McLaren F1 GTR – vom Strassensportwagen zum Le-Mans-Sieger

Erstellt am 3. Mai 2021
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
19
McLaren Automotive Limited 
7
McLaren 
3
McLaren / Werk 
2
BMW AG 
2
Archiv 
6

Am 28. Mai 1992 wurde der McLaren F1 anlässlich des F1 GP im Sporting Club von Monaco der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt fuhr er noch nicht einmal aus eigener Kraft, beeindruckte aber die angereisten Besucher, darunter auch Leute wie Dennis Hulme und Ayrton Senna, der gemunkelt haben soll, dass er sich nicht sicher sei, ob er sich diesen Wagen überhaupt leisten könne.


McLaren F1 (1992) - Entwicklung Gordon Murray mit seinem Supersportwagen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf rund 1,6 Millionen DM (USD 970’785, £ 634’500) war der Preis angesetzt worden, so teuer hatte noch niemand zuvor versucht, ein Serienfahrzeug anzubieten. Geplant waren maximal 300 Exemplare, dieses Limit notierte man auch in den Kundenverträgen.

Bigazzi und BMW

Bigazzi war jahrelang als BMW Werksteam im Tourenwagensport erfolgreich unterwegs. Teamchef Gabriele Raffanelli hatte schon immer den Traum, einmal mit Nelson Piquet in Le Mans zu starten. 1997 war es dann endlich soweit und er konnte für BMW zwei McLaren F1 GTR einsetzen. Im einen Auto sass dann natürlich auch besagter Nelson Piquet. Der Brasilianer meinte dazu: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal ein Auto von Gordon Murray (ex-Brabham Konstrukteur der F1) fahren werde".


McLaren F1 GTR (1996) - Jacques Laffite macht sich in Silverstone mit dem Rennwagen vertraut
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Neben Piquet kamen noch Danny Sullivan und Johnny Cecotto zum Einsatz und im zweiten Auto sassen Jacques Laffite, Steve Soper und Marc Duez. Auch Gabriele Raffanelli, dessen Bigazzi-Team dreimal die 24 Stunden von Spa gewonnen hat und einmal auf der Nordschleife siegreich war, begeistert dieses Rennen ganz besonders: "Le Mans ist eben Le Mans. Man verliert, oder man gewinnt ein Rennen. Gewinnt man in Le Mans, so hat man Ausserordentliches geleistet.”


McLaren F1 GTR (1995) vom Team Kokusai Kaihatsu Racing - Sieger bei den 24 Stunden von Le Mans am 17. und 18. Juni 1995
Copyright / Fotograf: McLaren / Werk

BMW und McLaren kamen 1995 völlig unverhofft zum ehrenvollen Ritterschlag. Ohne Werksunterstützung starteten Kundenteams mit dem McLaren F1 GTR samt BMW-Zwölfzylinder und einer gewann dann tatsächlich das Rennen, wenn auch nur dank der schwachen Konkurrenz. In München nahm man den Sieg ganz gerne als das, was er war - ein Geschenk!

Aber man kam doch auf den Geschmack und wollte im Folgejahr mit Werksunterstützung noch einen draufsetzen. So bekam das italienische Bigazzi-Team den Auftrag, die zwei Werks-McLaren F1 GTR nach Le Mans zu bringen.

Mit Werksaufgebot an den 24 Stunden von Le Mans 1996

Doch zu dem grossen Duell zwischen Porsche und BMW kam es dann leider doch nicht. Von Rennbeginn an konnten die McLaren den Speed der Porsche an der Spitze nicht mitgehen. "Wir haben einen Strassensportwagen im Renntrimm an den Start gebracht, wie es der Sinn eines GT-Reglements ist," ärgerte sich McLaren-Konstrukteur Gordon Murray, "Porsche hat eigens ein richtiges Rennauto gebaut."


McLaren F1 GTR (1996) - am Lenkrad Nelson Piquet in Silverstone
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Nach 24 Stunden waren zudem nicht die Bigazzi-BMW die Besten ihrer Zunft, da sie von vielen, zu vielen Defekten heimgesucht wurden. Nicht die Stars wie Nelson Piquet, Steve Soper oder Johnny Cecotto standen ganz vorne. Den vierten Rang hinter den Porsche-Rennwagen belegten am Ende des Marathons nämlich Hobby-Rennfahrer Bscher und seine Profi-Partner John Nielsen und Peter Kox. Thomas Bscher war jener vermögende Bankier, der Murray und BMW erst einmal auf die Idee brachte, den McLaren F1 überhaupt als Rennauto einzusetzen.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 300 S Roadster (1954)
Jaguar XK 120 DHC (1954)
Citroen SM (1973)
0 74 43/ 1 73 47 04
Dornstetten, Deutschland

Vom McLaren F1 zum F1 GTR

Der Rennwagen wurde im Vergleich zum Strassen-F1 entschlackt. Überall wurde etwas weggenommen so dass am Ende das Leergewicht um rund 100 kg auf 1050 kg Gesamtgewicht sank. Der Motor und das Getriebe wurden um 15mm abgesenkt und so kam auch der Schwerpunkt des Autos noch tiefer zu liegen.


McLaren F1 GTR (1996) - Steve Soper im Cockpit des Rennwagens
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bigazzi-Pilot Steve Soper meinte, dass das 615 PS starke Auto sehr einfach zu fahren sei. Nelson Piquet bezeichnete den BMW-Motor als "ganz netten Motor" - kein Wunder, denn das Bayrische Triebwerk, womit er die F1-Weltmeisterschaft gewann, leistete über 1000 PS bei nicht ganz halbem Gesamtgewicht. Der 6,1 Liter grosse V12 war hingegen 260 kg schwer und leistete schlussendlich auch in der Strassenversion 627 PS bei 7400 Umdrehungen (bei der Vorstellung waren es noch 550 PS gewesen).


McLaren F1 GTR (1996) - Blick auf den BMW-V12
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei BMW schöpfte Paul Rosche aus dem Vollen: Aluminium-Block und -Kopf, vier über Ketten angetriebene obenliegende Nockenwellen und alle Gimmicks, die man aus dem E30-M3-Motor bereits kannte. Zu den Bremsen meinte der Südafrikaner Murray, dass diese für Verzögerungswerte von 2,6 g gut wären, im Vergleich dazu erreichte zu jener Zeit ein Formel 1 bis zu 4 g.


McLaren F1 GTR (1996) - mit offenen Türen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Den Sieg von 1995 konnte man weder im Jahr 1996 noch im Jahr 1997 wiederholen, aber zu den schönsten Le-Mans-Rennwagen aller Zeiten gehört der McLaren-BMW F1 GTR sicherlich.

Eine Investition für die Zukunft

Insgesamt sollen von der “normalen” Strassenversion 64 Exemplare gefertigt worden sein, dazu kamen fünf F1-LM Strassenversionen und drei F1 GT. 28 Wagen wurden für den Rennsport als GTR gebaut, einige davon wurden für die Verwendung auf öffentlichen Strassen umgebaut. Dazu kamen noch die fünf Prototypen. Sie alle sind heute einen ziemlichen Haufen Geld wert.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.