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Maserati 3500 GT Vignale Spyder - offener und sportlicher Luxus für Zwei

Erstellt am 26. August 2017
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
21
Archiv 
10
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - ein meisterhafter Entwurf von Giovanni Michelotti
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - gegenüber dem Coupé wurde der Radstand um 10 Zentimeter gekürzt
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - klassische Spyder-Silhouette
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - komplett versenkbares Verdeck
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - Scheibenbremsen vorne, Trommeln hinten
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Mit dem Maserati 3500 GT hatten die Konstrukteure und Autobauer rund um Giulio Alfieri einen Volltreffer gelandet. Bereits 1957 wurde der luxuriöse Granturismo in Genf erstmals gezeigt und noch im gleichen Jahr setzte die Serienproduktion ein.

Bild Maserati 3500 GT (1957) - aufgenommen anlässlich der AR-Kurzteste in Turin - der Wagen entspricht dem ausgestellten Prototyp
Maserati 3500 GT (1957) - aufgenommen anlässlich der AR-Kurzteste in Turin - der Wagen entspricht dem ausgestellten Prototyp

Renntechnik für die Strasse

Im Bug arbeitete ein Reihensechszylinder, der mit zwei obenliegenden Nockenwellen und drei Doppelvergasern aus 3,5 Litern Hubraum rund 240 PS schöpften.

Bild Maserati 3500 GT (1958) - der Sechszylinder mit Doppelzündung und drei Vergasern
Maserati 3500 GT (1958) - der Sechszylinder mit Doppelzündung und drei Vergasern

Damit waren 230 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich, die den Maserati ähnlich attraktiv machten wie die Ferrari-Sportwagen mit doppelter Zylinderanzahl.

Interessant für Karosseriebauer

Als Basis des 3,5-Liters diente ein Rohrrahmen, wie man ihn auch bei den Rennwagen jener Zeit nutzte. Vorne waren die Räder einzeln an Trapez-Dreieckslenkern geführt, hinten musste eine Starrachse genügen.

Schnell erkannten unabhängige Karosseriebauer, dass neben der Werkskarosserie, die bei Touring entstand, bei den Kunden auch andere Aufbauten gefragt waren. So gestalteten etwa Pietro Frua und Bertone eigene Karosserien für das Maserati-Chassis.

Bild Maserati 3500 GT Spider (1959) - der Vignale-Spider basiert auf einem Design von Michelotti, vorgestellt in Turin im Jahr 1959, Skizze von Michelotti
Maserati 3500 GT Spider (1959) - der Vignale-Spider basiert auf einem Design von Michelotti, vorgestellt in Turin im Jahr 1959, Skizze von Michelotti

Auch Vignale präsentierte 1959 in Paris/Turin (?) eine Alternative zum Coupé, einen von Giovanni Michelotti gezeichneten Spider, bei Maserati traditionell “Spyder” geschrieben. In Turin ging der offene 3500 GT allerdings neben dem neu präsentierten 5000 GT fast ein wenig unter.

Bild Maserati 3500 GT (1962) - offenes Vergasermodell mit Stoffdach
Maserati 3500 GT (1962) - offenes Vergasermodell mit Stoffdach

Trotzdem überzeugte die Vignale-Schöpfung die Maserati-Besitzer offenbar mehr als die offene Touring-Variante, die bereits 1958 in Genf gezeigt wurde, oder die ebenfalls früher präsentierte Frua-Version. Und so wurde mit Vignale vereinbart, seine Version ins Werksprogramm aufzunehmen.

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Gekürzt und nachgewürzt

Im Vergleich zum rundlichen Coupé wirkte Michelottis Spyder-Entwurf sportlicher und auch etwas kantiger. Der offene Wagen basierte auf einem um 10 cm gekürzten Radstand, ansonsten stimmte die Technik weitgehend mit der geschlossenen Variante überein und profitierte auch von den stetigen Verbesserungen, die Ingeniere Alfieri dem Typ AM 101 angedeihen liess.

Bild Maserati 3500 GT (1962) - offenes Vergasermodell mit Hardtop
Maserati 3500 GT (1962) - offenes Vergasermodell mit Hardtop

Der zweisitzige Spyder war rund 20 cm kürzer als das Coupé und dementsprechend auch rund 100 kg leichter. Mit trotz Stahlkarosserie offiziell 1200 kg Trockengewicht konnte man sich auf gute Fahrleistungen freuen, in Wahrheit wog ein Spyder aber gerne über 1400 kg, trotz Hauben aus Aluminium. Mit 4,4 Metern Länge und 1,64 Metern Breite war er aber kompakt und handlich.

Filmstar

Gerne wurde der offene Maserati auch in Filmen nicht ausschliesslich italienischer Herkunft genutzt. So hatte der Vignale Spyder etwa Auftritte in “La bella di Lodi” (1963), “Love is a Ball” (1962), Quand passent les Faisans” (1965) oder “La vita difficile” (1963).

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Rarität

Gerade einmal 242 (andere Quellen nennen 245 oder gar 251 Fahrzeuge, inkl. Prototypen und Vorserienexemplare) offene 3500 GT wurden zwischen 1959 und 1964 bei Vignale gebaut, einige wenige waren mit einem Werkshardtop ausgerüstet. Sie unterschieden sich aber nicht nur hinsichtlich der Farben, sondern konnten durchaus auch ab Werk individualisiert werden. Es gab den Spyder auch als Rechtslenker, was aber nur vergleichsweise selten verlangt wurde.

Der 14. Spyder

Alberto Fassio aus Genua sah den neuen Spyder auf der Turiner Autoshow im Herbst 1959 und bestellte sich sofort ein Fahrzeug. Als Sonderausstattung verlangte er nach stehenden anstatt hängenden Pedalen, umklappbare Sitze, Fernlichtumschaltung per Fussknopf, Feuerlöscher und Borrani-Speichenräder mit Continental-Reifen. Im Januar 1960 verfeinerte er seine Spezifikation und wünschte sich eine schwarze Lackierung in Kombination mit einem hellen Interieur.

Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - vor allem in der Heckgestaltung unterschieden sich Spyder und Coupé
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - vor allem in der Heckgestaltung unterschieden sich Spyder und Coupé

Allerdings änderte er diese Farbwahl später nochmals und entschied sich schliesslich für “Verde Pavone”, einem Grünton. Das Interieur wurde schliesslich schwarz ausgeführt.

Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - macht auch geschlossen eine gute Figur
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - macht auch geschlossen eine gute Figur

Bis zum Juni 1960 musste Fassio auf seinen Spyder warten, nicht zuletzt wegen der kompllizierter als erwarteten Umbauarbeit für die stehenden Pedale. Lire 5,13 Millionen standen auf der Rechnung. Als frühes Produktionsexemplar wies der grüne Spyder einige Unterschiede zu den späteren Serien-Wagen, so reichte die Motorhaube bis zur Frontscheibe.

Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - für Offen-Freuden zu Zweit
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - für Offen-Freuden zu Zweit

Ausgeliefert dürfte dieser Spyder mit dem Vierganggetriebe worden sein, in der Neuzeit aber erhielt der Wagen das ZF-Fünfganggetriebe, das bei späteren Fahrzeugen Standard wurde.

Wie alle anderen Spyder verfügte auch Chassis 101.775 von Anfang an über Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten.

Nachvollziehbare Geschichte

Fahrgestell 101.775 ging in seinem Leben durch eine Reihe von Besitzern, wurde in den späten Achtzigerjahren komplett restauriert und auch neu ausstaffiert, wobei man ein helles Interieur dem ursprünglichen schwarzen Leder vorzog. Vor wenigen Jahren wurde der Spyder erneut ganzlackiert, wiederum getreu dem ursprünglichen Farbton. Gleichzeitig wurde auch mechanisch alles in Ordnung gebracht.

Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - Marken- und Typen-Schriftzug
Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - Marken- und Typen-Schriftzug

Jetzt kommt der grüne Maserati 3500 GT Spyder an der Bonhams-Versteigerung in Chantilly am 10. September 2017 unter den Hammer, als Schätzpreis werden EUR 800’000 bis 1’000’000 (CHF 910’000 bis 1’100’000) genannt.

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Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - vor allem in der Heckgestaltung unterschieden sich Spyder und Coupé
Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - gegenüber dem Coupé wurde der Radstand um 10 Zentimeter gekürzt
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Bild Maserati 3500 GT Vignale Spyder (1960) - Scheibenbremsen vorne, Trommeln hinten
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