Der Mensch stehe im Zentrum, die Leute, welche ein Treffen organisierten, eine Organisation führten oder sich generell für den Erhalt des historischen Fahrzeuges einsetzten. So lauteten die Worte des Initiators Bernd Link zu Beginn der Preisvergabe am Freitagabend im grossen Saal des Filmtheaters im Luzerner Verkehrshaus. Mit seinen rund 380 Sitzplätzen war dieser am 5. Dezember 2025 fast vollständig belegt. Durch die Übernahme des einzigen Preises in der Schweizer Oldtimerszene durch den Oldtimer-Dachverband SHVF (Swiss Historic Vehicle Federation), wurde der Abend auch mit der bisher separat stattfindenden Präsidentensoirée zusammengelegt.
Neue Kategorien
Zu den bisherigen Awards für Innovation, dem Rookie Award für neue MitspielerInnen und Veranstaltungen, gab es auch neu den Swiss Classic Female Award, der die Leistungen von Frauen in der Welt des historischen Fahrzeuges besonders ins Zentrum stellt. Ebenfalls neu hinzugekommen ist der Restoration Award, eine Kategorie, von der der Laudator Hannes Gautschi bei der entsprechenden Preisübergabe später am Abend sagte, dass sie eigentlich schon von Anfang an hätte Teil des Ganzen sein sollen. Dies lässt sich allerdings auch vom Female-Award sagen, obwohl es den verantwortlichen der Jury – die seit Anfang an gemischt besetzt ist – immer ein Anliegen war, auch Frauen in ihren Preisvergaben zu würdigen.
Neu war für 2025 auch der Wahlmodus, bei dem die Publikumswahl und die Punktevergabe je zu 50 Prozent gewichtet wurden.
Die Jungen sind aktiver als vermutet
Auch beim Innovation Award konnte eine Frau den ersten Preis für sich verbuchen. Die Mitarbeiterin von Emil Frey Classics in Safenwil, Manuela Mondelli erhielt das Diplom und die Medaille für ihre Masterarbeit: «The ReGeneration» über die Wahrnehmung der jungen Generation des klassischen Fahrzeuges. Dass der Swiss Classic Award die Sache in den Vordergrund stellt und etwa kommerzielles zweitrangig ist, zeigte sich auch darin, dass die Angestellte von Emil Frey Classics ihren Preis durch den AMAG-Classic-Verantwortlichen und Group-PR Dino Graf überreicht worden ist.
Den Rookie-Award hat 2025 eine Gruppe junger Klassikenthusiasten aus dem Züri-Oberland mit nach Hause nehmen dürfen. Die illustere Truppe rund um Leon Ladiges, Laura Erismann, Roche Luder und weiteren brachte die versammelte Zuschauerschaft zu einem kurzen Moment des Staunens, als die Nachwuchs-Organisatoren deutlich machten, dass ihr Motorentreff hauptsächlich junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren anspricht und sie beispielsweise – ganz dem Klischee widersprechend, Uraltautos interessierten die Jungen nicht mehr – extra eine Veranstaltung nur für Vorkriegsfahrzeuge durchführten. Gemäss Laura Erismann ist das älteste Auto in ihrem Verbund aus dem Jahre 1920.
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Ausgezeichnet für langjähriges Engagement
Wie der Rookie Award wird auch der Swiss Classic Female Award 2025 sein Zuhause in Safenwil finden. Die langjährige Präsidentin des Oldtimerclub Safenwil und Co-Gründerin des GP-Safenwil, Ursula Hediger, konnte sowohl die Stimmenden im On-Line-Voting, wie auch die Jury überzeugen. Wohlverdient durfte sie den ersten vergebenen Female-Award aus den Händen der Autojournalistin Isabelle Riederer entgegennehmen.
Zwar werden die einzelnen Sprachregionen beim Swiss Classic Award separat berücksichtigt, heuer aber konnte sich die Romandie gleich zweimal über eine Auszeichnung freuen. Die Organisatoren des historischen Bergrennens Ollon-Villars machten buchstäblich das Rennen beim Swiss Historic Motorsport Award. Besonders gewürdigt wurde dabei das Engagement für diesen Klassiker unter den Schweizer Bergrennen, der in der Vergangenheit gar zur Berg-Europameisterschaft gezählt hat und Renn-Grössen wie Jo Siffert oder auch Jim Clark auf den Ergebnislisten führen konnte. In der jüngeren Geschichte macht beispielsweise Sir Jackie Stewart seine Aufwartung.
Wahre Passion und regionale Vielfältigkeit
Norbert Wicht, ehemaliger Präsident des Veteran Car Club Suisse Romande VCCSR und dieses Jahr zum letzten Mal Jurymitglied für die Romandie – die französischsprachige Schweiz –, betonte die starke Präsenz des historischen Fahrzeugs in diesem Landesteil. So war es kein Leichtes, unter drei Kandidaten den Gewinner, zusammen mit den On-Line-Stimmenden, auszumachen. Als Sieger des Swiss Classic Passion Awards Suisse Romande wurde schliesslich das internationale VW-Meeting des Coccinelle Club Lémania erkoren. Diese alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung für Volkswagen mit Heckmotor in Château d'Oex zieht regelmässig über 1200 Fahrzeuge aus ganz Europa und fast 10'000 Besucher an.
Nicht persönlich in Luzern anwesend sein konnte der Tessiner Preisträger des Swiss Classic Passion Award Ticino. Antonio Santarelli ist ein aussergewöhnlicher Autosattler, der sich selbst durch herbe Schicksalsschläge nicht hat kleinkriegen lassen. Bei einem Unfall hat er einen Arm verloren, kurz darauf brannte seine Werkstatt vollständig nieder und trotzdem hat er weitergemacht, wie Laudator Roberto Bernasconi dem Saal an diesem Abend berichten konnte. Erneut vom Schicksal gebeutelt, hat er den 5. Dezember leider im Spital verbracht, so dass ein guter Freund für ihn das Diplom und die Medallie abgeholt hat.
Auch für die Deutschschweiz stand ein Passion Award bereit. Diesen Preis darf sich seit dem 5. Dezember 2025 das Saurer Museum in Arbon zu seiner kleinen, respektablen Sammlung von Auszeichnungen hinzustellen. Aus dem eigenen Land habe man aber tatsächlich noch nie einen Award wie diesen erhalten, wie aus der Runde der Ostschweizer Truppe zu hören war. Das Museum zur Geschichte des Arboner Traditionsunternehmens im Textilmaschinen- und Lastwagenbau besticht durch seinen fast 50-Fahrzeuge-starken Fuhrpark historischer Saurer, der zum grössten Teil fahrbereit ist.
Primaballerina, Brandruine und eine Kurzvisite
Ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen hatten sich Daniel Bachmann und Georg Dönni im Vorfeld des Restoration-Awards geliefert. Die Gründe zu ihrer Nomination waren einerseits die komplette Restauration des Audi Quattro Nummer 1, der Wagen R3, aus einer vollständig ausgeglühten Brandruine und andererseits die konservierende Auffrischung des Jaguar XK 120 von der London Motorshow 1949, bekannt unter dem Vornamen seiner Erstbesitzerin, der amerikanisch-französischen Primaballerina Rosella Hightower.
Während es «Rosella» gar auf die Bühne schaffte, durfte sich den Preis indes Daniel Bachmann holen, der gemäss eigener Aussage wenige Tage vor der Preisvergabe «auf die Schnauze gefallen» war und deshalb kurz vor dem fraglichen Freitag noch im Spital lag statt dass er die Zeit gefunden hätte, auch den Quattro nach Luzern zu bringen. Mit der Bühnenpräsenz des Jaguar und dem Preis für den Quattro wurde bei dieser Preisübergabe wohl beiden Kandidaten gebührende Beachtung geschenkt.
Der 5. und 6. Dezember gelten in Küssnacht am Rigi als ganz besondere Tage, denn dann ziehen Laternenträger, Samichläuse und ganz besonders die «Trychler» und «Geislechlöpfer» durch das Dorf am Fusse der Rigi und den Ufern des Vierwaldstättersees. Beim «Chlausjagen» sollen die bösen Geister und der Winter mit viel Licht und besonders Lärm vertrieben werden.
So verwundert es nicht, dass Edgar «Gary» Gwerder nur kurz zu Besuch in Luzern weilte und dann weiter musste. Denn als Sieger haben Publikum und Jury 2025 das Bergrennen von Küssnacht auf die Seebodenalp für Zwei- und Dreiräder erkoren. Freudig und mit Genugtuung über diese Würdigung nahmen OK-Präsident Gwerder und seine Küssnachter Delegation Diplom und Medallie entgegen, einer Verlängerung der Siegesfeier bis tief in die Nacht bei ihnen zu Hause dürfte an diesem Abend nichts im Wege gestanden haben…
Ein weiterer Basler erhält den Lifetime Award
Er sei Jurypräsident des Swiss Classic Awards, damit nie jemanden in den Sinn kommen könne, diesen Preis ihm selber zu verleihen, meinte Urs P. Ramseier bereits zur Eröffnung des Abends. Mit der Übergabe des diesjährigen Swiss Classic Lifetime Awards an den Basler Carrossier und Monteverdi-Enthusiasten Ruedi Wenger aber wurde auch einer der Ursprünge von Ramseiers Swiss Car Register in Safenwil thematisiert.
Denn zum 50. Jubiläum der Schweizerischen Carrosserieverbandes, dessen Organisation Wenger verantwortet und geleitet hatte, wurden erstmals Inhalte aus dem Fundus des noch jungen Registers für eine Publikation verwendet und damit die Grundlagen gelegt, das Erbe des Schweizerischen Fahrzeug- und Karosseriebaus zu dokumentieren und zu erhalten. Wie Ramseier in seiner Laudatio betonte, hat sich Ruedi Wenger mit seinem vielfältigen Engagement für das klassische Automobil verdient gemacht. Dazu gehört auch der Erhalt der Geschichte und der Fahrzeuge des Binninger Autobauers Peter Monteverdi. Ruedi Wenger hat 1985 den Monteverdi Club gegründet und diesen bis 2015 präsidiert. Monteverdis inzwischen verstorbener Partner Paul Berger durfte der Swiss Classic Lifetime Award 2022 entgegen nehmen.
Mit Ruedi Wenger und seiner frisch verliehenen Statuette «Beatrice» in der Hand – der Name wird italienisch ausgesprochen – und mit ihm in der Mitte sowie allen weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern darum herum nochmals auf der Bühne zum Schlussbild aufgestellt, ging der offizielle Abend etwas später als geplant zu Ende. Ein Stehdinner inmitten historischer Flugzeuge in der Luftfahrtshalle liess den Abend ausklingen. Die Premiere mit dem Oldtimer-Dachverband Swiss Historic Vehicle Federation SHVF als neuem Schirmherrn der Veranstaltung ist gelungen.
Alle Nominierten und die Preisträger:
Innovation Award
– Synhelion, CO2-neutraler Treibstoff aus Sonnenenergie
– young4vintage, das Nachwuchs-Förderprogramm der SHVF
Preisträgerin: «ReGeneration Project», Studie von Manuela Mondelli, Safenwil
Rookie Award
– Crazy Cargirl, Influencerin Jennifer Hohl
– Shift Happens, Autoevent: «Wenn Leidenschaft Bewegung schafft», Philippe Maderthaner & Friends
Preisträger: Motorentreff Zürich Oberland
Female Award
– Julia Gut, Race like her, der Girls-Only Classic Car Club
– P791 Car Hotel, Mitinhaberin Michèle Ulmann
Preisträgerin: Ursula Hediger, Oldtimerclub Safenwil und Co-Gründerin GP-Safenwil
Historic Motorsport Award
– Rubin Motorsport, Erlenbach, Spezialist für historische Rallyefahrzeuge
– Verein Bergrennen Hemberg, Historisches Bergrennen
Preisträger: Historic Hillclimb Ollon-Villars
Passion Award Romandie
– Dakota Events, Organisator Swiss Rétromecanika, Genf
– Rétro Circuit Porrentruy - Courtedoux, historisches Rennen im Jura
Preisträger: Internationales VW-Treffen in Château d'Oex
Passion Award Ticino
– Haflipinz, Club für historische Militärfahrzeuge im Tessin
– AutoMoto Club Generoso, Leidenschaft und Tradition für historischen Motorsport
Preisträger: Selleria Antonio Santarelli: Passion, Handwerk und eiserner Wille
Passion Award Deutschschweiz
– Christian Hartmann, Classic Car Archäologie
– «Das Jahrhundert des Automobils», Buch, Ausstellung und Event zu 100 Jahren Automobilverkehr in Graubünden
Preisträger: Saurer Museum Arbon
Restoration Award
– Racervices GmbH, Ueli Schüpbach, Monteverdi-Service und Motorsport
– Jaguar XK 120 OTS «Rosella», GB Classic Cars Dönni und Dr. Christian Jenny
Preisträger: Prototyp Audi quattro R3, Garage Bachmann Inwil, Daniel Bachmann
Bike Award
– Alex Lüchinger, historische Motorräder, Niederönz
– Red Bull Alpenbrevet, grösster Töffli-Event der Alpen
Preisträger: Bergrennen von Küssnacht auf die Seebodenalp
Swiss Classic Livetime Award 2025
Ruedi Wenger, Carrossier in Basel





























































































































































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