen lässt, dürfte auch dem Laien klar sein“, so Jan-Nikolas Sontag.
Die Konsequenzen sind klar. Wenn die Herzstücke der modernen Fahrzeuge nicht mehr zu reparieren sind, werden Autos keine lange Lebensdauer haben. „Das widerspricht jedem Nachhaltigkeitsgedanken“, kritisiert Sontag. „Während wir über Gebrauchtteile diskutieren, bauen Hersteller Fahrzeuge, die von vornherein auf ein kurzes Leben ausgelegt sind. Damit dies nicht geschieht, sind neben den Herstellern auch die politischen Entscheidungsträger gefordert, um hier umzusteuern!“
Informationen zum Verband
Der Landesverband Schleswig-Holstein vertritt 17 Kfz-Innungen mit fast 1.200 Mitgliedsbetrieben, davon ca. 250 Tankstellen, und ca. 16.400 Mitarbeitern mit ca. 3.300 Auszubildende.
Neben der wichtigen Aufgabe der Verbraucherinformation ist der Landesverband erster Ansprechpartner seiner Mitglieder; egal ob es um die Unterstützung bei Betriebsgründungen, über Betriebsberatungen, Rechts- und Steuerfragen, Aus- und Weiterbildung oder regionale Öffentlichkeitsarbeit geht.
Die enge Zusammenarbeit mit Gesetzgeber, Behörden, Ministerien und anderen Organisationen bedeuten Infos und Hilfestellungen aus erster Hand. Nicht zuletzt verhandeln die Experten des Landesverbandes mit den jeweiligen Gewerkschaften die Tarifverträge für die Mitarbeiter/-innen in den Mitgliedsbetrieben.
Weitere Informationen gibt es auf de Website des Verbandes.

























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