Ford Galaxie 500 – Der erfolgreiche Fullsize-Ford der Sechzigerjahre

Erstellt am 12. April 2013
, Leselänge 7min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Simon Clay - Courtesy RM Auctions 
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Archiv 
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Ben fuhr mit seinem Truck gedankenversunken die Landstrasse runter, als er am Strassenrand eine einsame Frau sah. Er hielt an und fragte: „Hi! Darf ich Dich ein Stück mitnehmen?“ Die Frau stieg wortlos in den Truck. „Ich heisse übrigens Ben, und Du?“ – „Ich bin Emily! Entschuldige ... Ich bin etwas durcheinander. Galaxie, mein Hengst, ist heute gestorben.“

So fuhr Ben eine Weile durch Texas, und Emily starrte in die weite Landschaft. Die lustig tanzenden Ölbohrpumpen konnten sie nicht aufheitern.


Ford Galaxie 500 (1967) - geschaffen für die amerikanischen Strassen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Plötzlich sagte Ben: „Schau mal da vorne an der Kreuzung. Der hat sogar den gleichen Namen wie Dein Pferd.“ Bei einem Autohändler stand ein 67er Ford Galaxie 500 zum Verkauf. Ja, irgendwie schaute er sie mit seinen vier treuen Augen an wie der verstorbene Galaxie. Emily überlegt und sagt: „Lass mich mal hier raus, Ben. Und danke fürs Mitnehmen!“

So kam Emily zu ihrem neuen Gefährten. Es war Liebe auf den ersten Blick. Der metallische Lack, die grossen Blechflächen und die vertrauenswürdigen Augen. Keine grossen Ornamente, keine Theatralik, alles ehrlich und solide. John und sie wollten sowieso bald heiraten. Die vier Türen und der grosse Kofferraum wären für eine kleine Familie wie geschaffen. Vielleicht auch für eine grosse… Wer weiss!


Ford Galaxie 500 (1967) - die übereinanderliegenden Doppelscheinwerfer gab es ab Baujahr 1965
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Heute fährt sie (in unserer frei erfundenen Geschichte) wieder die gleiche Strasse wie damals in Bens Truck. Manchmal wird sie das Gefühl nicht los, dass der treue Galaxie ihr den Namensvetter aus Blech geschickt hat. Es ist wie früher auf dem Pferderücken. Die weite Landschaft, die Gerüche. So schön ist nur Texas.

Start als Luxusversion des Fairlane

Der erste Ford Galaxie kam ganz zum Ende der fünfziger Jahre zur Welt. Der Name erinnerte an das technologischen Wettrüsten der damaligen Zeit. Während Amerika gegen die Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltraum kämpfte, tat Ford dasselbe gegen Chevrolet, wenn es um Marktanteile ging.


Ford Fairlane 500 Galaxie Skyliner Retractable (1959) - mit Flossen und viel Chrom
Archiv Automobil Revue

Der Galaxie war quasi das Luxus-Upgrade von Fords Fullsize-Modellreihe Fairlane und hatte die handelsüblichen Zutaten eines grossen Autos dieser Ära an Bord: ausladend geformte und zweifarbig lackierte Blechflächen mit üppigem Chromschmuck, ein imposantes Doppelscheinwerfer-Gesicht, Panoramascheibe und einen Heckabschluss mit respekteinflössenden Flossen.

Eigenständiges Modell

Doch schon die folgende Generation des Modelljahres 1960 bekam eine völlig neue Karosserie. Die Flossen und auch die seitlichen Blechornamente wurden gestreckt und vereinfacht, die Panoramafrontscheibe wich einer konventionellen Lösung, und die Front wurde niedriger. 1961 erschien ein erneutes Facelift mit verkürzten Heckflossen und einer geänderten Front. Und auch jetzt war der Galaxie nachwievor die Luxus-Variante des Fairlane.


Ford Galaxie 500 X/L (1962) - mit vielen Motor-Varianten und dem Ganghebel auf der Mittelkonsole
Archiv Automobil Revue

1962 brachte einen grösseren Schritt zum Downsizing – aber nur optisch. Die Aussenmasse und der drei Meter lange Radstand blieben. Die Gestaltung der Karosserie wirkte jetzt aber kompakter und schlichter. Charakteristisch für diese Serie sind die vom Thunderbird entliehenen runden Heckleuchten. Mit den obligatorischen jährlichen Änderungen blieb diese Modellgeneration bis zum Jahr 1964 im Programm.

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Mit übereinanderliegenden Doppelscheinwerfer

1965 gab es erneut einen „Fordschritt“ im Design sowohl für den Fairlane als auch für den Galaxie. Das auffälligste Detail war dabei das neue Vieraugengesicht mit je zwei übereinanderliegenden Doppelscheinwerfern.


Ford Galaxie 500 Hardtop (1964) - die viertürige Version für das Baujahr 1965
Archiv Automobil Revue

Jetzt hatte der Galaxie alle Ornamente abgelegt und war beim schlichten und gradlinigen Trend angekommen, der sich ab Mitte der sechziger Jahre abzeichnete. Er konnte dabei seinen eigenständigen Charakter behalten. Denn nicht nur die Front, auch das Heck war mit den grossen hochkantigen Leuchten schnell als oberste Ausbaustufe des Ford-Lineups zu erkennen.

Mehr Optionen als ein Verkäufer auswendig kann

Unsere Emily besitzt den Galaxie dieser Baureihe als Version „500“ mit dem Code „54A“, also die mittlere Ausstattungsvariante als viertüriger Sedan. Die Serie von 1965 bis 1967 war – in jedem Modelljahr leicht anders - in unzähligen Varianten und Motorisierungen lieferbar. Die Basisversion hiess Custom oder Custom 500, die Mittellösung 500, das Topmodell war als 500 XL oder LTD beschriftet.

An Karosserievarianten gab es die zwei- oder viertürige Limousine mit Rahmentüren (Sedan), das pfostenlose zweitürige Coupé (Hardtop Coupe) oder die entsprechende viertürige Limousine (Hardtop Sedan) sowie das zweitürige Cabriolet.

Alle Versionen waren sechssitzig. Wurden jedoch anstelle der vorderen Sitzbank zwei Einzelsitze geordert, waren es entsprechend noch fünf Plätze. Wer noch mehr Raum brauchte, bestellte einen Station Wagon mit sechs oder acht Sitzen.

Die Liste der angebotenen Motoren war ebenso endlos. Die Basis bildete der Sechszylinder-Reihenmotor mit 240 Cubic Inch (3,9 Liter) Hubraum, Einfachvergaser und 152 SAE-PS. Darüber rangierten die V8-Aggregate. Der „289 Challenger“ (4,7 Liter) lieferte mit Autolite-Doppelvergaser 203, der „390 Thunderbird“ (6,4 Liter) kam auf 274 SAE-PS. Der „390 Thunderbird Special“ hatte einen Vierfachvergaser und 319, der „428 Thunderbird (7,0 Liter) kräftige 365 SAE-PS, die auch äusserlich mit einem „7 Litre“-Schriftzug kenntlich gemacht wurden.

Doch das war noch nicht alles. Wer den legendären „427 Cobra“ mit bis zu 425 ungestümen Rennpferden haben wollte, bekam ihn ab Werk eingebaut. Dazu als Ergänzung der Hinweis: die „500“ hatte nie etwas mit dem Hubraum zu tun, sondern bezeichnete eine Ausstattungsvariante.

Alle erdenklichen Kundenwünsche wurden erfüllt

Geschaltet wurde wahlweise mit 3- oder 4-Ganggetriebe an der Lenksäule oder als Mittelschaltung zwischen den Sitzen. Das galt auch für die 3-Gang-Automatik oder die verstärkte Cruise-O-Matic. Versionen mit durchgängiger Frontsitzbank mussten am Lenkrad bedient werden. Die Mittelschaltung galt – auch beim Automat – als sportlich und wurde oft im Zusammenhang mit Einzelsitzen geordert.


Ford Galaxie 500 (1967) - Schaltung am Lenkrad oder auf der Mittelkonsole, ganz nach Wunsch
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das Cockpit selber war alles andere als sportlich. Es war sehr gradlinig und aufgeräumt. Die kantige Cockpithutze beherbergte in der obersten „Etage“ die niedrigen Breitbandinstrumente, darunter war eine Aluleiste mit Schaltern und weiteren Anzeigen. Den Abschluss bildete eine charakteristische horizontale Gitterstruktur, welche sich auf der Beifahrerseite wiederholte und die Ausströmer beherbergte.

Paradiesische Zustände für Besteller auch bei Farben, Bezügen und Ausstattung. Rund 15 Aussenfarben, etwa 20 Zweiton-Lackierungen und 40 bis 50 verschiedene Innenausstattungen standen im Prospekt, wobei die Auswahl jährlich wechselte. Gegen Aufpreis (oder je nach Modell auch serienmässig) gab es Servo- oder Scheibenbremsen, Klimaanlage, elektrische Sitze und Fenster, Tempomat, von innen verstellbare Aussenspiegel, abklappbares Lenkrad, Speichen-Radkappen, Vinyldach oder automatische Kofferraumentriegelung. Das war aber noch längst nicht alles. Denn es gab noch Sondereinbauten wie verstärkte Hinterachsen und Rahmen für den Hängerbetrieb oder andere Getriebe- und Hinterachsübersetzungen – sei es für den sportlichen Fahrer oder den Heavy-Duty-Einsatz.

Ansonsten war unter dem kantigen Blech alles standardmässig amerikanisch mit massivem Rahmenchassis, hinterer Starrachse mit Querblattfeder und rundum Trommelbremsen. 

American Upper Class

Aber der Galaxie war ein feines Auto - und kein billiges. Der 500 LTD stand als Hardtop-Coupé oder -Sedan für das Modelljahr 1966 mit 3300 Dollar in der Preisliste. Dafür bekam man laut Werbung ein Auto, das „so leise wie ein Rolls-Royce“ sei.

Schweizer Kunden durften nur den Galaxie 500 kaufen und hatten auch sonst weniger Auswahlmöglichkeiten als die Amerikaner. Ein Faltblatt zur neuen 1965er Modellgeneration sagte aus, dass entweder der normale 3-Gang-Handschalter oder die Cruise-O-Matic lieferbar waren; beide jeweils mit Bedienung am Lenkrad.

Als einziger Motor fand man den später nicht mehr lieferbaren „352 Thunderbird“ (5,8 Liter) mit 250 SAE-PS aufgelistet. Die Karosserie war als viertüriger Sedan mit Dachpfosten ausgeführt, alle anderen Varianten fehlten. Die Ausstattung war komplett, und nur die Cruise-O-Matic sowie eine elektrische Frontsitzbank waren als Option zu haben. Hingegen gab es alle 15 Aussenfarben und sechs Innenfarben. Die Zweifarblackierung wurde nicht erwähnt.

Im AR-Katalog von 1965 hingegen sind hingegen noch zwei weitere Motoren und die Cabriolet-Variante für Schweizer Kunden erwähnt. Als Basis fungierte der 289er 4,7 Liter-V8 mit 203 SAE-PS. Die Top-Motorisierung stellte der 390er 6,4 Liter-V8 mit 300 SAE-PS dar.

Der Sedan stand mit 20’650, das Cabriolet mit 24’900 Franken in der Preisliste - beide mit dem mittleren 5,8 Liter-Motor. Der stärkste Antrieb kostete 500 Franken Aufpreis. Zum Vergleich: ein Mercedes 300 SE Automatik lag bei 32’300 Franken, das Cabriolet gar bei 48’000 Franken.


Ford Galaxie Cabriolet (1965) - klare, rechteckige Linienfühurng mit feinem stilistischen Gefühl - so schrieben die Ford-PR-Leute, 24'900 Franken in der Schweiz
Archiv Automobil Revue

Erfolgreich gegen Chevy

Insbesondere im Dauerwettkampf gegen Chevrolet hatte Ford enormen Erfolg mit seinen Fairlane- und Galaxie-Modellen. 1961 und 1966 war Ford Marktführer in den USA. Im Jahr 1965 überschritt man erstmals die 2-Millionen-Produktionsmarke. Da gab es allerdings schon den Mustang. Den grossen Modellen hat dieses Ponycar jedoch nie geschadet. Im Gegenteil: die „Grossen Drei“ (GM, Chrysler, Ford) hielten trotz Ölkrise noch weit in die siebziger Jahre hinein an ihren Fullsize-Modellen fest und verschliefen das rechtzeitige Downsizing.

Für Emily käme ein Mustang übrigens niemals in die Garage: „Schliesslich war mein Galaxie auch ein ausgewachsener Hengst, kein Pony. Der würde sich im Grabe umdrehen, wenn ich ihn durch einen Kleinwagen ersetzen würde!“ Und so rauscht sie mit dem glänzenden Ford Galaxie dem Sonnenuntergang entgegen.

Weitere Informationen

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Quelle:
von ni******
29.09.2020 (08:30)
Antworten
Ab 1965 machte Ford Werbung für den Galaxy 500 mit dem Slogan "Quiter than a Rolls Royce". Dazu reisten sie mit dem Wagen auch nach Europa und besuchten gutbetuchte Leute mit eben einem RR oder Mercedes 600 und liessen sie die Autos vergleichen. Gibt schöne Werbeprospekte von dazumal.
Ich fuhr mal einen Crown Victoria Mietwagen in den 1990'ern und es war ein extrem leises Fahrzeug (4.6lt. V8).

Leise zu sein war der Luxus, so leise wie möglich. Im Gegensatz zu heute mit künstlich erzeugtem Aufpussgeknalle.
von ma******
15.12.2014 (15:07)
Antworten
meine frau und ich hatten in den 70ern auch einen galaxy 500, natürlich gebraucht, mit fließheck.
super gefährt, bis auf den verbrauch (bis zu 26 Liter)
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