Zum 110-jährigen Jubiläum der Rallye Monte-Carlo hat der McKlein-Verlag Anfang Dezember ein 400 Seiten starkes Buch über die wohl berühmteste aller Rallyes herausgebracht.
Kurzweilige Texte, tolle Bilder
Der ehemalige Rallye-Fahrer John Davenpoert erzählt zusammen mit Journalist Michel Lizin sowie den beiden Fotografen Reinhard Klein und Colin McMaster die spannendsten Geschichten und die besten Anekdoten, schreibt über die berühmtesten Autos und die erfolgreichsten Fahrer. Natürlich wird jedes Kapitel von einer Vielzahl historischer Fotos begleitet, die das Buch sehr atmosphärisch machen. Wenn eine ganze Seite von 29 auf 29 Zentimetern nur davon eingenommen wird, wie Denise McCluggage 1964 ihren Ford Falcon durch den Schnee driftet, wird die Szenerie auf dem Col de Turini fast lebendig.
Die Texte zu den einzelnen Stichworten (z. B. "Mäkinen", "Lancia", "Casino") sind jeweils auf Englisch, Deutsch und Französisch geschrieben. Erfreulich ist, dass man sich zugunsten der Fotos mit der Textmenge etwas zurückgehalten hat. Die einzelnen Kapitel sind kurz genug, um nicht zu langweilen, aber lang genug, um die wichtigsten Informationen zu vermitteln. Hier sind es vor allem die kleinen Geschichten am Rande, die das Lese-Interesse wecken: etwa der Apfelkuchen im Restaurant "La Remise" oder die Kolonne italienischer Lastwagen, die 1983 aus Versehen ihre ganze Ladung Streusalz auf der Strecke verloren hat.
Die Stichworte oder Kapitel sind allerdings nicht chronologisch sortiert, sondern alphabetisch. Was bei einem dreisprachigen Buch insofern problematisch ist, als dass die Übersetzungen nicht immer mit demselben Buchstaben beginnen. In diesem Fall richtet sich die Ordnung nach den englischen Titeln. Wenn man also das Kapitel "Schmuggelware" sucht, muss sollte man die englische Übersetzung dieser im Alltag eher selten gebrauchten Vokabel kennen. In besagtem Kapitel geht es übrigens um Pneus bei der 1970er Monte.
Erschwerte Navigation
Womit sich gleich das grösste Problem des Buches offenbart: die Kapitelnamen verraten recht wenig über ihren Inhalt und bewegen sich irgendwo zwischen Schulmädchenreport ("Das Ende der Unschuld") und Bandnamen aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle ("Im äussersten Grenzbereich"). Die Überschrift "Wiggle-Woggle" klingt zwar besonders albern, hat aber immerhin einen guten Grund: So nannten die Engländer in den Dreissigern die Geschicklichkeits-Fahrten im Hafen von Monte Carlo.
Bei chronologisch sortierten Kapiteln ist gegen literarische Titel nichts einzuwenden, da dann die Zeitachse bei der Orientierung hilft und ein Ereignis eindeutig einem bestimmten Punkt im Buch zuordnen kann. So ist es jedoch ein kleines Ratespiel, ob der Dreher von Maurizio Verini und die anschliessende Blockade der Strecke 1978 nun unter D (beziehungsweise S für "Spin"), M, V oder B zu finden ist. Und ja, dieser Dreher hat wirklich ein eigenes Kapitel.
Immerhin gibt es zu Beginn des Buchs ein Stichwortverzeichnis, dass allerdings auch nur die Kapitel-Überschriften ohne Inhaltsangabe enthält – und ebenfalls nach den englischen Titeln sortiert ist.
Das Problem der missverständlich sortierten Kapitel wäre nur halb so lästig, wenn das Buch in Form von geschlossenen Themen-Bereichen klar zwischen Autos, Fahrern, Strecken-Abschnitten, Fahrzeug-Technik und Anekdoten unterscheiden würde. Aber leider stehen Allard und Alpine gleichwertig zwischen Apfelkuchen und Athen. Audi findet sich unter Q wie "Quattro". Austin mit dem Vierfach-Sieger Mini fehlt komplett.
Fazit und Preis
Diese Unstrukturiertheit ist wirklich bedauerlich, denn die Texte sind wirklich gut geschrieben, informativ und angenehm lesbar; die Anekdoten interessant und häufig sogar amüsant. Vielleicht ist dies gewollt, um Leser zum sequentiellen Durchschauen und Lesen zu verführen.
Aber will man dann aber später eine besonders gelungene Passage wiederfinden (zum Beispiel, um Sie in einer Buchbesprechung auf zwischengas.com zu erwähnen), verzweifelt man fast daran. Was noch viel ärgerlicher ist: es erschwert auch das Auffinden eines bestimmten Bildes.
Denn als McKlein-Buch lebt "Rallye Monte-Carlo" natürlich hauptsächlich von seinen herrlichen Bildern, die über die strukturelle Schwäche allemal hinwegtrösten. Ein Nachschlagewerk für Historiker ist "Rallye Monte-Carlo" ohnehin nicht, eher ein Bildband für Nostalgiker und Rallye-Fans, den man an jeder Stelle aufschlagen kann, um ein wenig darin zu stöbern. Diese Aufgabe erfüllt es aber mit Bravour.
Auf den letzten 75 Seiten finden sich zusätzlich noch einseitige Zusammenfassungen jeder Nachkriegs-Rallye von 1949 bis 2021 mit den zehn besten Teams samt ihrer Autos. Das freut dann auch den Hobby-Historiker.
Das Buch ist ab sofort im Handel und kostet 99,90 Euro. Zusätzlich bietet McKlein Publications drei auf je 200 Exemplare limitierte Sondereditionen zu Walter Röhrl, Sandro Munari und Sébastien Loeb mit Signatur und einem eigenen Titelbild, das den berühmtesten Einsatzwagen des jeweiligen Piloten zeigt. Der Inhalt des Buchs ist ansonsten derselbe. Kostenpunkt: 169 Euro.
Übrigens gibt es auf Zwischengas einen umfangreichen Rückblick über die ersten 80 Jahre der Rallye.
Bibliografische Angaben
- Titel: Rallye Monte-Carlo
- Autor: John Davenport, Reinhard Klein, Michel Lizin, Colin McMaster
- Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
- Verlag: McKlein Publishing
- Auflage: 1. Auflage Dezember 2021
- Format: 290 x 290 mm
- Umfang: 400 Seiten, 530 Abbildungen
- ISBN: 978-3-947156-38-2
- Preis: EUR 99.90
- Kaufen/bestellen: Online bei amazon.com , online bei McKlein Publishing oder über den einschlägigen Buchhandel








































































































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