Goodwood Festival of Speed 2016 - Geschwindigkeits-Party der Superlative

Erstellt am 27. Juni 2016
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Courtesy Goodwood FoS 2016 
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Es dürfte einigermassen einmalig sein, das Festival of Speed, das Lord March alljährlich seit 1993 in seinem Schlossgarten organisiert. Und es hat sich Jahr für Jahr vergrössert, nicht nur was die Zuschauer anbelangt, sondern auch der Umfang der Attraktionen.


BMW V12 LMR (1999) - noch ein Le-Mans-Sieger
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Es sei jedes Jahr besser, meinte denn auch ein gut gelaunter Nico Rosberg beim Autogramme geben.


Nico Rosberg verteilt Autogramme - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Kein Oldtimer-Anlass

Ausgerichtet ist das Festival der Geschwindigkeit auf die “Petrol Heads”, also die Leute mit Benzin im Blut. Ein Oldtimer-Anlass aber ist die dreitägige Party nicht. Ein gewichtiger Anteil der Fahrzeuge wurde in den letzten zwölf Monaten gebaut und halbe Felder würden jeweils nicht einmal die Oldtimer-Kriterien erfüllen. Dies ist Absicht, denn Lord March will einfach dem schnellen Fortbewegungsmittel eine Bühne bieten.

Und wenn er einen genügend grossen Schlossteich hätte, dann würden dort sicher auch noch Speed-Boote rumkurven.

Asphalt und Waldwege

Als Hauptattraktion dient sicher das “Bergrennen”, wenn man eine 1,86 km lange Hofeinfahrt mit nur geringer Steigung als dafür ausreichend nimmt. Neun richtige Kurven gibt es, die Bestzeit stammt aus dem Jahr 1999, als Heidfeld im McLaren MP4/13 eine Zeit von 41,6 Sekunden hinlegte, was aus Sicherheitsgründen dazu führte, dass moderne Formel-1-Rennwagen nur noch Demonstrationsläufe absolvieren. Trotzdem soll es Heikki Kovalainen im Renault R25 Monoposto geschafft haben, die Bergstrecke in weniger als 40 Sekunden zu absolvieren.


McLaren MP4-6 (1990) - Einlenken in die erste Kurve
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Neben der Bergrennstrecke werden aber auch die Waldwege genutzt, die im Rahmen des “Forrest Rallye Stages” Rallye- und Allrad-Rennwagen die Gelegenheit geben, ihre Fähigkeiten zu zeigen.


MG Metro 6R4 (1986) - Gruppe-B-Rallye-Fahrzeug auf dem Rallye-Stage
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Zudem konnte man dieses Jahr auch die BMX-Räder in einer eigenen Arena in Aktion betrachten.

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Alfa Romeo ES 30 RZ (1993)
Mercedes-Benz 300 S Roadster (1954)
Jaguar XK 120 DHC (1954)
Porsche 911 T Targa 2.4 (1971)
0 74 43/ 1 73 47 04
Dornstetten, Deutschland

Auch ein Concours

Neben den fahrenden Fahrzeugen gab es natürlich auch viele stehende Klassiker zu sehen, die schönsten traten beim Cartier Style et Luxe Concours d’Elégance zum Wettbewerb an, aus der Lamborghini Miura P400 SV von 1971 des Werksmuseums als Sieger hervorging.


Lamborghini Miura P400 SV (1971) - vom Werk restauriert, Sieger des Concours d'Elégance "Cartier Style et Luxe"
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Ebenfalls ausgezeichnet wurden unter anderem ein Benz Velo von 1898, ein AC 428 Fastback von 1967, ein Lancia Astura Pinin Farina Cabriolet “Bocca” sowie ein Lamborghini Countach aus dem Jahr 1975.

Der Ton macht die Musik

Kaum anderswo kann man die tonalen Möglichkeiten der damaligen und heutigen Rennwagen so eindrücklich erleben. Ein Bergrennen bietet schliesslich nicht nur den abwechslungsweisen Start, sondern auch viele Beschleunigungsstrecken, ein ideales Terrain also, um die Geräuschkulisse zu maximieren.


Ein Blick auf den imposanten Motor des Fiat S76 - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

So konnten die Besucher denn hubraumstarke Vorkriegsrennwagen wie den Fiat S76 mit den Nachkriegsrennwagen mit bis zu sechzehn Zylinder vergleichen, die Formel-1-Autos der Fünfzigerjahre mit ihren Nachfolgern bis heute.

Selbst ein (fast) aktueller Formel-1-Rennwagen von Mercedes war dabei, der mit seinem gedämpften Hybridgeräusch für wenig Begeisterung sorgte, aber immerhin noch deutlich mehr nach Auto tönte als der Formel-E-Renner von Renault, der ebenfalls am Start war. Sicherlich zu den imposantesten Autos gehörten die letzten Formel-1-Wagen der Achtzylinder-Epoche mit bis gegen 20’000 Umdrehungen leistenden Motoren.


So sieht man das selten - Startvorbereitungen am modernen Formel 1 von Red Bull - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Und natürlich der Mazda 767B, das einzige japanische Rennfahrzeug, das bisher bei den 24 Stunden von Le Mans den Gesamtsieg errungen hat und dazu noch mit einem Wankelmotor angetrieben.

Eine Marketing-Show

Aus hobbymässiger Leidenschaft führt Lord March seinen Anlass allerdings nicht durch, das Goodwood Festival of Speed ist, wie seine Brüder Revival und Members Meeting, zu einem handfesten Geschäft geworden und da dürften die Sponsoren natürlich auch etwas präsentieren für ihr Geld. Porsche beispielsweise hatte sich ein ganze Gelände-Umgebung hinstellen lassen, auf der die Fähigkeiten von Cayenne und Macan tatkräftig getestet werden konnten.


Der neue VW Golf ist auch für schnelle Zeiten auf der Nordschleife gut - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

BMW, Ford, Audi, Mercedes-AMG, Volkswagen, usw. zeigten ihn ihren Pavillions, was sie aktuelle zu bieten haben.

Die 2016-er-Skulptur

Die grosse Skulptur, die alljährlich neu vor dem Goodwood House aufgebaut wird, war 2016 der Marke BMW und ihrer 100-jährigen Geschichte gewidmet. So fanden sich denn Vor- und Nachkriegsrennwagen an den Ausläufern wieder, wie immer schön angerichtet und präsentiert.


BMW 3.0 CSL (1973) - der Wagen von Stuck und Amon, wie er auf der Nordschleife fuhr
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

BMW durfte aber auch im Rahmen der Demonstrationsläufe einiges aus der langen Geschichte zeigen, etwa den Brabham BT52, gefahren von Ricardo Patrese, den BMW V12 LMR aus dem Jahr 1999 oder die CSL- und 6-er-Coupés. Natürlich fehlten auch die LeMans-Sieger nicht, die man mit McLaren zusammen gebaut hatte.

40 Jahre seit dem Weltmeister-Titel James Hunts

Jedes Jahr werden in Goodwood bestimmte Themen aufgegriffen, die meist einen runden zeitlichen Bezug haben. Vom 24. bis 26. Juni 2016 war es beispielsweise der 40. Jahrestag des Weltmeistertitels von James Hunt. Jener hatte bekanntlich im Jahr 1976 nach einen erbitterten Kampf mit Niki Lauda (siehe auch Film “Rush”) seinen ersten und einzigen Titel gewonnen, nachdem die beiden Jahre zuvor mit Hesketh zwar eindrückliche Resultate, aber keine konstante Leistung möglich gewesen waren.


Hesketh 308C (1975) - vor der BMW-Skulptur
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Eine ganze Reihe der Fahrzeuge, die James Hunt in seinem Leben fuhr, gab es in Goodwood zu sehen, so etwa den gelben Porsche 911 Carrera RS 3.0, der ihm als Geschenk von Lord Hesketh als Alltagstransportmittel diente.


McLaren M23 (1976) - mit einem dieser Wagen wurde James Hunt Weltmeister
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Natürlich waren auch diverse Hesketh und McLaren Formel 1 Fahrzeuge, sowie den Wolf-Cosworth zu sehen, mit denen Hunt Rennen bestritten hatte. Und viele Rennfahrer erinnerten an Erlebnisse und Rennerfolge mit Hunt, etwa Derek Bell, der mit James Hunt im Mirage Sportwagenrennen fuhr.


Derek Bell im Mirage, den er mit James Hunt gefahren ist - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Aus grosse Ausscheiden

Die Goodwood-Organisatoren wären keine Briten, würden sie nicht auch noch zum veritablen Zeitfahren aufrufen. Wild durch alle Fahrzeugkategorien und Zeitalter traten wie jedes Jahr die schnellsten Fahrzeuge der Vorqualifikationen an und man durfte gespannt sein, wer das Rennen um die schnellste Zeit machen würde.

Es war dann Olly Clark auf seinem 870 PS starken Subaru, der in 46,29 Sekunden Bestzeit fuhr, nur knapp geschlagen geben musste sich Kenny Brack im brandneuen McLaren P1 LM mit 47,07 Sekunden. Deutlich relevanter für die Fans des historischen Rennsports war aber der vierte Platz von Andrew Newal auf dem McLaren-Chevrolet M8F, einem immerhin über 40-jährigen CanAm-Prototypen, der die Bergstrecke in 51,01 Sekunden absolvierte.


Ferrari 312 P Spyder (1969) - wurde Siebter im Shootout
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Auf Platz 6 fand sich Jordan Gregor im Hesketh 308B mit 52,49 Sekunden ein, während David Franklin, selber über 70 Jahre alt, den wunderschönen Ferrari 312 P Spyder von 1969 mit 53,33 Sekunden auf den siebten Platz stellte.

Eine Riesen Show

Lord March will unterhalten und dies schafft er denn auch jedes Jahr erneut. So trat etwa Terry Grant mit seinem Legend Car (im Massstab 1:5/8) und kleinem Motor an und zeigte, wie man exakt Ovale um zwei Streckenposten fährt, bis der Reifen die Zehen des einen Marshalls streifen. Und er stieg dann gleich noch aus und liess den Wagen alleine weitere “Doughnuts” produzieren. Welche Präzision!

Nicht nur Autos

Überhaupt ging es wie jedes Jahr in Goodwood nicht nur um Autos. Es gab auch eine Menge Motorräder jüngeren und älteren Jahrgangs zu sehen, auch Dragster oder Gelände-Lastwagen sind willkommen. Hauptsache es fährt und wenn möglich nicht zu lange, hiess auch 2016 die Devise.

Leute treffen Leute

Für die rund 150’000 Besucher standen nicht nur die Fahrzeuge sondern auch die Fahrer im Zentrum. Formel-1-Rennfahrer der Gegenwart wie Nico Rosberg und der Vergangenheit wie Sir Stirling Moss (neuerdings mit Bart), Ricardo Patrese oder Sir Jackie Stewart mischten sich genauso mit viel Ausdauer unter das Volk wie Schauspieler Keanu Reeves oder ein wildes Gemisch von Tourenwagen-, Rallye- und Motorradpiloten.


Sir Jackie Stewart im Cockpit des Lotus Monoposto - Goodwood Festival of Speed 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood FoS 2016

Sie alle lobten die grossartige Stimmung und erzählten heimlich über ihre Erlebnisse an den rauschenden Parties, die am Abend natürlich jeweils nicht fehlen durften. Alte Kollegen und Freunde treffen gehörte für die prominenten Besucher genauso zum Programm, wie ein paar Mal den Hügel hochzubrettern.

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