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Chevron B18 Formel 2 - Jo Sifferts Monoposto ist noch immer startklar

Erstellt am 13. Dezember 2019
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
23
Josef Reinhard 
11
Bader 
5
Chevron B18 F2 (1971) - Der Chevron würde gerne wieder Rennen fahren
Chevron B18 F2 (1971) - Der Sponsor "Bio Strath" mit dem Slogan "für eine bessere Gesundheit" liest sich etwas zynisch wenn man daran denkt, wie gefährlich der Motorsport damals war
Chevron B18 F2 (1971) - Hoch montierter Frontflügel
Chevron B18 F2 (1971) - Aufs Wesentliche beschränkt
Chevron B18 F2 (1971) - Der Chevron ist heute ein beliebter Gast bei historischen Veranstaltungen

Jo Siffert veranstaltete 1971 nur zwei Tage nach dem spanischen GP in Montjuïc vom 18. April in seiner Garage in Fribourg eine kleine Pressekonferenz, in der er seinen neuen Rennstall präsentierte und erklärte, dass er Vertreter für die englische Rennwagenschmiede Chevron in Kontinentaleuropa geworden war. Jo Siffert importierte für die Schweiz zwei Formel-2-Chevron des Typs B18. Das Chassis-Nr. 71-3 fuhr er in der Folge meist selber, während er den Monoposto mit Nr. 71-2 an Xavier Perrot verkaufte. Obschon er mit dem Formel-1-Engagement bei BRM und dem Vertrag mit Porsche für die Marken-WM bereits einen ziemlich dicht gefüllten Kalender hatte, nahm er im Jahr 1971 am Steuer dieses Chevron B18 (Chassis Nr. B18-71-03) auch noch an diversen Formel-2-Rennen in Europa und Südamerika teil.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Chassis Nummer 71-3 wurde von Jo Siffert pilotiert
Chevron B18 F2 (1971) - Chassis Nummer 71-3 wurde von Jo Siffert pilotiert

Ja, so war es damals, als die Rennfahrer noch keine Millionen verdienten. Um ihr Budget aufzubessern, fuhren sie nicht nur in einer Klasse sondern gleich in mehreren Kategorien. Das ging nicht immer ganz reibungslos. So konnte Siffert in Spanien nicht das gesamte F1-Training wahrnehmen, weil in Barcelona ein Flugzeug bereitstand, das ihn noch schnell nach Le Mans flog, wo Porsche einen verbesserten 917 testete. Nach einigen schnellen Runden in Frankreich und diversen Gesprächen mit den Porsche-Ingenieuren flog man Siffert dann wieder nach Spanien zur Formel 1 zurück…

Debüt in Südamerika

Beide Chevrons hatten ihr erstes Rennen im Februar 1971 in Bogota, wo Siffert den ersten F2-Sieg für die Marke einfuhr und Perrot den 6. Gesamtrang hinter Rolf Stommelen im Brabham BT30, aber vor Derek Bell im March 712M erreichte. Ab Mitte 1971 bis 1972 nahm Francois Mazet in Sifferts Chevron, in der Europäischen F2-Meisterschaft teil, allerdings mit recht mässigem Erfolg. Einzig der vierte Platz in Pau war ein kleiner Lichtblick. 1971, als Perrot (March-Importeur für die Schweiz) einen eigenen March 712 bekam, verkaufte er seinen Chevron (Nr. 71-2) an Bruno Frey, Luzern, welcher das Fahrzeug 1971 weiter international einsetzte. Glück brachte es ihm keines, denn in Imola wurde der Wagen samt Anhänger aus dem Fahrerlager gestohlen. Später kam der Monoposto in einer Mailänder Karosserie-Werkstatt wieder ans Tageslicht.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Aufs Wesentliche beschränkt
Chevron B18 F2 (1971) - Aufs Wesentliche beschränkt

1972 wurde der Chevron an Georg Schafer nach Genf verkauft, welcher damit 1972/73 nationale und internationale Rennen fuhr. Danach ging der Chevron B18 an Walter Bolliger und später an Fredy Kumschick weiter, welcher das Fahrzeug komplett restaurierte und originalgetreu aufbaute. Der letzte Besitzer kaufte den Chevron B18 F2 mit der Chassisnummer 71-2 im Jahr 2004 von Kumschick und setzte das Fahrzeug an diversen historischen Rennen ein.

Sifferts Chevron

Siffert wurde mit dem Chevron Nr. 71-3 am 7. Februar 1971 zum König von Bogota, denn es gelangen ihm trotz seiner 9. Startposition zwei Laufsiege. Als Gesamtsieger über die zweimal 30 Runden auf der 2,439 Meilen (3.925 KM) langen Strecke im Distrito Capital von Bogota, vor Graham Hill im Lotus 69 und Peter Westbury im Brabham BT30 und mit der schnellsten Rennrunde von 1:27,6 s blieb er an diesem Wochenende ungeschlagen. Den ersten Lauf gewann Seppi vor Jürg Dubler und Graham Hill und im zweiten Lauf hielt er Derek Bell und Alistair Walker auf Distanz. Dubler musste leider mit Getriebeproblemen im zweiten Lauf aufgeben.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Chassisnummer 71-3 war Sifferts Auto
Chevron B18 F2 (1971) - Chassisnummer 71-3 war Sifferts Auto

Nur eine Woche später am 14. Februar  fuhr Siffert an selber Stelle in 1:24.82 auf die Pole Position vor Henri Pescarolo und Rolf Stommelen. Den ersten Lauf gewann er wieder souverän, musste aber leider im Zweiten nur zwei Runden vor Schluss aufgeben, wurde aber noch als gesamt 6. gewertet. Die Schweizer Teilnahme in Bogota war mit, Jo Siffert, Jürg Dubler, Xavier Perrot und Silvio Moser gross. Weitere Starts von Siffert im B18 waren am 14. März in Mallory Park, am 11. April in Thruxton, am 2. Mai auf dem Nürburgring und am 31. Mai in Crystal Palace. Dazu kamen noch die zwei Fremd-Einsätze. Francois Mazet trat in Pau am 25. April im Siffert-Chevron an, Chris Craft in Mantorp Park am 8. August. Danach wechselte der Chevron mehrmals den Besitzer, ohne zu einem Renneinsatz zu kommen. 1988 kaufte Bob Campbell den Monoposto, und setzte ihn bis 1991 mehrmals bei historischen Rennveranstaltungen ein, danach sind noch zwei weitere Besitzer bekann, die den Wagen aber nicht mehr in Rennen starten liessen.

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Breit einsetzbarer Monoposto

Der Chevron B18 war ein Mehrzweckrennwagen, der für die F2, F3, Formula Atlantic und Formula B gebaut wurde, obwohl die Formula B-Version hier als separates Modell behandelt wird. Zum schönsten Einsitzer wurde der B18 F2 sicherlich nicht gekürt, aber dies tat seiner Effektivität keinen Abruch, schliesslich siegte der Monoposto in der F2 und stand kurz vor dem Gewinn der britischen Formel-Atlantik-Meisterschaft. Der erste B18 war eigentlich ein Entwicklungsauto, das im August 1970 zu Testzwecken gebaut worden war, dann aber doch von Reine Wisell in Mantorp Park auch eingesetzt wurde, wo es ganz gut lief.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Siffert in Mallory Park
Chevron B18 F2 (1971) - Siffert in Mallory Park

Als erster Chevron in Monocoque-Bauweise ausgewiesen, war der Wagen eigentlich nur eine Weiterentwicklung auf Basis der Spaceframe-Methode, die seit dem B9B in Chevron-Monopostos zum Einsatz kam. Dieses Halb-Monocoque-Chassis war um die oberen und unteren Vierkantrohre gebaut. Dadurch wollte man die Reparatur nach Unfällen vereinfachen. Der Motor war auf einem Hilfsrahmen verschraubt, so dass er für die verschiedenen Kategorien ausgewechselt werden konnte.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Enge im Cockpit
Chevron B18 F2 (1971) - Enge im Cockpit

Die hintere Aufhängung wurde vom B17 übernommen, vorn verlegte man sie nach innen. Die grosse Kühleröffnung der Frontpartie wurde durch eine noch grössere Flosse abgeschwächt, was dem Wagen zu einem kompakteren Aussehen verhalf. Anders als beim B17 wurde vorne eine Kipphebel-Aufhängung mit innenliegenden Federn und Dämpfern eingesetzt, die auf eine Idee zurückging, die bereits bei Formel-Junior-Fahrzeugen aus der Mode gekommen war. Folgerichtig wurde dieser Ansatz dann 1972 auch beim B20 nicht fortgeführt. 

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Radaufhängung
Chevron B18 F2 (1971) - Radaufhängung

Als Antrieb für den 410 kg leichten F2-Rennwagen diente ein eingespritzter Ford 4-Zylinder mit 1600 ccm, der mit seiner Leistung von 220 PS eine Höchstgeschwindigkeit von rund 245 km/h ermöglichte. Geschaltet wurde mit einem 5-Gang Getriebe.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Alles wurde zerlegt
Chevron B18 F2 (1971) - Alles wurde zerlegt

Nachdem der Prototyp beim Test von Reine Wisell in die Brüche ging, wurden insgesamt noch vier weitere B18 für die Formel 2, sowie je einer für die Formel Atlantic und die Formel 3 gebaut. Das Formel-Atlantik-Auto ging an Graham Eden, der es für den erfahrenen Cyd Williams einsetzte. Williams gewann sieben der 18 Formel-Atlantik-Rennen, wurde aber vom zuverlässigeren Australier Vern Schuppan im Titelkampf geschlagen. Williams gewann drei der ersten sechs Rennen von 1972, bevor er auf einen March 722 umstieg. Das F3-Auto schnitt weniger gut ab. Der talentierte Barrie Maskell beendete die Saison ohne einen Sieg und stieg nur einmal mit einem zweiten Platz in Snetterton auf das Podest.

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Der eingebaute BDA Motor
Chevron B18 F2 (1971) - Der eingebaute BDA Motor

Der fotografierte Rennwagen (Chassis 71-3) ist mit seiner Siffert-Geschichte ein wertvolles historisches Automobil. Er kommt am 29. Dezember 2019 an der Versteigerung der Oldtimer Galerie in Gstaad unter den Hammer.

Wer sich einen relativ unkomplizierten, gut dokumentierten Rennwagen mit grossem "Einladungspotential" zu Veranstaltungen wie dem "Goodwood Revival" oder dem "GP Monaco Historique" wünscht, ist damit sicher bestens gerüstet.

Bilder zu diesem Artikel

Bild Chevron B18 F2 (1971) - Der Chevron ist heute ein beliebter Gast bei historischen Veranstaltungen
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Chassis Nummer 71-3 wurde von Jo Siffert pilotiert
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Nichts für Sitzriesen
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Der Sponsor "Bio Strath" mit dem Slogan "für eine bessere Gesundheit" liest sich etwas zynisch wenn man daran denkt, wie gefährlich der Motorsport damals war
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Hoch montierter Frontflügel
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Aufs Wesentliche beschränkt
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Filigranes Fahrwerk
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Dicke Avon Walzen
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Bereit für den Einsatz in historischen Rennen
Bild Chevron B18 F2 (1971) - BDA Motor
Bild Chevron B18 F2 (1971) - Der eingebaute BDA Motor
Quelle:
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von ne******
17.12.2019 (14:40)
Antworten
Dank der Fotografen-Dynastie Reinhard sehr viele historische Fotos. Weiter so!

Martin Schröder
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