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Eifel-Rallye-Festival 2022 – Das Warten hat ein Ende

Erstellt am 25. Juli 2022
, Leselänge 6min
Text:
Adrian Swiridoff
Fotos:
Simon Kwasny 
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Porsche 914/6 GT (1970) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Porsche 914/6 GT (1970) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Porsche 914/6 GT (1970) – Eifel-Rallye-Festival 2022
BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Das Wetter hätte besser nicht sein können; das Publikum und die Teams nicht besser miteinander harmonieren können. Das diesjährige Eifel-Rallye-Festival von 21. bis 23. Juli stand unter gleich mehreren guten Sternen. Es war die zehnte Ausgabe des Festivals. Gleichzeitig markierte dieses Jahr das 50-jährige Jubiläum der Rallye-Weltmeisterschaft, der WRC. Obendrein war es der Befreiungsschlag des E.R.F. aus dem coronabedingten Dornröschenschlaf.

Bild Porsche 911 SC (1982) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Porsche 911 SC (1982) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Vor Ort, im Fahrerlager und den nahegelegenen Restaurants spürte man die Freude, mit der die Menschen hier angereist waren. Alle waren durstig nach ohrenbetäubenden Zündaussetzern und hohen Geschwindigkeiten dort, wo sie unmöglich scheinen. Zu Ehren der Neubelebung waren auch Rallye-Urgesteine wie Niki Schelle, Stig Blomqvist, Harri Toivonen, Fabrizia Pons, Jochi Kleint, Harald Demuth, Thierry Neuville und Marc Duez vor Ort und pilotierten alle ein Fahrzeug, mit dem sie ehemals in den Meisterschaften gestartet sind.

Ein Zwitschern im Wald

Nach einem ersten "Shakedown" am Donnerstag und einem speziell für diesen Anlass eingerichteten Freilichtkino am Donnerstagabend ging es am Freitagmittag in die erste Runde. Insgesamt waren acht verschiedene Stages für Freitag und Samstag vorbereitet – langweilig dürfte also niemandem geworden sein. Im Gegenteil: Die Begeisterung nahm auch gegen Samstagabend kein Stück ab.

Auf jeder Etappe eröffneten ein 1980er VW Golf GTI und ein 1975er Opel Kadett GT/E als Safety Cars das Feuerwerk, bevor die schweren Geschütze zündeten. Zahlenmässig war das Starterfeld ganz klar von Fünfzylindern aller Art dominiert. Auf 26 verschiedene Arten wurde hier aus 2226 Kubikzentimetern und einem Turbo Musik gespielt – mal war der Turbo lauter, mal der Motor selbst. Das Publikum jedenfalls war alles andere als übersättigt, denn jedes Mal wenn sich ein Audi durch unvergleichlich lautes Lastwechsel-Zwitschern aus der weiten Ferne ankündigte, wurden alle Gespräche eingestellt und der Blick erwartungsvoll auf die Strecke gerichtet

Bild Audi Quattro A2 (1984) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Audi Quattro A2 (1984) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Zu Beginn jeder Stage herrschte zwischen den vorbeifahrenden Exponaten noch merklich zeitlicher Abstand. Doch nach rund 15 Minuten wurde dann ein Stück Rallyegeschichte nach dem anderen über die Linie gewinkt, und alles erwachte zu neuem alten Leben. Zuschauer als auch Teammitglieder konnten gar nicht anders, als ihrer Begeisterung freien Lauf zu lassen.

Drifts und Donuts

Wenn ein Fahrer es einmal wagte, eine Kurve im Drift zu nehmen, hielten die Zuschauer die Luft an. Gelang das Manöver, so löste sich die Spannung in lautem Beifall und Jubel. Sporadisch wurde dies dann im Herausbeschleunigen mit einer Lichthupe oder einem Wink aus dem Fenster quittiert.

Ein Wiedersehen gab es mit Marcel Baldauf, der mit seinem rot-schwarzen BMW 325i als besonders querfahrender Vorauswagen mit von der Partie war und unentwegt für Freude bei den Zugereisten und Nervosität bei den Streckenposten sorgte. Doch auch wenn es nicht gleich im ersten Anlauf gelang, wussten manche Fahrer die Situation zu retten. So wie zum Beispiel Gerard und Mike Stacey im Ford Escort RS 2000, die einen Dreher mitten in der Serpentine in einen Donut verwandelten und das Publikum damit in Jubel und Beifall versetzten.

Bild BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Überholmanöver gestalteten sich auf den allermeisten Streckenabschnitten als waghalsig. Aber dennoch liessen es sich Manche nicht nehmen und zogen gekonnt am langsameren Vordermann vorbei. Während die Dynamitfässer der Gruppe B und Konsorten um die Spitze der Brutalität buhlten, fuhren Triumph 2.5 PI, Lancia Fulvia, Citroën DS, Ford 12 M Coupé und Anglia sowie BMW 2002 ti in altehrwürdigem Stil Parade vor der Tribüne.

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Prominenz in der Boxengasse

Doch auch abseits der Strecke konnte man überrascht werden. Zum Beispiel von Harald Demuth, der entspannt im Zelt der "Audi Tradition" stand und hier und da die ein oder andere Frage beantwortete. Oder von Stig Blomqvist, der mehr oder weniger unbehelligt durch das Paddock schlendern konnte und sich die Autos ansah.

Bild Peugeot 205 T16 Pikes Peak (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Peugeot 205 T16 Pikes Peak (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022

An anderer Stelle ging Harri Toivonen, der Bruder des verstorbenen Henri Toivonen, in gemächlichem Trott durch die Boxengasse an der Strecke zu seinem Auto. Und wem begegnete man dort? Genau: Bruno Ianniello. Ianniello ist der Mann, der seit gut 20 Jahren die Lancia Delta S4 der Gruppe B auf Bestellung mit Originalteilen nachbaut oder neu aufbaut.

Eine schnelle Hundehütte

Ein ganz besonderes Auto auf dem diesjährigen Festival war der ehemalige Lancia Stratos von Sandro Munari. Nachdem es ihn im Einsatz in sprichwörtlich tausend Teile zerlegt hatte und sein Cockpit danach zwischenzeitlich zur Hundehütte zweckentfremdet wurde, war er nun dank Ezio Lolli wieder auf den Rädern und von neuem Glanz. Man sieht ihm seine durchwachsene Geschichte keineswegs an und bekommt fast ein bisschen Gänsehaut, wenn man vor einer solchen Zeitkapsel steht.

Bild Lancia Stratos (1979) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Lancia Stratos (1979) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Unerwartet war der Peugeot 306 Maxi Kit Car, mit dem der aktuelle Rallye-Weltmeisterschaftsfahrer Thierry Neuville an den Start ging. Ein Herzensprojekt seinerseits, fährt er doch eigentlich gerade für Hyundai in der WRC. Mit dieser Knalltüte war jedenfalls für Unterhaltung gesorgt – vor allem da sie so gekonnt und Spitz auf Eck ums Eck geschoben wurde.

Auch Niki Schelle liess es sich nicht nehmen, vor den Fans in der Eifel einmal so richtig frei zu drehen. Zur Abwechslung war er dieses Mal nicht mit einem Lancia Delta S4 von Ianniello unterwegs, sondern setzte auf seinen Testwagen aus der WRC 2002. Verstecken musste er sich damit nicht.

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Preise von den Profis

Während Donnerstag, Freitag und Samstag alles und jeder immer irgendwie in Bewegung und auf dem Weg von A nach B war, fanden sich Zuschauer wie Teammitglieder am Samstagabend zur Preisverleihung an der Rallye-Meile in Daun ein. Gerard und Mike Stacey sicherten sich mit dem bereits erwähnten Stunt – den sie übrigens in jeder darauffolgenden Runde zielsicher reproduzierten – den glorreichen Preis des "Sideways Star". Entgegen nahmen sie ihn vom vielfachen deutschen Rallyemeister Matthias Kahle, der sich diesen Preis wohl fast selbst hätte überreichen müssen. Mit einem Skoda 130 RS fuhr er quer, wo es nur ging – allerdings ohne auch nur eine Zehntelsekunde zu verschenken.

Bild Skoda 130 RS (1977) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Skoda 130 RS (1977) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Gewinner der Kategorie "Best Replication" waren Frank Unger und Thorsten Scheffner. Sie erhielten für ihren Nachbau eines Lancia Delta Integrale 16V den Preis von Kalle Grundel. Eine gegenseitige Ehre boten sich Ezio Lolli und Lofty Drews. Ezio Lollis Mühen, den Stratos von Sandro Munari wiederzubeleben, wurden mit dem Preis für das "Best Original" gewürdigt; überreicht vom ursprünglichen Co-Piloten dieses Fahrzeugs in den Jahren 1975 und 76, Lofty Drews.

Helmut Steiner und Hanna Wadlegger wurden mit ihrem Toyota Corolla WRC von 1998 zur "Champion's Choice" gekürt – von niemand geringerem als Stig Blomqvist, der an diesem Wochenende ebenfalls viel ins Lenkrad gegriffen hatte. Eine wunderbar tönende Alpine-Renault A310 von 1977 brachte Franz Zehetner und Martin Strobl den Preis für das schönste Auto ein. Wenn Harri Toivonen auch nicht mit dem Delta S4 zum Zuge gekommen ist, konnte er hier doch noch eine Freude bereiten und überreichte den Preis an die beiden.

Bild Toyota Corolla WRC (1998) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Toyota Corolla WRC (1998) – Eifel-Rallye-Festival 2022

Zu guter Letzt überreichte die ehemalige Co-Pilotin von Michele Mouton, Fabrizia Pons, den Sonderpreis an Fred und Eva Walter mit ihrem originalen Lancia Beta Coupé von 1975. Der Co-Pilot von Fred Walter war an diesem Wochenende Simo Lampinen, welcher schon 1975 Co-Pilot in exakt diesem Fahrzeug war.

Abschiedsschmerz und Vorfreude

Das Festival musste dieses Jahr nicht erst wieder langsam anlaufen. Es war so voll wie noch nie zuvor. Genau das schürt noch mehr Vorfreude auf das Eifel-Rallye-Festival 2023, wenn noch mehr Zuschauer anreisen und noch mehr werksseitige Teams auftreten. Denn mit jedem Festival wird es mehr und mehr zu einer Torheit für alle Rallyesportbegeisterten, nicht dabei zu sein.

Es dauerte noch eine Weile, dann dämmerte es auch in der Leopoldstrasse in Daun, wurde langsam dunkel und still an diesem Samstagabend. Und Sonntag Früh war wieder Gegenwart in dieser kleinen Kreisstadt in der Vulkaneifel – bis auf ein Wiedersehen im Juli 2023.

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Porsche 914/6 GT (1970) – Eifel-Rallye-Festival 2022
Porsche 914/6 GT (1970) – Eifel-Rallye-Festival 2022
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BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
BMW 325i (1987) – Eifel-Rallye-Festival 2022
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