Von 21. bis 24. Juli führte die Ennstal-Classic wieder durch die schönsten Gegenden Österreichs. 227 Teams aus 15 Nationen sind trotz teils mühsamer Einreise-Bestimmungen für Mensch und Maschine ins Ennstal gekommen. Sechs Frauen-Teams standen am Start, und eines davon fuhr sogar auf den zweiten Gesamtrang.
Schwierige Rahmenbedingungen
Helmut Zwickl eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: "Es grenzt an ein Wunder, dass diese Ennstal-Classic überhaupt stattfindet."
Die Entscheidungen für den Event mussten zu einem Zeitpunkt getroffen werden, an dem noch lange nicht feststand, ob eine Veranstaltung dieser Grössenordnung überhaupt möglich sein würde. Einzig die schweren Unwetter im Raume Salzburg nur wenige Tage vor dem Start zwangen zu einer spontanen Routen-Änderung. Die Etappe von Bad Ischl nach Schladming über die Postalm musste verlegt werden, da die Strasse unpassierbar war. Aber die spontan entstandene neue Route über den Pass Gschütt am Hallstätter See begeisterte selbst die langjährigen Teilnehmer.
Mini-Herren vor Giulia-Damen
Zum bereits vierten Mal hat das Gespann Friedrich Radinger / Thomas Wagner im Mini 1275 GT die Rallye gewonnen. Damit konnte das Top-Team zum legendären Duo Rudolf Schraml und Helmut Artaker aufschliessen, welche den Bewerb in den Zweitausender-Jahren viermal gewinnen konnten. Kann da von totaler Dominanz gesprochen werden? "Eher von voller Fokussierung und höchster Konzentration. Du musst die ganze Zeit wie in einem Tunnel fahren, dich von nichts ablenken lassen."
Der grossartige Sieg nahm diesmal aber erst ab dem Marathon vom Freitag Form an, bei dem ein doch ansehnlicher Rückstand vom Donnerstag doch noch aufgeholt werden konnte.
An zweiter Stelle und damit erstmals unter den Top-Drei: ein reines Damenteam. Die Geschwister Margarita und Magdalena Voglar konnten mit ihrem Alfa Romeo Giulia TI die Fahrt nahezu fehlerlos absolvieren und wollen nun für die nächstjährige Jubiläums-Ausgabe den Gesamtsieg anpeilen. Margarita Voglar: "Was wir können, haben wir sicher von unserem Vater gelernt. Aber ab jetzt kann der Vater von uns lernen."
Prominenz im Starterfeld
Zahlreiche Fans klassischer Fahrzeuge säumten wieder die Wegstrecken quer durch Österreich, hingen hinter Gartenzäunen, sassen auf Bänken am Wegesrand, oder nutzten die Rallye dazu, ihre eigenen "Oldies" zu entstauben und auszuführen. Auch viele Promis waren wieder zu Gast. Als Stammstarter zählen sicher Rock-‘n’-Roll-Sänger Peter Kraus, Rallye-Star Rauno Aaltonen, Tourenwagen-Legende Dieter Quester und der ehemalige McLaren-Rennleiter Jo Ramirez aus Mexiko. Aber auch die Königsklasse des Motorsports war mit Mark Webber und Le-Mans-Sieger Timo Bernhard gut vertreten.
Oldtimer-Rallye als Wirtschaftsfaktor
Letztes Jahr musste die Ennstal-Classic aufgrund der Corona-Pandemie erstmalig pausieren. Die für 2020 geplante 28. Auflage wurde jedoch nicht verschoben oder wiederholt, sondern trotzdem regulär mitgezählt, sodass bereits nächstes Jahr die 30. Auflage an den Start geht. Seit 1993 fand die Ennstal Classic jährlich statt und wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Region Dachstein. So meint Thomas Reingruber, Bürgermeister von Gröbming: "Der Werbewert für Gröbming und das Umland ist enorm. 25’000 Nächtigungen sprechen eine deutliche Sprache." Es ist eine Region, die diese Rallye akzeptiert und schätzt ganz ohne wenn und aber, mit ganz grosser Freundlichkeit und auch ohne unnötige Kontrollen. Trotz immer stärker werdender grüner Macht, sollten wir unsere Vergangenheit nie vergessen.
Barbara Eibinger-Miedl, Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus, Europa, Wissenschaft und Forschung, ist der Meinung, dass Vergangenheit und Zukunft einander nicht ausschliessen müssen: "Die Branche ist im Umbruch, Technik ändert sich, wir werden künftig ‘emissionsfreie’ Autos fahren. Aber all das bedeutet nicht, dass man die Vergangenheit verteufeln muss. Klassikveranstaltungen mit diesen Autos und ihrer grossartigen Geschichte üben eine grosse Faszination aus – auf alle Leute, auch auf mich." Ernst Hausleitner, ORF-Formel-1-Moderator: "Man darf weder in der Formel 1 noch in der ‘normalen’ Autowelt auf die Historie vergessen. Sie spielt eine viel grössere Rolle als man annehmen mag."
Es beginnt doch schon im Kleinen: Erinnern wir uns denn nicht alle gerne, mit zunehmendem Alter vermehrt, selber an die zahlreichen Ausfahrten im Auto des Grossvaters oder Vaters? Haben wir nicht selbst noch das Rasseln des VW Käfer oder das Knattern des Fiat 500 in unseren Ohren? Staunten wir nicht alle über ein Schiebedach, oder Autoradio, wenn auch dessen Empfang miserabel war? Heute ist alles so perfekt, dass wir uns auch gerne wieder mehr und mehr nach der guten alten Zeit sehnen.
Echtes Autofahren
Das Wort zum Schluss von Jens Svete, Geschäftsführer der Scuderia Gohm, dem einzigen offiziellen Ferrari-Händler in Österreich: "Oldtimer wie diese hier zu bewegen, ist noch echtes Autofahren. Heute werden die Autos elektronisch fahrbar gemacht, bei den alten Fahrzeugen zählt noch Muskelkraft."
















































































































































































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