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Fiat 128 rally - der Ampel-König

Erstellt am 10. Dezember 2016
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Fiat / FCA Group / Werk 
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Archiv 
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Fiat 128 rally (1974) - mit 3,89 Metern ein kompakter Wagen
Fiat 128 rally (1974) - die Zusatzscheinwerfer waren serinmässig
Fiat 128 rally (1974) - wirkt breiter, als er es mit 1,59 Meter eigentlich war
Fiat 128 rally (1974) - das Design der Rückleuchten erinnert an sportliche Fahreuge aus Maranello
Fiat 128 rally (1974) - wann haben Sie zum letzten Mal einen auf der Strasse gesehen?
Fiat 128 rally (1974) - der erste Fronttriebler von Fiat
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Franz war mächtig stolz. Er hatte sich gerade einen neuen Sportwagen, einen VW-Porsche, zugelegt und erzählte seinen Kollegen beim Treffen nach Arbeitsende von seinem Kauf. Peter zeigte sich wenig beeindruckt und meinte, dass er gegen ihn keine Chance habe im Ampelduell. Franz schlug wutentbrannt die Probe auf’s Exempel vor. Vor dieser Fiat 128 Limousine brauchte er sich mit seinem Sportwagen sicherlich nicht zu verstecken!

Und so sahen sich die beiden kurz darauf bei der nächsten Ampel Seite ein Seite in die Augen. Als die Ampel auf Grün schaltete, liess Franz die Kupplung los und sein Wagen hechtete nach vorn. Schon bald hatte er einige Meter Vorsprung, dann schaltete er in den zweiten Gang. In diesem Moment schob sich der Fiat nach vorne und erreichte die nächste Ampel vor ihm. Franz hatte verloren, gegen einen Fiat 128. Er konnte es kaum glauben, doch es gab eine einfache Erklärung. Peter musste auf der Strecke zwischen den beiden Ampeln nicht schalten, trieb den Motor im ersten Gang auf rund 8000 Umdrehungen. Das sparte wertvolle Sekundenbruchteile und verhinderte eine Zugkraftunterbrechung. Dass dies aber überhaupt möglich war, verdankte der Fiat seiner modernen Konstruktion. 

Bild Fiat 128 rally (1974) - relativ kurze Überhänge
Fiat 128 rally (1974) - relativ kurze Überhänge

Die Abkehr von der Standard-Bauweise

“Eine Generation erlischt, der 128 beginnt eine neue”, titelte die Automobil Revue am 3. April 1969 in der Ankündigung des neuen Fiat 128. Nur kurz nach der Vorstellung der Oberklassen-Limousine präsentierten die Turiner nun also einen Nachfolger für den Fiat 1100 R, der noch in Standard-Bauweise (Motor vorne, Antrieb hinten) gebaut worden war.

Bild Fiat 128 (1969) - Schnittmodell der kleinen Limousine - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1969
Fiat 128 (1969) - Schnittmodell der kleinen Limousine - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1969

Der Fiat 128 aber hatte den Motor vorne quer eingebaut und wies angetriebene Vorderräder auf. Es war dies nicht der erste derartige Wurf Dante Giacosas, aber die Konstruktion wurde dann als Autobianchi Primula auf den Markt gebracht.

Moderner Motor

Beim Motor handelte es sich um einen überaus modernen Wurf. Auf einen Gusseisen-Mototblock kam ein Zylinderkopf der genauso aus Leichtmetall bestand, wie die Kolben, die sich darunter bewegten. Die obenliegende und über einen Zahnriemen angetriebene Nockenwelle steuerte die hängenden Ventile. Mit 55,5 mm Hub und 80 mm Bohrung ergab sich für den Vierzylinder einen Hubraum von 1116 cm3. Dank der kurzhubigen Auslegung durften dem Motörchen, das zudem über eine fünffach gelagerte Kurbelwelle aufwies, hohe Drehzahlen zugemutet werden. Mit 8,8:1 war die Verdichtung vergleichsweise hoch.

Bild Fiat 128 rally (1974) - der Motor ist quer und geneigt eingebaut, das Reserverad sitzt platzsparend darüber
Fiat 128 rally (1974) - der Motor ist quer und geneigt eingebaut, das Reserverad sitzt platzsparend darüber

Der Motor wurde quer und um 20 Grad geneigt eingebaut, so dass gleichzeitig die Höhe der Motorhaube, aber auch die Zugänglichkeit der Vorderradaufhängungen optimiert werden konnte. 55 PS leistete der mit einem Fallstromvergaser ausgerüstete Motor bei 6000 Umdrehungen.
Gekoppelt wurde er an ein Vierganggetriebe mit vom Motor getrennt ausgeführter Schmierung.

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Schlichte Karosserie

Über die moderne Technik setzte man eine ausserordentlich schlichte, aber überaus zweckmässige Karosserie. Gerade Linien, wenig Rundungen, grosse Fensterflächen und ein klassischer dreivolumiger Aufbau ergaben einen zwar gefälligen, aber wenig extravaganten Aufbau.
Darin befand sich ein überdurchschnittlich geräumiger Innenraum, bei dem auch viel Gewicht auf passive Sicherheit gelegt wurde (u.a. gepolsterte Verkleidungen, keine vorstehenden Teile, geteilte Lenksäule für die Zahnstangenlenkung). Der Fiat war einfach, aber zweckmässig ausgerüstet, es gab viel Kunststoff im Innenraum und eine ausgeklügelte Belüftungsanlage.

Bild Fiat 128 (1969) - viel Platz in kompaktem Viertürer
Fiat 128 (1969) - viel Platz in kompaktem Viertürer

Dass der Fiat 128 rundum Einzelradaufhängungen aufwies und vorne mit Scheiben bremste (hinten gab es Trommeln) sei hier ebenso noch erwähnt wie die schmächtige Reifengrösse 145 SR 13.

Begeisterung bei der Presse

Die Journalisten, die den neuen Fiat 128 fahren durften, zeigten sich insgesamt begeistert. Für die Automobil Revue, die mit dem kompakter Viertürer 18’500 km (!) zurücklegte, war der 128er “ein in die Zukunft weisender Wagen”. Der Motor wurde für seine Geschmeidigkeit, seine Leistung und seine Laufruhe gelobt, das Getriebe für die mittelmässige Schaltbarkeit getadelt. Das vorzügliche Fahrverhalten und die ausgezeichnete Raumausnutzung waren weitere Pluspunkte.

Die Werksangaben wurden deutlich unter-, respektive überboten. Den Sprint von 0 bis 100 km/h schaffte der in der Schweiz gefahrene 128 in 16.8 Sekunden (Werk 19,1 s), als Höchstgeschwindigkeit wurden 144 km/h (Werk 135 km/h) notiert. Wahrlich ein temperamentvoller Genosse, entsprechend positiv war denn auch das Resümee: “Der kleine Fiat besitzt schon im frühreifen Stadium, wie er von uns getestet wurde, klar erkennbare Vorzüge, die man sonst nur bei grösseren und teureren Wagen findet. Es besteht kein Zweifel, dass sein Erscheinen auf dem Schweizer Markt Aufsehen erregen wird. “

Es sei noch gesagt, dass der Fiat 128 in der Schweiz damals 7750 Franken kostete während er in Deutschland mit DM 5950 in der Preisliste stand und damit nur unwesentlich teurer als ein VW 1500 war, welchen es nur zweitürig gab. Konkurrenten wie Simca 1100 LS, Renault 8 S, Opel Kadett oder Peugeot 204 GL unterbot er im Preis sogar.

“Ein Mini-BMW” wurde er in einem Test im Jahr 1970 von der ADAC Motorwelt genannt. Auch hier kritisierte man das Getriebe, das lauter sei als der Motor. Zudem wurden Verarbeitungsprobleme moniert. Gleichzeitig aber machte man den Interessenten Mut, denn zu jenem Zeitpunkt betrugen die Lieferfristen bis zu acht Monaten und bis zur Auslieferung seien die meisten Mängel sicher behoben, wenn man jetzt bestelle.

Die Anstrengungen hatten sich gelohnt, dies zeigte auch die Wahl des Fiat 128 zum Auto des Jahres im Jahr 1970.

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Mehr Sportlichkeit

Am Genfer Autosalon im März 1971 wurde dann die nächste Leistungsstufe gezündet und der Fiat 128 Rally vorgestellt. Der Hubraum war auf 1290 cm3 gewachsen, die Leistung auf 67 PS bei 6400 Umdrehungen. Während der Hub gleichbelassen werden konnte, wuchs die Bohrung von 80 auf 86 mm. Eine modifizierte Nockenwelle, eine Doppelvergaser und eine optimierte Auspuffanlage führten zusammen mit der minimal angehobenen Verdichtung (auf 8,9:1) zur Leistungssteigerung um 12 PS.

Bild Fiat 128 (1973) - die besonders sportliche Variante "Rally"
Fiat 128 (1973) - die besonders sportliche Variante "Rally"

Den verbesserten Fahrleistungen wurde die Bremsanlage - nun mit Unterdruck-Bremsverstärker - angepasst und als Reifen 145 HR 13 montiert. Auch die Übersetzungsverhältnisse wurden geändert, schliesslich traute das Werk dem 820 kg schweren Fiat 150 km/h zu.
Natürlich mussten die Vorgaben von der Presse sofort überprüft werden und siehe da, zeigten die Messungen von Auto Motor und Sport und der Automobil Revue bei der Höchstgeschwindigkeit eine weitgehende Übereinstimmung mit den Werksangaben, 150 km/h lief der Fiat bei AMS, 151 km/h bei der AR.

In der Beschleunigung allerdings entpuppte sich die Schweizer Variante als deutlich temperamentvoller, schaffte den Sprint auf 100 km/h in 13,8 Sekunden, während sich der Wagen von AMS dafür 14,4 Sekunden Zeit nahm. Beim Verbrauch war man sich dann aber wieder einig, 11 Liter pro 100 km flossen hier wie dort beim heftig gescheuchten Fiat durch den Doppelvergaser.

Bild Fiat 128 (1973) - die Rally-Ausführung
Fiat 128 (1973) - die Rally-Ausführung

DM 7440 oder CHF 9640 kostete der Fiat 128 Rally im Jahr 1972, dafür gab es nicht nur mehr Leistung, sondern auch optisches Tuning in Form geänderter Stossfänger, Zusatz-Scheinwerfer und Rallye-Streifen sowie eine umfangreichere Cockpitausrüstung.

“Dass sich der angepeilte Käuferkreis vom 128 rally angesprochen fühlt, ist nahezu unvermeidlich, denn für einen auch nach den jüngsten Verteuerung akzeptablen preis von knapp siebeneinhalbtausend Mark offeriert Fiat hier eine komplett ausgestattete, kompakte Limousine mit bemerkenswerten Fahrleistungen, sicheren Fahreigenschaften und geschickter Raumaufteilung - ein Angebot, an dem man schlecht vorbeigehen kann, wenn man sich in der unteren Mittelklasse nach etwas Neuem umschaut”, schloss Fritz Reuter seinen Test für AMS ab.

Überarbeitung und Lebensverlängerung

Von Zeit zu Zeit wurde der Fiat 128 modellgepflegt, so etwa 1972, als es neue Stossstangen und den Bremskraftverstärker für alle Varianten gab, oder 1974 als der Special mit gedrosseltem 1,3-Liter-Motor ergänzt wurde.

Bild Fiat 128 (1977) - Werbung - Aufstieg in die Mittelklasse
Fiat 128 (1977) - Werbung - Aufstieg in die Mittelklasse

1976 gab es dann weitere Karosserieretuschen, u.a. rechteckige Scheinwerfer wie beim Fiat 127. Als 1,3-Liter leistete er nun 60 PS, die Version “rally” war entfallen. Im Jahr 1978 wurde dann der Nachfolger Fiat Ritmo, eine klassische Heckklappen-Limousine à la Golf, vorgestellt.

Bild Fiat Ritmo (1978) - Felgen und asymmetrischer Kühlergrill machten ihn unverkennbar
Fiat Ritmo (1978) - Felgen und asymmetrischer Kühlergrill machten ihn unverkennbar

Der Fiat 128 aber wurde trotzdem noch bis ins Jahr 1983 weitergebaut, Derivate mit mehr oder minder umfangreichen Technik- und Design-Anpassungen schafften es ausserhalb von Italien sogar noch ins neue Jahrtausend, aber auch die rund 14-jährige Inlandproduktion darf sich sehen lassen.

Kompakt und spritzig

Er scheint heute noch viel kompakter, als er sich damals im Konkurrenzvergleich präsentierte. 3,86 Meter Länge gibt es heute ja bereits bei einem Mini der neuesten Generation und die 1,59 Meter Breite lassen noch problemloses Aussteigen auch auf knappen Parkhausnischen zu. Dabei fühlt sich der “Kleine” gar nicht so eng an, wenn man drin sitzt. Sogar zu Viert hält man es aus und hat noch immer einen ausgewachsenen Kofferraum zur Verfügung. Das Raumkonzept überzeugt. Die Übersichtlichkeit sowieso.

Bild Fiat 128 rally (1974) - viel Schwarz im Cockpit, aber ein (Simili-) Holzlenkrad
Fiat 128 rally (1974) - viel Schwarz im Cockpit, aber ein (Simili-) Holzlenkrad

Doch all dies ist vergessen, wenn man als Fahrer den Motor startet und losfährt. Leichtfüssig setzt sich der Wagen in Bewegung, die Lenkung wirkt direkt, die Strasse ist gut fühlbar. Die Gangstufen sind relativ kurz übersetzt, dafür ausgerichtet, den Motor drehen zu lassen. Und wie er drehen kann! Von Anstrengung keine Spur, nur der Geräuschpegel steigt im Einklang mit der Drehzahl an. Auch die Bremsen geben zu keinen Sorgen Anlass und für den nächsten Tankstopp muss das Sparschweinchen nicht zerschlagen werden. Wer über acht bis neun Liter pro 100 km verbraucht, ist schon arg flott unterwegs.

Bild Fiat 128 rally (1974) - über 150 km/h schnell, das war damals eine Ansage
Fiat 128 rally (1974) - über 150 km/h schnell, das war damals eine Ansage

Schade nur, sieht man sie so selten, die kleinen flotten Fiat-Limousinen. Vor gut 20 Jahren noch waren sie allgegenwärtig im Strassenbild, heute entdeckt man sie nur noch an besonderen Oldtimer-Treffen, erstaunlich eigentlich bei über 2,77 Millionen gebauten Exemplaren.

Wir danken der Firma allcarta, die uns den schönen 128 Rally von 1974 für eine Fotofahrt zur Verfügung gestellt hat.

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Bild Fiat 128 rally (1974) - die Zusatzscheinwerfer waren serinmässig
Bild Fiat 128 rally (1974) - wirkt breiter, als er es mit 1,59 Meter eigentlich war
Bild Fiat 128 rally (1974) - das Design der Rückleuchten erinnert an sportliche Fahreuge aus Maranello
Bild Fiat 128 rally (1974) - wann haben Sie zum letzten Mal einen auf der Strasse gesehen?
Bild Fiat 128 rally (1974) - der erste Fronttriebler von Fiat
Bild Fiat 128 rally (1974) - über 150 km/h schnell, das war damals eine Ansage
Bild Fiat 128 rally (1974) - aus dieser Perspektive sah ihn mancher "Konkurrent"
Bild Fiat 128 rally (1974) - mit der Form einer Hut-Schachtel
Bild Fiat 128 rally (1974) - relativ kurze Überhänge
Bild Fiat 128 rally (1974) - Rallye-Streifen waren serienmässig, die Aluräder gab es im Zubehörhandel
Bild Fiat 128 rally (1974) - Front- und Heckansicht
Quelle:
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von ma******
08.11.2021 (13:39)
Antworten
Genau in diesem grün kaufte ich 1975 so ein Auto. Auch mit Stahfelgen sah er gut aus. Das „Holzlenkrad“ war uch nicht original. Alle 10000 km Ventile einstellen mit den ominösen Stahlplättli war ein Erlebnis.
von JochenK
08.11.2021 (13:36)
Antworten
Ein paar haben überlebt - meiner zum Beispiel (ist allerdings ein Coupé). Und ich kann nur unterstreichen, was im Bericht geschrieben ist: Wenn man sich reinsetzt und losfährt (und das wegen der kurzen Übersetzung und des fehlenden fünften Gangs hohe Drehzahlniveau akzeptiert hat), vergisst man, dass man in einem fast 50 Jahre alten Auto fährt. Er fährt sich wie ein modernes Auto - was einem verdeutlicht, wie weit der Wagen seiner Zeit im Jahr 1969 voraus gewesen sein muss.
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