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Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story (Buchbesprechung)

Erstellt am 2. Juni 2014
, Leselänge 5min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Heel Verlag 
5
Audi 
4
Heel 
1
Balz Schreier 
1
Michael Alschner 
1
Unternehmensarchiv der Audi AG 
1
Walter Röhrl im Audi Sport quattro S1 am Pikes Peak Hillclimb
Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»
Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»
Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»
Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»

Race to the clouds

Man stelle sich das kurz vor: Auf dem höchsten Pass der Alpen, dem Col de la Bonette (2802m) startet man zum Bergrennen und erreicht nach annähernd 20 km auf dem Montblanc das Ziel. Kling nicht nur ein bisschen verrückt, ist es auch. Und deshalb findet so ein Bergrennen eben auch statt. Das Zauberwort heisst Pikes Peak Hillclimb und ist die älteste Motorsportveranstaltung der USA. Und weil alt in den USA immer auch Kult bedeutet, hat das 1916 zum ersten Mal ausgetragene Bergrennen dort eine fast mystische Bedeutung. Vergleichbar mit den 24 Stunden von Le Mans oder dem Monaco GP.

Und spätestens 1987 schwappte die Bedeutung des wohl spektakulärsten Bergrennens der Welt rüber nach Good Old Europe. Denn Walter Röhrl sollte dem Audi Sport Quattro S1 in spezieller Pikes Peak Evolutionsstufe in gekonnter Manier auf die Spitze prügeln. Im Grunde genommen war das der letzte grosse Schlagabtausch der Gruppe B-Monster, auch Peugeot hatte mehrere 205er gemeldet.

Bild Walter Röhrl meisterte den Pikes Peak 1987 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h
Walter Röhrl meisterte den Pikes Peak 1987 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h

Mythos Pikes Peak

Audi hat sich diesem Mythos aber nicht erst 1987 mit Walter Röhrl und dem S1 verschrieben. Was die wenigsten wissen, bereits 1982 startete der erste Audi Rallye Quattro mit Audi Werksfahrer John Buffum aus den USA zu diesem verrückten Ritt zu den Wolken. Und die Geschichte von Audi am Berg fasst der Autor Claus-Peter Andorka in einer spannend erzählten und interessant bebilderten Chronik über sechs Jahre zusammen. Dabei wird schnell klar, Pikes Peak ist so was wie ein nationaler Mythos. Wer hier gewinnt, der gilt was in den Augen der Amis.

Und wer hier gewinnen will, der muss nicht nur Dampf unter der Haube haben, sondern auch Mumm. Denn das Rennen wurde bis in jüngster Zeit auf einer nicht asphaltierten Strasse abgehalten. Dass auch Leitplanken fehlten sei nur noch am Rande vermerkt.

Bild Audi S1 (1987) - Walter Röhrl bei seiner Pikes-Peak-Rekordfahrt
Audi S1 (1987) - Walter Röhrl bei seiner Pikes-Peak-Rekordfahrt

Audi und die USA

Den Anfang machte im Jahr 1982 John Buffum, der in einem ausgemusterten Werks-quattro die amerikanische Rallye Meisterschaft bestritt und auch mehrmals hintereinander gewann. Buffum und Audi Motorsportverantwortlicher Joe Hoppen, der später auch
 die Trans-Am und IMSA-GTO Einsätze von Audi einfädelte, wussten um die Bedeutung des Pikees Peak. Was lag also näher als Quattro über den Einsatz am Pikees Peak auch in den USA bekannt zu machen? Und weil Audi das so gut gelang, sollte dann auch mal eine Frau gewinnen, Michèle Mouton musste mit dem Sport quattro auf den Berg.

Hoppen immer um PR-Aktionen bemüht, engagierte für 1986 dann US-Motorsportlegende Bobby Unser, dessen Familienmitglieder mehrfach den Berg siegreich bezwungen hatten. Und zu guter letzt eben Röhrl. Der am Pikees Peak auch sein letztes Rennen in einem Rallye Wagen bestritt und eine Fabelzeit hinlegte, die bis heute unvergessen ist.

Bild Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»
Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»

Die USA und Audi

Das Buch stellt die Einsätze der Audi Fahrer und Fahrerin in den Jahren 1982 bis 1987 ausführlichst und chronologisch vor. Es gelingt dem Autor, den Geist der Einsätze einzufangen und die Motivation der Fahrer nochmals fassbar zu machen. Der gelungene lockere aber dokumentierende Schreibstil, entführt den Leser in die 80er Jahre und in die USA: Audi hatte hier dank Quattro und der Einführung des Audi 100 (in den USA Audi 50000 genannt) gerade einen Run, bevor die Geschichte der Unintended acceleration, der ungewollten Beschleunigung, der Marke und dem Absatz enorm zusetzte. Kurz zusammengefasst wurde behauptet, dass Fahrzeuge mit Automatikgetriebe vollkommen überraschend und für den Fahrer ungewollt beschleunigen würden. Nach Jahren konnte Audi die Gerichtssäle ohne juristische Konsequenzen verlassen, das Image war allerdings ruiniert.

Deshalb das gestiegene motorsportliche Engagement in den USA, das sich vom werksunterstützten Einsatz für Buffum zu voller Truppenstärke des Werkes für Röhrl ausweiten sollte. Andorka gelingt es auch diese Geschichte mit der Motorsportgeschichte zu verweben und so den Blick hinter die Kulissen von Audi, Audi USA und Audi Sport zuzulassen.

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Atmospäre schnuppern

Was dieses Buch und seine über 150 Seiten auszeichnet, dass es sechs gut 12 minütige Rennsporteinsätze aufs eben diese 150 Seiten auszubreiten weiss. Dazu gehört auch der Besuch aller damals beteiligten Fahrer, die Interviews mit den damals involvierten Verantwortlichen aber auch Tabellen und Statistiken am Ende des Buches, die nach dem Lesen einen tiefgehenden Eindruck von der veränderten Herangehensweise an dieses Rennen aus Sicht von Audi aber auch der Fahrer mehr als verdeutlichen. Zeitungsberichte, Pressemappen, Rennberichte und handschriftliche Notizen ermöglichen einen fast intimen Zugang zu den sechs Jahren von Audi Sport am Berg.

«Wenn du am Pikes Peak nicht so schnell fährst, dass du Angst hast, fährst du nicht schnell genug.»

Kein Geringerer als Walter Röhrl behauptet das von seiner Fahrt auf über 4000 m Höhe. Natürlich wird Röhrls Rekordfahrt ausführlich gewürdigt: So erfahren wir, wo Röhrl in den 156 Kurven wirklich Angst hatte, und wo er wohl etwas Zeit liegen gelassen hat. Und da das Buch mit Bildern, die auch abseits der Piste aufgenommen wurden, gespickt ist, erfährt der Leser ebenfalls, wo sich der Walter am liebsten mit seinem Rennrad rum trieb, oder warum und wie Michèle Mouton eine Siegprämie vermisste und eintrieb.

Und wem das alles noch nicht reicht, der erfährt im Abschlusskapitel dann auch noch, was aus den Autos wurde, die Audi am Berg einsetzte, was die vier Fahrer heute beschäftigt, wie sie ihren Start am Pikes Peak im Nachhinein sehen, und wie man sich dem Pikes Peak in einer Reisewoche nähern kann. Claus Peter Andorra hat die ehemaligen Bergstars nämlich genauso besucht, wie er auch der Strecke und der Region einen Besuch abstattete und das ins Buch einfliessen liess.

quattro, Rallyesport und Pikes Peak

Das Engagement von Audi im Rallyesport und die Entwicklungsgeschichte des quattro Antriebs sind mittlerweile sehr gut dokumentiert. Filme und Bücher haben diese Geschichte mehrmals in den letzten Jahren zum Thema gemacht, manchmal wurde auch das Pikees Peak Bergrennen darin gestreift. In der Regel wegen Walter Röhls Sieg im gut 700 PS starken S1 Quattro, dessen Siegerpose kein Autor missen mag.

Alles, was dabei auf der Strecke blieb, hat nun Claus-Peter Andorka in einer perfekt recherchierten und fabelhaft illustrierten Geschichte über die Geschichte von Audi am Pikes Peak zu einem Buch zusammen gefasst. Tiefgründig und informativ kommt der Leser hier auf seine Kosten. Egal, ob er sich für die Technik, die Fahrer, das Team oder das Drumherum interessiert. Diese Geschichte vom Berg ist rundum gelungen und mit € 39,95 in etwas so teuer wie ein Family ticket auf dem Pikes Peak Highway auf die Spitze.

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Bibliografie - Weitere Informationen

  • Buch bestellen beim Heel Verlag
  • Das Rennen zu den Wolken, Die Audi Pikes Peak Story von Claus-Peter Andorka
  • Format: 245 x 290, gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten,  200 Farbabbildungen
  • Preis € 39,90
  • ISBN: 978-3868526394
  • Heel Verlag
  • Alle Bilder Heel-Verlag

 

Bilder zu diesem Artikel

Bild Ausschnitt aus dem Buch «Das Rennen zu den Wolken - Die Audi Pikes Peak Story»
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Bild Walter Röhrl im Audi Sport quattro S1 am Pikes Peak Hillclimb
Bild Audi S1 (1987) - Walter Röhrl bei seiner Pikes-Peak-Rekordfahrt
Bild Audi Sport Quattro E2 "Pikes Peak" (1987) - am Roßfeldrennen 2013
Bild Audi Sport Quattro S1 Pikes Peak (1984) - am Bergrennen Arosa ClassicCar 2012
Bild Audi sport quattro S1
Bild Walter Röhrl kehrt mit seinem Audi Sport quattro S1 nach 25 Jahren zurück zum Pikes Peak in den USA
Quelle:
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