Fina Sport Convertible - elegantes Einzelstück als italienisch-amerikanischer Hybrid

Erstellt am 3. August 2018
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
1
Bonhams 
15

Es gab eine Zeit, da konnte ein Mann mit Initiative und Flair noch seine eigene Automarke starten, ohne gleich Millionen an Startkapital dafür zu benötigen. Und wenn dieser Mann noch italienische Wurzeln hatte, dann entstanden oft elegante und auch schnelle Fahrzeuge.


Fina Sport Convertible (1956) - amerikanische Stylingtendenzen
Copyright / Fotograf: Bonhams

Ein Beispiel dafür ist der Fina Sport, von dem gerade einmal drei Exemplare gebaut wurden. Dahinter stand Perry Fina, ein Italo-Amerikaner mit grossem Mechanikverständnis und reichen Kunden.

Mechanik als Herzensangelegenheit

Perry Fina wurde im April 1892 in New York als Sohn italienischer Immigranten geboren. Bereits 1902 fuhr er mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder Fil nach Italien, um dort eine Mechanikerausbildung zu beginnen, die aus ihm in neun Jahren u.a. bei Fiat und Isotta Fraschini einen erfahrenen Techniker mit breitem Wissen machte. Zurück in den USA stellte er schon bald mit seinem Bruder in Saratoga eine Werkstatt auf die Beine, die sich vor allem auf ausländische Autos spezialisierte.

1928 zog es Perry, inzwischen verheiratet und Vater von vier Kindern, zurück nach New York, wo er an der West 54. Strasse eine Garage eröffnete, in der reiche Fahrzeugbesitzer exotischer Autos gerne um Rat suchten.

Perry begann auch schon bald europäische Autos zu importieren und er wurde einer der erster Allard-Vetriebspartner. Nicht nur bauten er und seine gut ausgebildeten Mechaniker die Wagen zusammen, oftmals wurden sie auch verbessert und optimiert.

Auspuff mit Klappe

Perry Fina entwickelte eigene Anbauteile für seine Kundschaft, so etwa Einlasskrümmer, um Motoren mit Einfachvergasern auf die Nutzung von zwei oder vier Vergasern umzubauen. Auch Auspuffanlagen konzipierte Perry und er erhielt sogar ein Patent für seinen “Valve Controlled Muffler with a Plurality of Through Passages”, im Prinzip einen Vorläufer der heutigen Klappenauspuffsysteme.

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Reiche Kunden, hohe Ansprüche

Fina und sein Sohn Joe, der inzwischen zum Familiengeschäft dazugestossen war, bedienten viele reiche Kunden und erkannten, dass manche von ihnen mit der komplexen Technik exotischer europäischer Sportwagen überfordert waren. Gewünscht waren zwar extravagantes Styling und eine aufsehenerregende Erscheinung, nicht aber Pannen und technische Schwierigkeiten. Also entschied sich Perry Fina, einen Sportwagen mit zuverlässiger amerikanischer Technik und italienischem Karosseriekleid zu bauen.

Ein praktischer Supersportwagen

Perry griff auf ein Chassis aus der aktuellen Ford-Palette zurück, samt Einzelradaufhängungen vorne und Starrachse hinten. Und er kombinierte es mit dem Cadillac V8, dem die Fina-Mechaniker 300 PS entlockten. Das Schalten überliess man einer Cadillac Hydromatic.


Auch dieser Fiat 8V wurde bei Vignale karossiert - die Linien ähnelt dem Fina Sport Coupés stark
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Für das Karosseriekleid griff man auf die italienische Firma Vignale in Turin zurück, eine Firma, die bereits mit eleganten Coupés auf der Basis des Fiat 8V für Aufsehen gesorgt hatte.

Zuerst ein Coupé

Nicht unähnlich zu den Spezialkarosserien für den Fiat Otto Vu hämmerten die Blechkünstler von Vignale einen Aluminiumblech-Aufbau für das Chassis mit 292 cm Radstand. Das Coupé wirkte elegant und wertvoll.

Prospekt für das Fina Sport Coupé von 1954

Es wurde sogleich an der World Motor Sports Show im Madison Square Garden in New York präsentiert und gewann prompt den “Grand Prix” in der Individual-Sportwagen-Klasse. USD 14’000 wurden als Preis genannt. Was heute als günstig erscheint, entsprach damals etwa siebenfachen Wert eines amerikanischen Durchschnittsautos. Ob das Coupé je verkauft wurde, ist nicht überliefert.

Dann das Cabriolet

Dem Coupé folgten zwei Cabriolets, je eines im Jahr 1955 und 1956. Die Linienführung des Cabriolets unterschied sich stark von jener des Coupés. Der Wagen wirkte deutlich amerikanischer, wies auffällige seitliche Ornamente auf und stand auf vornehmen Borrani-Rädern. Mit einer Panorama-Windschutzscheibe und einem hinten integrierten, aber sichtbaren Reserverad erinnerte das Cabriolet ein wenig an den Ford Thunderbird (mit Continental Kit), aber auch an den Hudson Italia.


Fina Sport Convertible (1956) - mit am Heck angebrachten Reserverad
Copyright / Fotograf: Bonhams

Der Fina Sport Convertible hatte erneut einen Cadilac-V8 unter der Motorhaube und war mit allem erdenklichen Luxus ausgerüstet, den es zu jener Zeit zu kaufen gab. Die Dämpfer konnten von innen verstellt werden, ein Radio war genauso vorhanden wie komplett einstellbare Sitze. Das Lenkrad kam von Nardi und war aus Aluminium und Mahagoniholz gefertigt.

Rund 120 Meilen pro Stunde, also über 190 km/h schnell soll der Fina Sport gewesen sein. Ausprobiert wurde dies wohl nie.


Fina Sport Convertible (1956) - eine interessante Lösung - ob die Nische wirklich für Weinflaschen gedacht war?
Copyright / Fotograf: Bonhams

In der Mitte des Armaturenbretts war ein kreisrunder Schacht eingelassen, in dem eine italienische Weinflasche perfekt Platz fand. Andere Zeiten, andere Anforderungen!

Das Cabriolet gewann übrigens im Jahr 1956 den Hauptpreis bei Concours d’Elégance im Philadelphia Autorama.

Fina Sport Convertible in der AR 1955

In Europa nahm kaum jemand Notiz von den Autos Perry Finas. Einzig die Automobil Revue erwähnte das Cabriolet in einem Artikel zur “italienischen Karosseriemode 1955”.

Ein eigenständiges Auto

Es entstanden vermutlich zwei Cabriolets, beide sollen überlebt haben, aber nur eines wurde in den letzten Jahren komplett restauriert, nachdem es im neuen Jahrtausend auf eBay aufgetaucht war.

Fina Sport auf eBay

Tausende von Stunden und ein gehöriges Mass an Nachforschungen waren nötig, um den Wagen in den heutigen Zustand zu versetzen.
Der Fina Sport Convertible von 1956 mit Chassis 7543 wird am 24. August 2018 von Bonhams an der Quail-Lodge-Versteigerung angeboten, der Schätzpreis wurde bei USD 750’000 bis 900’000 angesetzt.


Fina Sport Convertible (1956) - motiviert zum Einsteigen und Losfahren
Copyright / Fotograf: Bonhams

Mit Ausnahme des Hershey Concours wurde der im Jahr 2018 fertiggestellte Fina noch nirgends gezeigt, hier bietet sich also eine interessante Chance, ein weitgehend einmaliges Fahrzeug durch die Schönheitskonkurrenzen der Welt zu führen.


Fina Sport Convertible (1956) - amerikanische Motorentechnik von Cadillac unter der Haube
Copyright / Fotograf: Bonhams

Perry Fina starb im Jahr 1970, sein Sohn Joe führte den Betrieb noch eine Weile weiter, bevor er aufgab und eine Anstellung als Techniker in einer Schule annahm. 1999 verschied auch Joe Fina, der aber sein Wissen und viele Erinnerungsstücke noch an den Oldtimer-Enthusiasten David Reed weitergegeben hatte, so dass man heute wenigstens noch ein bisschen Etwas von der Geschichte dieser besonderen Autos weiss.

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