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Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018 - bewegende Rennsport-Party fast wie in Goodwood

Erstellt am 24. September 2018
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
69
Christoph Bleile 
1
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Beste Bilder
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Bildergalerie Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018 - Teilnehmerfahrzeuge

Bereits zum vierten Mal fand am 22. und 23. September 2018 nach den Austragungen in den Jahren 2007, 2010 und 2015 das Memorial zum Bergrennen Steckborn-Eichhölzli statt.

Bild Alpine A362 Formel Renault (1971) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Alpine A362 Formel Renault (1971) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Rund 300 Fahrzeuge waren am Start, zu einem grossen Teil Autos im Oldtimer-Alter und einige Motorräder, sowie wenige neuere Fahrzeuge. Bei besten Spätsommer-Wetterbedingungen nahmen sie die 2,9 Kilometer lange Rennstrecke in Angriff.

Ein Dorf im Ausnahmezustand

Steckborn ist ein vergleichsweise kleines Thurgauer-Dorf mit weniger als 4000 Einwohnern, die das Privileg haben, am schönen Untersee, also dem unteren Teil des Bodensees, zu wohnen. Mit 7000 Besuchern verdoppelt, respektive verdreifacht sich die Bevölkerung jeweils am Memorial.

Bild Ein durchaus passendes Motto für eine Rennsportveranstaltung - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Ein durchaus passendes Motto für eine Rennsportveranstaltung - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Damit ist das Dorf jeweils ganz schön gefordert und es gibt kaum einen Verein, der nicht in irgend einer Form in die Vorbereitung oder Durchführung involviert wäre.

Viel Lokalkolorit

Von den 300 Teilnehmern stammten 2018 92 aus dem Kanton Thurgau, und sage und schreibe 23 aus dem Dorf Steckborn. Offenbar liegt also den Thurgauern und den Steckbornern die Begeisterung für die alten Autos im Blut. Und auch die Zuschauer erhielten eine volle Portion Thurgauer-Dialekt zu spüren. Denn anstatt professionelle Sprecher zu organisieren, kommentierten lokale Autokenner die Szenerie auf dem Bergrundkurs gleich selber.

Bild Spatz 200 (1956) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Spatz 200 (1956) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Dabei spielten sie sich geschickt die Bälle zu und teilten sich die einzelnen Themengebiete so auf, dass es auch den Zuhörern nicht langweilig wurde. Wer allerdings mit dem Thurgauer Dialekt nichts anfangen konnte, der hielt sich ob der grosszügig beschallten Rennstrecke am besten die Ohren zu.

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Alfa Romeo 6C 2300 B Lungo Worblaufen Cabriolet (1938)
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Porsche 911 Carrera RS Cup (1992)
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Alfa Romeo 6C 1750 GS Zagato (1931)
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Aston Martin DB6 Vantage (1966)
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Traditionspflege

Das Bergrennen von Steckborn nach Eichhölzli fand bereits 1955 zum ersten Mal statt, damals natürlich als echtes Rennen mit Zeitnahme. Nach der ziemlich adhoc durchgeführten ersten Veranstaltung dauerte es sieben Jahre, bis 1962 zum zweiten Mal zum Steckborner Bergrennen gestartet wurde. Dieses Mal regten sich die Katholiken auf, weil der Termin im April mit dem “weissen Sonntag” zusammenfiel. Offenbar waren die Interventionen erfolgreich, denn ein weiteres Bergrennen ergab sich nicht, bis eben dann 2007 das “Memorial” zum ersten Mal ins Leben gerufen wurde.

Um das Dorf nicht zu überfordern, verzichtete man in der Vergangenheit auf eine jährliche Austragung, der Dreijahresabstand hat sich in den letzten 11 Jahren aber bewährt.

Aufwändige Organisation

Das Erfolgsgeheimnis des Steckborn Memorials sind die generalstabsmässige Organisation und die Breite des gebotenen Fahrzeugfelds. 300 Autos und Motorräder, das ist eine grosse Zahl an vier- und zweirädrigen Vehikeln, für die im Dorf Platz gefunden werden muss und die technisch abgenommen werden müssen. Aber auch 2018 gelang dies ohne grössere Probleme und so konnte am Samstag Morgen pünktlich zum ersten “Rennlauf” gestartet werden.

Bild Oben in Eichhölzli wurden die Autos nach der Bergfahrt gesammelt - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Oben in Eichhölzli wurden die Autos nach der Bergfahrt gesammelt - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Auf eine Zeitnahme wird verzichtet, die dafür notwendige Streckensicherung wäre viel zu aufwändig und damit zu teuer. Schliesslich können die Zuschauer das Geschehen für einen kleinen Beitrag auf den Tribünen geniessen und auch das Rennprogramm gab es für wenige Fränkli.

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Breiter Querschnitt

Und es gab einiges zu sehen. Die Fahrzeuge waren in 12 Felder eingeteilt, da gab es beispielsweise eines für italienische, eines für deutsche und eines für britische Autos. Für die Motorräder und Gespanne wurden zwei weitere Felder definiert.

Bild BMW Kneeler (1968) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
BMW Kneeler (1968) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Im Corso fuhren viele rare Vierräder mit, die es weniger rennmässig, dafür umso eleganter angehen liessen. Verfolgt wurden sie von einer kleinen Gruppe an Elektrofahrzeugen der Gegenwart, ohne die auch ein Oldtimeranlass offenbar nicht mehr auskommt.

Bild Bugatti T35C (1929) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bugatti T35C (1929) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Auch die Vorkriegsfahrzeuge hatten ihr eigenes Feld und alles, was nicht in die bereits erwähnten Gruppen passte, fand sich dann entweder im Feld “Diverse und Französische Fahrzeuge” oder bei den “US Cars und Cobra”, den Rennsportwagen (zwei- und einsitzig) sowie beim Show-Programm wieder.

Von der Alfa Romeo Giulia bis zum VW Golf

Viele der startenden Fahrzeuge dürften dem Publikum sicherlich bekannt vorgekommen sein, denn sie prägten vor wenigen Jahrzehnten unsere Strassen oder tun es (in modernisierter Form) heute noch.

Bild VW Golf Trophy (1983) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
VW Golf Trophy (1983) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Eine Alfa Romeo Giulia, einen BMW 2002, einen Ford Escort, einen Porsche 356, einen Opel Kadett, einen VW Golf kannten wohl alle Zuschauer.

Bild Ford Escort (1972) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Ford Escort (1972) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Aber es gab eben nicht nur diese bekannten Klassiker zu sehen, sondern auch manche Rarität, die sonst nur bei Clubtreffen oder am Concours d’Elégance zu bewundern ist.

Bild Jawa 600 Roadster (1940) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Jawa 600 Roadster (1940) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Wer wüsste schon auf Anhieb, wie ein Simca Aronde Etoile 6 von 1961, ein Jawa 600 Roadster von 1940 oder ein Derby K4 von 1929 aussah.

Zwei American La France

Zu den Lieblingen des Publikums gehörten sicherlich die beiden American LaFrance mit Sechszylindermotoren von rund 14 Litern Hubraum. Etwa 100 PS (oder auch etwas mehr) leisten die brachial klingenden Speedster, die durch Verkürzung des Radstands meist aus Feuerwehrautos entstanden.

Bild American La France (1919) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
American La France (1919) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Das enorme Drehmoment wird via Kette an die Hinterachse übertragen, Bremsen gab es einst auch nur hinten. Servohilfen fehlen es bei diesen Wagen natürlich auch, so dass Opel-Garagist Ruedi Schawalder und Roland Britschgi reichlich zu tun hatten hinter dem Lenkrad der Zweitönner.

Bild La France Typ 12 (1917) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
La France Typ 12 (1917) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
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Toni Schais’ Spezial

Einer der wenigen Fahrer, die bereits in den Sechzigerjahren in Steckborn am Start waren, ist Toni Schai.

Bild Toni Schai - weiss seinen Schai Spezial immer noch mit kundiger Hand zu pilotieren - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Toni Schai - weiss seinen Schai Spezial immer noch mit kundiger Hand zu pilotieren - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Wie damals liess er den DKW-Zweitaktmotor seines selbstgebauten Specials, den er vor einigen Jahren komplett restaurierte, losschreien und durchfuhr die Kurven hinauf nach Eichhölzli durchaus zügig.

Bild Schai Spezial DKW (1964) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Schai Spezial DKW (1964) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Allerdings war er noch nicht der älteste teilnehmende Fahrer, denn am Start warten noch andere rüstige Achtziger!

Bombenstimmung

Die Stimmung an den beiden Renntagen war gelöst, dem Publikum wurde einiges geboten, Unterbrechungen gab es nur wenige. Eine allerdings ereignete sich am Sonntag Morgen, als die Veranstalter eine Bombendrohung erhielten und in der Folge 300 Leute evakuiert werden mussten.

Die Polizei rückte ein, doch trotz Einsatz von spezialisierten Hunden konnte (Gottseidank) nichts Verdächtiges gefunden werden, so dass man wohl von einem schlechten Scherz ausgehen musste. Ob es ein Rennsportgegner war, der dieses unsportliche Verhalten zeigte? Der Urheber ist noch nicht eruiert, es wird noch ermittelt.

In drei Jahren wieder?

Die Streckensprecher und die Organisation um OK-Präsident Kurt Krucker liessen sich jedenfalls nicht demotivieren, bereits war von einer nächsten Austragung in drei Jahren die Rede. Dabei half sicherlich auch das Lob von Marcel Fässler, der am Sonntag im Audi Quattro Gruppe 4 den Berg hochfuhr, mit, der meinte: “„Ich habe selten ein so begeistertes, enthusiastisches Publikum erlebt wie hier in Steckborn“.

Bild Publikumsliebling Marcel Fässler beim Interview vor einer seiner Bergfahrten am Sonntag - Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Publikumsliebling Marcel Fässler beim Interview vor einer seiner Bergfahrten am Sonntag - Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Nur noch etwas historischer gekleidete Besucher würde man sich in Steckborn wünschen mit Blick auf Goodwood, erwähnte einer der Streckensprecher als Verbesserungsvorschlag.

Es darf aber gesagt werden, dass die Zuschauer sicherlich gute Gründe hatten, zufrieden zu sein, denn nur selten kann man bei so guten Bedingungen so viele schöne und interessante Autos (und Motorräder) bei artgerechter Verwendung bewundern.

Bild Honda RC 163R (1963) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Honda RC 163R (1963) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Das Sahnehäubchen war dabei das “Show-Programm”, in dem neben Fässler auch der berühmte Schweizer Motorradrennfahrer Bruno Kneubühler auf einer Honda RC 163R von 1963 startete und Eugen Strähl im Sauber C5 von 1978 oder Edy Kobelt im Ford Cortina Lotus von 1964 tüchtig Gas gaben.

Bild Sauber C5 (1978) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Sauber C5 (1978) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Und auch einen Lancia Stratos oder einen March 781 Formel 2 sieht man in Steckborn schliesslich nicht jeden Tag.

Bild Lancia Stratos HF (1974) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Lancia Stratos HF (1974) - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018

Über 400 Bilder zu den Teilnehmerfahrzeugen gibt es in der eigens angelegten Bildergalerie zu sehen.

Bilder zu diesem Artikel

Bild Oben in Eichhölzli wurden die Autos nach der Bergfahrt gesammelt - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Soviele Cobras hintereinander sieht man nicht alle Tage - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
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Bild Toni Schai - weiss seinen Schai Spezial immer noch mit kundiger Hand zu pilotieren - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Publikumsliebling Marcel Fässler beim Interview vor einer seiner Bergfahrten am Sonntag - Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Motorräder auf der Talfahrt - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
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Bild Reinrassige Rennwagen freuen sich oft über Anschubhilfe - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Elektrofahrzeugen - zwei BMW i8 - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Elektrofahrzeuge - BMW i8 Spider - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Bild Elektrofahrzeuge, z.B. BMW i8 - Bergrennen Steckborn-Eichhölzli Memorial 2018
Quelle:
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von ol******
25.09.2018 (20:22)
Antworten
Steckborn war rundum eine Reise wert. Super Autos, und Motorräder , tolles Ambiente und bestens organisiert. Guter und amüsanter Sprecher. Last but not least , bestes Wetter.
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