Ein Besuch am O iO (Oldtimer in Obwalden) ist gut dafür angetan, gleich eine ganze Reihe an Vorurteilen zu widerlegen. Denn es zeigt sich, dass es an Nachwuchs im Oldtimer-Hobby keineswegs fehlt, man sieht neben Sportwagen und Cabriolets auch längst vergessen geglaubte Limousinen vergangener Zeiten und selbst bei feuchtnasser Witterung bleiben Besucher und Fahrer der Veranstaltung nicht fern.
Eigentlich ist das O iO eine riesige Party, ein zweitägiges Fest, das an drei Orten stattfindet und knapp 10’000 begeisterte Zuschauer und weit über 500 Oldtimer aller Schattierungen mit ihren Besatzungen vereint.
Es dürfte nur wenige ähnliche Anlässe geben, die eine derartige Breite an Fahrzeugen zu mobilisieren vermögen. Ob Dampfmobil der Frühzeit, Vorkriegsklassiker oder Sportwagen-Boliden der Sechziger- und Siebzigerjahre, es ist fast alles abgedeckt, was über die letzten hundert Jahre auf unseren Strassen kurvte. Selbst Hochräder, Postautos und Baumaschinen haben ihren Auftritt.
Bewährter Ablauf
Das Programm hat sich bewährt und wird von Organisator Ruedi Müller von Jahr zu Jahr nur mit Bedacht leicht variiert. Am Samstag trifft man sich in Sarnen und stellt die Oldtimer aus. Nach den Publikumsfahrten und dem Corso geht es nach Giswil, wo wiederum ein Marschhalt stattfindet. Am Abend verteilt sich die Besucherschaft auf verschiedene Übernachtungsorte. Am Sonntag geht die Fahrt dann nach Engelberg, wo die Fahrzeuge den dortigen Besuchern nochmals vorgeführt werden.
Als Besonderheiten im Jahr 2013 stehen den Teilnehmern verschiedene Streckenführungen von Sarnen nach Giswil zur Auswahl und am Sonntag kann wie im Jahr 2011 wiederum eine Spezialroute vor Engelberg befahren werden.
Petrus ist ein Oldtimer-Fan
Haben die Meteorologen noch wenige Tage vor dem O iO feuchtkühles Wetter angesagt, überrascht der Wettergott die O-iO-Teilnehmer schon am Samstagmorgen mit einem goldenen Morgenlicht und blauem Himmel. Die verschneiten Berggipfel erzeugen eine Kulisse, wie sie besser für ein Oldtimer-Treffen gar nicht denkbar ist.
Schon frühmorgens zieht ein fast endloser Strom von alten Autos in Richtung Obwalden und blickt man durch die Seitenscheiben, erkennt man nur fröhliche und lachende Gesichter.
Viele Teilnehmer haben nicht nur ihren Oldtimer geputzt und sorgfältig auf die Ausfahrt vorbereitet, sie haben sich gleich selber in Kleider gestützt, wie man sich auch vor 30, 40 oder 60 Jahren getragen hat.
Es wird viel gewunken, zwischen den Teilnehmern entsteht schon auf der Anreise ein grosses Zusammengehörigkeitsgefühl. Viele kennen sich auch, denn sie sind seit Jahren dabei, jedes Jahr an Pfingsten.
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Sarnen als Oldtimer-Mekka
Sarnen wird am 18. Mai zum Sammelplatz von über 500 Oldtimern. Jeder Platz wird verstellt, zwischen den begeisterten Besuchern ist kaum mehr ein Durchkommen. Überall gibt es Raritäten zu entdecken, sei es ein Marmon, ein De Soto oder ein Austin A35.
Es sind nicht die hochbezahlten Raritäten, die das Besondere des O iO ausmachen, es sind die Alltagsautos der Vergangenheit, die heute oft seltener geworden sind als an Auktionen teuer bezahlte italienische Preziosen. Manch ein Besucher entdeckt da den Wagen, auf dessen Rücksitz er als Kind mitgefahren war oder mit dem er selber das Fahren erlernt hat.
Promenieren, sehen und gesehen werden
Auch Neulinge am Anlass erkennen schnell, dass O iO viel Gewicht auf Tradition und Geschichte gelegt wird. Die Teilnehmer präsentieren sich in authentischer Kleidung, passend zum jeweiligen Fahrzeug. Grosse und kleine Hüte zieren die Köpfe und geben den nötigen Schatten, die Damen tragen lange Kleider, fächern sich ein bisschen Wind ins Gesicht, blinzeln durch die Sonnenbrillen und geben allen Zuschauern das schönste Lächeln.
Schnell geht die Zeit vergessen, oder sie scheint stehen zu bleiben. Immer wieder entdeckt man Neues und amüsiert sich am Geschehen: Auf einem alten Ford-Pickup haben es sich zwei junge Mädchen gemütlich gemacht, geniessen sichtlich die Sonne und aber auch die Blicke, die sie auf sich ziehen.
An einem anderen Ort steigt gerade eine Dame mit zwei Kindern aus einem Oldtimer aus - offensichtlich durften die für ein kurzes Stück mitfahren. Eine andere Dame steigt ein, das Fahrzeug ist wieder halb voll und weiter geht es. Die Publikumsfahrten sind sehr beliebt, man kommt sich vor wie im Museum, aber alles um einen herum lebt und bewegt sich.
Alte Postautos, geschmückte VW Bullis, ein Töffli mit Seitenwagen, ja sogar fast 130 Jahre alte Hochfahrräder schlängeln sich durch die Menge ...
20 Kilometer statt 1000 Meilen
Man will sich nicht mit der Mille Miglia messen. Die samstagnachmittägliche Fahrt von Sarnen nach Giswil auf mehreren unterschiedlichen Routenführungen weist nur eine Distanz von 10 bis 25 Kilometern auf, doch die Steigungen lassen sich durchaus mit dem Futa-Pass vergleichen und landschaftlich wird den Teilnehmern ebenfalls einiges geboten. Wunderschöne Waldpassagen, enge Strässchen, kurvige Teilstrecken, es ist alles dabei.
Während die einfachste Routenvariante weitgehend auf flachem Terrain von Sarnen nach Giswil führt, bietet die längste Streckenführung auf gebirgigen Strassen durch Ronenwald und Schmandenwald kurvige Herausforderungen aber auch besondere Aussichten.
Sogar die Hochfahrräder haben die 10-km-Route nach Giswil unter das riesige Vorderrad genommen. Die Steigung durch den Feldmooswald ist dann aber doch zu steil und die tüchtigen Radler schieben ihre Vehikel mit Witz und Gelassenheit die Passage hoch: "Wir nehmen es gemütlich! Wir haben ja Zeit, gell!", rufen sie den Zuschauern an der Strecke zu. Sie lachen und um zu beweisen, dass es ihnen an Kräften nicht fehlt, beginnen sie ein paar Meter weiter zu rennen, schwingen sich mit einer schwungvollen, eleganten Bewegung wieder in den Sattel und radeln weiter.
Jede Schönwetterperiode hat ein Ende
Ganz so schön wie am ersten Tag geht es am zweiten Tag nicht weiter. Die Strassen sind nass am Sonntag morgen, es regnet. Ruedi Müller meint dazu, dass man jetzt halt für das geradezu einmal schöne Wetter vom Samstag “bezahlen” müsse.
Trotzdem finden sich am Startort immerhin rund 300 (von 420 erwarteten) Fahrzeuge und deren Besatzungen ein, um die für ältere Fahrzeugsemester durchaus anspruchsvolle Strecke nach Engelberg unter die Räder zu nehmen.
Wiederum aber erreichen alle das Ziel, wenn auch der eine oder andere Teilnehmer sich entschliesst, am Schluss ein wenig abzukürzen. So selbstverständlich war Ankommen auch früher nicht, denn die Steigung von Wolfenschiessen nach Engelberg hat schon vor 50 oder 100 Jahren manchen Kraftwagen mit Überhitzungserscheinungen in die Knie gezwungen.
Das Wetter hat dann gegen Mittag doch noch ein Einsehen, die Sonne zeigt sich und bei der Präsentation der Oldtimer durch Elio Crestani im Kurpark können dann die Dächer wieder heruntergeklappt und die Seitenscheiben geöffnet werden.
Jedes Jahr wieder
Obschon die Vorbereitungsarbeiten und der Organisationsaufwand enorm sind, lässt Ruedi Müller nicht nach. Auch 2014 wird es wieder ein Treffen in Obwalden geben ... und wer es noch nie erlebt hat, sollte sich das Datum für nächstes Jahr bereits vormerken - 7. - 8. Juni 2014 - und schon beginnen, neben dem Oldtimer auch das richtige Outfit zu beschaffen.


























































































































































































































































































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