Das Bild von Porsche durch die Augen von Erich Strenger (Buchbesprechung)

Erstellt am 30. April 2017
, Leselänge 4min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas) 
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Die Anfänge von Porsche mit dem 356/1 und den Coupés aus Gmünd, von Beutler aus Thun sowie der 356er-Fertigung in Stuttgart Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts sind hinreichend bekannt und ausführlich beschrieben.


Strenger im Kanu und im Porsche - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Doch wie kam es eigentlich zum Porsche-Image? Dieser Frage geht das Buch von Mats Kubiak über Erich Strenger nach: Strenger, Jahrgang 1922, war Autor, Fotograf, Gestalter und Illustrator und mit diesen Fähigkeiten eine der Personen, die das Erscheinungsbild von Porsche in den frühen und 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entscheidend prägte.  

Ein Mann mit vielen Eigenschaften

Das monografische und monothematische Buch über Erich Strenger zeigt erstmalig eine umfassende Sammlung seiner Werke, die im Zusammenhang mit der Firma Porsche in den Jahren 1951 bis 1988 entstanden.


Christopherus-Covers - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden die Höhepunkte seiner Arbeiten in den Vordergrund gestellt, um die Herangehensweise und Methoden des Gestalters herauszustellen. Er prägte mit seinen Arbeiten das Corporate Design des Unternehmens nachhaltig als noch niemand dieses Wort in den Mund nahm.

Erich Strenger und Porsche

Durch einen Zufall lernte Strenger 1950 bei einer Veranstaltung in Stuttgart seinen Sitznachbarn Richard von Frankenberg kennen, einen bekannten deutschen Automobiljournalisten seiner Zeit, der als Ein-Mann-Unternehmen bei Porsche die Marketing-Abteilung aufbaute. Von nun an arbeitete das kongeniale Duo an der Profilierung der Marke Porsche. Von Frankenberg machte Marketing, Strenger die Öffentlichkeitsarbeit.


Strenger am Arbeitstisch - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Bis 1988 drehte sich das Wirken Strengers um den Stuttgarter Sportwagenhersteller. Er wurde dabei nie fest angestellt, sondern arbeitete zunächst als freier Mitarbeiter, später gründete er eine Werbeagentur, die vornehmlich bis Ende der 80er Jahre für Porsche wirkte.    

Zum Inhalt des Buchs

Der Autor Mats Kubiak nennt sein Buch im Untertitel einen grafischen Bericht. Und in der Tat sind auf den knapp 200 Seiten unzählige grafische Arbeiten in Form von Covern, Prospekten, Postern, Rennplakaten, Illustrationen und vielem mehr wiedergegeben. Dazwischen streut er in kurzen aber prägnanten Textpassagen sowohl den Lebensweg Strengers als auch dessen Arbeitsweise nach. Schier beeindruckend ist die Fülle des Materials, das hier im Buch lediglich einen Ausschnitt des Lebenswerks wiedergeben kann. Doch man kann sich vorstellen, welche Schaffenskraft dahinter gesteckt haben muss.


Grafiken für Christopherus - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Strenger war nicht nur Mitinitiator der Kundenzeitschrift „Christophorus“, eine der ersten Kundenzeitschriften eines Automobilherstellers. Nein, Strenger entwickelte auch den heute noch gültigen Porsche Schriftzug oder die Hausfarbe HKS17. Dieses Bordeauxrot war keine Entwicklung von Strenger, sondern den knappen Budgets bei Porsche für Werbung geschuldet. Strenger hatte bei einer Druckerei den Restbestand der Farbe entdeckt, alle Vorräte aufgekauft und damit dann die gesamte Geschäftsausstattung von Porsche drucken lassen. Vom Couvert über das Briefpapier bis zu den Betriebsanleitungen hatte Porsche eine markante Hausfarbe, die bis heute zum Corporate Design gehört.


Rennplakate aus der 356-er-Ära - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Ob Illustration, Fotografie oder Layout. Strenger war der Mann für alles. Unzählige der bekannten Rennplakate vom ersten Le Mans Klassensieg 1953 bis Langstreckenerfolgen in den 80er Jahren tragen die Handschrift Strengers und sind schon zu ihrer Zeit absolute Klassiker.


Rennplakate aus der Prototypen-Ära - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Immer wieder wird man beim Blättern durch die gestalterische Reichhaltigkeit  und die gleichzeitig künstlerisch grafische Interpretation der Umsetzungen überrascht. Insbesondere, wenn zum Beispiel bei Plakaten oder Covern mehrere auf einer Seite zum Vergleich nebeneinander abgebildet werden.

Die Zusammenarbeit mit Porsche endet 1988 abrupt mit dem Götz von Berlichingen-Zitat. Strenger, der selbstredend auch die Porsche-Kalender jahrelang gestaltete, traf 1987/88 auf ein neues Team bei Porsche, das seine vorgestellten Entwürfe überaus kritisch beurteilte. Als das Lamento kein Ende nehmen wollte, beendete Strenger die Sitzung mit den vier Wörtern (leck mich am A.), die eine weitere Zusammenarbeit ausschloss.     

Die Strenger-Porsche-Story

Wenig Text, viele Bilder. Eine gute Kombination. Nur so kann überhaupt der Eindruck dieses Buches, das in der Reihe „Edition Porsche Museum“ erschienen ist, seine ganze Wirkung entfalten. Dem Autor gelingt es stringent, das Lebenswerk eines Mannes für die Marke Porsche zu entfalten, die man so nicht kannte. Dass Kubiak dabei auch die freien Arbeiten Strengers nicht auslässt und das Privatleben mit skizziert liefert letztendlich einen sehr guten Eindruck von der paralellen Entwicklung einer Person und eines Unternehmens.


Strenger als begeisterter Wassersportler - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Vielleicht wäre dem Buch gedient gewesen, wenn es im prägnanten „Ziegelsteinformat“ der Edition Porsche Museum erschienen wäre. Das hier verwendete sogenannte Lexikon-Oktav-Format ist zwar kompakt, schränkt allerdings die Gestaltungsmöglichkeiten ein wenig ein. Gleichwohl, das Buch ist gestalterisch und typografisch trotz dem etwas kontrastarmen Druck und des matten Papiers ein absoluter Hingucker.

Trotz des eher knappen Textumfangs gelingt es dem Buch, sich der Person und dem Werk Strengers zu nähern und damit sowohl ein Bild nicht nur von Porsche sondern auch von Strenger abzuliefern.


Einband - Buch "Erich Strenger - ein grafischer Bericht"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing Verlag (Repro Zwischengas)

Bibliografische Angaben

  • Titel: Erich Strenger und Porsche - Ein grafischer Bericht
  • Autor: Mats Kubiak
  • Sprache: Deutsch (oder englisch)
  • Verlag: Delius Klasing, 1. Auflage 2017 
  • Format:  Gebunden, 192 x 256 mm 
  • Umfang: 186 Seiten, 195 Farbbilder 
  • ISBN: 978-3-667-10969-9
  • Preis: € 39,90 
  • Leseprobe: Auf Delius-Verlagsseite
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , online beim Delius-Klasing Verlag oder in der gut assortierten Buchhandlung

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ne******
02.05.2017 (12:44)
Antworten
Wenn schon Erich von Frankenberg, dann konsequenterweise auch Richard Strenger. Kann passieren.

Martin Schröder
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
02.05.2017 (12:55)
ups! Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.
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