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Auto Union DKW F9 – Der Käfer Killer (Buchbesprechung)

Erstellt am 4. Juli 2016
, Leselänge 6min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Auto Union (Repro Holger Merten) 
8
Auto Union (Repro Holger Märten) 
4
Mironde Verlag 
1

Als Adolf Hitler im führertypischen Alleingang 1934 beschloss das KdF-Wagen-Projekt zum Wohle des Volkes zur Staatsaufgabe zu machen, war es ausschliesslich die Auto Union, die dem Konzept von Prof. Porsche engagiert entgegen trat. Nicht nur beim RdA lobbyierte sie gegen den "Volkswagen", sie sah im KdF-Wagen einen direkten Angriff auf ihr umsatz- und renditestärkstes Produkt: die DKW Frontantriebswagen. DKW Vorstandsmitglied Dr. Carl Hahn reagierte umgehend. "Wir werden grundlegend neue Modelle schaffen müssen, die von vornherein, schon aus ihrer Konstruktion heraus niedrige Selbstkosten erwarten lassen.", womit er den grössten Vorteil des Käfers bereits fest im Visier hatte. Dessen Preis. Hahn wollte ein besseres Produkt als den späteren Käfer schaffen und so die Marktposition der Auto Union nicht nur verteidigen sondern deutlich ausbauen. Das Buch «F9 – Der sächsische Konkurrent des "Volkswagens"» widmet sich der Entwicklungsgeschichte des DKW F9 bei der Auto Union sowie den Nachkriegsentwicklungen in Ost und West.

Cover und Umschlag des Buchs «F9»
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Merten)

Ein Buch, dass man entdecken muss

Es gibt sie noch, die Auto-Bücher, deren Erscheinen man sich wünscht, weil man sich für genau dessen Inhalt interessiert. Ich stolperte über das vorliegende Exemplar als ich mich mit den Vorständen der Auto Union AG in Sachsen beschäftigte. Es war eine Randnotiz, die mich auf das kleine Büchlein brachte. Zum Glück, bei mir schliesst es wieder eine Wissenslücke auf dem Gebiet der Auto Union. Und deshalb will ich es auch anderen Lesern nicht vorenthalten. Es ist kein Prachtband, sondern nur ein Büchlein, in dem an manchen Stellen für den Interessierten durchaus Interessantes steht. Eben, der Inhalt zählt und deshalb kommt das Buch der Autoren Frieder Bach und Dirk Schmerschneider auch zur Besprechung. 

Das F9 Jubiläum

Bach und Schmerschneider sind Kenner der sächsischen Kraftfahrzeuggeschichte und in Erhalt von Historie und Fahrzeugen engagiert. Das Buch entstand anlässlich der Sonderausstellung im "Museum für Sächsische Fahrzeuge", das dem F9 zum 75. Jubiläum seiner Vorstellung eine eigene Plattform bot. Das Buch ist als Ergänzung zur Ausstellung zu verstehen, hat aber deshalb ohne den musealen Rundgang nicht immer genug Substanz, um alleine zu bestehen. 

F9 – Das grosse Versprechen der Auto Union

Der zweite Weltkrieg hatte schon Polen überrollt und Frankreich besetzt, da stellte die Auto Union AG den DKW F9 in einem eigens dafür hergestellten Prospekt vor. Auf den Bildern waren einige der zehn Prototypen zu sehen, die man in Sachsen im Hinblick auf die bald erwartete Friedensproduktion hergestellt hatte.

DKW F9 Prototyp von 1940. Das einzige Fahrzeug, das konsequent als Konkurrenz zum Volkswagen entwickelt wurde
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Merten)

Im Grunde sollte der Wagen mit dem ebenfalls als Stromlinienwagen konzipierten und bereits 1939 in Berlin vorgestellten Horch 930S ab 1940 in Serie gehen. Parallel war in Sachsen für die Auto Union Marke "Wanderer" der W6 mit Stromlinienkarosserie sehr weit gediehen. Die Auto Union schickte sich acht Jahre nach Ihrer Gründung an, deutsche Avantgarde zu werden. Dass der Luxus-Horch und der Mittelklasse-Wanderer ihre Anhängerschaft gefunden hätten, kann vorausgesetzt werden. Doch der F9 sollte zur Expansion der Auto Union beitragen. So hatten man in Chemnitz den Wagen nicht nur in ein extravagantes Kleid gehüllt, auch die Technik mit dem längs eingebauten 3-Zylinder-Zweitaktmotor trieb traditionell die Vorderachse des DKW an.

Der DKW Motor hatte im Gegensatz zu seinen Nachfolgern in West und Ost einen gedielten Zylinderkopf und seitlich befindliche Zündkerzen
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Merten)

Selbstredend war der Motor flüssigkeitsgekühlt. Die Thermosyphonkühlung verzichtete dabei auf eine Pumpe. Was nicht eingebaut ist, kann nicht kaputt gehen. Konstruktiv aber ein glatter Gegenentwurf zum KdF-Wagen mit Heckantrieb und luftgekühlten Boxermotor. Unter Vorbehalt konnte die Auto Union den F9 auch während des Krieges bis zur Serienreife weiterentwickeln. Geplant war die Ablösung der gesamten F-Reihe durch den F9 und die Produktion sollte sich bei 200'000 Fahrzeugen/Jahr einpendeln, um durch die Fertigungshöhe die Selbstkostenpreise zu senken. Diese Zahl ist angesichts der bisher jährlich produzierten Fahrzeuge bei DKW eine Ansage und hat sich wohl am KdF-Wagen gemessen. Letztlich war aber schon in der Planungsphase der Beginn der Serienfertigung nicht zu halten. Die Maschinen zur Fertigung des F9 hatten bereits Ende der 30er Jahre Lieferfristen, die einen termingerechten Start in weite Ferne rückten. Davon liess sich die Auto Union aber nicht vom Kurs abbringen und setzte die Produktionsvorbereitungen weiter fort. Ja, man hatte sogar eine Kunststoffkarosserie serienreif entwickelt, um bei der Fertigung der Karosserie Einsparungen zu erzielen. 1944 erklärte der Auto Union Versuch den F9 für serienreif. Doch im letzten vollen Kriegsjahr war die Produktionsaufnahme genauso eine Utopie wie der Endsieg. Trotzdem war man bei der Auto Union zufrieden, hoffte man doch nach dem baldigen Ende des Krieges, mit dem F9 in die sogenannte Friedensproduktion einsteigen zu können. Und das mit einem vielversprechenden Produkt. Es sollte anders kommen. 

Der F9: die Hoffnung in Ost und West 

Die Auto Union AG, in Sachsen 1948 liquidiert, hatte nichts mehr mit dem F9 zu tun. Die IFA als ihre Nachfolgerin allerdings setzte auf die Vorkriegsentwicklung und begann 1950 mit der Produktion des IFA F9. Technisch und konstruktiv eng an das Vorbild angelehnt wie der DKW F89, den die in Westdeutschland neu gegründete Auto Union GmbH 1950 auf den Markt brachte, der allerdings erst 1953 als F91 den Dreizylindermotor erhielt.

IFA F9 Roadster-Prototyp aus dem Karosseriewerk Meerane, vormals Karosserie Hornig und Karosserie Ditsch
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Märten)

Trotz der äusserlichen Ähnlichkeit und den vielen konstruktiven Parallelen hatten sich beide Modelle doch in vielen Details vom F9 weg entwickelt. Das lag einerseits an der Mangelsituation nach dem verlorenen Krieg als auch einfach daran, dass man viele Teile wegen fehlender Zeichensätze einfach neu konstruieren und nachzeichnen musste. Gleichwohl, der DKW F 89 und der IFA F9 waren Automobile Hoffnungen und Träume in Ost und West. Nur mit dem Käfer, da konnte es keiner der beiden mehr aufnehmen. 

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Was machen die Autoren aus dieser Geschichte

Wie schon erwähnt, kein Buch, nur ein Büchlein. Ein Büchlein über die eher unbekannte Entwicklungsgeschichte eines aus historischen Gründen besonderen Fahrzeugs. Der DKW F9 wurde Mitte der 30er Jahre unter der Ägide der sächsischen Auto Union als direkter Konkurrent zum Volkswagen entwickelt. Das macht es so lesenswert. Kurz und knapp umreissen die Autoren die Entwicklungsgeschichte des DKW F9. Bedauerlich, dass es kein einziges Bild aus der Entwicklung des F9 gibt. Schon bald nach Kriegsende griffen die Nachfolgeunternehmen in beiden deutschen Teilstaaten die Idee wieder auf und entwickelten sie weiter. Genau diesem Aspekt– sicher ein spannender Teil der Industriegeschichte –nämlich wie das unter markt- und planwirtschaftlichen Bedingungen geschah, widmen die Autoren den viel grösseren Teil ihrer Ausführungen. Dass dabei insbesondere der Motorsport auf F9-Basis breit gewürdigt wird, hat mit dem Versprechen im Titel wenig zu tun.

IFA F9 mit neuer Karosserie für den Renneinsatz
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Merten)

Dafür sind die Sonderkarosserien, die in der BRD und der DDR das Dreizylinders-Chassis als Ausgangsbasis besassen, im Bildteil umfassend repräsentiert. Mit einer Ausnahme: Kombi- und Pritschenwagenaufbauten fehlen gänzlich. 

F wie Fazit

Der F9 hätte – und davon war die Auto Union bereits 1939 überzeugt – ein überlegener Konkurrent zum KdF-Wagen werden können. Leider gelingt es den Autoren, diesen Vergleich nur im Titel zu ziehen. In seinen konstruktiven Grundzügen war der Auto Union Entwurf dem Käfer voraus. Dass er den Beweis dazu nicht mehr ganz vollbringen konnte, war einer Zäsur zu verdanken, die viel tiefere Einschnitte in den Deutschen Alltag brachte als es der Wettbewerb zwischen Käfer und dem F9 je hätten leisten können. Was den F9 betrifft, ist dies in durchaus lesenswerten Grundzügen in einem Büchlein, das zum Preis von € 12,50 erschwinglich ist, nachzulesen. Am Ende kann es nur als sehr fokussierte Ergänzung zur einschlägigen DKW- und Auto Union-Literatur verstanden werden. Bis auf den Titel ist das Büchlein wohl auch nicht mit anderen Ambitionen an den Start gegangen. Die Konkurrenz zum Volkswagen ist und war nie ein Thema.

1953 war man auch in Westdeutschland in der Lage, den Komfort des 3-Zylinders zu bieten. Und sogar in einem 3=6 Coupé und 50er Jahre Idylle
Copyright / Fotograf: Auto Union (Repro Holger Merten)

Bibliografische Angaben

  • Titel: F9 Der sächsische Konkurrent zum "Volkswagen"
  • Autoren und Herausgeber: Friedet Bach und Dirk Schmerschneider
  • Verlag: Mironde Verlag, 1. Auflage 2014
  • Format:  230 x 230 mm, Broschiert, 84 Seiten, zahlreiche, zumeist s/w-Bilder
  • Preis: € 12,50
  • ISBN-10: 3937654887
  • ISBN-13: 978-3-937654-88-1
  • Bestellen bei Amazon (versand- und zollfrei) oder bei buchversand.mironde.com

 

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Magnus
08.07.2016 (10:58)
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