Lancia Delta HF Integrale - der Rallye-Sieger für den Alltag

Erstellt am 14. Dezember 2015
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
22
FCA - Fiat Chrysler Group / Lancia 
31
Lancia - Fiat Group 
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Archiv 
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“Lancia Delta Integrale”, wenn man es ausspricht, klingt es wie Musik. Und wunderbar italienisch. Und kaum einer kann sich nichts unter dieser Bezeichnung vorstellen, denn von 1987 bis 1992 war der Delta in der Rallye-Weltmeisterschaft das Mass der Dinge und fast unschlagbar.


Lancia Delta HF 4WD (1988) - an der Rallye Schweden
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group / Lancia

Auf Umwegen zum Rallye-Star

Bereits 1979 war der Lancia Delta offiziell vorgestellt werden. Seine Technik basierte teilweise auf dem Fiat Ritmo, optisch trug er aber eine komplett andere Handschrift, denn Giorgetto Giugiaro hatte die Linienführung entworfen und sich dabei am Konzeptfahrzeug Maserati Medici orientiert. Der Delta war kantig und wies als eines der ersten Strassenautos überhaupt lackierte Stossfänger auf. Als Auto des Jahres 1980 erhielt der Lancia Delta viel Anerkennung, sportliche Ambitionen fehlten zu jenem Zeitpunkt noch.


Lancia Delta (1979) - Schnittmodell des kleinen Delta, der in Frankfurt erstmals der Oeffentlichkeit gezeigt wurde - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1979
Archiv Automobil Revue

Im November 1982 pflanzte man den ursprünglich bereits im Fiat 124 Spider von 1966 eingebauten Doppelnockenwellen-Vierzylindermotor in den Bug des Lancia Delta, womit es leistungsmässig mit rund 105 PS einen tüchtigen Schritt nach vorne ging.


Lancia Delta 1.6 HF Turbo (1986) - Heckansicht
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group / Lancia

Ein Turbo ab 1983 ermöglichte über 130 PS und ab Herbst 1986 sorgten permanent angetriebene Hinterräder, die sich zu den bis anhin alleine für die Kraftübertragung zuständigen Vorderräder gesellten,  für noch mehr Vortrieb. Mit 1995 cm3 und 185 PS war der kleine Delta (Länge 3,9 Meter) ein richtiger Kraftprotz. Und genau das richtige Auto zum richtigen Moment.

Aus B wird A

Denn Ende 1986 mussten Audi, Lancia, Peugeot, MG/Rover und Ford nebst anderen ihre Rallye-Autos, die in der Gruppe B homologiert waren, einmotten, da man sie für zu kräftig und gefährlich befand. Ab 1987 wurde die Rallye-Weltmeisterschaft in der Gruppe A ausgerichtet und um teilzunehmen war der Nachweis von 5000 und nicht mehr 200 produzierten Autos nötig. Entsprechend serienmässig und massentauglich kamen diese Autos denn auch daher und keiner war besser vorbereitet als Lancia mit dem Delta.


Lancia Delta Integrale Gr.A (1987) - am Rallye Monte Carlo des Jahres 1987
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei der Premiere an der Monte Carlo Rallye fuhren Biasion und Kankkunen einen Doppelsieg nach Hause, Walter Röhrl verlor im Audi 200 Quattro satte vier Minuten auf das Lancia-Duo.

Und so ging es weiter, neun Siege reichten zum Gewinn der Fahrer- und der Markenmeisterschaft. Im Hintergrund sorgten derweil die Ingenieure von Abarth dafür, dass die Führungsposition über Jahre gewahrt werden konnte.

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Evolution zum Integrale

An der IAA im Herbst 1987 stellte Lancia den Delta HF Integrale vor, der mit ausgestellten Kotflügeln Platz für grössere Räder schaffte. 185 PS leistete der Zweiliter-Turbomotor mit zwei Ventilen pro Zylinder. Knapp 18 Monate später wurde am Genfer Autosalon aus dem Achtventiler ein Sechzehnventiler, satte 200 PS wurden nun mit Priorität zur Hinterachse (53%) geführt. Die Motorhaube musste angepasst werden, damit der quergestellte Frontmotor mit Ladeluftkühler Platz hatte.

Die Kraft würde über ein zentrales Planetengetriebe mit Viscobremse an die vier Räder verteilt, hinten regulierte ein Torsen-Differential den Schlupf.  Mit fast 1300 kg war der Delta mit Vierradantrieb kein Leichtgewicht mehr, aber die jederzeit verfügbare Leistung liess das Gewicht vergessen.


Lancia Delta HF Integrale (1987) - mit deutlich ausgestellten Kotflügeln
Archiv Automobil Revue

Pech hatten die Märkte, die einen Katalysator-Version verlangten, denn diese gab es vorerst nur mit dem bereits bekannten Achtventiler und entsprechend weniger Leistung (177 PS).

Dieses Manko wurde aber in den Neunzigerjahren behoben, die Evoluzione-Modelle des HF Integrale verfügten schliesslich auch als 16V über einen Katalysator.


Lancia Delta (1993) - die zweite Generation
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group / Lancia

Im Frühling 1993 wurde dann der Delta II präsentiert, der den damals bereits 14 Jahre lang gebauten Giugiaro-Delta ablöste. Auf den Rallye-Pisten aber endete der Erfolg des Delta Ende 1992, während die Karrieren neuer Stars wie Subaru Impreza oder Mitsubishi Lancer begann.

Begeisterte Presse

Der Delta HF Integrale erfreute sich auch in der Presse einer grossen Fangemeinde und wurde eifrig getestet. Die Automobil Revue nahm sich 1989 die Katalysator-8V-Version vor und hetzte sie in 6.6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 210 km/h gestoppt. Mit 13,1 Litern pro 100 km hielt sich der Durst in Grenzen.


Lancia Delta Integrale (1991) - auf Schnee zuhause
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

“Obschon er nicht besonders kurz untersetzt ist (bei Spitze 210 km/h steht die Nadel des nach Rennmanier verdreht eingebauten Drehzahlmessers auf 5500/min), macht er auch beim Beschleunigen in den Gängen eine gute Figur. Sobald 3000 Touren überschritten sind, haben seine Konkurrenten nichts mehr zu lachen, aber auch darunter ist keiner von ihnen viel spritziger”, schrieb die Automobil Revue. Ab 38’650 Franken gab es den Integrale in der Schweiz zu kaufen, das ABS kostete extra. Dafür erhielt der Käufer eine dicke Portion italienischen Charme und die Gewissheit, ein Auto zu fahren, das mit seinen Sporterfolgen ein Stück Automobilgeschichte schrieb.


Lancia Delta HF Integrale 16V (1989) - wenn die Strasse zur Rallye-Piste wird
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die deutsche Zeitschrift Auto Motor und Sport verglich den HF Integrale 16V im Jahr 1989 mit dem VW Golf Rallye, der mit 160 PS allerdings bei diesem Zweikampf nichts zu lachen hatte. 6,7 Sekunden nahm sich der Lancia mit 200 PS für den Sprint auf 100 km/h, während der Golf 8,8 Sekunden benötigte. In der Spitzengeschwindigkeit schwang der Lancia mit 226 gegen 213 km/h obenauf. Auch in der Elastizität hatte der Golf das Nachsehen, einzig im Benzinverbrauch konnte sich der Wolfsburger Vorteile verschaffen, da er sich statt 16,1 Liter nur 13,2 Liter pro 100 km genehmigte. “Wer also fahrdynamische Qualitäten in den Vordergrund seiner Kaufüberlegungen stellt, der nimmt besser, was Massimo Biasion fährt”, schrieb Werner Schruf als Schlusssatz in den Testbericht und empfahl den Lancia Delta, obschon der Golf mit DM 44’500 etwas günstiger als der Lancia mit DM 47’900 verkauft wurde.


Lancia Delta HF Integrale 16V (1989) - nach der Fahrt über Schotter- und Dreckpisten muss er natürlich wieder gereinigt werden
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bis heute beliebt

Der Ruhm der vergangenen Rallye-Erfolge wirkt bis heute nach, der fast 38'000 Mal gebaute Lancia Delta HF Integrale erfreut sich einer grossen Fangemeinde, was die Preise vergleichsweise hoch hält. “Normale” HF Integrale kosten in guten Zustand deutlich über Euro/CHF 20’000, die raren Evolutionsmodelle wechseln den Besitzer schnell einmal für das Doppelte oder Dreifache dessen. Er erhält dafür ein Spassgefährt, dem es an Alltagsqualitäten und Nutzwert nicht fehlt, womit sich der italienische Allradler im Prinzip als Gegenstück zum BMW M3 positioniert.


Lancia Delta HF Integrale 16V (1989) - gegenüber den Vorgängern kaum verändertes Cockpit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ae******
10.06.2016 (18:10)
Antworten
ich besitze einen Delta HF Baujahr 1984. Er hat kürzlich das H Kennzeichen in D erhalten. Einer der ganz wenigen Serie I HF die überlebt haben! Und er macht auch heute noch mächtig Spass!
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