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Bild (1/4): Ferrari 512 M (1995) - mit neu gestalteter Front (© Bruno von Rotz, 2013)
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    Ferrari 512 M - modifizierter Supersportwagen als Schluss- und Höhepunkt

    16. Mai 2013
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
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    Man liebt ihn oder man hasst ihn, den Ferrari Testarossa. Mit seinem charakteristischen Design mit langgezogenen und durch längslaufende Stege unterbrochene Kühleinlässen auf der Seite und dem breit auslaufenden Heck polarisieren der Testarossa und seine Nachkommen wie nur wenige andere Ferrari-Fahrzeuge.

    Und kaum jemand hätte wohl 1984 vorausgesagt, dass dieser spektakuläre Sportwagen zwölf Jahre mehr oder weniger unverändert gebaut würde. 1996 war dann nach rund 10’000 Exemplaren Schluss mit dem Mittelmotor, der Ersatz namens 550 Maranello hatte den Zwölfzylinder vorne eingebaut.

    Ferrari 512 M (1995) - 440 PS leistet der Zwölfzylinder im "Modificata"
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Es begann vor über 40 Jahren

    Man schrieb das Jahr 1971, als Ferrari seinen ersten Mittelmotor-Zwölfzylinder-Sportwagen vorstellte, den 365 GT/4 BB.

    Ferrari 365 GT/4 BB (1971) - eine bestechende Form und vielleicht einer der schönsten Entwürfe aus dem Hause Pininfarina
    © Zwischengas Archiv

    Das “BB” stand für Berlinetta Boxer, aber der Motor war kein eigentlicher Boxermotor, sondern ein V12 mit 180 Grad Winkel. Die 4,4 Liter Hubraum produzierten gemäss Werksangaben 380 PS, als der Hubraum mit dem 512 BB auf fünf Liter stieg sank die Leistung auf 360 PS, die allerdings besser im Futter standen. 1981 senkte eine Einspritzanlage im 512 BBi die Leistung ein weiteres Mal zugunsten sauberer Abgase, 1984 war nach 11 Produktionsjahren das Ende des Berlinetta Boxer gekommen.

    Ferrari 512 BB (1980) - Vergaser-512 im Profil
    © Zwischengas Archiv

    Vom BB zum Testarossa

    Am Autosalon von Paris wurde der Ferrari Testarossa vorgestellt, der konstruktiv vieles vom Vorgänger übernahm, manches aber verbesserte. Optisch waren kaum Ähnlichkeiten zwischen 512 BBi und Testarossa zu erkennen. Der von Sergio Pininfarina und Leonardo Fioravanti gezeichnete Ferrari prägte das Sportwagendesign bis in die Neunzigerjahre. Mit annähernd zwei Metern Breite setzte er eine neue Höchstmarke und zusammen mit nur 1,13 Metern Höhe war die Basis für ein extrem flach wirkendes und schon im Stand schnell aussehendes Auto gegeben. Durch die ähnlich zu einem Formel-1-Auto aussen platzierten Wasserkühler ergab sich die Gestaltung der seitlichen Lufteinlässe.

    Ferrari Testarossa (1984) - atemberaubende Silhouette
    © Zwischengas Archiv

    Mit 390 PS war die die Leistung des weiterhin fünf Liter grossen Motors wieder gestiegen und somit rannte der aerodynamisch günstige Testarossa fast 300 km/h.

    Bekannt wurde er vor allem durch seinen Einsatz als Dienstwagen von Sunny Crocket in der Serie Miami Vice, aber auch durch das Aracade-Spiel OutRun, bei dem es darum ging, sich mit einem offenen Testarossa in Rennen gegen aggressive Gegner durchzusetzen. Zu kaufen gab es den Testarossa Spider beim Hersteller genausowenig wie die kreischende Blondine, die im Computerspiel den Beifahrersitz zierte.

    Ferrari Testarossa (1984) - Durchsichtszeichnung enthüllt die Innereien
    © Zwischengas Archiv
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    Stetige Evolution und Modifikationen

    Aus dem Testarossa wurde 1991 der 512 TR mit nunmehr 428 PS und einigen Retouchen an der Karosserie. 1992 wurde das Interieur modifiziert, weitere Veränderungen schienen unnötig. 

    1994 dann kündigte Ferrari den “F 512 M” an. Das “M” stand dabei für “Modificata” und tatsächlich war der Mittelmotor-Sportwagen in vielen Punkten “modifiziert” worden.

    Ferrari 512 M (1995) - Rundleuchten hinten und Typenschriftzug
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Überarbeiteter Motor für den 512 M

    Titanpleuel, eine leichtere Kurbelwelle, geschmiedete Alukolben erlaubten es, die Leistung des Zwölfzylinders in Kombination mit einer optimierten Brennraumgestaltung und einer auf 10,4:1 erhöhten Verdichtung (trotz Betrieb mit 95 Oktan) auf 440 PS zu steigern. Auch die Kraftübertragung wurde mit neuen Synchronringen und verstärkten Zahnrädern beim Getriebe sowie Anpassungen an der Kupplung auf die Ansprüche der Neunzigerjahre-Sportwagenkäufer angepasst.

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    Design für die Neunzigerjahre

    Von aussen liess sich der Neue, der gemäss Automobil Revue “ganz der Alte” war, sofort erkennen. Die Klappscheinwerfer waren verschwunden und durch Elipsoidlampen unter Glasabdeckungen ersetzt worden. Damit erhielt der 512 M einen Hauch F40-Flair. Am Heck fehlten die charakteristischen Querleisten und statt der rechteckigen Leuchteinheiten gab es nun vier runde Lampen, wie einst beim BB. Breite mehrteilige Felgen im 18-Zoll-Format und Reifen von fast 30 cm Breite (hinten) füllten die Radhäuser.

    Innen wies nur ein neu gestaltetes Lenkrad auf den “Modificata” hin. Verbunden waren die Veränderungen mit einer erfreulichen Gewichtsabnahme, 1’455 kg gab der Hersteller als Leergewicht für den “trockenen” Sportwagen an.

    Schnell, aber anspruchsvoll

    305 km/h schnell fuhr der 512 M im Test von Auto Motor und Sport, den Quartettsprint von 0 auf 100 km/h absolvierte er in 5,1 Sekunden. Damit hätte man eigentlich zufrieden sein können, wäre nicht der F355 aus gleichem Haus fast gleich schnell gewesen. Die AMS-Redakteure bezeichneten den 512 M als den wildesten der damaligen Ferrari-Sportwagen, die Automobil Revue liess sich von Jean Alesi um den Fiorano-Rundkurs chauffieren, um zu bemerken, dass Alesi den Sportwagen “recht schaltfaul” bewegt habe und auf “Bremsen auf den letzten Zacken verzichtete”.

    Im Selbstversuch bewunderten die AR-Schreiber einmal mehr die “sensationelle” Drehcharakteristik des Ferraris, der von 1’500 Umdrehungen bis zur Maximaldrehzahl jenseits von 7’500 Umdrehungen sauber und ruckfrei lief und immer nachdrücklich Schub lieferte. Aber sie warnten auch: “Sobald das Auto durch Gaswegnehmen auf der Hinterachse entlastet wird, kommt Nervosität ins Spiel, der Mittelmotor-Ferrari bleibt ein Tier, das gebändigt werden will.”

    Abgezählt und ausgezählt

    DM 332’000 oder CHF 286’500 kostete der “Modificata” im Jahr 1995, weiss Gott kein Pappenstiel. Im Vergleich zu seinen Vorgängern blieb er mit 500 produzierten Exemplaren aber ausserordentlich selten, weshalb das letzte Wort bei den Wertnotierungen wohl noch nicht gesprochen ist, trotz der polarisierenden Designanpassungen, die nicht von allen Testarossa-Fans ästimiert wurden. 

    Eine besondere Stellung hat der 512 M auf jeden Fall, denn er war der Letzte seiner Art. Der Nachfolger 550 Maranello trug den weiter erstarkten Zwölfzylinder über den Vorderrädern und war von seiner Ausrichtung her eher ein Gran Turismo als ein strassentauglicher Rennwagen.

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    Erstaunlich handzahm

    440 PS tönen wilder, als dass sie sich im 512 M anfühlen (man beachte auch das Tonmuster). Das "normale" Fahren im damals teuersten Ferrari stellt selbst einen Fahrschüler nicht vor unlösbare Schwierigkeiten. Natürlich ist ein wenig Nachdruck nötig, um die Kupplung zu bedienen und den Ganghebel durch die manchmal etwas sperrige Kulisse zu schieben, aber im Vergleich zu seinen Vorgängern bis zurück ins Jahr 1971 hat der Ferrari spürbar zugelegt.

    Ferrari 512 M (1995) - das Interieur blieb weitgehend unverändert gegenüber dem Vorgänger
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Sitzposition stimmt, die Servolenkung unterstützt auf angenehme Weise die Kurbelei am hübsch gestalteten Lenkrad. Die Rundumsicht ist besser als man vermuten könnte und die Breite von fast zwei Meter erschreckt im Zeitalter von Q7 und Konsorten auch niemanden mehr.

    Hat man sich einmal gegen die mürrische Wegfahrsperre durchgesetzt und den Motor in Gang gesetzt, glaubt man sich im siebten Himmel. Dieser Klang - eindeutig Ferrari mit einem tüchtigen Schuss F1-Akustik. Da müsste ein Suchtgefahr-Hinweis davor warnen ...

    Keine Frage, dieser Sportwagen ist nichts für unbeherrschte Naturen, denn das Einhalten der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten fällt einem ob all der gebotenen Leistung und Fahrwerkstechnik schwer. Die Beschleunigung ist weniger brachial, als man dies vielleicht erwarten könnte, eher gleichförmig und erstaunlich wenig spürbar, erst ein Blick auf den Tacho offenbart, wie schnell man wirklich ist.

    Und selbst die Benzinrechnung fällt günstiger aus als erwartet, wenn auch nur behutsame Fahrer es schaffen dürften, unter der 15-Liter-Grenze zu bleiben. Allerdings kostet das komplette Auffüllen des Tanks trotzdem jeweils rund 170 Euro oder 200 CHF, der Gasfuss moduliert einfach, wie weit man mit diesem Einsatz kommt. Aber wer möchte bei diesem Klangkonzert schon an den nächsten Tankstop denken.

    Der für diesen Bericht portraitierte Ferrari 512 M von 1995 wird am 8. Juni 2013 an der durch die Oldtimer Galerie Toffen organisierten Versteigerung anlässlich der Dolder Classics unter den Hammer kommen.

    Weitere Informationen

    • Automobil Revue Nr. 41/1994, Seite 21: Fahrbericht Ferrari F 512 M - Ganz der Alte
    • Auto Motor und Sport Heft 24/1994, ab Seite 74: Gerhard Berger fährt den F 512 M
    • Auto Motor und Sport Heft 1/1995, ab Seite 58: Test Ferrari F 512 M

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