Lang ist's her - die Geburt der Ennstal Classic

Erstellt am 23. Juni 2011
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
34

Demnächst wird die 19. Ennstal Classic in Gröbming gestartet. Die Idee zur einer der heute grössten und bekanntesten Oldtimer Rallye entstand 1992 anlässlich des GP Ungarn im Catering-Zelt des Sauber Teams.

In einem Zelt bei Sauber

An einem Tisch sassen damals Helmut Zwickl, Michael Glöckner und der Autor dieser Zeilen. Es war wie meist in Budapest brütend heiss und wir philosophierten über Gott und die Welt. Plötzlich kamen wir auf die Idee, einmal etwas mit historischen Autos unter Freunden zu unternehmen. Nein, keine Kaffeefahrt, etwas mehr sollte es schon sein, wir stellten uns das “Etwas” in der Form einer kleinen Rallye.

Michael Glöckner als Leiter der Freizeitschule in Gröbming witterte sofort die Chance, sein Gebiet mit einer derartigen Veranstaltung noch bekannter zu machen und erklärte sich bereit, die logistische Organisation zu übernehmen. Helmut Zwickl wurde der Verantwortliche für die Rallye selbst und ich stellte meine Dienste als Fotograf zur Verfügung.

Bei der ersten Durchführung schon 41 Anmeldung und viele bekannte Renngrössen

Gesagt getan! Innerhalb eines Jahres wurde alles organisiert und es meldeten sich tatsächlich 41 Teams zur ersten Ennstal Classic. Schon zur ersten Austragung kamen berühmte Namen wie Walter Röhrl, Karl Wendlinger, Dieter Quester, Franz Wittmann und nicht zu übersehen Didi Mateschitz.

Die Veranstaltung dauerte damals nur zwei Tage. Am ersten Tag fuhr man zweimal den Stoderzinken, am zweiten stand dann eine kleine Tour über den Sölkpass auf dem Programm.

Das Wetter als Zünglein an der Waage

Das Wetter spielte, wie so oft im Ennstal, auch bei dieser ersten Veranstaltung eine entscheidende Rolle. Am besten war man schon damals mit Allwetterreifen versorgt. Nur ganz selten gibt es drei trockene, schöne Tage im Herzen Oesterreichs.

Dafür hatte man damals alle Zeit dieser Welt. Zum einen blieb mir als Fotograf genug Zeit, die Kühe am Strassenrand bis zur Ankunft des ersten Teilnehmers richtig zu platzieren, zum andern hatte man ausreichend Gelegenheit für lange, intensive Diskussionen untereinander.

Daneben blieb damals noch genug Zeit, während der Rallye den teilnehmenden Fiat 1100S für die Auto Revue zu fotografieren. Wir liessen es uns nicht nehmen, das Auto hier und da für die Fotos gezielt in Szene zu setzen. Das wäre heute nicht mehr möglich, zumindest nicht wenn die Teilnehmer keine Extra-Strafpunkte kassieren wollen.

Kühe als Beeinflusser des Gesamtklassements

Zum Thema Kühe: Am Sölkpass grasten sie in aller Ruhe neben der Strasse. Als ich mein Bild mit ihnen schon vor meinem inneren Fotografenauge vor mir sah und mich positionierte, kamen sie langsam alle neugierig angetrottet. Ich ging mit ihnen auf die Strasse und dachte, dass die Bilder genau so perfekt werden würden. Zum Schluss blockierten sie jedoch die Durchfahrt.

Als meine zwei Freunde Karl Wendlinger und Walter Totschnig im Mercedes Benz 300 SL angerauscht kamen, standen die Kühe wie betoniert auf der Strasse. Der “Gullwing” musste einen ungeplanten Stopp einlegen und alles Hupen nützte nichts. Erst mein vorher unerkanntes Talent als „Kuhflüsterer“ öffnete die Strasse wieder für den Verkehr. Inzwischen reihten sich bereits diverse weitere Fahrzeuge hinter dem 300 SL auf. Fortan war ich für alle Kühe auf den Strassen verantwortlich.

Autofahren im letzten Paradies

„Autofahren im letzten Paradies“ wurde zum Slogan für die Ennstal Classic und wer je in dieser schönen Gegend war, kann bestätigen, dass dieser Spruch die Realität beschreibt.  Es gibt kaum irgendwo schönere und gleichzeitig derart verkehrsarme Strassen, wie sie bei der Ennstal befahren werden können. Dazu kommt das wechselhafte Wetter, welches jede einzelne Tour speziell macht.

Die Ansprüche der Organisatoren sind jährlich gestiegen, die Logistik wurde perfektioniert und mittlerweile darft man die Ennstal Classic gleich nach der Mille Miglia als eine der besten Oldtimer-Veranstaltungen nennen.

Kaum ein Bekannter aus der Motorsportszene war nicht schon Gast in Gröbming, viele wurden sogar zu Stammgästen, allen voran Stirling Moss.
Genauso standen vermutlich schon fast alle Automarken aus der 125-jährigen Automobilgeschichte am Start oder wurden den begeisterten Zuschauern am Samstag anlässlich des „Stadt Grand Prix“ vorgestellt.

Bei der ersten Durchführung im Jahre 1993 setzte sich das Publikum aus ein paar Jugendlichen auf ihrem Schulweg und einigen zufällig anwesenden Automobil-Interessierten zusammen. Es gab weder Tribünen, noch Ausstellungen, noch Festzelte, noch speziell eingerichtete Parkplätze.

Heute ist das alles ein muss, denn die Fans reisen am Samstag zu Tausenden nach Gröbming. Und auf der heute rund 600 km langen Tauernrunde stehen die Zuschauer in praktisch jeder Ortschaft und auf allen Pässen, wo sie die Teilnehmer mit ihrer Begeisterung unterstützen.

Sieger Walter Röhrl

Der erste „Ennstal Classic“-Sieger, wie könnte es anders sein, hiess Walter Röhrl, mit seiner Frau Monika als Beifahrerin. Er nahm in seinem privaten Austin Healey 3000 MKll teil. Karl Wendlinger, mit Walter Totschnig auf dem heissen Sitz, kamen auf den sechsten Platz. Walter war viele Jahre als Team-Manager mit dem Sauber Team unterwegs. Er war ein Rallye-Fan der ganz extremen Art. Seine Liebe zur „Ennstal Classic“ war so gross, dass er mit Bekanntgabe des Datums der kommenden Rallye auf die Sekunde die Wartezeit ausrechnete und sie als Countdown runterzählte. Leider hat ein Krebsleiden seinem Leben ein allzu frühes Ende gesetzt und wir haben mit ihm einen ganz lieben Freund verloren.

Herbert Völker landete mit dem Fotoobjekt Fiat 1100 S übrigens auf dem siebten Platz und das trotz mehrmaligem Foto-Stopp!

Walter Röhrl siegte damals mit 176 Strafpunkten, Dreissigster und letzter wurde Peter Müller (Initiant des Arosa Bergrennens) mit seinem Porsche 904 und das mit genau 571’203 Strafpunkten!

Schlussklassement Ennstal Classic 1993

Rang Fahrer / Beifahrer Fahrzeug Jg Punkte
1 Walter Röhrl / Monika Röhrl (D) Austin Healey MKII 1962 171
2 Klaus Otto Räker / Helmut Reimann (D) Porsche 550 A Spyder 1957 241
3 Franz Wittmann / Jörq Pattermann (A) Lamborghini 400 GT Islero 1968 664
4 Joset Gneist / Manfred Kerschbaumer (A) Austin Healev 3000 MK 3 1967 757
5 Klaus Hochedlinqer / Michaela Bollmann (A) Mercedes-Benz 250 SL 1967 796
6 Karl Wendlinger / Walter Totschnig (A) Mercedes-Benz 300 SL 1955 1.053
7 Herbert Völker / Johannes Geist (A) Fiat 1100 S 1948 1.335
8 Wolfgang Maszke / Monika Maszke (D) Triumph TR3A 1961 1.421
9 Dietrich Mateschitz / Anita Gerhardter (A) Austin Healev 3000 MK 3 1966 1.469
10 Helmut Hellmann / Tina Hellmann (A) Alfa Romeo Giulia SS 1964 1 655
11 Walter Krögler / Monika Krögler (A) Lotus Super Seven Cosworth 1962 2.034
12 Leopold Krassnig / Erni Krassnig (A) Maserati Indy 1970 2.614
13 Peter Schneider / Renate Schneider (D) Porsche 356B Carrera 2 Cabrio 1962 2.730
14 Alfred Prokesch / Rolf Schmidt (A) Jaquar XK140 1956 2.959
15 Michael Jacobsen / Hannelore Jacobsen (D) Ferrari 275 GT Spider 1966 4,069
16 Hans Kidery / Werner Schüpferling (A) Chevrolet Veqa 2300 1971 4.113
17 Othmar Bruckmüller / Michaela Bruckmüiler (A) Mercedes-Benz 600 SWB 1969 4.358
18 Hermann Huber / Karin Huber (A) Triumph TR3A 1958 4.555
19 Alfred Staffer / Hans Hartinger (A) Porsche 911 T 1971 5.470
20 Dieter Quester / Horst Roger (A) BMW 507 1958 7,452
21 Gert Pierer (A) Volvo 1800 S Coupé 1964 8.776
22 Joe Ofenböck / Martina Ofenböck (A) Steyr Fiat 1100 E 1951 9.253
23 Axel Wenig / Marqit Wenig (D) BMW V8 3200 Super 1962 9.309
24 Bernd Schindler / Michael Brinkert (D) Aston Martin DB4 GT Vantage 1963 12.403
25 Arthur M. Riekmann / Barbara Peterka (A) Chevrolet Corvette Stinqray 1963 12.612
26 Bennv Ringsberg / Karin Ringsberg (S) Maserati Ghibli Spider SS 1971 16.278
27 Anton Raff (A) Lancia Flaminia Convertibile 1960 17.094
28 Herbert Gisch / Kurt Mayer (A) Mercedes-Benz 280 SE/9 1971 58.757
29 Ernst Chaluoa / Alexander Chalupa (A) Ford A Roadster 1930 118.733
30 Peter Müller / Werner Ritzenhoff (CH/A) Porsche 904 GTS 1964 571.203

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