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Bild (1/3): Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1979) - komfortabel gefedert (© Balz Schreier, 2014)
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    Mitsubishi Sapporo - Anti-Manta im Schottenkaro

    16. April 2014
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Balz Schreier 
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    Bruno von Rotz 
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    Chrysler-Fiat Group 
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    Ende der Siebzigerjahre war der überschaubare Coupé-Markt vom Opel Manta, Ford Capri und VW Scirocco beherrscht. Die Japaner aber hatten diese Nische auch entdeckt und Toyota hatte mit der Celica einen durchaus ernstzunehmenden Konkurrenten aufgebaut, der 1978 in erneuerter Form präsentiert wurde, just als Mitsubishi auch den Sapporo nach Europa brachte. Konzeptionell ähnlich unterschieden sich die beiden Fahrzeuge sowohl von der Form wie auch der Ausrichtung.

    Mitsubishi Sapporo (1977) - auf einigen Märkten hiess er Wagen Galant Lambda
    © Zwischengas Archiv

    Als Galant Lambda bereits 1976

    Bereits Ende 1976 kam das Coupé Galant Lambda auf den Markt, als Schwestermodell der Limousine Galant Sigma. Vorerst war es aber in Europa nicht lieferbar. Über die Zeit wurde es aber zu einem eigentlich Weltmodell, das in die verschiedensten Märkte geliefert wurde

    Namenswirrwarr

    Allerdings trug das Mitsubishi-Coupé je nach Markt unterschiedliche Namen. So importierte die Chrysler-Gruppe den Wagen nach Amerika, um Nischen im Modellprogramm zu füllen. Als Dodge Challenger sollte der Mitsubishi die leistungsorientierten Käufer ansprechen, als Plymouth Sapporo die Fahrer mit Luxus-Ansprüchen. Die amerikanischen Versionen wurden im Innern und mit anderen Heckleuchten an den lokalen Geschmack angepasst.

    Plymouth Sapporo (1977) - die amerikanische Version hatte andere Hecklichter und war unterschiedlich ausgestattet
    © Zwischengas Archiv

    In Deutschland und in der Schweiz hiess der Wagen ab 1978 Mitsubishi Sapporo, allerdings prangte auch der “Galant”-Schriftzug auf der Flanke. In England wurde das Modell als Colt Sapporo und in Australien als Chrysler Scorpion und später als Mitsubishi Scorpion vermarktet.

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    Komfortabler Vier- bis Fünfplätzer

    Unabhängig vom Namen basierten aber die verschiedenen Sapporo-Modelle immer auf derselben technischen Basis. Der Motor des vier- bis fünfplätzigen Coupés sass vorne und trieb über ein Fünfgang- oder ein Automatik-Getriebe die an einer Starrachse aufgehängten Hinterräder an.Vorne sorgten erwartungsgemäss Einzelradaufhängungen an Federbeinungen für die Führung der 14-Zoll-Räder.

    Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1977) - Durchsichtszeichnung enthüllt die technischen Feinheiten
    © Zwischengas Archiv

    Die Karosserie war gradlinig gezeichnet, wies aber einige ungewöhnliche Details auf, so zum Beispiel die aufgesetzten seitlichen Blinklichter und die grosse Heckscheibe hinter dem “Überrollbügel”. Im Vergleich zu den teilweise schwülstigen und unförmigen anderen japanischen Designs der Siebzigerjahre wirkte der Sapporo sehr modern und gefällig.

    Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1979) - die Kante über dem "Überrollbügel" verschwand bei der Modellpflege
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Kultige Innenausstattung

    Mehr austoben durften sich die Designer bei der Innenausstattung, die sich allerdings je nach Modell unterschied. Wer zum sportlichen 2000 GS/R griff, der erhielt ein knallrotes Interieur mit Schottenkaromuster und kunststoffumrandeten Sesseln.

    Mitsubishi Sapporo (1978) - das elegante Schotten-Karomuster der Sitze
    © Zwischengas Archiv

    Vor dem Fahrer sassen sechs Runduhren, blendfrei verpackt in Höhlen, die Mittelkonsole beherbergte Radio und Lüftungsanlage. Die Ausstattung war mehr als vollständig, der Preis mit DM 17141.70 oder CHF 17'290 auf Höhe der Konkurrenz.

    Dank höhenverstellbarem Lenkrad fand der Fahrer schnell eine zufriedenstellende Sitzposition, hinten wurde es für über 170 cm grosse Passagiere eng, befand die Automobil Revue damals nach einer Probefahrt.

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    Zeitgemässe Technik

    Etwas besonderes hatten sich die Mitsubishi-Techniker beim Motor ausgedacht. Der Reihenvierzylinder wies wie die meisten Konkurrenten eine obenliegende Nockenwelle auf, verfügte aber zur Verstärkung der Laufruhe noch über zwei seitliche mit Gegengewichten versehene Ausgleichswellen. Diese senkten tatsächlich die Vibrationen, erzeugten aber bei kaltem Motor und bei hohen Drehzahlen Heulgeräusche, wie Wolfgang  König nach einem Test für Auto Motor und Sport befand. Auch forderten die Ausgleichswellen beim Verbrauch ihren Tribut, König liess 13,5 Liter pro 100 km durchlaufen.

    Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1979) - da wäre schon Platz für einen Sechszylinder gewesen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der Verbrauch schmerzte insbesondere auch, weil selbst das stärkste Modell 2000 GS/R mit nominell 108 PS wegen des damals als hoch empfundenen Leergewichts von 1140 kg nicht für überschäumendes Temperament sorgen konnte. Den Sprint auf 100 km/h absolvierte der Sapporo in 12,6 Sekunden, ein Opel Manta 2.0 S schaffte dies in 10,8 Sekunden. Immerhin konnte die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h (nach langem Anlauf) ein wenig über die Spurtschwäche hinwegtrösten.

    Turbo-Leistungsschub ab 1982

    Wer auf Leistung aus war, der musste sich bis 1982 gedulden, denn dann. zwei Jahre nach einer ersten sorgfältigen Modellpflege im Jahr 1980, stellte Mitsubishi dem saugenden Sapporo einen Turbo-Version zur Seite.

    Jetzt wurden 170 PS und den Sprint auf 100 km/h in 8.2 Sekunden versprochen. Der Sapporo Turbo war noch ein Turbo alter Schule, unten nichts, oben alles. Die Fahrt mit diesem Auto war ein unvergleichliches Erlebnis. Wer zum Überholen ausscherte, musste zuerst den Turbo atmen lassen, bis die Leistung wie ein Hammer einsetzte. Allerdings kostete die Turbo-Version rund 40% mehr als die vorherige Topvariante, da trösteten auch die zusätzlichen Alufelgen, die hinteren Einzelradaufhängungen und der Heckspoiler nicht über den Mehrpreis hinweg.

    Immerhin dachte Mitsubishi an die Langlebigkeit des Motors, dies beweisen die Vorrichtungen im Rahmen des elektronischen Motorschutzes: Ein Klopfsensor überwacht die Verbrennung und verstellt notfalls die Zündung, ein Temperatursensor verhindert den Ladedruck unter 45 Grad und lässt die Drosselklappen erst ab 65 Grad vollständig öffnen.

    Mitsubishi war damals übrigens der einzige Hersteller, der jedes Modell (Colt, Lancer, Galant, Sapporo und Starion) mit Turbo anbieten konnte.

    Fast ein Neuwagen

    Das Sapporo-Coupé hatte es nicht leicht auf dem hiesigen Automarkt, es blieb eine Randerscheinung und nur wenige Fahrzeuge dürften überhaupt bis heute überlebt haben. Umso erstaunter ist man denn auch, wenn man einem fast neuwertigen Sapporo 2000 GS/R gegenübersteht.

    Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1979) - so rot konnten Innenräume vor 35 Jahren sein
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Das Design hat die Zeit gut überstanden und die Gestaltung des Innenraum wirkt heute ausserordentlich erfrischend. Der Wagen verströmt sozusagen schon im Stand gute Laune.

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    Problemlos zu fahren

    Die Freude vergeht auch bei der Fahrt nicht, die erwartungsgemäss problemlos verläuft. Fast perfekt fühlt sich der Wagen an. Der Motor startet auf Schlüsseldreh und verfällt in ein sonores Leerlaufgeräusch, aus dem man die Ausgleichswellen sofort heraushören kann. Das exakt schaltbare Fünfganggetriebe ermuntert zum häufigen Gangwechsel, doch reicht das Drehmoment des Zweiliters auch für eine schaltarme Fahrweise aus.

    Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R (1979) - 180 km/h schnell war der Sapporo in der 2-Liter-Ausführung
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Das Temperament würde man im Zeitalter des Turbodiesels nicht als “schäumend” beschreiben, aber die verfügbare Motorleistung reicht für den Alltag problemlos aus.

    Das Fahrwerk fühlt sich komfortabel und etwas weich an, die Seitenneigung in Kurven ist beträchtlich.

    Man kann sich gut vorstellen, einen Sapporo auch im Alltag einzusetzen oder seiner Oma auszuleihen, auch sie wird mit ihm problemlos zurechtkommen.

    Nur unter der Laterne parken möchte man im Winter nicht mehr, dazu ist das elegante Coupé doch einfach zu rar und zu schützenswert geworden.

    Der für diesen Bericht portraitierte Mitsubishi Sapporo 2000 GS/R aus dem Jahr 1979 wird am 26. April 2014 von der Oldtimer Galerie in Toffen versteigert .

    Weitere Informationen

    • AR-Zeitung Nr. 3 / 1978 vom 19.Jan.1978 - Seite 17: Vorstellung Mitsubishi Sapporo
    • Auto Motor und Sport Heft 11/1978, ab Seite 132: Fahrbericht Mitsubishi Sapporo
    • Auto Motor und Sport Heft 19/1979, ab Seite 204: Test Mitsubishi Sapporo
    • Oldtimer Markt Heft 7/2007, ab Seite 172: Mitsubishi Sapporo - der rote Sitz

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