Techno Classica Essen 2014 - Leistungs-Demonstration und Bombenstimmung

Erstellt am 31. März 2014
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Wer vor der Techno Classica in Essen noch nicht überzeugt war, dass sich die Messe zu Recht als Internationalste Oldtimer-Messe bescheibt, der konnte zwischen dem 26. und 30. März 2014 schnell eines Besseren gelernt werden.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Blick in die Halle 6
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf wenigen Quadratmetern konnte man drei oder vier Sprachen hören, die Aussteller kamen aus der ganzen Welt. Und die Techno Classica bot 27 Automarken die Bühne für historische Leistungsdemonstrationen von teilweise bisher noch nie gesehenem Ausmass. Dank umfangreichen Angebot und regem Kaufinteresse kam auch  einiges an Umsatz zusammen, was im weiteren Sinne des Wortes zu einer Bombenstimmung führte.

Dass am Mittwoch und Donnerstag in Deutschland gestreikt und am Donnerstag in Essen zudem tatsächlich eine Bombe aus dem ersten Weltkrieg gefunden und erfolgreich entschärft wurde, beeinträchtigte die Messe nur am Rande. Das Besucherinteresse jedenfalls war ungedämpft, die Rekordzahlen vom Vorjahr wurden mit 190'000 Besuchern zumindest egalisiert. 

120 Jahre Motorsport auf drei Ebenen

Mercedes Benz stellte für einmal alles andere in den Schatten. Eine derartig umfangreiche Sammlung historischer Rennwagen des Stuttgarter Herstellers hatte man bisher noch nie an einer Messe oder sonstigen Oldtimer-Veranstaltung sehen können.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Mercedes Benz Rennwagen von 1914 bis 2008
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf drei Ebenen wurden die Fahrzeuge präsentiert, mittels Treppen und Überführungen wurden die Zuschauer an den Rennwagen vorbeigeführt. 36 Monoposti, Sport- und Tourenwagen aus 120 Jahren Renngeschichte wurden in grellem Scheinwerferlicht gezeigt, die Strassenfahrzeuge mussten für einmal in den Hintergrund treten.

Jubliäum-Coupés und Cabriolets bei Ford

Einen wahren Jubiläumsreigen gab es auf dem Ford-Stand, der wie immer in Zusammenarbeit des Werks mit den Clubs organisiert worden war, zu feiern. 75 Jahre Ford Taunus, 50 Jahre Ford Mustang (T5), 50 Jahre Ford Taunus P5, 40 Jahre Ford Capri II und 30 Jahre Ford Escort Cabrio.


Ford Taunus 20 M TS Hardtop Coupé (1965) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

So standen denn auch viele Coupés und Cabriolets auf dem Stand der Kölner, darunter auch Raritäten wie ein Ford Eifel Gläser Roadster, ein Ford 20 M Deutsch-Cabriolet und mehrere originale Ford T5, wie der Mustang in Deutschland ja bis 1979 heissen musste.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
BMW 850 CSi (1993)
BMW 2002 Ti Gruppe 2 (1971)
BMW 535i (1988)
BMW 2002 Tii (1971)
+41 31 566 13 70
Münsingen, Schweiz

50 Jahre Opel KAD

1964 präsentierte Opel mit dem Kapitän, Admiral und Kapitän eine komplett neue Baureihe, “KAD” genannt. Erstmals gab es eine Achtzylinder (aus amerikanischem Hause) in einem Opel. Die schnörkellos gezeichnete Opel-Oberklasse (A) kam im Markt gut an und wurde 1969 durch deinen noch glattfächigeren Nachfolger (B) mit aufwändiger Hinterachse nach dem De Dion Prinzip ersetzt. Insgesamt wurden von 1964 bis 1977 rund 150’000 KAD-Fahrzeuge gebaut, bevor die Baureihe dann durch den moderneren Senator beerbt wurde.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - KAD A-Serie - Opel Kapitän, Adrimal und Diplomat
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit einer kompletten Auswahl an elf A- und B-KAD-Fahrzeugen wurde das ganze Spektrum der Baureihe gezeigt und es kamen auch besondere Exemplare zum Zug, wie ein Polizeifahrzeug, das in der Schweiz seinen Dienst tat oder der Wagen, den man dem amerikanischen Präsidenten Gerald Ford (!) bei seinem Staatsbesuch in Deutschland zur Verfügung stellte.

Wende in der Modellgeschichte bei Volkswagen


VW Käfer Cabriolet (1960) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

VW nutzte den 40. Geburtstag des VW Golf, um jeweils Fahrzeuge mit Luft- und Wasserkühlung einander gegenüberzustellen, also etwa den Käfer mit dem Polo zu zeigen, dem VW 1600 Variant den Passat Kombi. dem Karmann-Ghia den VW Scirocco oder dem Käfer Cabriolet den offenen Golf gegenüberzustellen. Sogar zwei konzeptionell unterschiedlich aufgestellte Monoposti wurden gezeigt.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Kraftkäfer auf dem VW-Stand
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Käferfreunde konnten mit den Power-Käfern, angefangen beim Film-Käfer Herbie bis zum New Beetle RSI, begeistert werden. Und auch beim VW Bus gab es Jubiläen zu feiern, 65 Jahre beim T1, 35 Jahre beim T3.

Bei Audi wurden 100 Jahre Rennsport gefeiert, angefangen mit dem Typ Alpensieger von 1919, über den Auto Union Typ A bis zum Imsa-Quattro von 1989. Ebenfalls sehenswert war der neu aufgebaute Wanderer Stromlinienwagen aus dem Jahr 1938.


Lamborghini 350 GT (1964) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Lamborghini feierte den 40. Geburstag des 350 GT und konrastierte das rote Ausstellungsmodell mit einem gelben Jalpa der Achtzigerjahre.

40 Jahre Turbo bei Porsche


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Porsche-Turbo-Automobile - einmal 917/30 und einmal 930
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Turbolader wurde bei Porsche zuerst im Rennsport eingesetzt, bevor er den Kunden im Heck der luftgekühlten Sportwagen ab 1974 ebenfalls angeboten wurde. Mit dem Porsche 917/30 bauten die Zuffenhauser im Jahr 1973 den damals schnellsten Rennsportwagen überhaupt und dominierten die CanAm-Serie.

Motorsport-Ehren bei BMW

Auch der Münchner Hersteller BMW erinnerte mit seiner Markenpräsenz in Essen an seine Motorsportvergangenheit. Unvergessliche Fahrzeuge wie der BMW 3.0 CSL, der M3 E30, der 1800 TiSA oder das 328 Touring Coupé liessen den Besucher durch die lange Renngeschichte der BMW Autos und Motorräder wandern.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Sportliche Tourenwagen beim BMW
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ergänzt wurde die Schau durch Strassen-Oldtimer und Youngtimer, durch BMW Isetta und 600 und das Glas Goggomobil T250.

Teil der BMW-Präsentation war auch der Mini-Stand, der an die Entwicklung des Ur-Minis erinnerte und diese aufgereiht in vielen Farben zeigte. Besonders hervorgehoben wurde dabei auch der Sieger der Rallye Monte Carlo von 1964.

119 Jahre Fahrzeugbau bei Skoda

Meilensteine der bis ins Jahr 1895 zurückreichenden Geschichte waren das Thema des Skoda-Standes, der Fahrzeuge der Vorgängermarken Laurin & Klement der Vorkriegszeit und Skoda-Personenwagen ab den Dreissigerjahren bis in die Achtzigerjahre zeigte. Interessante Modelle und Farbtupfer machten gerade diese Präsentation zu einem Highlight der Techno Classica.


Skoda 420 Popular (1934) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei der VW-Konzern-Tochter Seat wurde der 30. Geburtstag des Modells Ibiza, das als erstes eigenständig und unabhängig von Fiat konstruiertes Modell gilt, zelebriert. Mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren wurde der Ibiza zum erfolgreichsten Seat-Modell aller Zeiten.

Jaguar mit Rennsportlegenden

Bereits in der Pressekonferenz zu Beginn der Techno Classica bekräftige Jaguar seinen Einsatz für die Besitzer älterer und jüngerer Modelle der Marke aus Coventry. Auf dem Stand wurden Sport- und Tourenwagen aus der reichhaltigen Renngeschichte gezeigt, darunter der Jubilar Jaguar D-Type, aber auch ein XJ-S Tourenwagen und der XJR-9 aus dem Jahr 1988.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Sport- und Rennwagen verschiedener Epochen auf dem Jaguar Heritage Stand
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Während auf dem Stand von Alfa Romeo vor allem ein herrlicher P2 bewundert werden konnte, gab es bei Citroën einen orangen Méhari und natürlich die Ente zu sehen, bei Peugeot stand die Coupé-Tradition im Zentrum der Präsentation.


Volvo PV 544 (1965) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei Volvo ging es rasant zu, wurden doch Renn-Tourenwagen aus verschiedenen Epochen aufgestellt, beim durch Ferrari-Händler Eberlein gestalteten Ferrari-Stand glänzten Sportwagen-Klassiker aus Maranello um die Wette.

Die Hersteller waren also gut und sehr professionell vertreten, erstmals offiziell zu Gast an der Techno Classica waren AC, Caterham und Zagato.

Zagato-Raritäten in der Sonderschau

Die SIHA-Sonderschauen bilden seit Jahren einen Höhepunkt der Techno Classica. In Erinnerung geblieben sind zum Beispiel die über 20 Pegaso-Sportwagen des letzten Jahres oder die eleganten französischen Karosserieschöpfungen im Jahr 2012.


Alfa Romeo Giulia TZ (1963) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Für das Jahr 2014 wurde eine Kollektion von Zagato-Fahrzeugen zusammengetrommelt, quantitativ nicht ganz so eindrücklich wie in den Vorjahren, trotzdem aber ein wahrer Augenschmaus. Nur selten kann man schliesslich Fiat 8V, Maserati A6G, Lancia Appia und Alfa Romeo 1900 SSZ in Zagato-Aufmachung an einem Ort vergleichen und gleich beide Varianten der Alfa Romeo Giulietta Tubolare Zagato - also der TZ und der TZ 2 - bestaunen.

Der Eleganzpreis "Best of Show", der jedes Jahr von einer internationalen Jury vergeben wird, ging allerdings nicht an ein Auto der Zagato-Sonderschau, sondern an ein Lancia Astura 4th Series Pinin Farina Cabriolet aus dem Jahr 1939 auf dem Stand der Lukas Hüni AG.

Wertvolle Autos, reger Handel

Die stetig steigenden Oldtimerpreise - gemäss VDA legten sie 2013 um 8,1 Prozent zu - waren natürlich an der Techno Classica ein grosses Thema. Man brauchte nur auf die Preisschilder der zum Verkauf stehenden rund 2’500 Fahrzeuge anzuschauen. Da waren fünfstellige Preisschilder zumindest bei den professionellen Händlern bereits in der Minderzahl, ein Dino 246 GT unter Euro 300’000 kaum mehr zu bekommen, ein Porsche 914/6 fast immer sechsstellig.

“Früher kamen wir hier mit unserem normalen Oldtimer- und Youngtimer-Angebot, heute bringen wir eigentlich nur noch unsere teuersten und edelsten Fahrzeuge nach Essen”, meinte einer der anwesenden Händler und verkaufte schnurstracks eine seiner Raritäten einem bekannten deutschen Musiker.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Reges Interesse an edlen Klassikern
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Jeden Abend herrschte reges Treiben. Verkaufte Autos wurden aus der Halle geschoben und durch andere Oldtimer ersetzt, die vorher in Warteposition ihrer Dinge geharrt hatten. Schon am ersten Abend stand auf manchem Wagen das Schild “Sorry, verkauft”. Es fehlte weder an interessanten Angeboten noch an Käufern mit grossen Brieftaschen. 

Liebevolle Clubauftritte

Traditionell das Salz in der Suppe sind an der Techno Classica die Auftritte der rund Clubs, 220 an der Zahl im Jahr 2014.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - der sensationelle Borgward-Stand mit Original-Tankwagen, Isabella und ARAL-Tankstelle wie anno dazumals
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die vielleicht eindrücklichste Präsentation baute der Borgward-Club auf, der nicht nur eine Tankstelle samt Isabella zeigte, sondern auch noch einen Tankfahrzeug der Marke Borgward dazu. Mit viel Einsatz und Phantasie zeigten die Clubs ihre Schätzchen, seien es Fiat-600-Modelle im Eisbecher, Opel-Fahrzeuge als Kadetten auf dem Schiff, einen behaarten Buggy in der Mausefalle oder den Trabant vor dem Mauerfall.


Eindrücke von der Techno Classica 2014 - Die Kadetten - Opel Kadett B in Szene gesetzt
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Leistungsschau der Oldtimer-Branche

In 20 ausgebuchten Hallen zeigten 1250 Aussteller, was die Oldtimer-Industrie heute zu leisten in der Lage ist. Restaurierer, Händler, Zubehöranbieter, Veranstaltungen, Museen, Dienstleister, Literaturverkäufer, etc. präsentierten ihre Fähigkeiten und ihr Angebot in eindrücklicher Weise. Ob die Rechnung ob der nicht gerade günstigen Hallenpreise für alle aufging, ist nicht sicher, aber die meisten wollen auf jeden Fall im Jahr 2014 wieder dabei sein.


Mercedes Benz 220 Coupé (1960) - an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und nicht immer stand der Verkauf im Zentrum, vielfach waren es auch die vielen Gespräche mit Geschäftspartner, Interessenten und zufriedenen Kunden, die eine Messeteilnahme zur sinnvollen Investition machten.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mi******
01.04.2014 (13:24)
Antworten
Guten Tag,
da ich quai in der Nachbarschaft wohne, habe ich seit der ersten Techno Classica nur wenige Ausgaben verpasst. Die vom Veranstalter regelmässig publizierte Busucherzahl von über 190.000 halte ich mittlerweile für absolut unglaubwürdig. Ich bin in diesem Jahr an den eigentlich besucherstärksten Tagen, Samstag und Sonntag, jeweils von Beginn bis zum Ende auf der Messe unterwegs gewesen, subjektiv war der Publikumsverkehr erheblich geringer als noch in den letzten Jahren.
Was das Preisniveau betrifft, kommt mir die Messe mittlerweile wie eine Art Parallelwelt vor. Das Maß, um das die für die angebotenen Autos verlangten Preise den Marktwert überschreiten ufert teils völlilg aus. Dazu kommen offensichtliche Scheinverkäufe, die dem potentiellen Kunden wohl eine Angebotsverknappung suggerieren sollen. Vieles daran erinnert an die Ferrari-Blase in den 90ern, nur geht das Ganze jetzt quer durch das gesamte Spektrum.
Ob dem Besucher die opulenten Auftritte der Fahrzeughersteller gefallen, ist wohl Geschmackssache. Mein Ding ist das nicht. Zumindest die Auftritte von BMW und dem VW-Konzern wirkten auf mich zudem völlig konzeptlos.
Insgesamt gefällt mir die deutlich konzentriertere Präsentation auf der Retromobile in Paris erheblich besser. Masse muss nicht Klasse sein.

Trotzdem werde ich wohl auch im nächsten Jahr wieder in Essen sein. Ist ja gleich in der Nachbarschaft...
von niklaus
01.04.2014 (11:28)
Antworten
Guten Morgen Herr von Rotz
Vielen Dank für den stimmigen Messebericht! Ich war selber auch vier Tage in Essen und habe viele Ausstellerstände besucht und Gespräche geführt. Mir ist zusätzlich zu Ihren Eindrücken aufgefallen, dass die Preise v.a. für die Mercedes Coupés und Cabriolets der 70er-Jahre enorm gestiegen sind (vermutlich hat dies spekulative Gründe - z.B. im Hinblick auf das wachsende Interesse des chinesischen Marktes), dass die Messepreise der Fahrzeuge generell sehr hoch sind (allenfalls wegen hoher Mietkosten für die Aussteller) und dass zahlreiche teure Fahrzeuge überrestauriert wirken. Trotzdem ist die Techno Classica in Essen ein tolles Erlebnis, das jedem Oldtimerfreund zu empfehlen ist.
Niklaus Lundsgaard-Hansen, Bern
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