Wer am 22. und 23. September 2018 auf dem Bernina-Pass keine Hühnerhaut kriegte, der hatte wohl kein Benzin im Blut. Wenn die kreischenden Lancia Stratos den Berg hoch tobten, dann tönte das wie einst am Col de Turini bei der Rallye Montecarlo.
Vor allem am Sonntag hörte man, nicht zuletzt wegen der fehlenden Sicht durch Nebel, die V6-Motoren lange, bevor die Fahrzeuge ihren Weg in Richtung Passhöhe (2330 Meter über Meer) nahmen. Wer diese Geräuschkulisse als Lärm bezeichnete, was sicherlich kein Lancia-Freund.
Bereits zum vierten Mal
Im Jahr 2015 hatten die Macher von Bernina Gran Turismo zum ersten mal zu einem Bergrennen für historische Rennwagen eingeladen, das Wetter war bescheiden gewesen. Im Jahr 2016 machte Petrus kaum besser mit, aber 2017 dann schien erstmals für längere Zeit die Sonne, auch wenn die Nässe nicht ganz ausblieb.
2018 dann also fand Bernina Gran Turismo zum vierten Mal statt, über 60 Fahrzeuge standen am Start und die Witterung spielte mit Ausnahme von widerspenstigen Nebelschwaden für einmal mit.
Die schnellen Competition-Fahrer
Nach einem Rahmenprogramm, das sich über mehrere Tage zog, standen am Samstag und Sonntag die Rennläufe mit Zeitnahme auf dem Programm. Und wie Arosa bietet auch das Bergrennen von La Rösa auf 1880 Metern bis hinauf zur Passhöhe des Bernina auf 2330 Metern echte Rennatmosphäre, denn die Schnellsten kämpfen um Bestzeiten.
Am schnellsten war Daniele Perfetti auf einem Lancia Stratos HF Gruppe 4 von 1975. Seine Bestzeit von 3:28.65 wurde von niemandem unterschritten. Chris Ward schaffte es im Ford GT40 im Vorjahr zwar noch etwas schneller, aber auch eine Zeit um 3:30 entsprach immer noch einem Schnitt von rund 100 km/h. Und dies trotz der Spitzkehren und insgesamt 50 Kurven auf der 5,9 km langen Strecke.
Zweiter wurde Michael Stoschek auf einem Porsche Carrera RS 3.0 von 1973, Dritter Reto Gansser im Porsche 911 ST von 1970, bei Berücksichtung der zwei besten Zeiten.
Eine Überraschung war sicherlich Daniel Uebelhard auf dem Serien-UrQuattro, der mit Zeiten um 3:50 auf den vierten Platz fuhr.
Die zweitbeste Zeit des Wochenendes aber fuhr Ewan Cameron im Harrier Formel 5000 von 1969. Mit 3:29.36 blieb er nur knapp unter der Bestzeit von Perfetti. Allerdings konnte der nur einen gezeiteten Lauf (am Sonntag) absolvieren.
Eindrücklich waren aber auch die Zeiten von Martin Halusa im einzigen in der Competiton-Klasse mitfahrenden Vorkriegsauto.
Mit Zeiten unter 4 Minuten und 10 Sekunden zeigte der Pilot, warum der Bugatti 35C (Jahrgang 1927) damals das Auto war, das es in vielen Wettbewerben zu schlagen galt.
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Lancia-Festival
Dass ein Lancia die Competition-Wertung gewann, passte sehr gut dazu, dass gerade diese von FCA so vernachlässigte Marke auf dem Bernina mit einem Grossangebot vertreten war, das den Zuschauern das Wasser im Mund zusammenlaufen liess.
Fünf Lancia Stratos waren am Start, zwei Lancia Fulvia, zwei Lancia Delta (davon ein S4) und ein Lancia 037 Rally - viel besser konnte man den einst im Rallye-Sport führenden Hersteller fast nicht zelebrieren.
Immerhin stellten die Autos aus Turin rund einen Sechstel der Fahrzeuge.
Die meisten von ihnen fuhren in der “Regularity”-Klasse, was der Attraktivität der Fahrzeuge aber keinen Abbruch tat.
Raritäten am Berg
Doch es waren nicht nur die Lancia-Rallye- und Sportfahrzeuge, die für das Publikum eine Reise auf den Berninapass lohnten, sondern auch viele andere exklusive Raritäten, die man nicht jeden Tag zu Gesicht kriegt.
Zu erwähnen sei hier etwa der Lister Jaguar Costin Zweisitzer von 1959, der Aston Martin DB2/4 Bertone von 1953, die Frazer Nash Le Mans Replica von 1950 (eine Replica, die eben eigentlich ein Original ist), zwei AC Ace, eine Alfa Romeo Giulietta TZ2, ein Nomad Mk1 von 1967, der mit seinen Zeiten auch auf der Competiton-Rangliste eine gute Falle gemacht hätte, oder eine Alfa Romeo Giulietta Sprint Zagato von 1962.
Aber eigentlich könnte man fast jedes der über 60 Teilnehmerfahrzeuge hier aufzählen, denn Dutzendware war kaum am Start und die Geräuschkulissen, zu denen die Fahrzeuge fähig waren, war spitzenklassig.
Nebel, Nebel
Das einzige Problem, neben unerwarteten Teilnehmerabsagen und der organisatorischen Herausforderungen, die sich bei einem derartigen Anlass auf öffentlichen Strassen automatisch stellen, war der Nebel, der sich leider am Sonntag Morgen fast nicht verziehen wollte, weshalb schliesslich der erste Lauf abgesagt werden musste.
Dies war für das Publikum genauso bedauerlich wie für die Fahrer, die sich schliesslich bereits um 07:00 auf der Passhöhe des Bernina eingefunden hatten, um die erste Talfahrt in Angriff zu nehmen. Erst gegen 09:30 ging es dann los. Der Samstag war für die Zuschauer sicherlich der ergiebigere Tag.
Ganz schön gleichmässig
Das Gros der Teilnehmer fuhr nach Gleichmässigkeitsreglement und für die einzelnen Klassen vorgegebenen Richtzeiten. Besonders exakt nahmen es die Piloten der Klasse “OTS Period E”, die sich ein echtes Kopf-an-Kopfrennen mit minimalen Abständen lieferten.
Der Sieger Tom Jeck im Triumph Asper von 1960 schaffte es schliesslich, jeweils nur 2 Sekunden von der Sollzeit abzuweichen. Aber der Zweite in dieser Klasse, Hans-Jörg Zingg im Lotus Seven Series 1 von 1959 war ihm dicht auf den Fersen.
Auch bei den “GTS Period H1” waren die Abstände gering. Zwei der vier Stratos schafften superkurze Zeitdifferenzen und zeigten, dass diese Rallye-Autos eben nicht nur für Bestzeiten, sondern auch für gleichmässige Fahrten gut geeignet sind.
Nächstes Jahr wieder?
Was wäre dem Bergrennen Bernina Gran Turismo noch zu wünschen, ausser, dass es hoffentlich auch 2019 wieder stattfindet? Etwas mehr Zuschauer vielleicht und natürlich etwas weniger Nebel, obschon dieser natürlich interessante Fotos erlaubt hätte, wenn denn nur die Autos im richtigem Moment gekommen wären ….





































































































































































































































































































































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