Bereits kurz nach der Gründung des Vereins 1997 entstand beim Oldtimer & Motorrad Club Mering e.V. der Wunsch, die im Verein bestehenden technischen Unterlagen zu Sammeln. Mehr als 25 Jahre später ist daraus das „Digitale Archiv zum Informationserhalt des fahrzeughistorischen Kulturgutes“ erwachsen. Sollten zu Beginn nur die Unterlagen der fünf Gründungsmitglieder zusammengeführt wer- den, so ist das jetzige Ziel weitaus größer und um- fassender. Gerade der Anteil des knapp 30 Mitglieder zählenden Vereins, der beruflich in der Fahrzeugtechnik verwurzelt ist, hat über die Jahre Erfahrungen sammeln müssen, wie leichtfertig Informationen vernichtet werden.
Wissen tut not
Eines der einprägsamen Geschehnisse war dabei die die Entsorgung von Unterlagen bei einem Hersteller durch aufgestellte Gitterboxen, ohne die Prüfung ob diese Unterlagen an mindestens einer Stelle noch verfügbar gehalten werden. Aber nicht nur der Erhalt technischer Informationen liegt dem Verein am Herzen.
Auch wenn sich gut nachvollziehen lässt, wie schwer sich eine elektrische Fehlersuche gestaltet, wenn kein Stromlaufplan verfügbar ist. Gerade die Besitzer der Oldtimer bei denen zunehmend die Elektronik Einzug gehalten hat können wahrscheinlich ein Lied davon singen. Aber das auch das Fehlen von Informationen bei mechanischen Vorgehensweisen große Auswirkungen haben kann, war sozusagen einer der weiteren Schlüsselmomente zur Entstehung des Archivs.
Bereits 80’000 Seiten digitalisiert
Zusammen mit der nicht mehr vorhandenen Erfahrung im Vertragsbetrieb eines führenden Herstellers stiegen durch die nicht mehr verfügbaren Arbeitsanweisungen des Konzerns für den Kunden nicht nur die Kosten, sondern auch die Dauer des Werkstattaufenthaltes um das doppelte. Der Erhalt technischer Informationen, mag er auch noch so maßgeblich für die Pflege des fahrzeughistorischen Kulturgutes sein, ist allerdings nicht der einzige Bestandteil des Archivs. Die Sammlung aller Informationen rund um die historische Fahrzeugmobilität ist dabei das Ziel des Vereins.
Der Umfang dazu reicht von der klassischen Printanzeige, dem alten Verkaufsprospekt, in dem früher noch weitaus detailliertere technische Daten als heute enthalten waren, über Preis- und Ersatzteillisten bis zu Werbe- und Lehrfilmen oder auch Schulungsunterlagen.
Stand Mai 2024 hat der OMC Mering bereits über 550 Einträge mit mehr als 80’000 Seiten an Informationen im Archiv katalogisiert. Auch wenn einige der Informationen von den Dokumentspendern digital zur Verfügung gestellt werden konnten, so gilt es im Normalfall diese zu Digitalisieren. Dazu wird vom Verein auf Spendenbasis umfangreich in Digitalisierungshardware investiert.
Problem “Urheberrecht”
Leider steht der allgemeinverfügbaren Veröffentlichung im Sinne der Creative Commons Lizenzmodelle oft das klassische Urheberrecht im Wege. Aber nicht nur dieses Erschwert die Veröffentlichung der Archivinhalte für die Allgemeinheit. Gerade bei technischen Informationen ist oft die Haltung des Erstellers bei der ursprünglichen Herausgabe entweder „Nur für internen Gebrauch“ oder „Nur für Vertragswerkstätten“ hinderlich. Wobei dies nach Ansicht des Vereins hinfällig ist, da zum einen die vor 40 Jahren noch intern Gehüteten technischen Details längst in den Grundzügen bekannt oder technisch überholt sind. Und auch die Vertragswerkstätten, für die solche Unterlagen bestimmt waren befassen sich in keinster Weise mehr mit den Modellen auf die sich die Informationen beziehen, argumentiert der Verein. Glücklicher- weise hat sich mit dem BMW Group Archiv für den OMC Mering inzwischen mindestens ein Partner gefunden, mit dem eine Kommunikation auf Augenhöhe erfolgt und Veröffentlichungen im Normalfall unkompliziert ermöglicht. Auch Gerd Tafel, von Tafel Tuning Der OMC Mering hofft darauf, dass dies als Vorbildfunktion auf andere „abfärbt“.
Alles bewahren
Der kleine Verein baut für ein erfolgreiches Archiv auf sozusagen drei Unterstützungslinien. An erster Stelle steht dabei die Stellung von archivierbaren Unterlagen. Die Art der Informationen und das Medium ist dabei nicht ausschlaggebend. Lapidar gesagt ist der Standpunkt des Vereins: „Wir nehmen alles. Ob Automobil, Zweirad oder Nutzfahrzeug, jede fahrzeugspezifische Information egal welcher Art oder welches Baujahres ist in unserem Archiv willkommen.“ Sollte es sich dabei um noch nicht digitalisiertes Material handeln versteht es sich als Leihgabe zur Digitalisierung und Aufnahme ins Archiv.
Die Finanzmittel für Hardware und Speicherung, sowohl auf dem Archivserver als auch in der Webcloud, sind das zweite Anliegen des Vereins. Die laufenden Kosten für die externe Speicherung ebenso wie den Stromverbrauch für den hauseigenen Archivserver sowie notwendige Dienste und technische Erweiterungen versucht der Verein über Spenden zu finanzieren.
Die dritte und ungleich wichtigste Unterstützung ist der juristische Rückhalt im Be- reich Lizenz- und Urheberrecht. Hier sucht der Verein noch eine Kanzlei oder einen Ansprechpartner sozusagen als „Rückhalt“ bei lizenzrechtlichen Anfragen an die Herausgeber. Die Grundauslegung könnte aus Sicht des Vereins dabei folgende sein: „Irgendwo auf der Welt existiert dieses Dokument ohnehin bereits im Web, dann lasst es (uns) doch ganz offiziell machen.“ Das sich hier auch individuelle Vereinbarungen und Hinweise finden lassen zeigt die Kooperation mit dem BMW Group Archiv.
Anerkennung
Am 03.05.2024 konnte der Verein bereits die erste Urkunde als Anerkennung um den Informationserhalt des fahrzeughistorischen Kulturgutes an Michael Stegherr aus Friedberg übergeben.
Michael Stegherr, Organistator des Stammtisches der Oldtimer & Youngtimer Freunde Friedberg, stellte dem Archiv über 300 Dokumente zur Verfügung. Teilweise handelte es sich um Unterlagen von Fahrzeugherstellern aber ganz besonders freute sich der Verein über die vielen Lehrmittel in Form von Overheadfolien und Unterrichtsdokumenten. Der Berufschullehrer erhielt die Urkunde aus den Händen des Meringer Bürgermeisters Florian Mayer und des OMC Präsidenten Lothar Haupt. Der Verein hofft noch viele weitere solcher Ehrungen vornehmen zu dürfen und kann sich vorstellen die Form der Anerkennung mit der Menge der Dokumente zu erweitern.
Das Archiv ist direkt online erreichbar. Der Verein freut sich über jede Kontaktaufnahme.

























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