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Ford Fairlane Sunliner – Swingin' down the lane

Erstellt im Jahr 2021
, Leselänge 6min
Text:
Paul Krüger
Fotos:
Bruno von Rotz 
31
Archiv 
6

Der erste Sunliner erschien zum Modelljahr 1952 als offene Spielart des Ford Crestline. Natürlich hatte es bereits davor schon Cabriolets in Fords offiziellem Verkaufsprogramm gegeben, doch trugen sie bis dahin alle nur den pragmatischen Namenszusatz "Convertible" hinter ihrer teils recht ausschweifenden Modellbezeichnung. Erst mit dem Wechsel von den 1949 vorgestellten, pontonförmigen "Shoebox"-Modellen zur neuen Trapezlinie erhielten die offenen Fords jenen wohlklingenden Namen, der etwas mehr Urlaubsgefühl vermittelte, als die blosse Information, dass das Auto "wandelbar" sei. Beinahe selbstverständlich, dass die repräsentativste Carosserieform der nobelsten Modellreihe im Ford-Programm, dem Crestline, vorbehalten blieb. Der mittlere Customline sowie der nackte Mainline, die sich zwar die Karosserie mit dem Topmodell teilten, aber weniger Zierrat trugen, blieben geschlossen.

Der Vorgänger Ford Crestline Sunliner auf dem Genfer Salon 1954
Archiv Automobil Revue

Des Fairlanes neue Kleider

Im Oktober 1954, zum Modelljahr 1955, löste der Fairlane den Crestline ab. Gleichzeitig erhielten die Fords, nachdem die vorherigen zwei Modellwechsel nur zaghafte Facelifts gewesen waren, völlig neue Karosserien aus der Feder von Franklin Q. Hershey. Die angedeuteten hinteren Kotflügel verschwanden nun in einer völlig glatten Fahrzeugflanke, gleichzeitig wuchsen über den Rückleuchten erste zaghafte Heckflossen empor. An der Fahrzeugfront ersetzte Frank Hershey die dicke Chromleiste mit mittiger "Bulletnose" durch ein feinmaschiges Kühlergitter. Um ihn stärker vom mittleren Customline abzuheben, erhielt der Fairlane eine breitere seitliche Zierleiste, die sich nach einem kurzen Abschwung und einem Knick auf der vorderen Tür über die Kotflügel und zur Oberseite der Scheinwerfer emporschwang. Der Mainline musste als billiges Einstiegsmodell auf jeglichen Flankenschmuck verzichten.

Schlichte Opulenz: der 1955er Ford Fairlane Town Sedan
Archiv Automobil Revue

Auf V folgt Y

Bereits ein Jahr zuvor hatte Ford den bewährten, aber mittlerweile veralteten Flathead-V8 zugunsten eines modernen ohv-Achtzylinders in Rente geschickt. Wegen seines charakteristischen, weit nach unten ragenden Kurbelgehäuses und des daraus resultierenden Y-förmigen Querschnitts erhielt er schnell den Spitznamen Y-Block. Sogar Ford selbst sprach in der Werbung und in seinen Prospekten vom "Y8" satt vom "V8", um den Neuen auch namentlich klar vom Alten abzugrenzen. Schließlich war in den USA seit 1932 der Begriff "Ford V8" fast ein Synonym für "Flathead". Die Basis-Version des neuen Y8 (U-Code) holte aus 4,5 Litern Hubraum 164 PS bei 4400 Umdrehungen pro Minute. Mit "Power Pack", bestehend aus Vierfach-Vergaser und Doppelauspuff, wurde aus ihm der 184 PS starke M-Code. Die stärkste Ausführung für 1955 war der 4,8-Liter-"Thunderbird Special", der in Kombination mit Automatikgetriebe 200 PS leistete.

Der 1954 eingeführte ohv-V8, hier in der 1955er Basis-Ausführung mit 164 PS
Archiv Automobil Revue

Die restliche Technik entsprach der amerikanischen Standardbauwesie jener Jahre. Die Carosserie ruhte auf einem mächtigen Kastenrahmen, die Vorderräder wurden von doppelten Querlenkern geführt und von Schraubenfedern gefedert, die starre Hinterachse hing an Längsblattfedern.

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Kleine Modellpflege für 1956

Zum Modelljahr 1956 änderte sich optisch wenig. Die kreisrunden vorderen Blinker wurden flach und oval, die Quadrate des Kühlergitters verwandelten sich in breite Rechtecke. Der Falz der seitlichen Fairlane-Zierleiste wanderte ein Stück weiter nach hinten und war nun etwas "schnittiger" geraten, die Customline-Zierleiste hatte fortan einen kleinen Hüftknick und der Mainline jetzt erstmals überhaupt einen Hauch von Chromschmuck auf den hinteren Seitenteilen. Im Cockpit ersetzten sportliche Rundinstrumente das bisherige halbrunde Kombiinstrument; dem Lenkrad wuchs eine zusätzliche Speiche.

Dieses zeitgenössische Pressebild zeigt die schlichte Eleganz des Sunliner ohne "Bumper Guards" und verchromten "Rocker Panel Trim" auf den Schwellern.
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Viel wichtiger als die optischen Retuschen war jedoch, dass 1956 erstmals alle Ford-Modelle serienmäßig mit dem Y8 ausgestattet waren. Nur der Schnelllieferwagen namens Courier musste sich mit dem 3,6-Liter-"Mileage-Maker"-Sechszylinder begnügen. Kurios ist indes, dass der von Ford konsequenterweise als I6 bezeichnete Reihensechser gegen Minderpreis trotzdem für alle anderen Modelle lieferbar blieb. Sogar der opulente Fairlane Sunliner konnte von einer Frischluft-liebenden, ansonsten aber knauserigen Klientel mit dem müden Sparmotor geordert werden – was freilich nur 275 Kunden taten. Alle anderen 57'872 Käufer eines Sunliner wollten auf den Achtzylinder nicht verzichten.

Das Fotoauto trägt die originale Farbkombination Diamantblau oben, Bermudablau unten.
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der war nun in seiner schwächsten Ausbaustufe auf 175 PS erstarkt. Der letztjährige Thunderbird Special war zum ordinären "Thunderbird" degradiert worden und die Einstiegs-Motorisierung im Fairlane. Der neue "Thunderbird Special Y-8" maß nun 5,1 Liter und brachte es auf 218 PS. In Kombination mit dem Dreigang-Automatikgetriebe "Fordomatic" kam er dank auf 9:1 erhöhter Verdichtung zu 228 PS bei 4600 Umdrehungen. Weniger wichtig, aber dennoch erwähnenswert: ab 1956 hatten alle Ford-USA-Modelle (auch der Courier) 12-Volt-Elektrik.

Die Top-Drei im Ford-Programm

Der Fairlane Sunliner gehörte mit einem Basispreis von 2870 Dollar zu den teuersten Sechssitzern im 1956er Ford-Programm. Nur das Nobel-Coupé Crown Victoria in der "Skyliner"-Ausführung mit Plexiglas-Dach ($2914) und der Luxuskombi Parklane ($2950), der dem erfolglosen Chevrolet Nomad genauso erfolglos Konkurrenz machte, waren noch teurer. Freilich ließ sich der Preis mit Automatikgetriebe ($192), Weißwandreifen ($50), Servolenkung ($77), Radio ($115) und Zweifarblackierung ($45) noch mächtig in die Höhe treiben. Und wer die "Factory Options", nicht aber seinen finanziellen Mittel ausgeschöpft hatte, konnte seinen Ford mittels der "Dealer Installed Options" noch weiter individualisieren. Erstaunlich in Anbetracht der Tatsache, dass selbst Außenspiegel Aufpreis kosteten, ist das serienmäßige elektrohydraulische Verdeck des Sunliner. Für den kleinen Durchzug zwischendurch kann auch nur die Heckscheibe mit einem Reißverschluss geöffnet werden.

Unpraktisch: die Kombination aus "Sports Wheel Carrier", "Bumper Wing Guards" und "Deck Guard" macht den Kofferraum quasi unzugänglich.
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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Fahren mit dem Sunliner

Hinter dem Steuer bietet der diamantblau und bermudablau lackierte Ford keine Überraschungen, und wer keinen Lotus Elan erwartet, wird auch nicht enttäuscht. Ja, die Lenkung ist vage, ja, die Dämpfung ist lasch, aber schlecht ist das in keiner Weise. So unaufgeregt und entspannt fährt es sich in keinem europäischen Auto. Nichts am Fairlane erfordert viel Kraft, schließlich musste einst auch die zierlichste Hausfrau mit ihm zurechtkommen. Höchstens die Augen werden etwas stärker gefordert, da sie sich an so viel helles Blau am Armaturenbrett erst gewöhnen müssen.

Offiziell als Sechssitzer beworben und zugelassen, suggeriert das Muster der Polsterung nur vier Plätze.
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Fordomatic arbeitet unauffällig im Hintergrund, Schaltvorgänge sind kaum spürbar. Damit ist DER Schaltvorgang gemeint. Der eine bei etwa 50 Kilometern pro Stunde, wenn der Ford von der zweiten in die dritte Fahrstufe wechselt. Hat man es nicht eilig, fährt der Fairlane nämlich im zweiten Gang an, und der Drehmomentwandler erledigt den Rest. Muss man dem Nebenmann an der Ampel aber doch einmal zeigen, wozu der "Thunderbird Special Y-8" fähig ist, dann – und nur dann – lässt er im ersten Gang die Diagonalreifen wimmern. Und obwohl mindestens ein Viertel der Leistung im Wandler verloren geht, ist der Schub für ein 65 Jahre altes 1,8-Tonnen-Schiff nicht schlecht. Erst bei 175 km/h haben die 228 Pferde das Nachsehen gegen den Luftwiderstand – freilich bei heute nicht mehr ganz zeitgemässer Strassenlage. Den Fairlane Skyliner geniesst man am besten bei der Hälfte dieses Tempos. Dann bleibt auch der Benzindurst im Rahmen, das Auto brav in der Spur und die Frisur intakt. Und man kann auch noch Frank Sinatra mit "Swingin' down the lane" aus dem Radio trällern hören ...

Senkrecht steht die Nadel nach genau zehn Sekunden. Ist die Gerade lang genug, klettert sie bis auf 109 mph (175 km/h)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nur noch die zweite Geige

Ein Jahr später verlor der Sunliner dann seine Einzigartigkeit im Ford-Programm. Der Skyliner, seit 1954 die Glasdach-Version des "Victoria" genannten Hard-Top-Coupés, lernte sein Blechdach im Kofferraum verschwinden zu lassen und stahl dem Sunliner die Cabrio-Show. Die Begeisterung des Publikums war groß, die Anfälligkeit der Mechanik auch. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Ford mit dem heißen Blechdach, der 1957er Fairlane 500 Skyliner, auf der New York Autoshow im November 1956
Archiv Automobil Revue

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