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Bild (1/15): Monteverdi Hai 450 SS (1970) - der restaurierte Hai im Profil (© Chris Kelley - Fantasy Junction, 2010)
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    Monteverdi Hai - der Schweizer Supersportwagen

    Erstellt am 27. März 2011
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Chris Kelley - Fantasy Junction 
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    1970 stellte Peter Monteverdi, der einzige international erfolgreiche Schweizer Autohersteller der 60-er- und 70-er-Jahre aus der Schweiz, den Monteverdi Hai 450 SS am Genfer Autosalon vor und verblüffte damit nicht nur die potentiellen Kunden, sondern auch die etablierte Konkurrenz.

    Ein Supersportwagen aus der Schweiz

    Was da auf dem Stand der erst dreijährigen Sportwagenmanufaktur Monteverdi thronte, war nichts weniger als ein Supersportwagen, der es mit der Elite der Besten - Lamborghini Miura, Ferrari Daytona, Aston Martin DBS V8 - aufnehmen konnte. Die versprochenen Fahrleistungen alleine schon liessen die Chefs der italienischen und englischen Sportwagenfirmen erblassen, den Sprint von 0 auf 100 km/h schaffte keiner der Konkurrenten in weniger als 5 Sekunden, die meisten nahmen sich mindestens ein bis zwei Sekunden mehr Zeit. Allerdings kostete der Hai auch mehr, als die versammelte Konkurrenz. Während der Ferrari 365 GTB/4 (Dayonta) für schlappe 63’000 Schweizer Franken zu haben war, der Maserati Indy 61900 Franken kostete und ein Iso Grifo 7 Litre das Bankkonto um 68’500 Franken und Aston-Martin DBS V8 um 73’500 Franken leichter machten, verlangte Peter Monteverdi für seinen neuen Sportwagen zuerst 90’000, später 82’400 Franken.

    Ein Potpourri

    Was hätte der Käufer für diese stolze Summe erhalten? Einen amerikanischen 7-Liter-Chrysler-V8-Motor, ein deutsches ZF-Getriebe, eine italienische bei Fissore gebaute Karosserie und eine Schweizer Endmontage. Ein eindrückliches und trotzdem durchaus funktionales Design, das eine gewisse Ähnlichkeit mit der Alpine A310, der vermutlich ähnlichen Inspirationen entsprungen war, nicht leugnen kann. Aber auf jeden Fall eine Rakete mit Strassenzulassung. Die Automobil-Revue (Road&Track und Automobile Quarterly waren kaum langsamer) schaffte den Spurt aus dem Stand bis 100 km/h in sagenhaften 5 Sekunden und nach 19,5 Sekunden waren 200 km/h erreicht. Ob sich dazu Peter Monteverdi selber ans Steuer setzte, kann heute nicht mehr eindeutig belegt werden. Ob die im Prospekt versprochenen 290 km/h erreichbar gewesen wären, konnte wegen einer zu kurzen Übersetzung nicht verifiziert werden. Mit 1750 kg war der getestete Hai aber wesentlich schwerer als die optimistische Angabe von 1290 kg in den Verkaufsunterlagen, unter anderem wegen der rund 600 kg Motor und Getriebe, die vor der Hinterachse zentral im Fahrzeug montiert waren.

    Showcar oder Produktionsfahrzeug?

    Der Hai war um den riesigen Motor herum konstruiert worden, alles muss sich dem Antriebsstrang unterordnen, selber Fahrer und Beifahrer teilen ihre Kabine mit der Motorummantelung. Der Geräuschkulisse war entsprechend infernalisch, man hatte das Ohr gewissermassen fast neben Vergasern und den Zylinder-/Kolben-Einheiten. Fertig entwickelt war der Hai 450 SS (das “SS” steht für Super Sport) 1970 sicher nicht, sogar die für einmal sehr milden AR-Redakteure vermeldeten ein unbefriedigendes Startverhalten, Bremsrattern, Antriebssingen und unbefriedigender Geradeauslauf. Fahrberichte vom seither mehrfach verbesserten und restaurierten Salon-Fahrzeug TNT-101 zeugen von diversen weiteren Optimierungsmöglichkeiten.

    Tatsächlich wurden insgesamt nur vier Monteverdi Hai gebaut, wovon zwei allerdings erst viel später entstanden. Damit wurde ein Fahrzeug mit viel Potential zum Showcar degradiert, wohl auch, weil Peter Monteverdi nicht daran glaubte, dass seine Kunden ein derart extremes Auto kaufen wollten. Um trotzdem den Eindruck einer Serie zu erzeugen, wurden die beiden produzierten Hai immer wieder leicht verändert, neu bemalt und teilweise sogar umbenannt (450 GTS statt 450 SS).

    Eher zum Anschauen als zum Fahren

    Der Monteverdi Hai ist ein schönes Auto und das Salon-Fahrzeug mit violett-rötlicher - andere nannten es Himbeer-Rot -  Aussenhaut und hellem Interieur waren auf jeden Fall ein “Eye Catcher”. Als Alltagsauto hätte sich der Hai aber kaum bewährt, nicht zuletzt wegen des umgedrehten Schaltschemas, das eine lange Angewöhnung erforderte. Auch die Mechaniker wären über den Hai kaum erfreut gewesen, der Zugang zum Motor war nur durch das Fahrzeuginnere möglich, was die Ventileinstellung oder den Kerzenwechsel zu einer Tortur machen konnte.

    Eine gute Wertanlage?

    Im Januar 2010 fand der erste Monteverdi Hai für fast 400’000 Euro, damals rund 600’000 Schweizer Franken einen neuen Besitzer. Richtig Geld verdient hat aber wohl niemand, ob Hersteller, Händler, Besitzer oder Auktionshaus, mit diesem Auto, zu teuer der Unterhalt und die Restaurationen. Dass das Füllen des 130 Liter grossen Benzintanks heute annähernd 250 Franken kostet und spätestens alle 400-450 km nötig ist, spielt dabei nur eine unwesentliche Rolle.

    Der Erstbesitzer des ersten - in der Galerie mehrfach abgebildeten - Hai nach Peter Monteverdi war übrigens ein Deutscher namens Karl-Heinz Schubert, später ging das Auto in die Vereinigten Staaten. 2006 gewann das Fahrzeug in Pebble Beach einen dritten Preis, notabene in der Klasse “Mittelmotor-Showcars, -Prototypen und Konzeptfahrzeuge”. Es ist zu hoffen, dass das Fahrzeug ab und zu auf der Strasse rollen darf und nicht in einem Museum Standschäden erleidet.

    Bilder, Multimedia und Unterlagen

    Die in der Bildergalerie gesammelten Fotos zeigen primär das erstgebaute Fahrzeug TNT-101. Die Farbaufnahmen stammen von Chris Kelley (Fantasy Junction), die Schwarz-Weiss-Archivbilder zeigen das Auto in den ersten Jahren. Das Tondokument gibt einen Eindruck von der Stimmgewalt des Hais, der Verkaufsprospekt von 1970

    Artikel und technische Daten

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