Classic 24 Hour Daytona 2014 - das erste historische 24-Stunden-Rennen in den USA

Erstellt am 17. November 2014
, Leselänge 6min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
James Boone 
55

Historische Rennveranstaltungen gibt es wie in Europa auch in den USA ganz viele. Was dort in der ganzen Palette allerdings noch fehlte, war ein klassisches 24-Stunden-Rennen, so wie es alle zwei Jahre in Frankreich an der Sarthe mit ”Le Mans Classic” ausgetragen wird.

Dies erkannte die amerikanische Organisation HSR (Historic Sportscar Racing) und organisierte das erste 24-Stunden-Rennen für historische Rennfahrzeuge in den USA. Am Wochenende vom 16. bis 18. November 2014 waren bis zu 120 historische Rennwagen am Start auf der legendären Rennstrecke von Daytona.


Ein Rothmans Porsche 962 (1989) in der Boxengasse, dieser darf eigentlich bei keinem Langstreckenrennen fehlen – Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Auch sechs Gruppen, allerdings andere Epochen

Alle Teilnehmer wurden wie bei der Le Mans Classic in sechs Gruppen aufgeteilt, jede davon fuhr vier Mal 45 Minuten, pro Lauf war ein Boxenstopp obligatorisch. Allerdings wurden beim 24-Stunden-Klassiker Daytona die Gruppen anders definiert, Vorkriegsfahrzeuge fehlen komplett. Die ältesten Fahrzeuge hatten Jahrgang 1959 und fuhren in der Gruppe A. Während Le Mans Classic nur Fahrzeuge bis Jahrgang 1979 akzeptiert, konnten sich beim Daytona-Klassiker Fahrzeuge bis Jahrgang 2010 anmelden. Der Grund für diesen Unterschied ist allerdings denkbar einfach: die 24 Stunden von Daytona wurden erstmals 1962 ausgetragen, sinnlos also, eine Gruppe für Vorkriegsfahrzeuge einzuplanen.

Die genaue Gruppenjahrgänge waren folgendermassen:

  • Gruppe A (1959-1972)
  • Gruppe B (1973-1982)
  • Gruppe C (1983-1992)
  • Gruppe D (1993-1999)
  • Gruppe E (2000-2010)
  • Gruppe F (HSR-Fahrzeuge)

Markenvielfalt?

Nur schon beim Anblick der Gruppendefinitionen konnte man sich gut vorstellen, welche Fahrzeuge mehrfach am Start sein würden, und so war es dann auch: unter den Grand-Touring Fahrzeugen waren dies Porsche 911, viele Mustangs and Camaros, BMW CSL und Ferrari Daytona.


BMW CSL (1972) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Bei den Prototypen gab es fünf Porsche 962 am Start! Fast wie früher... und dann noch einige Ford GT40, Porsche 935, 910 und 907 und ein paar Lola T70.


Porsche 962C Tic Tac (1988) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Die Markenvielfalt eröffnete den Zuschauern einen Reichtum an verschiedenen Motorgeräuschen, die Soundkulisse in Daytona war atemberaubend, konnte man doch von fast jedem Zuschauerplatz die ganze Strecke überblicken und entsprechend auch hören.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mazda RX-7 2.6 Turbo II (1990)
Fiat 124 Spider (1984)
Toyota Celica 2000 GT Liftback (1989)
Ferrari F550 Maranello (1999)
0041 44 856 11 11
Oberweningen, Schweiz

Eine Rundstrecke mit einzigartigen Charakteristiken

In Europa gibt es sowas nicht: Eine Rennstrecke mit langen Steilwandkurven (zum Vergleich: während man in Daytona 31 Grad Neigung misst in der Steilwandkurve, findet man in Europa höchstens 5 Grad beim Lausitzring). Obwohl die technisch anspruchvollsten Passagen im Infield vom Daytona Speedway sind, hat die Steilwandkurve eben auch ihre ganz eigene Charakterstik, für Fahrer sowie auch für das Fahrzeug: Die Kräfte auf Nacken und Rücken sind extrem, obwohl man eigentlich eine Kurve fährt, drückt es einen so richtig in den Sitz. Christian Traber ergänzte: «Mit unserem Lola T70 erreichten wir 285km/h in der Steilwandkurve, dies bei 7400 Umdrehungen pro Minute. Dies ist nicht nur eine enorme Belastung für den Motor sondern auch für das ganze Fahrwerk und die Aufhängung.»

Aus der Sicht eines Fahrers

Für die Besucher eines Rennwochenendes stellt sich immer die Frage, wie es wohl aus Sicht eines Fahrers wäre. Wir haben Christian Traber gefragt, welcher zusammen mit seinem Co-Piloten Marc Devis im blau-weissen Lola T70 Mk1 den Sieg in der Gruppe A holte:

«Ich fuhr im ersten Training am Mittwoch Morgen los und hatte bereits nach 500m einen gebrochenen Bolzen beim vorderen linken Achsschenkel. Das Rad fiel ab und ich blieb mitten in der Steilwandkurve stehen. Da dachte ich schon, dass es das bereits gewesen sei mit dem Ausflug nach Daytona. Doch die Mechaniker haben eine super Leistung erbracht! Ein Ersatzteil musste von Jacksonville/Florida organisiert werden, um die Reparaturen machen zu können. Sechs Stunden später konnten wir schon wieder das 2. Training fahren! Ich bin jedoch am Anfang mit gemischten Gefühlen gefahren. Wenn Dir die Aufhängung bei 285 km/h in der Steilwandkurve bricht, dann siehst Du sehr alt aus... Es ging jedoch alles gut. Am Donnerstag habe ich dann mit 1.56 die Pole Position rausgefahren, vor dem Lola T70 MK3-B.


Gewinner der Gruppe A: Lola T70 Mk1 (1965) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Das erste Rennen hatten wir mit grossem Vorsprung gewonnen. Unser Hauptmitbewerber (T70 MK3-B) hatte einen Fehler gemacht und bei weisser Flagge das Rennen beendet (er dachte es sei die Ziel Flagge, in den USA wird mit weisser Flagge die letzte Runde angekündigt).

Im zweiten Rennen um 19:00 (bereits im Dunkeln) hatte ich massive Bremsprobleme und hatte zwei Mal die Schikane verpasst, was mich eine "Stop and Go"-Straffe kostete. Da waren wir dann auf den dritten Platz zurückgerutscht.

Im dritten Rennen nachts um 1:00 lief alles bestens (die Bremsen wurden komplett überholt) und den Rückstand konnten wir wieder aufholen und sogar noch einen Vorsprung von 32 Sekunden rausfahren.

Nach den drei Rennen meldete sich dann die Müdigkeit bei mir, so dass im vierten Rennen um 7:00 morgens (bei Sonnenaufgang) mein Freund Marc Devis gefahren ist. Er konnte den Sieg nach Hause fahren.»

Ehemaliger Le-Mans-Gewinner auf dem Siegespodest

Natürlich waren die modernen Anwärter der Gruppe E gesamthaft am schnellsten. Die Gewinner der Gruppe E waren Andy Wallace und Doug Smith mit ihrem Audi R8 Prototyp (gemacht für die damalige LMP Klasse von Le Mans) aus dem Jahre 2005. Auf den zweiten Platz fuhr Enzo Potolicchio in seiner Coyote Corvette aus dem Jahre 2012. Beide fuhren gleich viele Runden (88), 34.48 Sekunden trennten allerdings die beiden. Zur Einnerung: Andy Wallace siegte bei den 24 Stunden von Le Mans 1988 im Silk Cut Jaguar XJR-9LM.


Gesamtgewinner Andy Wallace im Le Mans Audi R8 (LMP) (1999) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Gewinner der Gruppe A waren der Belgier Marc Devis und Christian Traber aus der Schweiz. Sie fuhren mit einem Lola T70 Mk1 aus dem Jahre 1965.


Gewinner der Gruppe A: Schweizer Rennfahrer Christian Traber im Lola T70 Mk1 (1965) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Legendäre Rennfahrer in legendären Rennwagen

Jochen Mass war sichtlich erfreut, und erzählte nach dem ersten Rennen strahlend: «Daytona ist und bleibt eine faszinierende Strecke. Man würde kaum glauben, dass gewisse Kurven sehr schwierig zu fahren sind, dies erkennt man erst, wenn man dann selber mal fährt.» Das Wetter in Florida spielte auch am Rennwochenende mit und so fand man viele legendäre Gesichter am Start und neben der Strecke. Nebst Jochen Mass waren dies Brian Redman, Andy Wallace, Elliott Forbes-Robinson und Arturo Merzario, um nur ein paar zu nennen.

Moderne Rennboliden als Zwischenunterhaltung

Obschon die Gruppe E bis Jahrgang 2010 reichte, gab es noch modernere Fahrzeuge auf der Strecke. Die aktuellen Fahrzeuge der ”New Trans Am Series” waren ebenfalls unterwegs und unterhielten die Besucher mit dem ohrenbetäubenden V8 Sound. Alle drei Trans Am Klassen (TA1, TA2 und TA3) waren zusammen am Start und bildeten so ein buntes Feld mit über 60 Fahrzeugen.

Raritäten unter den Besucherfahrzeugen

Der Reiz einer Veranstaltung macht nicht nur das eigentliche Rennprogramm aus. Man denke nur mal an Le Mans Classic, wo Tausende von Besuchern mit ihren Oldtimern anfahren. Auch bei der Daytona Classic gab es so einiges zu entdecken, vom Porsche Traktor über einen als Porsche Renndienst getarnten Bulli.


Ein Bulli als Porsche Renndienst Fahrzeug - Classic 24 Hour Daytona
Copyright / Fotograf: James Boone

Die Entdeckungsreise bei den Besucherfahrzeugen verlief aber auch bis zu den echten Raritäten, so entdeckte man auf dem Infield einen Schuppan 962CR, ein strassenzugelassener Supersportwagen auf Basis des Rennwagens Porsche 962, von dem allerdings nur der Motor weitgehend unverändert übernommen wurde. Das Projekt wurde umgesetzt vom australischen Rennfahrer Vern Schuppan, der 1983 mit einem Porsche 956 C die 24 Stunden von Le Mans gewinnen konnte. Von dem aussergewöhnlichen Fahrzeug wurden nur sechs Exemplare gebaut.


Oldtimer-Raritäten unter den Besucherfahrzeugen: Schuppan 962CR (1994) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Auch in den USA ein Erfolg

Die Einführung eines historischen 24-Stunden-Rennens scheint auch in den USA Anklang gefunden zu haben. Viele Besucher waren auch nachts noch auf den Tribünen oder in der Boxengasse unterwegs, das Ambiente bei Nacht kann man eben nur selten geniessen, obschon gerade erst bei Nacht die spannende Langstrecken-Stimmung aufkommt. Wenn dann die Fans nachts noch den Grill anzünden, dann ist es wirklich so wie früher...


Der Zauber der Nacht: Langstreckenrennen holen ihre Magie vor allem nachts, dann wenn Fahrer und Strecke eins werden – Porsche 935/K3 Jägermeister (1979) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Aufgrund des sehr positiven Echos bei den Zuschauern, der Teilnehmer und in der Presse, plant der Veranstalter HSR bereits die Ausgabe 2015 mit dem Ziel, noch mehr Fahrzeuge am Start zu haben. Wir gratulieren dem Veranstalter zu diesem geglückten Start einer vielversprechenden Serie!


Porsche 906 (1966) bei der Classic 24 Hour Daytona 2014
Copyright / Fotograf: James Boone

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Empfohlene Artikel / Verweise

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 180 PS, 2985 cm3
Coupé, 200 PS, 3003 cm3
Coupé, 206 PS, 3154 cm3
Coupé, 140 PS, 3168 cm3
Cabriolet, 140 PS, 3168 cm3
Roadster, 150 PS, 3168 cm3
Kleinwagen, 12 PS, 245 cm3
Kleinwagen, 13 PS, 298 cm3
Kleinwagen, 0 PS, 582 cm3
Coupé, 286 PS, 3982 cm3
Coupé, 300 PS, 4988 cm3
Limousine, viertürig, 65 PS, 1971 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Schlieren, Schweiz

0443059904

Spezialisiert auf Porsche

Spezialist

Amtserdam, Niederlande

Spezialisiert auf Ford, Jaguar, ...

Spezialist

Wollerau, Schweiz

0445103555

Spezialisiert auf Mercedes Benz, Jaguar, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

Spezialist

Undenheim, Deutschland

+49 6737 31698 50

Spezialisiert auf Mercedes, Jaguar, ...

Spezialist

Aarberg, Schweiz

0041 79 733 17 28

Spezialisiert auf Mercedes-Benz, Mercedes, ...

Spezialist

Schoten, Belgien

+32 475 42 27 90

Spezialisiert auf Lola, De Tomaso, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

071 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

+41 (0)71 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.