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Schauinsland Klassik 2018 - Hitzeschlacht auf legendären Strassen

Erstellt am 6. August 2018
, Leselänge 6min
Text:
Thomas Suter
Fotos:
Marcel Bischler 
20
Archiv 
1

Es gibt sie noch, die Perlen unter den Oldtimer-Veranstaltungen. Die Schauinsland Klassik ist so eine. Kein Schicki-Micki, kein künstliches Drumherum. Fahren in seiner schönsten Form war angesagt – idyllisch im badischen Südwesten. Es muss nicht immer Stoderzinken, Futa-Pass oder Sella-Joch sein. Die Schauinsland-Bergrennstrecke oder der Belchen-Pass sind völlig ausreichend. Und auch knapp etwas über 100 Teilnehmer sind absolut genügend für einen fast intimen, übersichtlichen Rahmen.

Fiat 508 C 1100 Sports (1937) - Harald und Inga Becker aus Emmendingen in einem der absoluten Highlights im Feld der Schauninsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Ultraschnelle Bergrennstrecke

Bis 1984 stand der Schauinsland in Freiburg im Breisgau als Synonym für eine lange und vor allem ultraschnelle Bergrennstrecke. Illustre Namen wie Rudolf Caracciola, Hans Stuck, Hans Hermann, Graf Berghe von Trips, Jo Siffert, Peter Schetty, Ludovico Scarfiotti zierten die Start- (und manchmal auch die Sieger-) Listen.

Mercedes-Benz 300 SL (1957) - Schauinsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Gegen Ende der Blütezeit lieferte sich Xavier Perrot mit seinem March-Formel-2 manche Schlacht am Freiburger Hausberg, auch der Schweizer „Bergkönig“ Fredy Amweg liess sich in das goldene Buch der Sieger eintragen.

Mitte der achtziger Jahre kam das „aus“ – Umweltbelange, Sicherheitsrisiken und ein Unbehagen in der Bevölkerung verbannten den Schauinsland aus dem Rennkalender, der etliche Jahre auch fester Bestandteil der Bergeuropameisterschaft war.

Austin-Healey Sprite (1958) - Die ehemalige Bergrennstrecke am Schauinsland bot den Fahrern stets ein atemberaubendes Ambiente
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Vom Bergrennen zur Oldtimer-Rallye

Aktuelle Rennwagen machten vor zwölf Jahren den Oldtimern Platz. Anfänglich noch als Parallel-Wettbewerb mit Bergrennen und Oldtimer-Rundfahrt ausgetragen gibt es in den letzten Jahren nur noch die „Schauinsland-Klassik“, ein Bewerb für eine Oldtimer-Rallye.
Über das Wochenende vom 3. bis 4. August 2018 fanden 103 Teilnehmer den Weg nach Freiburg, um bei brütender Hitze knapp 500 km, verteilt auf zwei Tage, unter die Räder zu nehmen.

Die Organisatoren, der ADAC Südbaden und der Freibuger Motorsportclub (FMC), scheuten weder Mühe noch Aufwand, die Teilnehmer über sensationelle Strecken ins Markgräflerland (Freitag) und den Schwarzwald (Samstag) mit der Belchen-Region und über Todtmoos bis tief in den Hotzenwald zu schicken.

Mercedes-Benz 220 SE Cabrio (1961) - Schauinsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Haupstrassen wurden nur gerade für kürzeste Überführungsetappen, wenn’s gar nicht mehr anders ging, befahren. Sonst: Kategorie 2 und Kategorie 3-Strassen und Wege bis hin zu Güterstrassen hatte der Veranstalter ausgesucht. Das piece-de-resistance, der Schauinsland, musste sowohl in der freitäglichen wie auch der samstäglichen Etappe befahren werden. Und einer, der den Schau­insland in früheren Jahren noch im Rennwagen hochpeitschte, war diese Jahr wieder mit dabei: Der Freiburger Lokalmatador Mario Ketterer lenkte einen Porsche Carrera 3.0 aus dem Jahre 1976. Ketterer ist übrigens immer noch Inhaber des Streckenrekords, gefahren 1979 in einem Formel-2-Ralt-BMW …

Unbekannte Strassen

Start war am Freitag Mittag am Konzerthaus mitten in Freiburg. Gleich gab‘s den ersten Höhepunkt: als erstes wurde die Schauinsland-Bergrennstrecke befahren (wie auch als Wiederholung am Samstag). Dann gings weiter ins Münstertal, ins Markgräflerland und wieder zurück über den Schauinsland auf den Münsterplatz von Freiburg. Gespickt war die Freitagsetappe mit 19 Sonderprüfungen und zwei geheimen Wertungen.
Am Samstag führte die Runde durch den weitläufigen Schwarzwald. Der Tross führte über Strecken, die nicht mal einheimische Teilnehmer kannten!  Auf die Teilnehmer warteten diesmal 22 Sonderprüfungen und zwei geheime Wertungen.

Eindrückliches Startfeld - Schauinsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Die Pfeile im Roadbook lenkten im Münstertal über das Wiedener Eck in die Belchen-Region und über Todtmoos tief hinein in den Hotzenwald. Dort führte die Route an den beiden berühmten Schwarzwälder Brauereistandorten Waldhaus und Rothaus vorbei.

Nach einer Mittagspause in Bonndorf und traumhafter Fahrt durch die wildromantische Wutachschlucht ging es weiter über Löffingen nach Titisee-Neustadt, von dort über verträumte Strässchen ein letztes Mal auf über 1.000 Meter hoch zum Thurnerpass. Über den Spirzen und durch das Dreisamtal endete die Schauinsland Klassik 2018 nach insgesamt 492 Kilometer am späten Nachmittag zum Freiburger Karlsplatz – und abends feierlich bei der grossen Siegerehrung im Konzerthaus. Das Siegerteam hiess Pöhlemann / Pöhlemann (D) auf einem Lancia Beta Montecarlo.

Lancia Beta Montecarlo (1978) - Schauinsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Alle Resultate gibt es auf der Website der Schauinsland Klassik .

Der Klerus und die Schauinsland Klassik

Der Zieleinlauf der Freitags-Etappe ist der Münsterplatz in Freiburg, gesäumt von hunderten von Schaulustigen. Die Autos dürfen erst ab 19.35 Uhr einfahren, dies verlangt der Klerus, denn sonst könnte ja der vorher stattfindende Gottesdienst gestört werden… 

Vielleicht überlegt es sich der Veranstalter, die Kirchenvertreter zu einer Rallye-Teilnahme einzuladen? Es könnten gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erledigt werden: Eine frühere Einfahrtszeit wäre möglich, denn der Gottesdienst würde ja wohl ausfallen, weil Hochwürden im Rallye-Auto sitzen und die Teilnehmerzahl könnte erhöht werden, weil dann auf dem Münsterplatz früher eingefahren werden könnte und etwas mehr Zeit vorhanden wäre…

Inkognito

Während Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft einsitzt, Martin Winterkorn inzwischen zur persona-non-grata der deutschen Automobilwirtschaft mutierte, war in Freiburg Matthias Müller, ex-Porsche- und Volkswagenkonzern-Chef, in einem roten Porsche unterwegs. Die Nummer „30“ zierte seinen roten Sportwagen, aufgeführt in der offiziellen Starliste waren weder der Porsche noch sein prominenter Fahrer. Begleitet wurde Müller von einer Jounalistin der Illustrierten „Bunte“, die ein Porträt über ihn schreiben will.

Sommerhitze

Ganz Europa ächzt unter der bleiernen Hitze. Der Schwarzwald, optisch normalerweise in sauberen grün-Tönen wahrnehmbar, verändert sich. In den riesigen Flächen zeichnen sich unschöne braune Flecken ab, die brutal aufzeigen, wohin Wasserknappheit in Flora und Fauna führen kann. Lokale kleine Regenschauer am Freitag und am Samstag – die Stadt Freiburg blieb trocken – brachte keine Erleichterung.

Am Ziel der Tagesetappe - Schauinsland Klassik 2018
Copyright / Fotograf: Marcel Bischler

Die Crews in den wenigen Vorkriegsfahrzeugen konnten sich für einige Augenblicke wieder mal in ihre wasserdichten Regenhäute zwängen, die Nachkriegsautos hatten entweder ein festes Dach oder zumindest ein Verdeck, das hochgezogen werden konnte.

Geringfügige „Organisations-Probleme“

Man muss es sich mal vorstellen: Für die Organisation und Durchführung dieser zweitägigen Oldtimer-Veranstaltung wurden rund 180 (!) Personen benötigt. Mit diesem Wissen begegnete man dem Streckenposten, der kurz mal seinen Rollator stehen liess, um einen Zeitstempel in die Bordkarte reinzuhauen, mit umso grösserem Respekt. Und der Zeitnehmer-Crew, die auf dem Weg zu ihrer Sonderprüfung im Autobahnstau stecken bleibt, wurde auch schnell wieder verziehen. Der Veranstalter klagte, dass es zunehmend schwieriger werde, Freiwillige rekrutieren zu können.

Oldtimer-Szenen-Nachwuchs

„Wir ziehen den Altersschnitt bei Oldtimer-Veranstaltungen jedes Mal ein bisschen runter“, schmunzelte Robert Krause (37), der zusammen mit Benjamin Drescher (36) einen Ford A Boattail Racer aus dem Jahre 1930 steuerte. Die beiden haben das Vorkriegsauto vor drei Jahren gekauft, „dann nach einer Saison auseinander gedröselt und neu aufgebaut“ schildert Krause. Sie haben auch gleich geschaut, dass dem 6-Zylinder 3.0 Liter-Motor etwas mehr Leistung eingehaucht wurde. „Wir waren zwar nicht auf dem Motorenprüfstand, aber etwas mehr als 100 PS sollten schon vorhanden sein.

Ford A Boattail Racer (1930) - attraktiver Special mit fast jugendlicher Besatzung an der Schauinsland Klassik
Zwischengas Archiv

Das Team aus Hinterzarten schonte den Ford nicht: Neben Rallies in der Umgebung (Südbaden-Rallye, Silvretta-Klassik etc.) wird der Racer auch schon mal bei eisigen Temperaturen bei der Winterrallye auf der schwäbischen Alb an den Start geschoben… Und so neben her gewannen sie an der Schauinsland die Vorkriegswertung, zur Freude von Stefanie Krause: „Der Pokal wird in die Vitrine gestellt – im Keller“.

Kühlwasser aus der Mosel

Seit 28 Jahren ist der Volvo PV544 mit Jahrgang 1961 mittlerweile im Besitz von Uwe Jaeger. Der alte Schwede (das Auto – nicht der Fahrer) ist unverwüstlich. „Vor etlichen Jahren haben wir mal das Fahrwerk etwas modifiziert und anstelle des originalen 1.6-Liter-Motors ein Zweiliter-Triebwerk eingebaut. Mit über 100PS lässt sich der Volvo etwas schneller bewegen…“, lachte Jaeger.

Das Auto holt er jeweils am Tage vor einer Rallye aus der Garage und stellt es nach der Rallye wieder zurück – die Fahrten an die Veranstaltungen geschehen selbstverständlich auf Achse. „Ach ja, den Batteriepol hänge ich nach einer Rallye jeweils noch ab“, schob Jäger nach und wies stolz darauf hin, dass der Volvo ein völlig unproblematisches Auto sei. Er fuhr fort: „Und wenn mal etwas Kühlwasser nachgefüllt werden muss, verschaffe ich mir dies auf offener Strecke schon mal aus der Mosel“.

Zeuge der Aktion war ein lachend vorbeifahrender Jockel Winkelhock… Wenn kein Kühlwasser nachgefüllt werden muss, kann das Team wie bei der Schauinsland auch mal locker die Gesamtwertung bis Jahrgang 1961 gewinnen.   

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von al******
07.08.2018 (08:25)
Antworten
Schade, schade, schade, 2014 fand der letzte Schauinsland-Bergtag mit Demonstrationsläufen klassischer Rennwagen und sportlicher Automobile statt. So starb eine der rennomiertesten Bergrennstrecken Deutschlands zweimal.
von as******
07.08.2018 (10:56)
Antworten
Bei 650 Euro Startgeld ohne Übernachtung kann man meiner Meinung nach nicht mehr davon sprechen, das es sich hier nicht um eine elitäre Veranstaltung handelt....
Ich fahre seit 35 Jahren regelmäßig Oldtimer Veranstaltungen die immer noch unter 150 Euro Startgeld kosten. Das sind dann Veranstaltungen die Sich wirklich jeder noch leisten kann.
von hanul
07.08.2018 (11:41)
Antworten
2-3 Std. vor dem Start, der meistens um 10`00 war musste man an der Strecke sein. um bei der Holzschlägermatte einen guten Platz zu ergattern. Damals wohnte ich in Rheinfelden was um 3`00 aus den Federn hiess. Aber A. Blank Sir John Witmor mit Cortinas. Hubert Hahne mit BMW. Pius Zünd mit dem Impala später mit Mustang waren die Strapazen wert. Auch an Sepp Greger mit dem Carerra und dann die RS Porsche mit Hans Hermann Edgar Barth und unser Schweizer Hein Walter, ferner kann ich mich an Traffi Trips auf Borgward erinnern.
von hu******
07.08.2018 (18:34)
Antworten
Außer den genannten Hans Hermann, Berghe von Trips, Edgar Barth u.a. fehlen der Europabergmeister Gerhard Mitter und Rolf Stommelen die m. E. auch am Schauinsland fuhren
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