Nicht nur in Goodwood, auch in Monaco werden noch richtige Rennen mit richtig alten Autos gefahren. Und die imposante Stadtkulisse von Monte-Carlo ist ebenso einzigartig, selbst wenn sie sich der Moderne nicht ganz so vehement verweigern konnte wie Englands Vorzeige-Nostalgiestrecke. Für viele ist es ein grosser Traum einmal in Monaco zu fahren, doch ist man schon mit dem eigenen Auto überfordert, wird es nahezu unmöglich gleichzeitig noch auf seine Konkurrenten Rücksicht zu nehmen. Mehr noch als die allgegenwärtige Enge des Stadtkurses sind es nämlich die grossen Tempounterschiede von bis zu 30 Sekunden auf eine Runde zwischen den Profis und den Amateuren, die auf dem Stadtkurs für heikle Situationen sorgen; manchmal sogar für Kollisionen.
Der Tyrrell 007 von Roald Goethe kollidierte in der Bergauf-Passage zum Casino heftig mit dem Shadow DN5 von Marco Bianchini; der Hesketh 308E von Martin Overington fiel im Tunnel dem Tyrrell 010 von Michael Cantillon zum Opfer. Marco Werner wurde bereits im freien Training von Mark Dwyer im Osella FA1D in der Mirabeau auf die Hörner genommen. Doch die meisten Fahrfehler endeten glimpflich.
Wie wenig sich der Stadtkurs im Vergleich zu anderen Renstrecken verändert hat, zeigen die Rundenzeiten. Die heutigen Spitzenfahrer sind mit ihrem historischen Material nur geringfügig langsamer als die damaligen Formel-1-Profis im selben Fahrzeug. Peter Revson fuhr 1973 mit seinem McLaren M23 im Qualifying zum Grossen Preis von Monaco eine Zeit von 1:29,4 Minuten und im Rennen seine schnellste Runde in 1:31,4 Minuten. Gut ein halbes Jahrhundert später kam Stuart Hall im Qualifying zum Grand Prix Historique de Monaco mit 1:31,629 min nahe an Revsons Bestzeit im Rennen heran. Wobei zum Niveau eines einstigen Weltmeisters trotzdem noch ein gutes Stück fehlt. Der damalige Sieger Jackie Stewart fuhr mit dem Tyrrell 006 eine Pole-Zeit von 1:27,5 Minuten – obwohl die Reifenmischungen der Siebziger den heutigen weit unterlegen waren.
Natürlich stehen immer wieder die altbekannten Gesichter am Start, aber trotzdem ist und bleibt Monaco ein Genuss für alle Sinne: Akustik, Optik und Olfaktorik sind einzigartig. Was standen damals für wunderbare Autos am Start! Die klare, einfache Form mit ihren Lufthutzen und einfachen Lackierungen, die im Gegensatz zu heute noch jedes Schulkind sofort erkennbar zeichnen konnte.
Vorkriegs-Grand-Prix-Wagen und Voiturettes
Der Sieger von 2021, Patrick Blakeney-Edwards auf Frazer Nash, konnte sich infolge eines Ventilschadens nicht für das Rennen qualifizieren. Fritz Burkard im Alfa Romeo 8C Monza hatte sich zwar als Siebter qualifiziert, startete aber nicht zum Rennen. Michael Birch – mit seinem Maserati 4CM vom dritten Startplatz aus ins Rennen gegangen – hatte einen schlechten Start, schaffte es jedoch, am Ende der ersten Runde seine ursprüngliche Position zurückzuholen und begann den zweitplatzierten Brad Baker im ERA R10B zu bedrängen.
Baker verteidigte seine Position und fuhr noch die schnellste Rennrunde, konnte aber im rückwärts orientierten Zweikampf die Lücke zum Spitzenreiter Paddins Dowling im ERA R5B nicht mehr schließen.
Frontmotor-Formel-1-Wagen vor 1961
Die Deutsche Claudia Hürtgen feierte mit ihrem Ferrari Dino 246 einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg vor Marino Franchitti im Maserati 250 F von Pink-Floyd-Drummer Nick Mason. Es war ihr zweiter Sieg beim Grand Prix Historique mit dem früheren Phil-Hill-Auto. Mark Shaw im Scarab hatte im Training einen starken sechsten Platz belegt, fiel aber schon in der Einführungsrunde aus.
Max Smith-Hilliard stand auf der dritten Startposition, wurde aber Opfer des unzuverlässigen Getriebes seines Lotus 16, das beim Einlegen des ersten Ganges blockierte, worauf er am Start stehenblieb. Die meiste Zeit des Rennens kämpfte Tony Wood im Tec-Mec mit Joaquín Folch-Rusiñol im Lotus 16 um den dritten Platz – ein Duell, das Wood nach einem Dreher von Folch-Rusiñol nach der Schwimmbad-Schikane für sich entschied.
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Formel-1-Wagen 1961–65
Jim Clark konnte den Grossen Preis von Monaco leider nie selbst gewinnen. Dafür aber holte sein ehemaliges Auto – der Lotus 25 – nun seinen fünften Erfolg. Das Rennen der 1,5-Liter-Klasse entwickelte sich sehr schnell zu einem Duell zwischen Andy Middlehurst in besagtem Lotus 25 und Joe Colasacco im Ferrari 1512, die sich sofort vom Rest des Feldes absetzten.
Colasacco klebte bis zur sechsten Runde am Heck von Middlehurst, bis dieser nach einer mutigen Überrundung des Cooper T66 von Sid Hole in der Portier-Kurve einen leichten Vorsprung aufbauen konnte. Colasacco blieb für einen kurzen Moment hinter dem Cooper hängen, schloss aber die Lücke zu Middlehurst schnell wieder und fuhr noch die schnellste Runde, kam aber nicht mehr in die Lage den Lotus zu attackieren.
Frontmotor-Sportwagen 1952–57
Max Smith-Hilliard im Lotus 10 hatte Schwierigkeiten mit dem Start und verlor seinen dritten Platz an Tony Wood. Richard Wilson im Maserati 250 S hatte einen Traumstart und übernahm die Führung vom Polesetter Frederic Wakeman auf Cooper T38, der aber schon in der zweiten Runde die Startreihenfolge wiederherstellte. Bereits nach der ersten Runde hatte sich Martin Halusa, der mit seinem Jaguar D-Type wegen einer Strafversetzung vom 22. Platz gestartet war, bereits auf den neunten Platz vorgekämpft.
Claudia Hürtgen im Maserati 300 S lag vor Wood auf dem dritten Platz, wurde aber in der Schwimmbad-Kurve von einem überrundeten Auto ausgebremst, so dass Smith-Hilliard vorbeiziehen konnte. Am Ende der achten Runde betrug der Abstand zwischen Wakeman und Smith-Hilliard – Richard Wilson war nach einem Dreher am Casino ausgeschieden – noch 2,5 Sekunden. Doch Smith-Hilliard konnte im Verkehr aufschliessen und übernahm in der letzten Runde die Führung, als sich Wakeman in der Saint-Devote-Kurve drehte und am Ende nur Siebter wurde.
Formel-1-Wagen 1966–72
Adrián Fernández trat mit dem BRM P153 seines Landsmannes Pedro Rodríguez an, der 1970 den Großen Preis von Belgien gewonnen hat. Er qualifizierte sich für den sechsten Startplatz, konnte aber aufgrund einer gebrochenen Antriebswelle nicht am Rennen teilnehmen. Der gefragteste Mann der aktuellen Formel 1, Red-Bull-Ingenieur Adrian Newey, kehrte zum ersten Mal seit 2018 in seinem Lotus 49B ins Fürstentum zurück. Er und Tom Hartley Jr. im March 701 blieben am Start etwas hängen, konnten das Rennen aber mit Verzögerung aufnehmen.
Katsuaki Kubota im Lotus 72 fiel auf den dritten Platz zurück, sodass sich Matthew Wrigley im March 721G auf die Jagd nach dem Polesetter Michael Lyons und seinem Surtees TS9 machen konnte. Schnell setzten sich die ersten drei vom Rest des Feldes ab. Wrigley verbremste sich in Runde acht in der Saint-Devote-Kurve, was Kubota nutzte und den zweiten Platz übernahm. Der grosse Vorsprung von Lyons verpuffte mit einem Ausfall in der neunten Runde. Damit war der Weg frei für Kubota, der nach 2014 seinen zweiten Triumph beim Grand Prix Historique feiern konnte. Adrian Newey beendete das Rennen auf dem vierten Platz.
Formel-1-Wagen 1973–76
Toni Seiler im Shadow DN1 gehörte ebenfalls zu denen, die bereits in der Startaufstellung stehen blieben. Marco Werner überholte in seinem Lotus 76 Nick Padmore im Lotus 77 und verliess Kurve eins als Zweiter. Der Brite Stuart Hall nutzte seine Pole-Position und schoss mit dem McLaren M23 sofort in Führung, die er bis ins Ziel auch nicht mehr aufgab. Es war sein vierter Erfolg heim Grand Prix Historique.
Einen deutlich engeren Kampf gab es um den zweiten Platz zwischen Werner, Padmore und dem McLaren-M26-Pilot Michael Lyons, den Padmore für sich entschied, während Werner in der sechsten Runde mit Getriebeschaden ausschied.
Formel-1-Wagen 1977–80
Berühmte Teilnehmer dieser Gruppe waren der derzeitige Teamchef von McLaren und United Autosports Zak Brown, dann der Chef der Jumbo Supermarkt-Gruppe und des Racing Teams of Netherland Frits van Eerd, der britische GT-Rennsieger Lee Mowle. Dazu kam der zweifache Sieger der 24-Stunden von Daytona und IMSA-Teambesitzer Wayne Taylor, der den Wolf WR4 seines Freundes und Landsmannes Jody Scheckter fuhr.
Wayne Taylor im Wolf WR4 seines Landsmannes Jody Scheckter kollidierte bei seinem Monaco-Debüt bereits am Start mit Harald Becker im Arrows A3. Stephen Shanly – ein weiterer Debütant, der sich für den ausgezeichneten dritten Startplatz qualifiziert hatte – drehte seinen Tyrrell 010 am Ausgang der Piscine-Schikane, woraufhin das Rennen unterbrochen werden musste. Doch sofort nach dem Neustart musste erneut unterbrochen werden, weil der Tyrrell 010 von Michael Cantillon und der Lotus 81 von Luciano Biamino in der Startaufstellung stehen blieben.
Als das Rennen zum dritten Mal begann, schossen Michael Lyons im Hesketh 308E und Miles Griffiths im Fittipaldi F5A sofort auf die ersten beiden Plätze. Aber als Michael Cantillon im Tunnel den Hesketh 308E von Martin Overington in die Wand drückte, folgte auch die dritte rote Flagge. Im vierten Anlauf wurde das Rennen hinter dem dem Safety-Car gestartet, um die Kupplungen der Rennwagen zu schonen.
Erneut ließen Lyons und Griffiths den Rest des Feldes hinter sich. Nicolas Matile im March 771 lieferte sich mit Frits van Eerd im Fittipaldi F7 und David Shaw im Williams FW06 einen erbitterten Dreikampf um den zwölften Platz – bis der March fünf Runden vor Schluss am Ausgang der Tabac-Kurve in die Leitplanke einschlug und zum vierten Mal die roten Flaggen geschwenkt werden mussten. Daraufhin wurde der Lauf für beendet und Michael Lyons zum Sieger erklärt.
Formel-1-Wagen 1981–85
Stuart Hall holte am selben Wochenende auch noch seinen fünften Sieg im Fürstentum. Im March 821 verwies er – ebenfalls mit einem Start-Ziel-Sieg – Marco Werner im Lotus 87B und Michael Lyons im Lotus 92 auf die Plätze. Diesmal hielt Werners Lotus bis zur Zielflagge durch, während Michael Lyons unter den Druck eines Tyrrell-Zuges geriet, der von Marino Franchitti in seinem blauen 012 angeführt wurde.
Und was lernen wir aus alledem? Mit Autos, für deren Grössenverhältnisse der Circuit de Monaco einst ausgelegt worden ist, lassen sich dort auch heute noch unterhaltsame und spannende Rennen fahren. Nur mit zwei Meter breiten und fünfeinhalb Meter langen Rennkolossen modernen Datums wird auf der schmalen Strecke aus einem Wettkampf eben schnell ein Paradezug.


























































































































































































































































































































































































































































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