Heute vor genau 50 Jahren gewann Walter Röhrl seinen ersten grossen Titel: Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Jochen Berger gewann er am 13. Oktober 1974 im Opel Ascona die Rallye-Europameisterschaft – mit der maximal erreichbaren Punktzahl von 120 Zählern.
Vom Nachwuchstalent zum Rallye-Ass
Sein Durchbruch, der ihn vom "Niemand" (wie er selbst einmal sagte) zum Überraschungskandidaten im Rallye-Zirkus macht, gelang Röhrl 1972, als er die Polen-Rallye, die Rallye Baltic und die Olympia-Rallye dominiert. Ab 1973 fährt der damals 26-Jährige dann für Opel. An seiner Seite sitzt Jochen Berger, der ihm fortan das so genannte "Gebetbuch", die Streckenanweisungen für den Fahrer, liest und damit maßgeblichen Anteil an den kommenden Erfolgen haben soll. Schon damals ist sich der Co-Pilot der fahrerischen Qualitäten Röhrls sicher: "Mit Walter durch eine Sonderprüfung zu fahren, ist ungefährlicher als in der Stadt über die Straße zu gehen."
Er soll Recht behalten: Bereits im gleichen Jahr werden die Beiden mit nur wenigen Starts und nahezu gleich vielen Gesamtsiegen auf einem Opel Ascona Vize-Europameister – kein Achtungserfolg, sondern eine Ansage! Für Röhrl sind das beste Voraussetzungen für die kommende Saison mit dem gerade erst frisch gegründeten Opel-Eurohändler-Team.
EM-Titel 1974 im Opel Ascona
Und so begeben sich Walter Röhrl und Jochen Berger 1974 mit großen Ambitionen auf die Punktejagd. Ihr Auto ist wieder ein Werks-Ascona, der mit einem auf zwei Liter vergrösserten Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und Querstrom-Zylinderkopf ausgerüstet ist. Damit leistet der Gruppe-2-Wagen zwischen 192 und 212 PS. Spezialfedern und Spezialstoßdämpfer sowie innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und belüftete Trommelbremsen hinten passen das Fahrwerk an die harten Wettkampfbedingungen an. In seiner Biografie "Aufschrieb" erinnert sich Röhrl: "Der Motor war gut fahrbar. Leistung kam ab zirka 2000 und stand bis 7600 an. Aber ich habe es mir verkniffen, so hoch zu drehen. Bei 7000 lag meine moralische Grenze. Meistens."
Bis zum ersten großen Saisonerfolg müssen Röhrl/Berger sich jedoch etwas gedulden. Bei der 8. Internationalen Firestone-Rally – dem 5. Lauf zur Rallye-EM Ende März 1974 – ist es schließlich soweit. Als Top-Mannschaft des Opel-Eurohändler-Teams erringen die Beiden nach 1517 Kilometern und 19 Sonderprüfungen in den nordspanischen Bergen einen überlegenen Start-Ziel-Sieg. Von da an geht es Schlag auf Schlag: Nur vier Wochen später setzen sich Röhrl/Berger bei der Tulpen-Rallye in den Niederlanden vom Start weg an die Spitze. Nach 1250 Kilometern und 38 gewerteten Sonderprüfungen fahren sie so in ihrem Ascona den nächsten souveränen Gesamtsieg ein.
Für einen Schreckmoment sorgen die örtlichen Behörden: Sie verdächtigen Röhrl, dass er das zulässige Tempolimit deutlich überschritten habe. Dies stellt sich jedoch glücklicherweise als Irrtum heraus. Die Ordnungshüter haben nicht das deutsche Duo mit der Startnummer 1, sondern das polnische Team mit der Nummer 7 "geblitzt".
Weitere Siege folgen mit der Hessen-Rallye, der Moldau-Rallye sowie der Donau-Rallye in Rumänien. Die Opel-Piloten führen deutlich die Gesamtwertung an, als vom 11. bis zum 13. Oktober ´die 13. Rallye Internazionale di Lugano ansteht. Bereits hier können sich Röhrl/Berger den EM-Titel vorzeitig sichern. Vom Start weg nehmen sie wieder die Spitzenposition unter den 52 Wettbewerbern ein.
Die 28 harten Sonderprüfungen im Gebirge zwischen Lugano und dem Lago Maggiore fordern ihren Tribut: Nur 18 Teams überqueren am 13. Oktober die Ziellinie. An der Spitze: der Opel Ascona mit Walter Röhrl und Jochen Berger. Nach 1000 Kilometern liegen sie mit über zehn Minuten Vorsprung vor dem zweitplatzierten Team. Mit dem sechsten Gesamtsieg und 120 Punkten – der bis dato unerreichten Maximalpunktzahl überhaupt – holen sie überlegen die Rallye-Europameisterschaft 1974 und werden vor noch drei ausstehenden Wertungsläufen Europameister der Fahrer.
Rallye-Karriere von Röhrl und Opel
Doch Walter Röhrl hat nach diesem Erfolg noch größere Ambitionen. "Mit dem EM-Titel hatte ich erreicht, was ich wollte. Aber ein Traum ließ mir keine Ruhe: Einmal im Leben die Rallye Monte-Carlo gewinnen."
1975 erringt Röhrl den ersten Sieg in einem Rallye-Weltmeisterschaftslauf für sich und Opel, doch 1977 trennen sich zunächst die Wege des Ausnahmefahrers und der Marke mit dem Blitz. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass der größte gemeinsame sportliche Triumph noch bevorsteht.
1982 kehrt Röhrl zu Opel zurück. Während Jochen Berger nun Teammanager der Motorsport-Abteilung ist, tragen zum Gelingen der "Mission Monte-Carlo" auch sein neuer Beifahrer Christian Geistdörfer und der 260 PS starke Opel Ascona 400 entscheidend bei. Mit ihm gewinnt Röhrl zum zweitenmal die Rallye Monte-Carlo, und zum erstenmal auf einem Opel. Ein Auftakt nach Maß für die Rallye-Saison, die schließlich in den Titelgewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft 1982 mündet – der letzten auf einem Auto mit Hinterradantrieb.




































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