Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Fiat Dino 2400 Coupé - Wiederauferstehung in Orange

Erstellt am 17. Juni 2016
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard 
129
Archiv 
39
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Fertig! So schön war der Fiat noch nie
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Dem Meister schwant es, das gibt noch viel Arbeit
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Karosserie musste umfassend saniert werden
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Dieses Blechteil war nicht mehr zu retten
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Alt und Neu!
Bild von Partner Württembergische

Es bereitet Arbeit, Mühen und Sorgen, wenn aus einem drittklassigen Gebrauchtwagen ein Juwel erster Güte werden soll, zumal wenn es sich dabei um einen Fiat Dino handelt, für den Ersatzteile rar und die werksseitige Rostvorsorge zweitrangig war.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Der frisch ausgebaute Motor
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Der frisch ausgebaute Motor

Vom Motor zum Auto

Um einen konkurrenzfähigen Motor für die Formel 2 homologieren zu können, musste Ferrari Mitte der Sechzigerjahren 500 gebaute Motoren nachweisen können. Für die kleine Edelschmiede war dies zuviel und so tat man sich mit Fiat zusammen, die durchaus Interesse an einem prestigeträchtigen Triebwerk zeigte.

Während Ferrari dann den Dino 206 GT (und später den 246 GT) mit zentral montiertem V6 entwickelte, konstruierte man bei Fiat je ein Coupé und einen Spider mit dem Motor vorne.

Zwei Varianten von zwei Designern

Auf dem Genfer Autosalon wurden Coupé und Cabriolet im März 1967 präsentiert und auf den ersten Blick hätte man kaum Gemeinsamkeiten erkennen können. Während der Spider bei Pininfarina entstand, der auch für ein abgewandeltes Coupé Entwürfe (und einen Prototyp) vorlegte, und ein kurviges Kleid erhielt, zeichnete Giorgetto Giugiaro bei Bertone eine betont schlichte Coupé-Karosserie, die aber sachlich viele Vorteile aufwies.

Bild Fiat Dino Coupé (1967) - Grosstourenwagen von hohem Prestige
Fiat Dino Coupé (1967) - Grosstourenwagen von hohem Prestige

So konnten auf der Rückbank, auch dank des gegenüber dem Spider 27 cm längeren Radstands, auch zwei erwachsene Personen untergebracht werden, was das Coupé zu einem echten Viersitzer machte.

Bild Fiat Dino Coupé (1968) - Platz für vier Personen
Fiat Dino Coupé (1968) - Platz für vier Personen

Das grosszügig verglaste Coupé wies auch einen grösseren Kofferraum auf als der Spider, war aber mit 4,51 Metern Länge und 17. Metern Breite immer noch ausreichend kompakt. Die aerodynamische Optimierung war Pininfarina beim Cabriolet allerdings etwas besser gelungen, erreichten doch die Stoffdach-Versionen höhere Endgeschwindigkeiten als das Coupé.

Bild Fiat Dino Coupé (1968) - Lenkrad und Armaturenbrett der Zweiliterversion
Fiat Dino Coupé (1968) - Lenkrad und Armaturenbrett der Zweiliterversion

Innen allerdings überzeugte die geschlossene Variante mit ihrem ausgeklügelten und wertigen Interieur deutlich mehr, was beim Spider denn auch früh zu einer Überarbeitung führte.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
Jaguar XJ-S pre H.E. Manual (1977)
Jaguar XJ-S pre H.E. Manual (1977)
Daimler Double Six 6.0 (1995)
Daimler Double Six 6.0 (1995)
Jaguar Mk VII (1953)
Jaguar Mk VII (1953)
Jaguar XK 140 OTS (1955)
Jaguar XK 140 OTS (1955)
062 754 19 29
Roggliswil, Schweiz

Nach zwei Jahren umfangreich überarbeitet

Während der ersten zwei Jahre wurden selbsttragend konstruierten Coupés und Spider von einem zwei Liter grossen Aluminium-Motor angetrieben, der aber bereits 1969 einer 2,4 Liter grossen Graugussblock-Variante weichen musste, die aber die 19 kg Mehrgewicht durch 20 Mehr-PS und ein deutlich gesteigertes Drehmoment (22 anstatt 17,5 mkg) problemlos überkompensierte.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1969) - mit dem grösseren Grauguss-Motor
Fiat Dino 2400 Coupé (1969) - mit dem grösseren Grauguss-Motor

Gleichzeitig mit dem Motorentausch wurden auch das Fiat-Fünfganggetriebe durch eine Konstruktion von ZF und die bisher starre Hinterachse durch die unabhängigen Einzelradaufhängungen aus dem Fiat 130 ersetzt.

An der Karosserie änderte sich beim Coupé nur wenig, das Design blieb zeitlos.

Bild Fiat Dino Coupé 2400 (1971) - 4,5 Meter lang
Fiat Dino Coupé 2400 (1971) - 4,5 Meter lang

Die Anpassungen führten insgesamt zu einer besseren Alltagstauglichkeit und mehr Komfort für die lange Reise.

Das Familien Coupé

“2+2 - aber fast ein echter Vierplätzer”, schrieb die Automobil Revue anlässlich eines Kurztests im Jahr 1970. 210 km/h Spitze erreichten die AR-Tester nach drei Kilometer Anlauf, den Sprint von 0 bis 100 km/h absolvierten sie mit dem 1410 kg schweren Coupé in 8,5 Sekunden. Als Wendekreis massen sie 12,5 Meter (der kürzere Spider benötigte einem Meter weniger), und als Verbrauch notierten sie durchschnittlich 17,4 Liter pro 100 km.

Die Schlussfolgerungen am Ende des Artikels zeigten, dass die Redakteure viel für das Coupé übrig hatten: “Wenn man den kleinen, im Kurztest festgestellten Mängeln kein allzu grosses Gewicht beimisst, sieht man sich im Fiat Dino 2400 einer der schönsten Verwirklichungen eines Gran Turismo hoher Leistung gegen über. Sicher im Fahrverhalten und schnell über grosse Distanzen, bietet er seinem Besitzer das Privileg der grossen Fahrfreude in der Ambience des Ferrari-Motordroms.”

Zu den “kleinen Mängeln” zählten eine vergleichsweise schwach dimensionierte Kupplung, eine schwergängige Lenkung und Abstimmungsmängel an der Vorderachse. Insgesamt schlug sich der in Italien 4,3 Millionen Lire (ungefähr 31’000 Franken) teure Wagen aber hervorragend, Paarung von Leidenschaft mit Vernunft war geglückt.

Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Raritäten

7803 Dinos liess Fiat bei Pininfarina und Bertone bauen, das Coupé war mit 6220 produzierten Einheiten deutlich populärer. Die 2,4-Liter-Variante wurde allerdings trotz längerer Bauzeit (1969 bis 1973) weniger häufig gefertigt, 2550 Mal landete der grosse V6 im Coupé.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Einer der schönsten Bertone-Würfe
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Einer der schönsten Bertone-Würfe

Kein schlechtes Auto

Das blaue Fiat-Coupé mit dem Stoffinterieur war kein schlechtes Auto, doch über 40 Jahre und viele Kilometer hatten ihre Spuren auf und unter dem eleganten Bertone-Kleid hinterlassen. Langfristig (und sicherlich nicht primär ökonomisch) denkend entschied der Besitzer, dass nur eine Komplettrestaurierung diesem schönen Auto gerecht wurde und ihm ein zweites Leben schenken konnte.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Karosserie musste umfassend saniert werden
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Karosserie musste umfassend saniert werden

Die Krux einer Restaurierung

Das Paradoxe an Totalrestaurierungen ist, dass der finanzielle Aufwand nur beschränkt vom Fahrzeug abhängig ist. Der manuelle Aufwand ist beispielsweise beim Fiat Dino Coupé ähnlich hoch wie bei einem Fiat Dino Spider und selbst ein Dino 246 GT wird nicht um Dimensionen mehr Arbiet geben. Die Wertnotierungen für diese Autos sind aber sehr unterschiedlich und jeder kaufmännisch denkende Besitzer würde von der kompletten Restaurierung eines Fiat Dino Coupés Abstand nehmen, zumal es nur etwa die Hälfte des Marktwerts des Spiders erreicht oder gar nur 10 bis 20% eines Dinos aus dem Hause Ferrari.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Sorgfältiger Zusammenbau der neu verkleideten Teile
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Sorgfältiger Zusammenbau der neu verkleideten Teile

Die Arbeitszeit der Spezialisten stellt den grössten finanziellen Brocken bei einer Wiedergeburt. Egal Fiat 124 oder Ferrari 250 GT, die Stunden gehen ins Geld. Natürlich sind auch Teile teuer und dies stimmt besonders für den Dino von Fiat, dessen Ersatzteile, sofern überhaupt verfügbar, vielfach auf Ferrari-Niveau gehandelt werden. Eine einzelne Nockenwelle notiert deutlich vierstellig und der Dino-Motor hat immerhin vier davon.

Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners

Wenn schon, dann schon

Der Dino 2400 wurde, wie die Bilder deutlich zeigen, in seine Einzelteile zerlegt, restauriert und wieder neu aufgebaut. Rund zwei Jahre nahm diese Totalrestauration in Anspruch. Das Fahrzeug befindet sich heute zur grossen Freude seines Besitzers in einem vermutlich weitaus besseren Zustand, als es die Werkshallen damals verlassen hatte.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - In diesem Interieur würde mancher gerne sitzen
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - In diesem Interieur würde mancher gerne sitzen

Über Kosten und Preise spricht niemand gerne, aber man kann versichert sein, dass für eine derart akribische Restaurierung fünfstellige Summen nicht ausreichen, zumal die Arbeit ja in einem Hochpreisland und mit grossem Qualitätsbewusstsein durchgeführt wurde.

Überzeugendes Ergebnis

Doch wenn sich der Besitzer in den neu auferstandenen orangen Sportwagen setzt, sind alle Sorgen und Ärgernisse vergessen. Besser dürfte sich kaum ein Coupé ab Werk angefühlt haben und schöner waren die Autos aus Turin sicherlich auch nicht.

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - unterwegs auf trockenen Landstrassen
Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - unterwegs auf trockenen Landstrassen

Und schliesslich hat dieses Fiat Dino 2400 Coupé nun eine faire Chance, die nächsten 50 Jahre ohne wesentliche weitere Eingriffe zu überleben, damit wären wir dann ungefähr im Jahr 2070 und kaum einer der heutigen Leser wird sich dann noch an diesen Bericht erinnern (können).

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Unterwegs auf kurvigen Landstrassen
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Dem Meister schwant es, das gibt noch viel Arbeit
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Karosserie musste umfassend saniert werden
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Dieses Blechteil war nicht mehr zu retten
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Alt und Neu!
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Das Interieur war vor der Restaurierung einigermassen komplett
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Alles da, aber halt nicht so, wie man es gerne hätte
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Komplett restauriertes Interieur
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Kardantunnel vor der Restaurierung
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Kardantunnel-Verkleidung vor der Restaurierung
Bild Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Interieur während der Restaurierung
Quelle:
Logo Quelle
Favicon
von is******
25.07.2021 (18:51)
Antworten
Was diese Autos haben ist ein absolut einzigartiges Motorgeräusch, der 2000 noch viel deutlicher, bin schon mehrmals mit 2400 gefahren und 1 x mit 2000 mitgefahren. Das vergisst man nicht mehr wenn man Benzin im Blut hat, ein 911 als S mit Vergaser vermittelt ähnliches.
Favicon
von St******
25.07.2021 (16:09)
Antworten
Besser als neu hat bei solchen Fahrzeugen eben immer auch seine Tücken. Beim Dino Coupé sind Motor- und Kofferraum mattschwarz lackiert. Ebenso die Seite unterhalb der Zierleiste. Auch das Interieur ist zwar schön, aber zu dick gepolstert. Das Auto ist wunderschön gemacht. Sieht einfach nicht ganz wie ein richtiges Dino Coupé aus. Bei diesem enormen Aufwand ist Originalität halt einfach zentral.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Bild Kooperations-Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebote unserer Partner
Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners
Bild Kooperations-Partner
Angebot eines Partners
Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Zwischengas auf allen Geräten
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!