Winterzeit ist Messezeit. Mit den kühleren Temperaturen und vor allem mit dem drohenden Salz auf den Strassen ziehen sich die Oldies langsam aber sicher wieder in ihre Garagen zurück.
Hochkonjunktur bekommen dann die Messen. Es gibt immer mehr davon und diese werden jährlich grösser, mit immer mehr Hallen und immer mehr Anbietern mit immer noch mehr Autos, Ersatzteilen, Zubehör, Automobilia und dergleichen. Doch leider leidet ob der gestiegenen Quantität die wahrgenommene Qualität.
Wäre weniger mehr?
Oft wäre weniger mehr und in der Erinnerung bleiben meist nur ganz wenige der Autos aus einem riesigen Überangebot hängen. Diesem Gigantomanismus ist leider auch die “Auto e Moto d’Epoca in Padua, die ihre Pforten vom 26. bis 29. Oktober öffnete, verfallen.
In der Menge waren, aus Sicht des Oldtimer-Enthusiasten, auch viel zu viele neue Fahrzeuge zu sehen, umso mehr mussten historisch interessante Autos manchmal fast wie die Nadel im Heuhaufen gesucht werden. Wer allerdings Zeit und Musse hatte, der konnte auf jeden Fall die eine oder andere Rarität entdecken, die man anderswo nicht findet.
Die Zahlen jedenfalls sind eindrücklich, 115’000 Besucher sollen an der 34. Austragung durch die vielen Hallen gepilgert sein und dabei rund 5000 (alte und neue) Autos in einem guten Dutzend Hallen und Ausstellungsbereichen zu sehen bekommen haben.
Die Formel 1 im Laufe der Jahrzehnte
In der Sonderschau des Autodromo di Monza wurden insgesamt zwölf historische Formel-1-Rennwagen aus verschiedenen Zeitaltern gezeigt. Vom Bugatti 35 über den Alfa Romeo P2, bis zu Schumachers Ferrari F1-2000 waren Autos mit den unterschiedlichsten Antriebskonzepten und Formen zu sehen.
Das interessantes Auto war vielleicht der Merzario A3 aus dem Jahre 1979, der zwar nicht zu den erfolgreichsten, aber sicherlich zu den am seltensten gesehen gehört. Es handelt sich dabei um ein Einzelstück, das von Arturo Merzario in Monza und von Gianfranco Brancatelli in Monaco gefahren wurde.
Der Strom macht auch vor dem Oldtimer nicht halt
Überraschend viel Elektrik hatte sich in die Messehallen von Padua verirrt.
Selbst Tesla, ein Autohersteller, der gerade einmal auf ein Dutzend Jahre zurückschauen kann, hatte einen eigenen Stand und bei Jaguar thronte der Formel-E Rennwagen anstatt eines der legendären Le-Mans-Sieger vom Schlage eines C- oder D-Types.
Auch auf dem Audi Stand wies der leere Platz hinter dem R18, dem letzten Audi der 2016 in Le Mans startete, auf ein späteres Erscheinen des Abt Formel-E hin.
Aber nicht nur die modernen Elektroautos machten ihre Aufwartung, auch Pagani zeigte, dass seine Sportwagen auf direktem Weg in Richtung Klassikerstatus sind, oder es zumindest gerne wären.
Die jungendlichen Autos auf dem Pagani-Stand waren keine Ausnahme, praktisch alle anwesenden Hersteller zeigten einen bunten Mix aus Alt und Neu.
Déjà vu?
Vieles, was man auf den verschiedenen Ständen sah, war und ist bekannt. Überraschungen fanden kaum statt, immerhin aber entdeckte das Auge des auf Raritäten fokussieren Odltimer-Fans dann doch immer wieder eine Rarität, die ihn die Mundwinkel hochziehen liessen, so etwa beim Anblick des schicken Osca Sportwagens ...
.... oder beim eisblauen Fiat Spider.
Nicht alltäglich war sicher auch das Alfa Romeo Giulia SS Coupé aus dem Jahre 1963.
Auch die kanadisch amerikanische CanAm fand den Weg mit dem Genie MK12 nach Padua.
Der damals schon 47 Jahre alte Jim Rattenburry aus Vancouver setzte den Wagen bei verschiedenen Rennen ein und verkaufte ihn dann an an Mike Barbour weiter, der ihn in der CanAm einsetzte und als bestes Resultat einen 13. Platz beim Edmonton CanAm Rennen 1970 erreichte.
Bei den ganz tollen Autos muss unbedingt auch noch der Conrero-Lancia B20 von 1954 erwähnt werden.
Natürlich sind die Geschmäcker verschieden und wer nicht schon mehrere andere Messen im Jahr 2017 besucht hat, wurde sicher häufiger überrascht als der fast schon professionelle Messegänger.
Italo-Deutsches Duett
Alfa Romeo und Porsche gaben den Ton an, von diesen beiden Marken hatte es in Padua wirklich viele Fahrzeuge.
Überraschend zahlreich war auch der bei uns sehr beliebte Mercedes-Benz 190 SL vertreten.
Die aufgerufenen Preise bis über EUR 200’000 erstaunten, vor allem wenn man die Breite des Angebots anschaute, die fast alles an Farben und Ausrüstungen bot, was man sich vorstellen konnte.
Mehr als eine Messe
Allerdings ist die Auto e Moto d’Epoca nicht einfach eine Messe. Es ist eigentlich auch eine Einladung nach Italien und Padua bietet vieles, um einem ein Wochenende zu versüssen. Und vom hervorragenden italienischen Kaffee und von den vielen kulinarischen Spezialitäten der Gegend muss man hier ja nicht sprechen.
Erstmals veranstaltete Bonhams anlässlich der Messe auch eine Versteigerung. Tatsächlich war es die erste Versteigerung Bonhams in Italien in 35 Jahren. Obschon viele interessante Autos angeboten wurden, konnte das britische Auktionshaus nur rund die Hälfte davon verkaufen, was vielleicht wieder mit dem Überangebot an der Messe zusammenhing (mehr dazu im Versteigerungsbericht ).
Zusätzliche Eindrücke aus humorvoller Perspektive vermittelt die Bildergeschichte zur Auto e Moto d'Epoca 2017 .



























































































































































































































































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