Während der Oldtimerbestand ständig wächst, haben Besitzer immer weniger Zeit für umfangreiche Reisevorbereitungen und -planungen. So mancher Oldtimer-Urlaub fällt dem Alltagsstress zum Opfer. Das muss nicht so sein! Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und sind mit “Oldtimer-Kulturreisen Schweiz” auf eine wahre Zeitreise in die Vergangenheit aufgebrochen.
Im romantischen Kanton Graubünden unterwegs
Die mehrtägige Reise, die typisch für die Angebote der Oldtimer-Kulturreisen ist, führte durch bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten im Kanton Graubünden. Von Chur ging die Fahrt über mehrere Etappen nach Flims-Waldhaus, Sils-Baselgia St. Moritz, Klosters und zurück nach Chur.
Motivation zur Langsamkeit
Kein Rallye-Stress, keine Schlauchprüfungen, kein Gehetze von Messpunkt zu Messpunkt, das Mitfahren ist geprägt von erholsamen und überschaubaren Reiseetappen im eigenen Old- oder Youngtimer. Für Nicht-Besitzer verfügen die Organisatoren von Oldtimer-Kulturreisen selber über eine Flotte von Fahrzeugen, die von Teilnehmern gemietet werden können.
Und es wird schnell klar, dass hier nicht Schnellfahren sondern Genuss im Zentrum stehen, denn wer würde schon im Citroën DS 21 Pallas von 1966, im Bentley S2 von 1960 oder im Rolls-Royce Silver Shadow II von 1980 schnelle Reiseschnitte fahren wollen? Am ehesten wäre dazu wohl noch der Mercedes Benz 450 SEL 6.9 von 1977 geeignet, aber selbst in diesem grosszügig motorisierten Klassiker zieht man ruhiges Dahingleiten vor.
Und schliesslich will man sich auch die idyllischen Dorfdurchfahrten und die Aussicht auf den erklommenen Pässen nicht verpassen.
Das romantische Hotel Schweizerhof in Flims
Die charmanten und zuvorkommenden Organisatoren der Oldtimer-Kulturreisen Karin und Niklaus Lundsgaard-Hansen arbeiten bei der Durchführung ihrer Reisen mit Partnern zusammen, im Falle der Reisen durch Graubünden sind dies die Romantik Hotels & Restaurants, eine lose Kette von schön gelegenen und noblen Hotels, die perfekt zum Anspruch der Oldtimer-Kulturreisen passen.
Das Hotel Schweizerhof in Flims-Waldhaus verkörpert die “Romantik”-Philosophie perfekt. Eine hundertjährige Familien-Tradition und spannende Geschichten prägen das Hotel. So wurde das prachtvolle Gebäude etwa genau dort erbaut, wo der Bauherr seine Frau auf einer Parkbank einst zum ersten Mal geküsst hatte. Auch ein grosser Brand im Dachstock wurde überwunden, der familiäre Rahmen immer beibehalten.
Wenn man dann noch die Gelegenheit hat, in Anwesenheit der Hotelbesitzer ein historisches Menü auf Tellern und mit Besteck aus der Gründerzeit einzunehmen, wird die Zeitreise perfekt. Genauso genossen gutsituierte Kreise vor hundert Jahren ihren Urlaub. Ein echter Genuss!
Die Geheimnisse einer Artilleriefestungsanlage aus dem zweiten Weltkrieg
Lucretia und Silvia hiessen nicht etwa die Reiseleiterinnen, sondern so wurden die beiden Kanonen genannt, die ab 1940 feuerbereit waren und den Grenzraum in Richtung Italien schützen sollten.
Die Festung wurde natürlich im Geheimen gebaut, was angesichts der notwendigen Arbeiten und Materialtransporte wohl nicht so einfach zu bewerkstelligen war. 2,7 Millionen Franken kostete der Bau, eine Summe, die heute geradezu lächerlich klein erscheint, vor allem wenn man Gelegenheit hatte, die weit verzweigten Gänge zu besichtigen.
Die seit 1995 nicht mehr für Armeezwecke benötigte Festungsanlage wird heute durch die Militärhistorische Stiftung als Museum geführt. Im Innern sieht es noch weitgehend aus wie vor 50 und mehr Jahren und die zumeist ehrenamtlich arbeitenden Kuratoren und Besichtigungsleiter können einem eindrücklichen Einblick in das Leben der Soldaten verschaffen, die damals über Monate in der Festung ausharren mussten. Im Zeitalter omnipräsenter Kommunikationshilfsmittel ist es kaum mehr vorstellbar, dass die einzige Verbindung der Soldaten zur Aussenwelt die Feldpost war.
Idyllische Bergdörfer
Das Bünderland ist reich an schön gelegenen und an frühere Zeiten erinnernde Bergdörfer. Eines der bekannteres ist wohl der Ort Soglio an der Grenze zu Italien. Ein Spaziergang durch das Kleinstdorf mit nur 200 Einwohnern lässt den Puls automatisch verlangsamen. Allerdings gehört man nicht zu den Ersten, die dies entdecken, zählt das Bergdorf doch 20’000 Logiernächte pro Jahr.
Gesprochen wird in Soglio übrigens eine lombardische Mundart, aber deswegen muss niemand hungern oder verdursten, denn in den romantischen Gärten kann man wohl in fast jeder Sprache einen Kaffee bestellen.
Schöne Ortsdurchfahrten und steile Passstrassen
Wer Serpentinen und weiträumige gerade Strassen sucht, ist im Bergland von Graubünden natürlich am falschen Ort. Passfahrten und enge Dorfdurchfahrten prägen das Fahren im Bergell und im Engadin. Da wird es für den Bentley S2 schon einmal eng und es muss in einer Haarnadel zurückgesetzt werden.
Aber im Vergleich zu dem, was unsere Väter auf Passfahrten erdulden mussten, sind die Strassen heute natürlich hervorragend ausgebaut.
Gast in einem der ältesten Hotels Graubündens
Das Romantik Hotel Margna blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erbaut wurde es als Patrizierhaus mit Namen “Palazzo Josty” bereits 1817 und war damals das mit 24 Zimmern grösste Wohnhaus Graubündens. Sils-Baselgia hatte als Dorf damals gerade einmal 75 Einwohner, heute sind es das Zehnfache. Bauherr war damals der bekannte Zuckerbecker Johann Josty, der in Berlin zu Wohlstand gekommen war, gewesen.
Aus dem Wohnhaus wurde irgendwann ein Hotel, es wurde immer grösser und ging dann folgerichtig zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch konkurs. Wiederauferstanden feierte das Hotel Margna in den Sechzigerjahren die grössten wirtschaftlichen Erfolge. Man hatte schliesslich die “Sommerfrische” und man erfand den Wintertourismus. Doch die Zeiten im Tourismus wurden härter und nicht immer lief alles rund.
Heute aber empfängt das von Andreas Ludwig seit 2001 geführte Hotel Gäste aus aller Welt und verwöhnt sie mit einem privaten 6-Loch-Golfplatz, renovierten Arvenholzzimmern und erstklassigen Restaurants, die auf ein sorgfältig ausgewähltes Weinangebot zurückgreifen können.
Kurskorrektur
Mit viel Enthusiasmus hatte Niklaus Lundsgaard-Hansen 2013 mit seinen Oldtimer-Kulturreisen begonnen, um seine eigene Passion auch anderen vermitteln zu können.
Und er zieht ein positives Resümee des ersten Jahres: “Von unserem sehr breiten Angebot konnten wir einige Reisen durchführen. Die Teilnehmer waren sehr zufrieden mit der Kombination von Kultur, Gastronomie und Natur im Sinn unseres Mottos «die Schweiz entdecken und geniessen».”
Allerdings war das Reiseportfolio doch etwas zu gross geraten und so entschied sich das Ehepaar Lundsgaard-Hansen, sich auf weniger Angebote zu konzentrieren und noch enger mit Hotel- und Kulturpartnern zusammenzuarbeiten.
Neben drei Schweizer-Reisen in Kooperation mit den Romantik-Hotels (12. bis 15. Juni 2014, 3. bis 6. Juli 2014 und 21. bis 24. August 2014) mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden neu auch die Adler Schwarzwald Classic (13. bis 18. Juli 2014), die Hornberg Classic (22. bis 26. September 2014, auch ein Romantik-Hotel) und die Exclusive Classic Collection (26. bis 29. Mai 2014, wiederum in Kombination mit Romantik-Hotels) angeboten, in welcher Oldtimerinteressierte Zugang zu wenig bekannten Museen und privaten Fahrzeugsammlungen im Dreieck Luzern-Bern-Basel, begleitet vom bekannten Automobilhistoriker Roger Gloor, erhalten.
Ausbauen will man auch das Angebot, massgeschneiderte Oldtimerreisen mit Chauffeur zu organisieren.
Kleine Gruppen mit Interessen an Kultur, Autos und Kulinarik
“Weiterhin richten sich Oldtimer-Kulturreisen an kleine Gruppen und Leute, die selber ein Old- oder Youngtimerauto besitzen und welche ihr automobiles Kulturgut in einem kleinen Kreis Gleichgesinnter mit einer aussergewöhnlichen Reise und hochwertigem Programm samt toller Kulinarik sorglos geniessen wollen”, meint Niklaus Lundsgaard-Hansen auf Rückfrage nach der idealen Zielkundschaft für seine Reisen.
Aber er hat noch viel mehr Ideen. So würde er gerne Oldtimerfahrten organisieren, die der Industriegeschichte und ihren Überbleibseln nachgehen - sicher eine reizvolle Idee.
Rundumangebote
Die Reisen bieten jeweils mehrere Hotelnächte in besonderen Hotels, verschiedene Nacht- und Mittagessen, kulturelle Führungen, eine persönliche Reisebegleitung und eine Roadbook-Dokumentation zu Preisen ab 950 Franken pro Person. Man muss sich als Teilnehmer im eigenen Oldtimer also um fast nichts mehr kümmern ausser um sein eigenes Fahrzeug. Aber gerade darauf und auf das Fahren natürlich freut man sich in seinem wohlverdienten Urlaub ja ganz besonders.
Weitere Informationen zu Oldtimer-Kulturreisen sind auf der entsprechenden Website zu finden. Wissenswertes zu den Romantik-Hotels finden sich auf der dafür vorgesehenen Online-Plattform.

































































































































































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