Rallye Monte Carlo 1985 - Peugeot und gegen Audi

Erstellt am 21. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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Die 18. Spezialprüfung über den berüchtigten Col d’Espréaux gewinnt ein weiterer junger Star, der Finne Ari Vatanen zusammen mit seinem englischen Beifahrer Terry Harryman auf dem französischen Peugeot 205 mit 40 Sekunden Vorsprung auf Röhrl/Geistdörfer auf Audi. Die beiden rollen mit über 3 Minuten Vorsprung Richtung Gap. Eine wohlverdiente Pause steht bevor. Die Zeitkontrolle mitten im Städtchen Gap wird ohne Probleme angefahren, die Zeitnehmer tragen die Tageszeit auf die Bordkarte ein und reichen sie Harryman in den Wagen zurück. Im selben Moment bricht die Hölle los. Terry bemerkt, dass er vier Minuten zu früh gestempelt hat und dies bedeutet acht Strafminuten. Für Terry bricht die Welt zusammen. Anstatt 3 Minuten 19 Sekunden voraus, sind sie nun mit 4 Minuten 41 Sekunden zurück! Eine schwach leserliche Startzeitkorrektur auf der Bordkarte vor der Fahrt über den Col d’Espréaux, Hektik an der Zeitkontrolle in Gap, Presseleute, eine kurze Ablenkung und schon ist der Fehler passiert. Vatanen fasst sich bald – Harryman braucht Stunden. Auf den nächsten fünf Prüfungen bis Monaco gibt Vatanen so kompromisslos Gas, dass Röhrl/Geistdörfer vor der Nacht der langen Messer nur noch mit knapp 2 Minuten vorausliegen.

Puget Théniers – ein kleine Ortschaft  an der  N 202,  Ausgangspunkt zu den spektakulären Georges du Cians. Die Spezialprüfung hinauf zum Col de St. Raphael und anschliessend auf der sehr schmalen, nervösen und leicht abfallenden D 27 über Ascros nach Toudon hinunter, zählt nicht zu den traditionellen Strecken der Rallye Monte Carlo. Trotzdem wird auf den ersten paar Kilometern die Rallye 1985 brutal entschieden. Am Col de la Madone, dem Turini und Couillole hat Röhrl nur wenige Sekunden auf Vatanen und seinem infernalisch laufenden Peugeot verloren. Röhrl entscheidet sich für handgerillte, intermediate Rennreifen, in der Meinung, dass dieser Reifen auf Schnee nicht so viel verliert, wie er auf Asphalt gewinnt. Drei Spitzkehren nach dem Start überholt ihn Vatanen. Der Grund ist nicht der Peugeot 205 TB 16 mit seinen 380 PS. Es sind die Reifen. Die vierfachen Monte-Sieger Röhrl/Geistdörfer schleichen auf der schneebedeckten Strasse mit durchdrehenden Rädern zum Col hinauf. Der Leidensweg ist noch nicht zu Ende. Salonen/Harjanne, ebenfalls auf Peugeot überholen den Audi und sogar Blomqvist/Cederberg, die Kollegen aus dem eigenen Stall tauchen in Röhrls Rückspiegel auf. Endlich geht’s noch 11,5 Kilometer abwärts und Röhrl holt Salonen wieder ein. Vatanen bleibt ausser Reichweite. Die Rallye Monte-Carlo hat ihren neuen Sieger. „Ich musste den Joker setzen“, meint Röhrl. Vatanen entschied sich für Spikes.

Trotzdem, der Quattro hat einen ernsthaften Konkurrenten bekommen. Der Peugeot 205 TB ist ausschliesslich für den Rallyesport konstruiert. Ein Beispiel: In vier Minuten können vier Mechaniker alle Federbeine und Stossdämpfer wechseln. Für die gleiche Arbeit benötigt Audi gegen ein Dutzend Mann und diese schrauben während zwanzig Minuten am Quattro herum.

P.S. Walter Röhrl schreibt später in einer Kolumne, dass er sich beim besten Willen nicht über Harrymans Stempelmisere freuen konnte. „Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn ich auf diese Weise gewonnen hätte – eine Aussage, die menschliche Grösse zeigt. Umso mehr freut sich Harryman. Nicht jeder Co-Pilot besitzt einen solchen Superpiloten. Kein einziger Vorwurf Vatanens an die Adresse Harrymans ist bekannt geworden. Beim Asketen Vatanen haben nur seine Zeiten auf den Spezialprüfungen für Aufsehen gesorgt – für positive natürlich!

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