Die Strecke von Spa Francorchamps existiert bereits seit dem Jahr 1921, als das erste Rennen auf den in einem Dreieck zusammengeschlossenen Landstrassen zwischen Spa, Malmedy und Stavelot hätte stattfinden sollen. Es musste abgesagt werden, denn es war nur ein Fahrzeug gemeldet worden.
Dieses Problem bestand 2013 bei den «Spa Six Hours» nicht, denn mit rund 600 Rennwagen in 12 Rennen war man gut ausgerüstet und das zahlreich angereiste Publikum, das sich aber entlang der weitläufigen Strecke gut verteilte, konnte sich über mangelnde Abwechslung nicht beklagen.
Immer kürzer
Seit 1921 hat sich der Rundkurs einige Male geändert, er wurde vor allem kürzer, heute beträgt die Streckenlänge noch sieben Kilometer, während man mit 15 Kilometern begonnen hatte.
Doch noch immer gehört er zu den schnellsten Rennstrecken der Welt. Motorsport-Fans kennen die Strecke von den Fernsehübertragungen der Formel 1 oder den legendären 24 Stunden von Francorchamps Rennen, doch nur ein persönlicher Besuch vor Ort enthüllt die besonderen Reize dieser Rundstrecke.
Supersteil!
Vom Dorfkern Francorchamps fährt man Richtung Malmedy und gelangt so hinunter zum Haupteingang, wo sich die Paddocks, also die Boxen befinden. Via Tunnel unterquert man dann die Strecke und gelangt in den Innenbereich mit dem Fahrerlager, wo es auch Pommes- und Wurstbuden sowie Getränkestände hat. Auch die Aufgänge zu den alten Tribünen sind hier und es ist an einem grösseren Anlass ständig etwas los.
Dies unterscheidet Spa aber nicht von anderen Rennstrecken, der grosse Unterschied zeigt sich erst bei einem Blick auf die berühmte Passage «Eau Rouge». So steil hätte man sich dieses Strassenstück kaum vorgestellt, es ist als hätte man bei der Eau Rouge Kurve die Fahrbahn hochgeklappt. Von manchen Stellen der Paddocks kann man den tiefsten Punkt gar nicht mehr erkennen, sondern sieht lediglich die steile Aufwärtspassage ... Wirklich eindrücklich!
Mehrstöckig
Es gibt aber noch weitere Besonderheiten. Das Fahrerlager befindet sich relativ zum Start/Ziel-Bereich im vierten Untergeschoss. Mit einem Lift fährt man zirka 20 Meter hoch und befindet sich dann bei den neueren Boxen. Von dort geht es aber nochmals drei Stockwerke hoch bis auf die Aussichtsterrasse. Hier geniesst man einen phänomenalen Blick über das Nadelbaum-Meer, an vielen Orten blitzen die für Spa typischen orange-roten Streckenbegrenzungen (Curbs) auf. Man kann immer wieder einzelne Streckenteile einsehen und sogar die Fahrzeuge sind von dieser Terrasse zu erkennen. Ein umwerfender Ausblick und wohl ziemlich einmalig, was Rennstrecken betrifft.
Von hier aus kann man auch die gewaltigen Höhenunterschiede erfassen, die es auf dieser Naturrennstrecke gibt: Nach der Senke Eau Rouge donnern die Fahrzeuge den Hügel hoch, die Strecke steigt dabei bis zu "Les Combes", von dort geht es dann via eine 180-Grad-Kurve (“Bruxelles”) und eine Doppel-Links Kurve hinunter zu "Courbe", der tiefsten Stelle der Strecke. Von dort aus beginnt wieder ein bergstrecken-ähnlicher Verlauf in Richtung Ziel...
Sechsstunden-Rennen als Namensgeber und Hauptattraktion
Als historisches Langstreckenrennen waren die “Spa Six Hours” ausgelegt und damit auch Namensgeber für das gesamte Rennwochenende. Die Sechsstundenhatz wurde um 15:55 gestartet und dauerte bis in die Nacht hinein. Um 21:55 wurde der Ford GT 40 von Voyazides/Hatfield als Sieger abgewunken.
Als die Sonne nach einigen Renn-Stunden untergegangen war, hatte sich der Himmel in ein wolkiges, purpurrotes Meer verwandelt, die GT-Fahrzeuge fuhren wie kleine Lichtlein auf dem Wasser um den Rundkurs.
Allerlei ungewöhnliche Licht-Installationen waren an den Fahrzeugen zu entdecken, so sah man etwa leuchtende Antennen, blau beleuchtete Unterböden, Blinklichter um Frontscheinwerfer und manch anderes, was wohl vor 50 Jahren noch nicht zur Standardausrüstung der Rennwagen gehört hatte. Diese Lichter schufen aber eine besondere Stimmung und machten es Fahrern und Zuschauern leichter, die einzelnen Fahrzeuge zu unterscheiden.
Viel Aktion wurde auch an den Boxen geboten, denn über sechs Stunden war einiges zu tun an den Autos, sei es Nachtanken, Fahrerwechsel, Radwechsel oder kleinere und grössere Reparaturen.
Hinter dem siegreichen Ford GT 40 lief die brachiale Chevrolet Corvette Grand Sport ein, auf der sich Michel Campagne, A. Kalff und der bekannte F1-Rennfarher Jan Lammers abwechselten. Sie waren denn auch die einzigen, die die Ford GT 40 Phalanx durchbrechen konnten.
Zu den ganz schnellen gehörten aber auch die GTS10-Klassensieger Wilson/Wolfe/Stirling auf einem Lotus Elan 26R, die GTS-11-Klassenbesten Smits/Kuipert/Jon auf einem Ford Shelby Mustang 350 GT und die Schnellsten in der Gruppe GTS11, die Briten Tice/Conoley auf einem Marcos 1800 GT.
Am Start waren neben den bereits genannten Fahrzeugen auch Jaguar E Type, TVR Griffith, Porsche 911, Triumph TR4, MG B, Ginetta G4, Ford Falcon Sprint, Austin Healey, Lotus Elite, Morgan Plus 8, Datsun 240 Z, Porsche 356, Austin Mini Cooper S, TVR Grantura, Aston Martin DB4 sowie Ferrari 250 GT SWB nebst vielen anderen unter den 109 gemeldeten Rennwagen.
Gran Turismo im Nebel
Das Training der Granturismo-Rennwagen bis Jahrgang 1963 fand am Freitag Morgen noch bei leicht feuchter Piste und Nebel statt. Die Sicht war nicht optimal und mancher Pilot hätte es sich wohl gewünscht, etwas später in den Wagen zu steigen. Doch auch das Rennen am Samstag startete in den frühen Stunden und wiederum beeinträchtigte Nebel die Sicht, dies vor allem bei “Les Combes”, dem höchsten Punkt der Strecke.
Nach dem Training war es leicht auszurechnen, dass wohl einer der Ferrari 250 GT als Sieger des Rennen erkoren würde, doch setzte es im Rennen dann schon früh einige Überraschungen. Der gelbe SWB von Oliver/Pearson schied bereits nach einer Runde aus, die Führung wurde an Gaye/Reid im silbernen SWB weitergereicht. Doch diese konnten sich nur zwei Runden freuen, dann übernahmen Hart/Van der Lof die Spitze.
Beim Boxenstopp wurde es nochmals spannend. Beide Ferrari gingen gleichzeitig an die Box und um ein Haar hätte der Zweitplatzierte das Rennen an den Boxen für sich entscheiden können. In der Endabrechnung aber siegten Hart/Van der Lof vor Gaye/Reid. Dritter, aber in der Klasse “D” startend, wurde die AC Cobra von Hunt/Blakeney-Edwards. Auf Platz vier liefen Monteverde/Pearson auf einem Aston Martin DB 4 ein, die damit auch ihre Klasse “INV” gewannen.
Weitere Ergebnisse
Bei den beiden Läufen zum FIA Masters Historic Formula One Championship siegte beide Male Lyons auf dem herrlichen Hesketh 308E, einmal gefolgt von Fish auf dem Ensign N180, einmal mit Hartley auf dem Arrows A4 als Zweiten. Dritter wurde in beiden Rennen D’Ansembourg auf dem Williams FW07/C.
Das Rennen der FIA Masters Sports Cars beendete die Paarung Voyazides/Hadfield auf einem Lola T70 Mk3B als Sieger, gefolgt von Tandy auf einem weiteren T70. Dritter wurde Wills auf einem McLaren M1C. Leider traten die angekündigten Porsche 917 und Ferrari 512 gar nicht zum Start an.
Im Rennen um die Masters Gentlemen Drivers platzierte sich Caron auf einem Cobra Daytona Coupé ganz vorne, als Zweiter lief Graf von Oeynhausen auf einem Jaguar E Type ein, Dritter wurde Voyazides auf seiner AC Cobra.
Bei den Tourenwagen Masters lief Bates auf einem Porsche 911 RSR als Erster ein, Zweiter war Brown auf Ford Escort RS, Dritter Wyndham auf einem Jaguar E-Type. Interessant an diesem Rennen waren die doch recht unterschiedlichen Fahrzeuge, kämpften doch Mini Coopers gegen Ferrari 308 GTS, Lotus Cortina gegen Porsche 914/6 oder Jaguar XK 150 gegen Aston Martin DBS V8.
Beim CanAm Interserie Challenge Race hielt sich Liguori auf dem Lola T292 erfolgreich die Bigbangers Lola T70 von Stretton und Tandy vom Leib.
Bei den Tourenwagen, die um die U2TC Historic Motro Racing News Trophy fuhren, setzen sich Shaw/Jackie Oliver auf dem BMW 1800 TiSA durch, gefolgt von Bryant/Wolfe auf Ford Lotus Cortina und Tromans/Meaden auf einem weiteren Lotus Cortina. Vierte wurden Furiani/Glasel auf einem Alfa Romeo Giulia Sprint GTA.
Wunderschöne Sportwagen gab es in der Woodcote Trophy Stirling Moss zu bewundern, die von C. Ward auf einem Lister Costin gewonnen wurde. Als Zweiter durfte S. Lynn auf einem Lister Knobbly auf das Treppchen, als Dritter O. Bryant auf einem Lotus 15. Leider fehlten auch hier einige der angekündigten Fahrzeugen, zum Beispiel der Aston Martin DB 4 Zagato oder ein Ferrari 246S.
Bei den historischen Grand-Prix-Einsitzern siegte am Samstag J. Minshaw auf einem Brabham BT4 vor Horsman auf einen Lotus 18/21 und M. Griffiths auf einem Cooper T51. Am Sonntag setzte sich dann M. Griffiths auf dem Cooper durch, gefolgt von M. Blees auf einem Brabham BT7A und C. Locke auf einem Lotus 32B.
Vielfalt war auch das Motto bei der British Sports GT & Saloon Challenge. Als Sieger liess sich S. McCarthy auf einem MG B GT V8 eintragen, als Zweiter folgte G. Miller auf einem Triumph TR7 V8, Dritter wurde T. Gilmartin auf einem Morgan Plus 8. Weiterhinten folgten unter anderem ein Aston Martin DB6, ein Ferrari 308 GTB, ein Rover SD1 und ein Chevrolet Camaro sowie ein Jaguar XJS.
Die beiden Rennen im Rahmen des “Historic Sports Car Club Open Wheel Race” beendete M. Dwyer auf einem March 742 als Gesamtsieger. Zweiter wurden knapp dahinter Tromans/Stretton auf dem Chevron B42, Dritter einmal W. Tomkins auf einem March 732, einmal A. Taylor auf einem March 78B.
Fotos
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