Wenn sich gegen zwei Dutzend Fahrzeuge der Marke Moskvitch in der Schweiz treffen, dann ist dies keine alltägliche Veranstaltung. Tatsächlich gibt es vermutlich überhaupt nur einen immatrikulierten Moskvitch in der Schweiz.
Wenig bekannte Marke
Generell kennt man die russische Marke Moskvitch (übersetzt: Moskauer) im Westen kaum. Die verschiedenen Schreibweisen, u.a. Moskwitsch, Moskvich und Moskvitch machen es nicht einfacher.
Schon vor dem Krieg war das stattliche Moskauer Automobil-Montagewerk “KIM” gegründet worden. Zunächst baute man einen Ford in Lizenz, der deutsche Überfall auf die Sowjetunion aber stoppte diesen Plan.
Nach dem Krieg erhielt die Sowjetunion einen Teil der Pläne und Werkzeuge zum Vorkriegs-Opel Kadett K38. Weil einiges in den Kriegswirren verschwunden war, musste das Modell aber zunächst weiterentwickelt werden. Dafür standen deutsche und russische Ingenieure zur Verfügung. Als Ergebnis entstand der Typ 400, der ab 1947 produziert werden konnte. 1954 wurde eine verbesserte Version des Typs 400 eingeführt. Man hatte den 1,1-Liter-Motor von 23 auf 36 PS gesteigert.
Sogar exportiert wurden die Modelle 400 und 401, Abnahmemärkte waren Finnland, Schweden, Belgien und Norwegen, sowie Niederlande und östliche Länder, die Export-Stückzahlen waren aber bescheiden, insgesamt wurden 247’439 Autos der Typen 400 und 401 gebaut.
1956 folgte eine Eigenkonstruktion, die u.a. als 402, 403, 407 über die nächsten Jahre mit Pontonkarosserie gebaut wurden. 1967 konnte der millionste Moskvitch gefeiert werden.
1964 erschien der Moskvitch 408 mit deutlich moderner Linienführung aber der Technik vom Vorgänger. Mit dem Typ 412 wurde dann 1967 ein komplett neuer Motor eingeführt, der Ähnlichkeiten zum BMW M10 aufwies und recht modern konzipiert war. Ihm konnten viele Lanstrecken-Rallye-Erfolge verdankt werden.
Im Jahr 1975 kamen die Typ 2138 und 2140 auf den Markt, die die Vorgänger 408 und 412 beerbten.
1986 folgte schliesslich der Typ 2141.
Bestand in den ersten Jahrzehnten noch kaum Konkurrenz, so sanken die Stückzahlen nach der Wende und der Marktöffnung zum Westen hin drastisch. 2003 lief die Produktion aus.
Erstes Treffen in der Schweiz
Dass sich die Moskvitch-Freunde vom 4. bis 6. August 2023 in der Schweiz trafen, war der Regel zu verdanken, dass der Besitzer des preisgekrönten letzten Treffens die nächste Veranstaltung organisieren muss. Und 2021 gewann eben die Familie Walter mit dem Moskvitch 401-420 von 1954 diese begehrte Trophäe.
So organisierten die Schweizer Moskvitch-Fans eben ein Treffen nahe an der Grenze zu Deutschland, erwarteten aber eigentlich kaum mehr als eine Handvoll Fahrzeuge.
Doch der Enthusiasmus der Moskvitch-Gemeinde war deutlich grösser als erwartet, es kamen 23 Fahrzeuge, annähernd 20 davon waren reinrassige Moskvitch. Dass fast alle Autos deutsche Kennzeichen und teilweise noch DDR-Kleber trugen, war zu erwarten. Dass fast alle Autos auf Achse anreisten, allerdings weniger.
Genächtigt wurde in Bad Säckingen, am Samstag konnte das kleine Städtchen Laufenburg besichtigt werden, am Nachmittag stand ein Besuch im Militärmuseum in Full an.
Für den Sonntag war eine Besichtigung des Freilichtmuseums in Kandern-Egerten angesetzt und dann die Heimfahrt.
- Fahrzeughandel
- Autohandel (Oldtimer & Youngtimer)
- Auktionen (klassisch & online)
Purer Enthusiasmus
Einen Moskvitch kauft und restauriert man nicht deshalb, weil Design oder Technik bahnbrechend war und auch nicht, weil man damit ein Vermögen verdienen kann. Moskvitch-Liebe fusst auf echten Enthusiasmus.
Die Familie Walter zum Beispiel holte 2015 einen Moskvitch 401-420 aus Petersburg in die Schweiz, weil Vorfahren bereits ein solches Auto besessen hatten. Es folgte eine sechsjährige Restaurierung, bei der keine Kompromisse eingegangen wurden. 2021 konnte dann mit dem fertigen Wagen ans Treffen gefahren werden und dort wurde das Auto dann mit dem Hauptpreis beehrt.
Generell investieren die Moskvitch-Freunde viel Energie und Liebe in ihre Autos. Die Ersatzteillage kann manchmal recht kompliziert sein, obschon in den Sechzigerjahren auch Moskvitch in Lizenz in Belgien montiert wurden.
Tolle Geschichten
Oft geht es um Familiengeschichten, wenn ein Moskvitch in der Garage steht.
So erzählte einer der Besitzer eines Typs 403, dass ihn sein Grossvater damals neu (für DM 15’400) gekauft hatte. 1967 war er dann damit an der Internationalen Friedensfahrt mit dabei. Dabei handelte es sich um ein Radrennen, ausgetragen vom 10. bis 25. Mai 1967 und von Warschau via Ost-Berlin nach Prag führend. Gewonnen hatte damals der Belgier Marcel Maes, während der Moskvitch 403 die Reporter transportierte.
Heute ist der Enkel des ursprünglichen Besitzers der stolze Eigner des Wagens, dessen Spuren sich nach dem Verkauf durch den Vater einst verloren hatten. Schliesslich konnte das Auto aber wieder gefunden und gekauft werden.
Benzingespräche
Politik war kaum ein Thema der vielen Gespräche am internationalen Treffen, viel mehr ging es um einen technischen Austausch und um Erlebnisse, die man mit diesen exotischen Autos gemacht hatte.
Dass man häufig Dialekte aus dem Osten Deutschlands hörte, war natürlich kein Zufall. Schliesslich gehörte der Moskvitch zu den beliebten Autos in der DDR.
Das nächste Treffen soll bereits 2024 in Leipzig stattfinden.
































































































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