Im Schweizer Verkehrshaus in Luzern wird zurzeit ein frisch restaurierter Rolls-Royce Phantom II von 1931 ausgestellt. Die Idee zu diesem aussergewöhnlichen Renovationsprojekt kam Patrick Müller beim 20. Jubiläum des BCCM (Britisch Classic Car Meeting) in St. Moritz 2012. Vier befreundete Pärchen nahmen mit vier Autos an diesem Anlass teil. Allerdings fielen noch vor dem Start zwei der Wagen aus, so dass die Rallye mit den zwei verbliebenen Autos und jeweils vier Passagieren absolviert werden musste. Beim abendlichen Galadinner war man sich einig, dass die Fahrt zwar beengt, aber umso lustiger gewesen war. So entstand die Idee, ein achtsitziges englisches Automobil zu suchen.
Am nächsten Tag machte sich Müller auf die Suche nach einem englischen Oldtimer für acht Personen. Kurze Zeit später stiess er in einem amerikanischen Zeitungsartikel auf einen Rolls-Royce-Bus, der einst als Hotelbus für den Schweizerhof unterwegs gewesen war. Die weitere Suche dauerte 6 Jahre, bis er den Wagen in der Nähe von Melbourne auf einer Hühnerfarm fand. Weitere sechs Jahre dauerten die Verhandlungen mit dem Besitzer, um den Wagen zu kaufen und in die Schweiz zurückzubringen. Die unglaubliche Odyssee des Wagens hat Patrick Müller in einem 384-seitigen Buch festgehalten, das man HIER KAUFEN kann.
In Erstbesitz (1933–1950)
Der Rolls-Royce ist 1931 als Sedan de Ville in Bern erstmals eingelöst worden. Barker verkaufte den Wagen 1933 an Hermann Wilhelm Rüegg, Inhaber der Rüegg W. & Cie. Die Firma Rüegg war bereits seit 1884 in der 3. Generation im Papierwarengeschäft tätig. Eine beliebte Adresse der Familie Rüegg war das Hotel Schweizerhof in Interlaken. Dort stiegen sie jedes Jahr mindestens einmal als Gäste ab. 1950 verkaufte der Grossvater das Auto an Theodor Wirth, den Hotelbesitzer.
Hotelbus im Schweizerhof (1953–1975)
Theodor Wirth hatte 1947 zusammen mit seiner Frau Frieda Wirth-Uetz das Hotel Schweizerhof in vierter Generation übernommen. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Gäste mit einem Fiat-Bus vom Bahnhof zum Hotel chauffiert. Dieser hatte seine Lebensdauer langsam erreicht und war für ein so schickes Hotel nicht mehr angemessen. Somit kam das Angebot der langjährigen Gäste Rüegg aus Bern, ihren Rolls-Royce Phantom II, Sedan de Ville zu verkaufen, gerade recht.
Natürlich musste der Wagen noch für die Bedürfnisse des Hotels umgebaut werden. Man entschloss sich, bei der in der Nähe ansässigen Firma Gebrüder Beutler & Co. vorstellig zu werden. Im Auftrag von Theodor Wirth wurde ein «nostalgischer» Aufbau im Stil 1900-1910 angefertigt, der dem Bus das heutige Aussehen gab.
Concours in den USA (1980–2008)
1975 wurde der Rolls-Royce nach dem verheerenden Hotelbrand wegen fehlender Einsatzmöglichkeiten und eines Motorenschadens nach Deutschland verkauft. Innert weniger Jahre wechselte das Auto mehrfach den Besitzer und landete bei einem Bekannten Sammler und Spezialisten in der Nähe von Los Angeles. Gary Kean (letzter Besitzer in Australien) erinnert sich: «Jim Toole war als Experte für alte Rolls-Royce bekannt. Er hatte eine grosse Sammlung von Vorkriegsfahrzeugen, von denen einige im Peterson Museum in Los Angeles ausgestellt sind. Er war auch Richter bei vielen Concours-Veranstaltungen. Da er gesundheitliche Probleme mit einem Bein hatte, benutzte er den Bus gerne, um an Veranstaltungen zu fahren. So konnte er sich tagsüber im Bus ausruhen. Oft hat der Bus grösseres Interesse als alle Concoursfahrzeuge bekommen.»
Hühnerfarm in Australien (2011–2022)
Zuletzt fungierte die Edelkarosse als stilvoller Eierwagen auf einer Farm in Australien. 2023 wurde das 90-jährige Auto nach seiner kleinen Weltreise zurück in die Schweiz überführt.
In neuem Glanz (seit 2025)
Nun endlich ist auch die aufwendige Restaurierung abgeschlossen. Das Fahrzeug wurde, der Idee entsprechend, in den letzten zwei Jahren komplett renoviert und möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. Fehlende Teile wurden ergänzt und das Interieur im Fahrgastteil für längere Reisen optimiert. Da der Bus nur genutzt wurde, um Gäste die kurze Strecke vom Bahnhof Interlaken bis zum Hotel Schweizerhof zu bringen, waren die seitlichen Sitzbänke für insgesamt 12 Personen zwar für den damaligen Gebrauch optimal, aber für die zukünftige Nutzung nicht geeignet. Die Sitzreihen wurden für mehr seitlichen Halt auf sechs Einzelsitze reduziert.
Dem Einsatz als «Rallyefahrzeug» für «Plausch»-Rallyes oder Ausfahrten und Reisen mit Freunden steht nichts mehr im Wege. Ausserdem ist eine Nutzung für Gästefahrten geplant. Die Geschichte dieses einzigartigen Fahrzeugs geht somit nicht zu Ende, sondern wird noch viele Jahrzehnte andauern. Bereits in wenigen Jahren steht das 100. Jubiläum des Rolls-Royce an. Wer weiss, wohin die Reise geht…
Das Buch zum Bus – hier erhältlich
Bei einem solchen Projekt war schnell klar, dass diese einzigartige Geschichte in einem schönen Buch erzählt werden muss. Das Buch «In 90 Jahren um die Welt» erzählt die Reise dieses Rolls-Royce Phantom II, der sein Leben als Chauffeurlimousine in Bern begann, zum Hotelbus umgebaut wurde und über Deutschland und die USA schliesslich als Lieferwagen auf einer Eierfarm in Australien landete, bevor er 2023 wieder in die Schweiz zurückkehrte. Die bewegte Geschichte der Besitzer und ihrer Familien zeigt, dass ein Rolls-Royce nie ein gewöhnliches Auto war. Emotional erzählen die Nachfahren von ihren Erinnerungen und Erlebnissen.
Für CHF 248,– erhält man eine aussergewöhnliche Sonderausstattung mit Ausklappseiten, Samt und Goldprägung. Das Buch ist im November 2025 erschienen, man kann es HIER BESTELLEN. Besonderer Vorteil für Zwischengas-Leser: Sie erhalten das neue Jahresmagazin 2026 gratis dazu!





































































































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