Peugeot 504 Cabriolet 2.0 - nobles Reisen im offenen Franzosen

Erstellt am 28. August 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Über viele Jahre zeichneten und konzipierten Pininfarina-Mitarbeiter Automobile für Peugeot, ihr Meisterstück aber dürfte das Peugeot 504 Cabriolet (und der Zwillingsbruder, das Coupé) gewesen sein. Diese These wird nicht zuletzt davon gestützt, dass das zeitlose Cabriolet vierzehn Jahre nahezu unverändert gebaut wurde.


Peugeot 504 Cabriolet (1981) - 14 Jahre lang wurde das Cabriolet fast unverändert gebaut
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

1969 in Genf vorgestellt


Peugeot 504 Cabriolet (1969) - Präsentation auf dem Genfer Autosalon
Archiv Automobil Revue

Am Genfer Autosalon im März 1969 wurde der Nachfolger des Peugeot 404 Cabriolets erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Empfang war sehr freundlich, denn das Cabriolet glänzte (wie auch das Coupé) mit modernen fliessenden Linien und unterschied sich deutlicher als sein Vorgänger von der parallel gebauten Limousine.


Peugeot 504 (1968) - die Limousine lieferte die technische Basis für Coupé und Cabriolet
Archiv Automobil Revue

Technisch allerdings lehnte sich die Neuentwicklung eng an die Peugeot 504 Limousine an und nutzte denselben Vierzyinder-Motor mit Einspritzung. Auch die Aufhängungen - vorne Federbeine mit unteren Querlenkern und Längsschubstreben, hinten Einzelradaufhängungen mit Dreicksschräglenkern - entsprachen der Limousinenbasis.

Erstmals seit Jahrzehnten aber wurde die Gangschaltung bei einem Peugeot wieder über einen auf dem Kardantunnel montierten Schaltstock bedient und damit der Lenkradschaltung abgeschworen.


Peugeot 504 Cabriolet (1969) - Lenkrad und Armaturenbrett der Erstausgabe
Archiv Automobil Revue

Für den Umbau von der Limousine zum Cabriolet/Coupé wurden hauptsächlich drei Änderungen gegenüber der Limousine vorgenommen: Kürzerer Radstand (2,55 m), längere Achsübersetzung und eine härter abgestimmte Federung.

Generell war das neue Cabriolet, das eine Grundfläche von 4,36 Meter mal 1,7 Meter einnahm, betont auf Luxus und Reisekomfort ausgerichtet, konnte aber auch gemässigte sportliche Ansprüche erfüllen.

Das Peugeot Cabriolet konnte vier Personen beherbergen, allerdings mussten die hinten sitzenden Fahrgäste mit Platzeinschränkungen lesen.

Zuerst mit vier Zylindern

Als Motor wurde der 1796 cm3 grosse Vierzylinder mit 90 DIN-PS eingesetzt, der bereits 1962 erstmals ein Auto angetrieben hatte. Damit war das rund 1220 kg schwere Auto gut bedient, denn die Höchstgeschwindigkeit betrug immerhin rund 175 km/h gemäss Werk.

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Dann mit sechs Zylindern

Im Jahr 1974 aber wurde der Vierzylinder durch den neuen in Zusammenarbeit mit Renault und Volvo entwickelten Europa-Motor ersetzt, der mit sechs Zylindern in V-Konfiguration und 2,7 Litern Hubraum 136 PS freisetzte, was dem schwerer gewordenen Cabriolet zu leicht verbesserten Fahrleistungen verhalf.

Gleichzeitig wurde auch die Optik angepasst, was an unter gemeinsamen Glasverkleidungen untergebrachten Doppelscheinwerfern, einem leicht modifizierten Kühlergrill und versenkten Türgriffen sowie geänderten Stossstangen ersichtlich war. Zudem erhielten die Autos vorne innenbelüftete Scheibenbremsen und eine Servolenkung.  Auf Wunsch konnte nun auch automatisch geschaltet werden.

Und wieder mit vier Zylindern

Die Sechszylindervariante war, nicht zuletzt auch wegen des deutlich höheren Preises von CHF 29’060 gegenüber CHF 24’400, nicht sehr erfolgreich, weshalb ab 1977 wieder der günstigere und bewährte Vierzylinder-Motor, der jetzt aber 106 PS aus zwei Litern Hubraum produzierte, angeboten wurde.


Peugeot 504 Cabriolet (1981) - robuster Vierzylindermotor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Im Jahr 1979 wurde das Äussere nochmals dem Zeitgeschmack angepasst, wovon kunststoffummantelte Stossstangen zeugten. Innen gab es nun Sicherheitsgurten auf allen Plätzen und Holzfurnier für das Armaturenbrett.

1983 wurde die Produktion bei Pininfarina eingestellt, einen direkten Nachfolger für das Cabriolet gab es nicht.

Vier Töpfe reichen locker

Von den Fahrleistungen her konnte der Vierzylinder mit dem Sechszylinder fast mithalten. Den Sprint von 0 bis 100 km/h ermittelten die AMS-Tester 1978 im TI-Modell mit vier Zylindern mit 11,1 Sekunden, während die Kollegen der Automobil Revue 10,3 Sekunden massen. Bei der Höchstgeschwindigkeit nahm die Variante mit grösserem Motor mit 185,5 der Zweilitervariante rund zwei km/h ab, aber die 183.7 km/h wollte sowieso kaum jemand fahren im Cabriolet. Sparsamer war der Vierzylinder mit mechanischer Hochdruck-Einspritzung nach System Kugelfischer allemal, Verbräuche unter 10 Litern waren möglich und selbst im forcierten Testbetrieb wurden nicht mehr als 11,3 Liter pro 100 km benötigt, während die V6-Variante im Test der AR 14,1 Liter pro 100 km konsumierte.

Auf jeden Fall zeigte sich Gert Hack von AMS über den Ersatz des V6 durch den Reihenvierzylinder nicht traurig, insbesondere weil der grosse V6 weder mit Leistung noch mit Laufkultur brillieren konnte.

Das Öffnen und Schliessen des Daches bereitete keine Probleme, wie die Automobil Revue 1976 beschrieb:
"Nach dem Öffnen von zwei Verschlüssen unter den Sonnenblenden lässt sich das Verdeck leicht nach hinten legen. Die Kunststoff-Heckscheibe muss sorgfältig eingerollt werden, um Falten mit späterer Sichtstörung und Bruchgefahr zu verhüten. Die vorn fest angebrachte Abdeckhülle wird mit Klemmhaken aus Kunststoff auf eine Chromleiste gedrückt, und das Öffnen ist beendet."


Peugeot 504 Cabriolet (1969) - die Urausführung hatte separate Doppelscheinwerfer
Archiv Automobil Revue

Anfangs der Achtzigerjahre jedenfalls war das Peugeot 504 TI Cabriolet in seiner Kategorie einzigartig, fanden die Redakteure der Zeitschrift Auto Motor und Sport. Und auch dem Schlusssatz der Automobil Revue muss dreissig Jahre später nichts hinzugesetzt werden:
"Die 504 Cabriolet richtet sich an eine Käuferschaft, die als ideales Transportmittel eine Synthese von hohe Reisedurchschnitte gestattender Leistung einer aus der Grossserie stammenden Mechanik, viel Komfort und exklusiver Eleganz betrachtet."

Unterwegs

Und wie fühlt sich das Cabriolet dreissig Jahre später an? Zuerst ist man überrascht über die fast feudalen Platzverhältnisse. Selbst hinten gibt es mehr Platz als in manch grösserem 2+2-Sitzer. Nach vorerst erfolgloser Suche nach dem Zündschloss entdeckt man dieses schliesslich links vom Lenkrad und schon ist der Vierzylinder gestartet, der recht unauffällig agiert.


Peugeot 504 Cabriolet (1981) - kein Leder für das Lenkrad
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die fünf Gänge lassen sich ohne Kraftaufwand sortierten und man freut sich über die praktisch ungehinderte Rundumsicht und die angenehme Befächelung mit frischer Luft. Das komfortable Fahrwerk lässt kommodes Reisen zu und auch an den rechts angeordneten Blinker, typisch für die damaligen Peugeots, gewöhnt man sich.


Peugeot 504 Cabriolet (1981) - klassische 2+2-Konfiguration, selbst Erwachsene können auf kurzen Strecken mitfahren
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Natürlich lässt sich das Temperament des Wagens nicht mit modernen Turbodieseln vergleichen, aber jemand möchte heutzutage ein Peugeot Cabriolet über Passstrassen hetzen.

Obwohl zwischen 1969 und 1983 nur gerade 8’185 Cabriolets gebaut wurden, sind diese immer noch erstaunlich günstig zu haben, man ist versucht, von einem Schnäppchen zu sprechen.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Möglichkeit, das rüstige Oldtimer-Cabriolet für eine Foto-Session ausleihen zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von de******
24.09.2017 (20:52)
Antworten
Hallo,
Ich habe auch einen 79'er 504 Cabrio. Die Pininfarina Carrosserie ist einmalig schön und elegant.

Spezialist für diese Peugeot in Zürich ist: Richi Berchthold, langjähriger Peugeot Vetragshändler in Zürich-Altstetten. Ich hoffe, dass Richi immer noch aktiv ist.

Viel Spass wünsche ich euch mit einem sympathischen Peuget 504 Cabrio
von vo******
12.02.2016 (09:43)
Antworten
Ich hatte genau so ein rotes Cabrio 1982 als Neuwagen gekauft. Eine grosse Schwachstelle waren die ungeschützen Flanken. Innert kürzester Zeit hatte man Parkschäden an der Sicke auf Höhe der Gürtellinie. Ansonsten ein tolles Auto, mit super Fahrwerk, das viel Spass machte. Nach meiner Erfahrung ein 2+2 Sitzer, für Erwachsene war es hinten sehr eng. Leider zeigten sich im Bereich des Windschutzscheibenrahmens schon nach vier Jahren erste Roststellen, obwohl der Wagen nicht im Winter gefahren wurde. Auch musste der Endtopf des Auspuffs schon nach 30'000 km ersetzt werden, da er durchgerostet war.
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