Wie beim Saisonabschluss 2025 reichte der untere Parkplatz vor den Messehallen in Stuttgart aus, um allen Besuchern Platz für ihre Autos zu bieten. Diesmal war es nicht der Nieselregen, der manche Besucher von der Teilnahme abhielt, sondern Temperaturen um fünf Grad Celsius, die auch dem Eiscremestand den Umsatz verhagelten. Der Kern eingefleischter Petrolheads aber liess sich dadurch von einem Besuch nicht abhalten.
Auf dem Parkplatz stach direkt ein seltener GAZ M-22 Wolga ins Auge. Seine 75 PS aus knapp 2,5 Liter Hubraum ermöglichen dem Wagen Geschwindigkeiten von deutlich über 120 km/h. Am meisten Spaß macht der 2016 aus Russland importierte Kombi aber, so der Eigentümer, bei 80 bis 100 km/h. Den Traum vom GAZ 24-24 mit dem grossen V8 Motor konnte er sich nicht erfüllen, die diese Modelle quasi nicht zu finden sind.
Alpine A110
"Es fängt an", meinte ein Besucher, aber Moderator Michael Gaedt, der einzelne Fahrzeuge dem Publikum vorstellen sollte, war nirgends zu sehen. Grund: Er hatte sich neben einem Alpine A110 hingesetzt, um mit den Insassen des niedrigen Gefährtes reden zu können. Das 1974 gebaute Coupé, das seit 1980 der heutigen Eigentümerin (auf dem Beifahrersitz gehört), hat inzwischen stolze 300.000 km auf dem Zähler. Beachtliche 70 PS aus 1300 ccm reichen aus, um das nur 650 kg leichte Gefährt angemessen zu bewegen.
Mercedes-Benz 220
Der ehemalige Porsche-Designer Anatole Lapine hatte den Wagen aus der Schweiz geholt und in Zuffenhausen restaurieren lassen. Seine Frau verkaufte das Schmuckstück später an einen Fotografen, der mit dem jetzigen Besitzer eng befreundet ist und der das Auto nach nur einem Jahr schon wieder verkaufen wollte. Zunächst zu teuer, wurde man sich sechs Monate später handelseinig, als der Freund den W187 bei einem Händler für einen neuen VW-Bus in Zahlung geben wollte.
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BMW 316i Compact
"1'005'913 Kilometer, das gibt's doch gar nicht.", rief Michael Gaedt beim Blick auf den Tacho höchst verwundert aus. Stimmt. Aber 5913 Kilometer schon. Die Besitzerin wollte nach dem Exitus ihres vorherigen Winter-BMW nach knapp 300'000 Kilometern endlich wieder ein Auto, bei dem nur Kundendienst und Tanken anfällt, das man ansonsten aber einfach nur fährt. Eine herausfordernde Aufgabe, wenn es kein fabrikneues Auto sein soll.
Nach längerer Suche fand sich im Internet ein BMW 316i Compact der Baureihe E36: nur 4800 Kilometer gelaufen und mit belegbarem, regelmässig in einer Vertragswerkstatt durchgeführtem Kundendienst. Der Motorraum sieht aus wie geleckt; im Innenraum riecht es wie in einem Neuwagen. Die weißen Blinker, der M-Sportschaltknauf und die 16-Zoll-Leichtmetallräder im "Styling 43" machen das Auto zwar nicht schneller, sehen aber gut aus.
Porsche 928
Der Wagen mit dem Kennzeichen "S-JO 928" ist das Dienstfahrzeug des Kriminalhauptkomissars Joachim Stoll, genannt "Jo", aus der ZDF-Vorabend-Krimiserie "SOKO Stuttgart", in der Moderator Michael Gaedt selbst von Beginn an als "Schrotti" mitgespielt hat. In dem Film betreibt er eine Autowerkstatt und bastelt an älteren Automobilen. Die Zuschauer der Serie nehmen ihm aber nicht ab, dass er tatsächlich selbst schraubt. Der komplizierten Technik des Porsche 928 zollt "Schrotti" noch heute grossen Respekt.
Citroën 5 HP
Das älteste Fahrzeug auf dem Platz wurde in Südfrankreich gewissenhaft restauriert und vor acht Jahren nach Deutschland geholt. Der 856-ccm-Vierzylinder leistet 11 PS, was den Wagen auf maximal 65 km/h beschleunigt. Gebremst wird nur an der Hinterachse; das Dreiganggetriebe ist unsynchronisiert. Da sein aktuelles Projekt den jetzigen Eigner zeitlich über Gebühr in Anspruch nimmt, überlegt er, den 102 Jahre alten Citroën zu veräussern.
Citroën 11 CV
Die glückliche Besitzerin hat das Auto erst seit Oktober 2025, als sie es auf der Veterama in Mannheim auf einem Anhänger entdeckte. Sie unterhielt sich mit dem Verkäufer und fuhr heim. Einige Tage später stand der Entschluss fest: "Das Auto will ich haben." Seither nutzt sie den grauen "Traction Avant" regelmäßig im Alltag, auch wenn das Getriebe nur drei Gänge hat und Kraft beim Lenken nötig ist. Dank der bereits installierten Zusatzheizung ist der graue Citroën auch an kalten Tagen angenehm zu fahren.
DKW Munga
Eigentlich hätte es ein Audi 100 werden sollen, aber die waren alle in katastrophalem Zustand. Der vorgefahrene Munga dagegen lief zum Schluß beim Katastrophenschutz, musste aber trotzdem auch gründlich restauriert werden. Ein ebenso besonderes wie nützliches Detail ist der Messbecher im Tankdeckel: Eine Kappe voll Öl auf zehn Litern Benzin sind das ideale Mischungsverhältnis für den Dreizylinder-Zweitaktmotor. Die mögliche Wattiefe von 50 Zentimetern ist nach der Instandsetzung allerdings noch nicht ausprobiert worden.
Continental Mark IV
Eines der größten Autos auf dem Platz. Wer keinen Mietwagen fahren will, kauft sich eben vorab für den Urlaub in Florida bei einem Händler ungesehen einen Klassiker und vertraut darauf, dass schon alles gut gehen wird. Die Rechnung ging auf: Bei Treffen in den USA gab es sogar Preise für den Wagen. Wenn man die 15 Liter Benzin, die sich der 7,5-Liter-V8 auf 100 Kilometern gönnt, ins Verhältnis zu der Fahrzeuglänge von ca. 6 Metern und dem Leergewicht von 2,2 Tonnen setzt, dann sind sie fast erträglich. Eher nicht für Ampelstartduelle geeignet, macht der Riese bei friedlichen 110 km/h auf der Autobahn am meisten Spaß.
Ford Taunus 17M
Als "Linie der Vernunft" bildet er den krassen Gegensatz zum obengenannten Konzernbruder. Auch technisch: 1,5-Liter-Vierzylinder, 55 PS und Viergang-Lenkradschaltung sowie – weil es ja nicht immer nur geradeaus gehen kann – zwei "Domstreben" serienmässig. Der heutige Besitzer hat den Taunus von seinem Chef geschenkt bekommen und musste trotz gültiger HU erstmal einiges am Wagen instandsetzen. Vom Rost befreit absolvierte die "Badewanne" seitdem einige Ausflüge in die Vogesen und an den Gardasee.
Thurner RS
Als Porsche-Konkurrent gedacht, entstanden zwischen 1969 und 1974 nur 121 Exemplare des GFK-Sportwagens auf NSU-Fahrgestell. Weniger als 30 davon sollen noch erhalten sein. Der Motor stammte aus dem NSU TT und leistet 65 PS, was dem Besitzer völlig ausreicht. Bei nur 590 kg Leergewicht sind trotzdem Geschwindigkeiten bis 180 km/h möglich. In der Rennversion hatten die Triebwerke zwar bis zu 125 PS, mussten aber nach jedem Einsatz revidiert werden.
Schade, dass nur etwa 20 Personen, die direkt um die gezeigten Fahrzeuge standen, den Vorstellungen folgen konnten. Der primitive Lautsprecheranlage reichte einfach nicht aus, um einen größeren Platz zu beschallen. Zudem war nur der Moderator selbst durch sein Mikrofon zu hören. Die Antworten der Fahrzeugbesitzer waren nur in einem Abstand von weniger als fünf Metern zu verstehen. Möglicherweise wissen unsere Leser nun also mehr von den gezeigten Automobilen als manche Besucher, die extra angereist waren.
Ebenfalls schade, dass die Rampe, auf der die Fahrzeuge vor einigen Jahren in Bietigheim gezeigt wurden, genauso fehlte wie Comoderator Thomas Plehn. Nicht dass Michael Gaedt die Fahrzeuge nicht gekonnt vorgestellt hätte, aber das Zwiegespräch der beiden hat den Besuchern immer viel Spaß gemacht. Wer sich die Mühe macht, ältere Berichte der Saisoneröffnung nachzulesen, wird schnell sehen, dass auch die früheren Besucherzahlen derzeit leider nur zu einem Bruchteil erreicht werden.
Beim Verlassen des Platzes fielen noch zwei jüngere Besucher auf, die sich angeregt über ihre Fahrzeuge unterhielten. Der eine saß in einem BMW Touring 520i der Baureihe E34 wie ihn seine Eltern früher fuhren; der andere hatte sich mit einem Mercedes-Benz 220 CE der Baureihe W124 seinen Jugendtraum erfüllt. Beide verbindet das Interesse an Technik, die Begeisterung für ältere Autos, der Spaß an Treffen mit Gleichgesinnten und der Erfahrungsaustausch, denn Reparaturen werden – soweit möglich – selbst durchgeführt.
Freuen wir uns also, dass entgegen allen Unkenrufen die Jugend auch ihren Spaß an Young- und Oldtimern entdeckt, und wünschen wir allen eine tolle Saison 2026 und – zumindest in Deutschland – hoffentlich bald wieder erträgliche Benzinpreisen.

















































































































































































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