Das Schweizer Team Ginesi / Ginesi hat einen echten Lauf: Gesamtsieger in der Coppa delle Alpi mit einem Fiat Ballila, ein Spitzenrang bei der Mille Miglia und jetzt in Freiburg ein zweiter Platz im Gesamtklassement, diesmal mit einem Porsche 356. Den Gesamtsieg holten Andreas Zuhnemer / Rolf Pellini in einem Renault 5 Alpine Turbo.
Seit 2017 gehört der Schwarzwald ins Unesco-Biosphärenreservat. Kaum zu glauben, dass die riesige Fläche vor knapp 200 Jahren durch die intensive Nutzung von Glashütten und Köhlern fast vollständig entwaldet war. Offensichtlich hat man sich dann eines Besseren besonnen und mit überwiegend Fichtenmonokulturen wieder aufgeforstet. Inmitten dieser abwechslungsreichen Landschaft veranstalten der ADAC und der Freiburger Motorsport-Club seit mittlerweile 17 Jahren die Schauinsland Klassik; eine Nachfolgeveranstaltung für das in Rennfahrerkreisen angesehene und legendäre Schauinsland-Bergrennen.
Nicht weniger als 24 Automarken von Alfa Romeo bis VW waren am 3. und 4. August am Schauinsland vertreten und boten den Zuschauern einen Querschnitt über den Automobilbau von den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts bis ins Jahr 1993. Das einzige Vorkriegsautos war ein Plymouth PD Special aus dem Jahre 1933, nachdem das Team Kieffer / Thiry noch vor dem Start seinen MG NA Magnette Supercharged gegen einen Lancia Aurelia GT von 1954 getauscht hatte. Dank der geografischen Nähe zur Schweiz fanden knapp dreissig Teams aus dem Alpenland den Weg nach Freiburg, wohl auch den National-Feiertag nützend. Insgesamt kämpften 120 Mannschaften aus sechs Ländern um den Sieg sowie gegen die Tücken des genauen Fahrens.
Der Freiburger Mario Ketterer gehört schon beinahe zum Inventar der Schauinsland Klassik. Nichts Neues gibt es zu seinem fahrbaren Untersatz: "Immer noch mein VW Käfer, dessen Motor immer noch 100 PS aufweist.", schmunzelte er. Und Angst, dass sein Streckenrekord am Schauinsland gebrochen wird, musste er auch nicht haben.
Freiburg und die Kirchen-Tradition
Auf der Freitagstour ging es für die Teams im Minutentakt ab der Messe Freiburg in nordöstlicher Richtung auf die rund 270 Kilometer lange Runde. Die Strecke war gespickt mit Sonderprüfungen: Jede Hundertstelsekunde Abweichung zur Sollzeit wurde mit einem Strafpunkt geahndet. Höhepunkte waren die Prüfungen auf der Kartbahn von Teiningen und auf dem Flugplatz in Teichhalden. Trotz des teilweise schlechten Wetters kam bei der Ziel-Einfahrt der ersten Tagesetappe auf den Münsterplatz etwas IItalianità auf: Dem Regen geschuldet säumten zwar weniger Zuschauer als sonst die Einfahrt der Oldtimer, sorgten aber für viel Applaus.
Ulrich von Kirchbach, erster Bürgermeister der Stadt Freiburg, tauschte ausnahmsweise seinen Schreibtisch, von dem aus er auch schon Grussbotschaften für die Schauinsland-Klassik verfasst hat, gegen den Beifahrersitz in einem Porsche 911 Carrera 3.2 Cabriolet. Obwohl er erstmals an einer historischen Rallye teilnahm, navigierte er seinen Chauffeur Thomas Bugmann souverän über die Rallyestrecke.
Wieso führt dies der Veranstalter nicht auch für den Münster-Pfarrer ein? Es ist nämlich so: Die Kirchen-Tradition und die heilige Messe im Freiburger Münster sind tatsächlich etwas älter als die Schauinsland-Klassik und dem dortigen Klerus im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Störungen werden nicht geduldet, schon gar nicht von motorsportlichen Veranstaltungen wie der Oldtimer-Rallye. Der Zieleinlauf am Freitagabend darf deshalb frühestens auf 19:30 Uhr für das erste Auto angesetzt werden, denn dann ist die Abend-Messe fertig und die Motoren sind keine Konkurrenz mehr für das gesprochene Wort in der Kirche. Wenn nun der Münster-Pfarrer in einem Teilnehmer-Oldtimer sitzt, wäre der Zeitpunkt der Einfahrt auf den Münsterplatz vielleicht nicht mehr so sakrosankt…
Vorbereitung aufs Hundertjährige
Der zweite Tag, diesmal bei schönem Wetter, führte über 260 Kilometer in den östlichen und südlichen Teil des unendlich weitläufigen Schwarzwaldes. Gleich nach dem Start aus den Messehallen gings über die legendäre Schauinsland-Bergstrecke bis tief in den Schwarzwald. Karl Wolber, verantwortlich für die Route, fand wieder Strassen und Strässchen zum grössten Teil abseits von Hauptverkehrsachsen. Und genau das macht den Charme der Schauinsland Klassik aus. Nach insgesamt 530 Kilometern war am frühen Samstagabend bereits wieder Schluss. Den krönenden Abschluss bildete die feierliche Siegerehrung, die in der Halle 4 des Messegeländes im Rahmen eines kleinen Bankettes stattfand.
Nächstes Jahr plant der Veranstalter der Schauinsland-Klassik zum 100-jährigen Jubiläum des Bergrennens eine Sonderausstellung mit vielen Rennwagen, die am ersten Rennen 1925 eingesetzt wurden, und natürlich auch mit Rennfahrern, die im weiteren Laufe der Jahre daran teilgenommen haben. Nur von den Piloten des Eröffnungsrennens wird niemand mehr dabei sein können.

































































































































Kommentare