Die kurze und vielbeachtete Rennfahrer-Karriere der Ernes Merck

Erstellt am 23. Juli 2013
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv Daimler AG 
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Archiv Bernhard Brägger 
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„Erschüttert stehen wir an der Bahre dieser seltenen Frau und gedenken unserer lieben Kameradin, die ebenso plötzlich von uns gegangen, wie ihre aussergewöhnliche geistige Regsamkeit die Entschlüsse ihres Lebens beeinflusste. Viele haben ihre erstaunliche Energie und Ausdauer, ihre hohen sportlichen Leistungen bewundert, ihre erfrischende Lebendigkeit gespürt. Wenige haben sie ganz gekannt“.

Diese Worte widmet der Rennfahrer Richard Schultze-Steprath im Nekrolog seiner Rennkollegin Ernes Merck.

Die Leidenschaft des Ehemanns Wilhelm Merck

Wer ist Ernes Merck aus Darmstadt? Ernesta,Vera (Ernes) stammt aus dem ostpreussischen Adelsgeschlecht der Rogalla von Bieberstein. Geboren am 2. Juli 1898 in Pommern, heiratet sie als Zwanzigjährige Wilhelm Merck, Fabrikant und Teilhaber der pharmazeutisch-chemischen Fabrik E. Merck. Seine Leidenschaft für schwere, schnelle Autos überträgt sich schon bald auf seine Gattin.


Ernes Merck, jung, männerbetörend, erfolgreich
Copyright / Fotograf: Archiv Bernhard Brägger

Und so steuert anfangs der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts die stets modisch, sportlich gekleidete Frau einen Steiger, konstruiert vom Schweizer Ingenieur Walther Steiger unweit der Schwäbischen Alb. Die Leistungsdaten: 2,8 Liter Hubraum und ungefähr 55 PS.

Ehrenplätze

An der Südwestdeutschen Dauerprüfungsfahrt vom 26. und 27. Mai 1922 reicht es zu einem Ehrenplatz. So auch beim Baden-Badener Automobilturnier vom 10. – 16.- Juli 1922 . Dieses Autoturnier besteht aus einem Bergrennen, einem Flachrennen, einem Geschicklichkeitsturnier und einer Schönheitskonkurrenz.

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Konstanter Gesprächsstoff in der damaligen Rennszene

Die beiden Veranstaltungen bringen für Ernes Merck keine Siege - dafür aber viel Aufmerksamkeit und Anerkennung im Fahrerlager, an der Strecke, bei der Rangverkündigung und in den lokalen Zeitungen.

Ernes Merck nimmt bis 1927 an wenigen Rennen teil, ihre Erfolge halten sich in Grenzen und trotzdem wird in Quellen und Büchern Ernes Merck immer wieder als Konkurrentin des zu Weltruhm aufstrebenden Rudolf Caracciola genannt. Eines ist unbestritten: Die attraktive Ernes Merck ist stets Mittelpunkt bei den Herrenrennfahrern, den Organisatoren und Journalisten. Sie liefert Gesprächsstoff, ist umschwärmt, umjubelt. Die elitäre Rennszene der frühen Zwanzigerjahre hat ihre Ikone.

Der Erfolg am Klausen


Mercedes Benz Typ S mit Kompressor (1927) - Kompressorwagen mit geschlossenem Dach
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Als Mercedes-Benz 1927 den schweren und rund 180 PS starken Typ S für reiche Kunden auf den Markt bringt, gehört das Ehepaar Merck zu den ersten Kunden. Mit zwei solch gewaltigen 6,765-Liter- und 1680 kg schweren-Fahrzeugen - weisse Elefanten werden sie genannt - fährt das Ehepaar Merck ins Glarnerland an den Klausenpass - im Schlepptau: Caracciola.

Hier am 13. Juli 1927 auf der 22 Kilometer langen Strecke kommt das grosse Talent der Ernes Merck zur Geltung. Sie fährt in der grössten Sportwagenklasse der 5000 – 8000ccm-Monster ein brillantes Rennen, das beste ihrer kurzen Karriere. Im nationalen Rennen fährt sie mit 19.32.00 deutlich unter die magische Grenze von 20 Minuten und am Sonntag im internationalen Rennen verpasst sie diese Grenze um wenige Zehntelssekunden.

Sie weist Männer in die Schranken: Wilhelm ihren Gatten, den bekannten Herrenfahrer und Bierbrauer Hürlimann, und Zettritz den Berliner. Doch gegen Caracciola und seinen Werkswagen hat sie keine Chance – niemand hat eine Chance. Bei ihm bleiben die Uhren bei 17.35.40 stehen!


Mercedes Benz 6,7 Litre S (1928) - Ernes Merck und ihr 6,7-Liter Mercedes S
Copyright / Fotograf: Archiv Bernhard Brägger

Posthume Wertschätzung

1928 bringt Mercedes-Benz ein sehr auffälliges Werbeplakat in Umlauf. „Die Frau in Rot“ wirbt für den Mercedes-Benz S – dem Sportwagen der Ernes Merck. Geschaffen hat es der aus den USA stammenden Maler Edward Cucuel.


Werbeanzeige Daimler-Benz AG - Motiv - Frau in Rot und Mercedes-Benz 26/120/180 PS Typ S - Agentur - Offelsmeyer Cucuel - erschienen in "Elegante Welt", Nr. 18, 1928
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Ob Ernes Merck Cucuel inspiriert hat, wage ich zu bezweifeln. Es ist eher ein posthumes Märchen, von Werbern geschmacklos, aber geschickt inszeniert.

Und dass Ernes Merck eine ernsthafte Konkurrenz für Caracciola bedeutete, ist auch frei erfunden.
Ranglisten lügen selten – Werber und Journalisten schon eher. Da wird eine junge, attraktive Frau plötzlich Mittelpunkt einer fragwürdigen Werbung, denn als das Plakat erscheint, ist Ernes Merck Rogalla von Bieberstein bereits tot. Sie ist am 25. November 1927 freiwillig aus dem Leben geschieden!

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ak******
31.07.2013 (15:09)
Antworten
Ich freue mich schon auf die Artikel über Eliska Junkova (Elisabeth Junek) die auch eine erfolgreiche Rennfahrerin war, allerdings war sie auf Bugatti, in der gleichen Zeit und auch am Klaussen und am Targa Florio für die Herrnrennfahrer eine echte Konkurrenz...GWP
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