Döttinger Höhe - Über den Hotelier Retterath und seine berühmte Tankstelle am Nürburgring

Erstellt am 13. Oktober 2016
, Leselänge 15min
Text:
Rainer Braun
Fotos:
Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun 
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Unser Bericht stammt aus dem 3. Band von 2009 der beliebten Buchreihe “Hallo Fahrerlager“ von Rainer Braun.

Wenn Hans-Joachim Retterath ausnahmsweise mal keinen Stress hat, guter Laune ist und am Tresen die richtigen Leute stehen, erzählt er gerne eine Geschichte aus meinen frühen Journalistentagen: „Der Braun war früher für uns fast eine Geschäftsschädigung, weil er unsere Telefonleitung immer quälend lange blockiert hat. Mein Vater war so gutherzig und hat ihm einmal erlaubt, seinen Rennbericht an die Sportagentur ‚sid’ durchzugeben. Seitdem stand der Kerl an fast allen Rennsonntagen abends auf der Matte und telefonierte bis zu einer dreiviertel Stunde. Das Schlimmste war aber, dass wir daran noch nicht mal was verdient haben. Der Schlaubeutel hat nämlich nur eine Einheit für den Lockruf bezahlt und ließ sich dann unter unserer Nummer zurückrufen. Damals konnte mal ja mit Telefoneinheiten noch richtig Geld machen. Und getankt oder was verzehrt hat er übrigens auch nicht.“


Bild mit Symbolcharakter....Retterath als Helfer in der Not
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Damals heißt in diesem Fall Mitte der 60er-Jahre. Die Tankstelle an der „Döttinger Höhe“ war für mich der ideale Ort, um im Zuge der Heimreise über die B 258 vom Nürburgring noch schnell den Rennbericht abzusetzen. Das Verlesen des handgeschriebenen Manuskripts plus umfangreicher Ergebnisse geriet allerdings öfter ins Stocken, weil die stenografierende Aufnahme-Dame sich komplizierte Namen ausländischer Fahrer grundsätzlich buchstabieren ließ. Das konnte sich schon hinziehen, vor allem bei den Resultatslisten. Meister Retterath, heute 58, war um diese Zeit etwa 14 oder 15 Jahre jung und ging dem Vater an der Tankstelle und in der Gaststube schon eifrig zur Hand. Dass meine Besuche bei den beiden keine Begeisterung auslösten, habe ich zwar registriert, aber es musste einfach sein. Denn bei Herrn Daniels in Nürburg, Wirt der Gaststätte „Zur Burg“, durfte ich mich aus gleichem Anlass schon gar nicht mehr sehen lassen. Und vor dem einzigen Telefon am Postschalter im Untergeschoss des Sporthotels stand regelmäßig eine Schlange von 20 bis 30 fluchenden Kollegen …

Ecclestone zahlte immer das Doppelte

Nicht nur die Episode über die wenig einträgliche Dauer-Telefonie vermag Hans-Joachim Retterath noch heute erstaunlich detailgenau zu schildern. Auch sonst weiß der Mann alles, was sich in den letzten 50 Jahren rund um den Ring ereignet hat. Der Flurfunk funktioniert hier prima, schließlich trifft sich im Schankraum des Restaurants „Döttinger Höhe“ regelmäßig eine Gruppe bestens informierter Kenner der Region.

Da bleibt „Retti“, wie ihn seine Frau und Freunde liebevoll nennen, nichts, aber auch gar nichts verborgen. Diesbezüglich hat er viel mit dem im August 2004 verstorbenen Eifel-Original Luki Scheuer gemeinsam – natürlich waren die beiden gute Freunde und haben ständig die Köpfe zusammengesteckt.


Küchenchef mit seiner berühmten racing-Schürze pendelt er zwischen Kochtopf und theke
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Der Familienbetrieb Retterath ist schon so alt wie der Nürburgring. Am Anfang gibt es 1927 nur die rustikale Kneipe, zwei Jahre später kommt die Tankstelle dazu. 1978 schließlich folgt der Hotelbetrieb. Das Unternehmen führt Retterath mit seiner Frau Annette und ein paar Angestellten jetzt bereits in dritter Generation. Schon als 21-Jähriger hat er 1972 die Leitung der Tankstelle vom Vater übernommen.

Mit gesundem Geschäftssinn gesegnet, macht sich der Junior-Chef bald an den Ausbau des Anwesens. Die Gaststube wird vom Tankstellenbereich abgetrennt und nach Fertigstellung des Anbaus als modernes Restaurant ins neue Hotel integriert. Den Kochlöffel schwingt er selbst, schließlich hat der Mann den ehrbaren Beruf des Kochs erlernt und obendrein auch noch eine Ausbildung als Kellner.


Vater Retterath mit Wachhund
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Aus der einfachen Pension mit ein paar Zimmern wird ein kleines, aber feines Hotel, das nach der Eröffnung 1978 schnell seine Stammgäste findet. Rennfahrer, Industrieleute oder auch ganze Teams sorgen dafür, dass an den Renn-Wochenenden alle Betten belegt sind. Dafür ist unter der Woche weniger los, weshalb dann auch das Restaurant geschlossen bleibt „denn das lohnt sich nicht, für die paar Leutchen die Küche anzuwerfen.“ Aber wenn die Bude an den Renntagen voll ist, dann bindet sich Retti die Kochschürze mit Zielflaggen-Musterung um und ist kaum noch ansprechbar. Drinnen in der blitzsauberen Küche gibt er im Verbund mit seiner Frau Vollgas. „Annette kocht zwar besser, aber ich dafür schneller. Die Essen müssen ja zügig auf die Tische.“

Im Gästebuch hat sich eine ganze Hundertschaft von prominenten Motorsportlern verewigt. Die einen loben die Kochkunst, andere bedanken sich für erholsamen Schlaf im kuscheligen Bett. Kurt Ahrens, Ari Vatanen, Jacky Ickx oder die Jung-Rennfahrer Alain Prost, Marc Surer, Thierry Boutsen und Emanuele Pirro gehören genauso zur Kundschaft wie die BMW Formel-2-Werksmannschaft oder Frank Williams mit Keke Rosberg. Leider sind auch gute und langjährige Freunde des Hauses tödlich verunglückt. Wie etwa Manfred Winkelhock oder die Berliner Alfa-Größe Herbert Schultze. „Herbert wohnte seit 1957 bis zu seinem fatalen Unfall in der letzten Runde des Sechs-Stunden-Rennens 1970 immer bei uns und hatte schon mit meinem Vater ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Sein Tod war für uns alle damals ein großes Drama.“


Gästebuch Pirro
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Von Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone weiß Retterath erfreut zu berichten, „dass der immer das Doppelte von dem gegeben hat, was auf der Rechnung stand“. Die Promi-Dichte hat allerdings inzwischen deutlich abgenommen, dafür kommen heutzutage mehr Fans und Privatleute. „Aber die Männer vom Bilstein-Renndienst sind noch immer bei uns, und das schon von Anfang an“, freut sich der Hotelier über so viel Treue.

Ein Aston Martin für 3900 €

Hotelier, Koch, Schankwirt, Kellner, Tankstellenbetreiber, Modellauto-Experte, Fanartikel- und Ticket-Verkäufer in Personalunion – so könnte man den Multi-Mann und Unruhegeist Hans-Joachim Retterath heute beschreiben. Mit dem Nürburgring ist er fest verwurzelt, sogar das Licht der Welt hat er 1951 im Anwesen der Eltern an der B 258 erblickt – genau gegenüber der schnellsten Ring-Passage „Döttinger Höhe“. Hier donnern die Rennautos tagsüber nahezu pausenlos mit absoluter Höchstgeschwindigkeit vorbei, unter der Woche Testfahrer und mutige Touristen, an den Wochenenden die Profis und Hobby-Racer. Spitzenwerte von annähernd 300 km/h sind da keine Seltenheit.

Den Lärmpegel registriert er schon längst nicht mehr, zumal auch rund um die Tankstelle ständig Radau ist. Schicke Sportwagen, teure Exoten und schwere Motorräder aus aller Herren Länder fahren blubbernd vor und kreischend wieder ab. Das Gedränge an den Zapfsäulen nimmt phasenweise chaotische Züge an, der angrenzende Parkplatz ebenfalls brechend voll. Einmal Pinkeln kostet 50 Cent.


in den Vitrinen findet sich fast jedes berühmte Rennauto
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Die Kundschaft kommt aus ganz Europa, manchmal sogar aus Übersee. „An den heißen Renn-Wochenenden registrieren wir an der Tankstelle und im Shop oft bis zu 3000 Autos und Motorräder, an normalen Sonntagen um die 1000. Unter der Woche sackt der Zulauf dramatisch ab und im Winter landen wir fast bei Null."

Nicht alle wollen tanken, viele steuern im hinteren Teil des Kassenraums direkt den Fan-Shop mit den Sonderbereichen Modellautos oder Motorsport-Bücher an. Was es hier zu sehen und zu kaufen gibt, verzückt Fans und Freaks. Neben einigen hundert Buch-Titeln hat Retterath etwa 3000 verschiedene Modelle im Angebot, fast alle vom Marktführer Minichamps. Große und kleine Schätze, fein säuberlich in Batterien von Glas-Vitrinen aufgereiht, dokumentieren 50 Jahre Rennsport. Formel 1 und Formel 2, Sport-, GT- und Tourenwagen. Ab 20 € aufwärts warten die kleinsten Flitzer im Maßstab 1:87 auf ihre neuen Besitzer.

Wohlhabende Sammler richten ihre Blicke eher gezielt in Richtung der größeren und entsprechend teuren Stücke. Spitzenreiter ist ein GT1-Aston Martin im Maßstab 1:8 in Original-Lackierung wie 2008 in Le Mans am Start – für 3900 €. Der Jaguar D in British Racing Green, Le Mans-Siegerwagen von 1955 im Maßstab 1:12, ist für 499 € fast schon ein Schnäppchen. Und für ein Hightech-Lenkrad aus dem 2008er Formel-1-Ferrari müssen schlappe 1890 € hingeblättert werden. „Leider wird viel zu viel geklaut“, klagt Retterath, „obwohl ich alles gesichert habe und per Video überwachen lasse.“ Derzeit arbeitet er an einer Optimierung der Sicherheitssysteme, „denn den ganz raffinierten Tricksern muss ich unbedingt noch das Handwerk legen.“


Zu den teuersten Accessoires zählen ein Formel-1- Lenkrad
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Bei den Fans jedenfalls genießt Retteraths Modellauto-Angebot einen geradezu paradiesischen Ruf. So schreibt ein englischer Kunde in einem Internet-Forum: „That’s more than a Gas-Station, that’s heaven on earth.“ Auch ein Fan aus den USA meldet sich zu Wort: “I’m so glad, I found Jim Clarks Lotus 49 from 1967 ($ 300) and Dan Gurneys Eagle ($ 200) in 1:18-scale. What a nice place.” Und sogar der berühmte Buch-Autor Jacques Berndorf vermerkt schon 1997 in seinem Krimi-Bestseller „Eifel-Rallye“, dass man „bei Hans-Joachim Retterath an der B 258 die wahrscheinlich größte Sammlung von Modellautos findet – nur wissen das die meisten nicht.“

Es gibt wirklich fast nichts, was der Fan hier nicht findet. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Minichamps-Zentrale den erfolgreichen Außenposten an der Döttinger Höhe als „Händler des Jahres 2008“ ausgezeichnet hat. „Wir sind sehr stolz auf unsere Repräsentanz am Rande des Nürburgrings“, sagt Paul G. Lang, Chef der Minichamps-Manufaktur in Aachen, „wo sonst könnte unsere Kollektion berühmter Siegerwagen auch besser aufgehoben sein als am Ort großer Rennschlachten.“

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Als Fittipaldi vor der Haustür das Benzin ausging

Meister Retterath ist aber keineswegs nur gewiefter Geschäftsmann, sondern auch selbst Motorsport-Fan bis in die Haarspitzen. So stehen seine Hotelgäste staunend vor Zeichnungen, alten Plakaten oder einer Glaswand in der Gaststube – dahinter hat er seine private Modellauto-Kollektion akkurat aufgereiht. Und seit TV-Dienstleister WIGE die technischen Voraussetzungen für einen DVBT-Empfang im Radius von etwa 15 km rund um den Ring geschaffen und neben den 24 Stunden und der DTM neuerdings auch die Rennen des VLN-Langstrecken-Pokals eingespeist hat, hängt Retti mit einem Auge ständig vorm Fernseher. Überall im Haus hat er TV-Geräte platziert, damit er ja nichts verpasst – sogar in der Küche riskiert er zwischen dampfenden Töpfen einen schnellen Blick auf das, was gerade auf der Rennpiste vorgeht. Das gilt auch für die übrigen Sender-Angebote mit Formel 1, Tourenwagen-WM, MotoGP und was es sonst noch so alles gibt. „Ich bin ein unverbesserlicher Racefan, das wird man automatisch, wenn man hier neben der Rennstrecke aufwächst.“


Fitti betankt seinen Lotus mit Kanister von Retti 1972
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Natürlich hat er so manche unglaubliche Geschichte auf Lager, eine der besten ist sicher die über Emerson Fittipaldi. Der angehende Formel-1-Weltmeister testet 1972 einen Lotus auf der Nordschleife. Genau gegenüber der Tankstelle rollt der schwarze JPS-Lotus auf der langen Geraden ohne Benzin aus. Retterath hat den spuckenden Motor nebst anschließender Stille längst registriert.

Bewaffnet mit einem gefüllten Zehn-Liter-Kanister und Kamera, spurtet er über die Bundesstraße durchs dichte Buschwerk auf die Rennstrecke. Dankbar schreitet „Fitti“ zur Notbetankung und revanchiert sich anschließend mit einem Erinnerungsfoto, das einen mächtig stolzen Herrn Retterath am Lotus-Rennwagen zeigt. Bevor Fitti wieder einsteigt, lässt er noch geduldig einige Schnappschüsse über sich ergehen. Auf eines der Bilder von der Betankungsaktion schreibt Fitti bei einem späteren Treffen sogar noch eine persönliche Widmung. Immerhin ist Retti mit dieser Aktion weitaus erfolgreicher als bei jenen Versuchen, als Jugendlicher ohne Ausweis ins Fahrerlager zu gelangen. „Vorne hab’ ich mich reingeschmuggelt, und hinten haben mich die Ordner wieder rausgeschmissen.“

Die Angst vor dem Projekt “Nürburgring 2009”

„Wir leben und wir sterben mit dem Ring“, das sagen alle, die in der Region Hotels, Pensionen, Gaststätten oder andere Geschäfte betreiben. Das gilt natürlich auch für Retterath und seine Döttinger Höhe. „Als der Lauda 1976 verunglückt ist, wussten wir sofort, dass dies vorerst das Ende der Formel 1 für den Ring ist. Das war damals ein schwerer Schock für mich und alle anderen Geschäftsleute. Wir waren enttäuscht und hatten Existenzängste.“ Erst mit der Eröffnung der neuen Grand-Prix-Strecke im Mai 1984 ergaben sich neue Hoffnungen und Geschäftsfelder.

Retterath profitiert beispielsweise von der günstigen Lage seines Anwesens und beherbergt fortan die Akkreditierungsstelle für anreisende Journalisten. Weil die neue Parksituation keine Vorfahrt mehr an der alten Akkreditierungstelle im Haus A gegenüber der Hauptverwaltung zulässt, mieten sich die meisten Veranstalter gegen eine Kostenpauschale mit einem vorgelagertem Presse-Stützpunkt und Ticketausgabe für Journalisten in der Gaststube der Döttinger Höhe ein.


Ansicht Hotel Döttinger Höhe im neuen Jahrtausend (um 2008/9)
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Dieses Zubrot, seit 25 Jahren fest einkalkuliert, drohen schliesslich wegen neuen Umständen wegzufallen. Denn das gigantische Projekt „Nürburgring 2009“ beinhaltet auch ein großzügig gestaltetes „Welcome Center“. Überhaupt bereitet der radikalste, größte und teuerste Ausbau der Ring-Peripherie den Gastwirten im Umfeld mehr Angst als Freude, weil die Betreiber-GmbH jetzt nahezu alle gastronomischen Angebote und sonstige Dienstleistungen an sich ziehen und die Besucher gebündelt in Eigenregie bedienen wollen. Trotzdem wagt er die Vergrößerung seines Tankstellen- und Shop-Komplexes: „Wir rücken dem Kafitz um 11 Meter und 20 Zentimeter auf die Pelle.“ 

Während die einen den amtierenden Nürburgring-Direktor Dr. Walter Kafitz für das „völlig größenwahnsinnige“ Umbauprojekt heftig kritisieren, loben ihn andere dafür, dass es einige hundert neue Jobs rund um die pompöse Erlebniswelt und andere Einrichtungen gibt. „Man muss schon fair bleiben“, relativiert Retterath die allgemeine Pauschalkritik, „der Kafitz hat in seinen 15 Jahren hier am Ring keinen schlechten Job gemacht und mehr bewegt als jeder andere vor ihm. Das ist Fakt.“ Schließlich haben Vater und Sohn Retterath viele Nürburgring-Chefs kommen und gehen sehen. Nur wenige waren so beliebt wie beispielsweise Theo Koll oder Dr. Everhard Ludemann, von deren Stil und Menschlichkeit so mancher alte Ring-Kenner noch heute schwärmt. Dagegen fällen die Eifel-Meinungsmacher beispielsweise über Ludemann-Nachfolger Martin Urbanus (1974 – 1979) ein vernichtendes Urteil – ihm werden „gewöhnungsbedürftiges Auftreten, wenig Akzeptanz und noch weniger Ahnung vom Motorsport nachgesagt.“ Wehe, wenn sie dich da oben am Ring nicht mögen …

Anmerkung Redaktion (2016): Und meistens kommt es anders, als man denkt. Im Jahr 2016 ist die Döttinger Höhe jedenfalls immer noch der erste Anfahrtspunkt für akkredtierte Journalisten, zumindest am AvD Oldtimer Grand Prix.

Die Grossen wollen mich nicht

Wenn man Hans-Joachim Retterath nach seiner Lieblings-Veranstaltung fragt, muss er differenzieren. „Also, als Fan sehe ich persönlich am liebsten die zehn Rennen der VLN-Langstrecken-Meisterschaft – wegen des familiären Charakters und weil da die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist. Als Geschäftsmann schätze ich wegen des guten Publikums den Oldtimer-Grand-Prix sehr. Das Gegenstück dazu sind die 24 Stunden.“ Bei allen Veranstaltungen des Jahres ist eines freilich immer gleich – der Ansturm auf Shop und Tankstelle. Dass es hier keinen Treibstoff der großen Marken-Marktführer gibt, sondern den Sprit des freien Unternehmers „ED“ (Erich Dötsch, Andernach, 120 Tankstellen bundesweit), hat einen guten Grund. „Nachdem mir Esso 1986 wegen zu geringem Umsatz gekündigt hat, habe ich bei allen anderen Großen von Aral über Fina bis Shell nachgefragt und überall die gleiche Antwort bekommen – kein Interesse, zu wenig Umsatzerwartung. Da habe ich mich für ED entschieden und die sind sehr zufrieden mit meinen Zahlen. Demnächst erweitern wir unser Angebot sogar noch auf LPG-Gas.“


Trubel an der Tankstelle heutzutage
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Leerlauf und Langeweile sind für Hans-Joachim und Annette Retterath natürlich absolute Fremdwörter. Und damit’s um Himmels Willen nicht doch mal eine Stunde Freizeit gibt, hat auch die Chefin ihr ansehnliches Tagespensum. Wenn sie nicht in der Küche vor dampfenden Töpfen steht, werkelt sie mit ihrer Schwester Jutta in der gemeinsam geführten Werbe- und Design-Agentur „Twogether“.

Mit Blick auf den nicht mehr allzu weit entfernten 60. Geburtstag findet es Unruhegeist Retterath übrigens „sehr tröstlich, dass der Klaus Niedzwiedz dann auch so alt ist wie ich.“ Beide sind am 24. Februar 1951 geboren. „Und der Alain Prost hat auch mit mir Geburtstag, aber der ist noch 4 Jahre jünger.“ Ob die Döttinger Höhe irgendwann mal in vierter Generation weitergeführt wird, ist fraglich. Denn seinen 37-jährigen Sohn Oliver, der in Nürnberg lebt und als System-Administrator arbeitet, hält der Patron zwar für vieles geeignet, „aber leider nicht zum Bierzapfen.“

Diese Geschichte stammt aus Band 3 (2009) der dreiteiligen Buchreihe "Hallo Fahrerlager" von Rainer Braun. Derzeit sind noch Restbestände der Bände 1, 2 und 3 als Paket im Schuber verfügbar, solange der Vorrat reicht. Aktuell ist die Sonderedition „Hallo Fahrerlager Classic“ im Großformat mit 300 Seiten und vielen neuen Episoden im Handel. Weitere Infos dazu und Bestellungen auf der Website von “Hallo Fahrerlager” oder dem Racing-Webshop .

Weitere Beiträge von Rainer Braun sind im Themenkanal "Hallo Fahrerlager" zu finden.

 

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