Seitdem Dr. Bernd Wiersch - Urgestein der klassischen Volkswagen-Szene und bereits seit 1970 bei Volkswagen als Historiker für die Geschichte des Unternehmens zuständig - in Pension ist, widmet er sich auch als Autor der Geschichte von VW. Und was wäre die, ohne die Liasion mit Karmann? In seiner »Karmann Story« erzählt Wiersch die Geschichte rund um die »Haute Couture aus Osnabrück«.
Mehr als 100 Jahre Wagenbau
Wer Karmann sagt, denkt gleich weiter: Ghia. Das war in Zeiten des Wirtschaftswunders der Inbegriff des Autos aus den Osnabrücker Werkhallen. Und mit ihm ging es bei Karmann so richtig los. Auf Basis des soliden Käfers war ein sportlich-elegantes Coupé entstanden, dem jeder hinterher schaute. Der Name Karmann war plötzlich in aller Munde.
Doch die Geschichte des Unternehmens begann bereits Jahrzehnte zuvor. Und sollte auch noch lange andauern. Dieses Buch stellt sie vor.
Die Nähe zu VW
Cover, Einbandgestaltung, Einleitung, Vorwort, wo man hinschaut VW. Ob Karmann Ghia, Käfer Cabriolet, Jetta Prototypen, Scirocco, auf den ersten 15 Seiten nur Volkswagen Modelle und -Prototypen von Karmann. Die Gestaltung bestätigt die Vorstellung von Karmann als Haus- und Hoflieferanten der Wolfsburger.
Dabei waren es gerade einmal fünf Modelle die aus Osnabrück für VW in den deutschen Handel kamen. Und damit räumt der einstige Archivar und Firmenhistoriker dann auch auf den nächsten 200 Seiten auf.
Eine der ältesten Fahrzeughersteller Deutschlands
Akribisch hat Wiersch die Fakten des 1874 gegründeten Unternehmens recherchiert und damit ein Standardwerk mit aufschlussreichen Texten und zahllosen Fakten geschaffen.
Chronologisch führt er uns durch die porträtierten Karmann Fahrzeuge und die spannende und wechselvolle Geschichte des Unternehmens. Die sich übrigens sehen lassen kann. Denn neben den lukrativen Festaufträgen der Vorkriegszeit solventer Automobilhersteller - beispielsweise für zahlreiche Adler-Karosserien, fertige Karmann auch das Audi A4 Cabriolet, das Opel Diplomat Coupé, den 6er BMW und natürlich das Käfer Cabriolet. Und dazwischen war immer genug kreativer Raum, um mit innovativen Ideen und Concept Cars auf sich aufmerksam zu machen. sei es Strand Buggys, Wohnmobile oder ausgefallene Coupés unter Mithilfe italienischer Designbüros.
Gute Texte, attraktives Bildmaterial
Ein Standardwerk lebt von der gelungenen Kombination aus Text und Bild. Dass hier ein Standardwerk entstanden ist, belegt die Unzahl bislang unveröffentlichter Fotos aus dem Archiv von Karmann sowie die Fülle an Informationen gerade auch aus der Frühzeit des Unternehmens. Zwar hat Karmann schon zu Firmenjubiläen einige Chroniken aufgelegt, damals aber immer nur einem beschränkten und erlauchten Kreis zugänglich, so dass mit der »Karmann Story« endlich auch der breiten Leserschaft der Blick hinter die Kulissen gestattet wird, der dem Unternehmen gerecht wird.
Geheimnisse werden gelüftet
Dem Autor gelingt es unterhaltsam den Aufstieg vom Kutschenbau zum globalen Karosserieentwickler und -lieferanten aufzuzeigen. Auf den ersten Blick wirkt der Weg dahin so linear, dank der eingeflochtenen Anekdoten gespickt mit Anekdoten aus Geschichte und Entwicklung gelingt es dem Autor durchaus, die Geschicke der Unternehmensleitung und das Werden der Firma nachvollziehbar zu machen. So erklärt sich, warum Karmann nach Brasilien ging, wieso dort eigene Modelle entstanden, die nie in Europa angeboten wurden oder warum das Golf Cabriolet ein Erdbeerkörbchen werden musste.
Karmann ist mehr als der Karmann Ghia
Natürlich widmet sich der Autor dem Star unter den Karmann Modellen. Aber glücklicherweise nicht über Gebühr. Im Gegenteil. Gleichberechtigt stehen daneben die zahllosen Entwicklungen und Fertigungen für Adler, Audi, BMW, Chrysler, Ford, Kia, Mercedes, Opel, Porsche, Renault uvam, die das reichhaltige Potential bei Karmann bis zur Insolvenz vor wenigen Jahren unter Beweis stellen. Gerade die Fülle an Material über die enge Zusammenarbeit für und mit Volkswagen zeichnet das Buch aus.
Es lohnt sich
Klein aber fein kommt hier aus kundiger Hand ein Buch über die Automobilindustrie hinter den bekannten deutschen Herstellern. Dr. Bernd Wiersch setzt anhand der Geschichte des Karosseriebauers Karmann aus Osnabrück ein Zeichen für die meist unbekannten Entwickler und Lieferanten grosser Konzerne, die sich um den Aufbau der Automobilproduktion verdient gemacht haben. Mehr noch, ohne die es so manche heute gesuchte Rarität gar nicht gäbe, weil es auf den Produktionsstrassen der Konzerne nie rentabel gewesen wäre, sie zu produzieren.
Bedauerlicherweise wurde die Chance bei der 2. überarbeiteten Auflage (die erste Auflage musste kurz nach Drucklegung zurückgezogen werden) zur Korrektur einiger Fehler nicht genutzt, so dass man hier und da mit Statistikwerten vorsichtig umgehen sollte. Am Ende bereitet das Buch aber ein grosses Lesevergnüpgen und dank der Bildauswahl kommt auch die »Haute Couture« fürs Auge bestens zur Geltung.
Bibliografische Angaben
- Titel: Die Kamann Story: Haute Couture aus Osnabrück
- Autor: Bernd Wiersch
- Sprache: Deutsch
- Verlag: Delius Klasing, 2. überarbeitete Auflage 2015
- Format: 220 x 246 mm, gebunden,
- Umfang: 208 Seiten, 80 Farb und 39 s/w-Bilder sowie diverse andere Abbildungen in Farbe und s/w
- Preis: € 29,90,
- ISBN: 978-3-6167-10339-7
- Bestellen/kaufen: Online beim Verlag auf delius-klasing.de oder auf amazon.de
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