Kaum eine Marke steht heute so sehr für Modellbau wie Revell. Zum 75jährigen Jubiläum bringt Revell fünf Sondermodelle heraus. Im Mittelpunkt steht das Porsche 356 Coupé, das seinen Siegeszug wie der Plastikmodellbau in den Fünfzigerjahren antrat, als einsteigerfreundliches Click-System-Modell.
Für erfahrene Modellbauer und Sammler erscheinen vier weitere Klassiker als Limited Edition in Retro-Verpackung und mit den Werkzeugen des Ursprungsjahres: der M4 Sherman von 1955, die Fokker Dr.1 von 1957, die Great Eastern von 1963 und der MGB Roadster von 1964.
Gegründet 1951 in Kalifornien
Den Grundstein legte Lewis H. Glaser, der 1941 unter dem Namen Precision Specialties mit der Herstellung von Kunststoffprodukten begann. Zunächst produzierte das Unternehmen vor allem Alltagsgegenstände und Spielzeug aus Kunststoff und wurde später in Revell umbenannt.
Der entscheidende Wendepunkt folgte Anfang der 1950er-Jahre. Auf der New York Toy Fair stießen Revells Kunststoffspielzeuge auf großes Interesse bei Modellbau-Hobbyisten. Sie überzeugten Glaser davon, die Modelle nicht länger ausschließlich fertig montiert anzubieten, sondern als Bausätze zum Selberbauen.
Wenn Modell, dann Revell
Glaser begegnete der Idee zunächst mit Skepsis. Erst mehrere Gespräche mit Modellbauern und die Unterstützung des Kaufhausunternehmens Woolworth, das das Potenzial der Neuheit erkannte und die ersten Bausätze in sein Sortiment aufnahm, gaben den Ausschlag.
Der Schritt erwies sich als wegweisend: Die Kunststoffbausätze waren einfach genug, um auch von Kindern gebaut zu werden, boten zugleich aber einen Detailgrad, der erwachsene Hobbyisten begeisterte. Damit war die Grundlage für den modernen Plastikmodellbau geschaffen und Revell wurde fast zu einem Gattungsbegriff. Dazu passte der Werbespruch „Wenn Modell, dann Revell“.
Flugzeuge und Fahrzeuge sind gefragt
1953 präsentierte Revell mit der USS Missouri seinen ersten vollständig selbst entwickelten und produzierten Modellbausatz. Das Modell des berühmten US-Schlachtschiffs im Maßstab 1:535 wurde zum Klassiker und ist bis heute ein begehrtes Sammlerstück. Die beiden umfangreichsten Modellwelten bei Revell sind Flugzeuge und Fahrzeuge.
Das Spektrum reicht bei den Flugzeugen von historischen Doppeldeckern und legendären Jagdflugzeugen wie der Spitfire oder Bf 109 bis zu modernen Jets und Verkehrsflugzeugen. Bei den Fahrzeugen reicht die Auswahl von klassischen Automobilen und Sportwagen über Motorräder und Trucks bis zu Militärfahrzeugen.
Dauerbrenner VW Bulli T1
Viele Modelle aus sieben Jahrzehnten sind heute Klassiker. Die Titanic ist mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren der meistverkaufte Plastikbausatz der Firmengeschichte, der 1990 lancierte Trabant der erfolgreichste Autobausatz.
Zu den Dauerbrennern zählen auch der VW T1 Bulli, die Spitfire, die Messerschmitt Bf 109, der Leopard und der Millennium Falcon aus Star Wars. Seit 1995 verkauft Revell weltweit mehr als fünf Millionen Bausätze pro Jahr.
Fun Fact: Das meistverkaufte Produkt aus dem aktuellen Sortiment ist es kein Modellbausatz, sondern der Contacta Professional. Der Klebstoff mit seiner nadelfeinen Kanüle gehört zu den Klassikern im Revell-Sortiment und ermöglicht präzises Kleben selbst kleinster Bauteile.
Vom Streifenhörnchen bis zum U-Boot
Auch beim Massstab kennt Revell kaum Grenzen. Die Bismarck in 1:350 gehört mit 659 Teilen zu den aufwendigsten Bausätzen, aus dem im original rund 251 Meter langen Schlachtschiff wird ein etwa 72 Zentimeter langes Modell.
Noch grösser ist das U-Boot der Gato-Klasse in 1:72 mit stattlichen 1,32 Metern. Am anderen Ende steht der Massstab 1:144, in dem selbst ein Airbus A380 mit fast 73 Metern Spannweite auf vitrinenfreundliche 51 Zentimeter schrumpft.
Ein U-Boot, das den US-Kongress beschäftigte, die Beatles als Plastikfiguren, ein Tarnkappenjäger, den es offiziell noch gar nicht gab: 75 Jahre Revell liefern reichlich Stoff für ungewöhnliche Geschichten. Schon 1957 erschien mit "Perri the Squirrel", einem Streifenhörnchen aus einem Disney-Film, der erste offizielle Lizenzbausatz.
1965 folgten die Beatles John, Paul, George und Ringo als Figuren im Massstab 1:8. Wegen hoher Lizenzkosten wurden sie nur ein Jahr produziert und sind heute begehrte Sammlerstücke, die als Vierergruppe bis zu 3500 Dollar wert sind.
Modelle als Geheimnisträger
1960 wurde es politisch: Ein detaillierter Bausatz des Polaris-Atom-U-Boots landete in einer Kongressanhörung. Admiral Hyman G. Rickover wollte wissen, wie Informationen über eines der modernsten U-Boote der US Navy als Spielzeug erhältlich sein konnten. Ob der Bausatz tatsächlich Geheimnisse verriet, ist bis heute nicht belegt.
1983 erschien der F-19 Stealth Fighter als Modell, obwohl das reale Flugzeug offiziell nicht existierte. Die Vorlage beruhte auf öffentlich zugänglichen Spekulationen, trotzdem wollte sogar die CIA wissen, woher Revell seine Informationen hatte.
Bauen, entdecken, freuen
Heute ist das Sortiment so vielfältig wie die Geschichte. Das Click System mit vorgefärbten und bedruckten Teilen richtet sich an Einsteiger und Gelegenheitsbastler. Die Tiny Adventures Book Nooks, die Flowers aus Holz und das Brick System aus Klemmbausteinen sprechen die wachsende Gruppe der "Kidults" an und erschliessen neue Zielgruppen, darunter vermehrt auch weibliche Bastelfans.
Was mit "Perri the Squirrel" und den Beatles begann, umfasst heute Lizenzen aus vielen Bereichen der Popkultur, von der Formel 1 über Fast & Furious und Stranger Things bis zu Klassikern wie Star Wars, Top Gun, Harry Potter und Disney.
Auch nach 75 Jahren ist die ursprüngliche Idee von Lewis H. Glaser aktuell: Menschen bauen etwas selbst, entdecken Technik, Geschichte und Popkultur im Kleinen und setzen aus vielen Einzelteilen ihr eigenes Modell zusammen.

































































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