Anfang April 1896 steht in der Allgäuer Zeitung nur ein kleiner Eintrag, kaum ein paar Zentimeter hoch: „Johann Baptist Abt übernimmt das Huf- und Wagenschmiedegeschäft an der Burgstraße in Kempten“ heißt es dort. Erst zwei Jahre später fährt in Kempten das erste Automobil. Wie viele Schmiede und Wagner ihrer Zeit integriert Johann Abt der Ältere das Autogeschäft in seinen Betrieb: Bereits 1920 folgt eine Partnerschaft mit Horch und Wanderer, die sich in den 1930er-Jahren mit der Auto Union fortsetzt.
Johann – Josef – Johann
Seine beiden Söhne Josef und Hans studieren Maschinenbau und Kraftfahrzeugtechnik, Josef übernimmt das Geschäft 1933 von seinem verstorbenen Vater. Als er aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückkehrt, übernehmen Josefs Frau Rosina Abt und Schwager Hans die Firma. Hoffnungsträger wird der Sohn von Rosina und Josef, Johann der Jüngere (1935-2003). Er liebt Autos und Motorräder und tritt mit einer Sondergenehmigung der Militärbehörden schon mit 14 Jahren zu seinem allerersten Autorennen an – in einem mühsam geflickten DKW Meisterklasse schafft es auf Anhieb aufs Podest.
Jüngster deutscher Weltmeister
Im DKW-Werksteam wird er 1955 im Alter von nur 19 Jahren jüngster deutscher Weltmeister im Motorrad-Geländesport, geht 1959 in den Automobil-Rennsport und kehrt 1962 mit dem Kfz-Meisterbrief in der Tasche wieder zurück zu AUTO-Abt nach Kempten. „Wir wollen genauso einen Wagen wie Johann Abt.“ Dieser Ruf der Kundschaft wird umso lauter, je mehr er auf der Rundstrecke und bei Bergrennen gewinnt.
Verbessern, aber ganzheitlich
Abt macht daraus ein Geschäftsmodell: Leistungssteigerung und Fahrzeugveredelung. Das perfekte Aushängeschild für seine neue Firma Abt Tuning mit dem bis heute gültigen Claim „Von der Rennstrecke auf die Straße“. Abt Tuning wird zum zweiten Geschäftszweig und Abt zur eigenen Marke. Beim „Verbessern“ der Fahrzeuge denkt Johann - wie im Motorsport – ganzheitlich. Leistet der Motor mehr, muss auch das Fahrwerk mithalten können.
300 Rennsiege
1975 hängt Johann Abt seinen Fahrerhelm nach mehr als 300 Rennsiegen und zahlreichen Titeln, darunter die Tourenwagen-Europameisterschaft 1970, an den Nagel und intensiviert die Zusammenarbeit mit Volkswagen. Das 1967 gegründete Unternehmen Abt Tuning veredelt neben Audi-Modellen wie Audi 80 und Audi 50 auch VW-Modelle wie Golf, Polo, Scirocco und Passat. Mit dem ersten Abt Golf GTI gelingt ihm ein Tuning-Volltreffer und mit dem frühen Wechsel zum innovativen Chip-Tuning legt er die Basis für die spätere Vorreiterrolle von Abt bei intelligenten Leistungssteigerungen.
Abt Sportsline
Über Abt Motorsport, die nächste Firmentochter, liefert Johann Abt Audi ab Ende der 1970er-Jahre sein breites Allrad-Know-how für das erste Motorsport-Werksprojekt der Marke. 1991 folgt der Doppelschlag auf Piste und Straße: Er strukturiert das seit seinem Racing-Rücktritt stillgelegte hauseigene Rennteam neu und überträgt den internationalen Ausbau des Tuning-Geschäfts zum weltweit führenden Veredler für Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern der neu gegründeten ABT Sportsline GmbH.
Vierte Generation
Seine Söhne Hans-Jürgen und Christian führen Abt Sportsline zunächst gemeinsam, seit 2011 ist Hans-Jürgen Abt in vierter Generation alleiniger Chef der Gruppe. „Mein Vater war ein großartiger Pionier – im Motorsport wie im Tuning. Ich bin stolz, dass seine Power und Neugier unser Unternehmen und die Marke weiterhin vorantreiben“, sagt Hans-Jürgen Abt.
Drei Jubiläumsmodelle
Neben der klassischen Veredelung für Audi, Volkswagen, SEAT, CUPRA, Lamborghini und Škoda bietet die Sparte Abt Performance Cars eine neue Dimension der Individualisierung. Sie umfasst exklusive, streng limitierte Sondermodelle wie zum 130jährigen Firmenjubiläum in diesem Jahr. Nach dem Abt RS6 Legacy Edition 800 folgen jetzt 30 Exemplare des 630 PS starken RS3 630 auf Basis des RS3 Competition Limited. Zum Basispreis von rund 110‘000 Euro kommen 58.000 Euro für das Abt-Leistungspaket hinzu. Das dritte Jubi-Modell folgt im Laufe des Jahres.



























































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