Die Wiederauferstehung des BMW Garmisch

Erstellt am 1. Juni 2019
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard, BMW
Fotos:
Daniel Reinhard 
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BMW 
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Archiv 
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BMW präsentierte beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019 eine Neuauflage des BMW Garmisch. Dieses Konzeptfahrzeug von Bertone aus der Hand von Marcello Gandini wurde am Genfer Automobilsalon 1970 vorgestellt, verschwand aber nachher spurlos. Mit diesem Neuaufbau auf der Basis eines BMW 2002 wird einem der einflussreichsten Automobildesigner aller Zeiten gedacht und der Firmengeschichte BMW wird ein verlorenes Kapitel neu hinzugefügt.


BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

"Marcello Gandini ist für mich einer der Grossmeister des Automobildesigns und seine Entwürfe waren schon immer eine wichtige Inspirationsquelle für meine Arbeit.", sagt Adrian van Hooydonk, Senior Vice President der BMW Group Design. Vom «Garmisch» ist er seit der Entdeckung einer alten, verblichenen Fotografie fasziniert. "Indem wir diese Studie ein zweites mal aufleben lassen, möchten wir Marcello Gandini unsere Ehre erweisen, uns eines seiner weniger bekannten Autos in Erinnerung rufen und den stilistischen Einfluss von Bertone auf die Evolution des BMW-Designs beleuchten. Allein die Möglichkeit, die Geschichte von BMW zu vervollständigen und deren Lücken zu schliessen, waren es uns wert, dieses Werk voranzutreiben."


Adrian van Hooydonk im Gespräch mit Marcello Gandini - BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Italienisches Design- und deren Karosseriebau haben die Bayern schon seit frühen Tagen inspiriert und auch beeinflusst. Vom BMW 328 MM mit seiner leichten Aluminiumkarosserie der Carrozzeria Touring, bis hin zum keilförmigen M1 von Giorgetto Giugaro gab es stets einen lebendigen Austausch von Konzepten und Ideen über die Alpen hinweg.


BMW Garmisch 2002 ti Bertone (1970) - Zeichnung zur Ankündigung vor der Premiere
Archiv Automobil Revue

Wie viele andere italienische Konzptstudien in den 60er und 70er Jahren wurde auch der Garmisch als unabhängiger Designvorschlag von Bertone entwickelt, einfach um die Kreativität des Studios zu demonstrieren. "Die ursprüngliche Idee kam von Nuccio Bertone persönlich, der unsere bestehende Beziehung zu BMW mit einer überraschenden Designstudie auf dem Genfer Salon festigen und ausbauen wollte", erinnert sich Gandini, der zu jener Zeit Bertones Designstudio leitete.


Marcello Gandini
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

"Wir wollten ein Mittelklasse Coupé entwickeln, das einerseits der Formensprache von BMW treu blieb, andererseits aber auch etwas dynamischer herüberkam und sogar ein wenig provozierte." Während die Seitenflächen des Garmisch sehr aufgeräumt und glatt wirken, zog die Front mit seinem kantigen und vertikal positionierten Kühlergrill und den rechteckigen, verglasten Scheinwerfern die Aufmerksamkeit auf sich.


Kantige BMW-Nieren - BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Weitere ungewöhnliche Details sind die Lufteinlässe in den C-Säulen, die mehr an Sportwagen erinnern und natürlich die wabenförmig strukturierte Sonnenschutzblende auf der Heckscheibe, ein typisches Stilelement Gandinis, das schon beim Lamborghini Marzal Verwendung fand.


War bereits beim Lamborghini Marzal ein Stilelement: Wabenförmige Sonnenschutzblende auf der Heckscheibe - hier beim BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Obwohl das Auto in wenigen Monaten auf die Räder gestellt wurde, liess sich das Designteam die Gelegenheit nicht nehmen, auch dem Interieur einen ganz eigenständigen Charakter zu geben: Mit dem im Hochformat angeordneten Radio in der Mittelkonsole, einem grossen Klappspiegel für den Beifahrer und einer extravaganten Kombination von Farben und Materialien variierte der Garmisch die eher funktionsklaren Vorlieben der Zeit auf piedmontesisch-elegante Weise.


BMW Garmisch (1970) - Bertone-Konzeptfahrzeug mit prägnantem Frontgesicht - Genfer Autosalon 1970
Archiv Automobil Revue

Laut Gandini wurde sogar die Modellbezeichnung des Autos so gewählt, dass sie möglichst viel Aufmerksamkeit erregte. "Skifahren war zu dieser Zeit in Italien äusserst populär. Und der Name Garmisch beschwor Träume von Wintersport und alpiner Eleganz."


Das hochgestellte Radio in der Mittelkonsole und der grosse Spiegel für die Beifahrerin erzeugen Aufsehen im Interieur des BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit der Treue zum Originalfahrzeug ist der neue Garmisch ein beeindruckendes Beispiel für die Kompetenz des Hauses in den Bereichen Design-Forschung und Prototypenbau. Da so gut wie keine Originaldokumente mehr existieren, musste das interdisziplinäre, aus den Abteilungen Design und Classic einberufene Team von Spezialisten, jedes Detail von einer Handvoll alter Fotografien ableiten, die zum Grossteil auch nur in schwarz-weiss vorlagen.


BMW Garmisch (1970) - für Beifahrerinnen - voluminöser Beauty-Case mit grossformatigem Spiegel - Genfer Autosalon 1970
Archiv Automobil Revue

Marcello Gandini unterstützte die Recherche als Zeitzeuge mit seinen eigenen Erinnerungen. So konnte die Wagenfarbe - ein helles Champagnergold-Metallic im Stil der italienischen Mode dieser Zeit, sowie die Materialien im Interieur rekonstruiert werden.
Zunächst wurde das Auto am Computer 3D nachgebaut, dann entstand das Modell im Masstab 1:1, an dem die Proportionen und Details abgestimmt wurden. Dann wurde der Garmisch von Karosseriebau-Künstlern in Turin von Hand neu gebaut, genauso wie schon das Original vor 50 Jahren.

"Als ich hörte, dass der Garmisch nochmals gebaut werden soll, war ich zunächst etwas überrascht", erinnert sich Gandini an sein erstes Treffen mit Adrian van Hooydonk, der ihn im Sommer 2018 in Turin besuchte, um den Segen des Urhebers zu erhalten. "Nun bin ich sehr froh, dass ich Teil dieses Projektes sein konnte und dass sich BMW dazu entschlossen hat, diese freudvolle Zeit noch einmal aufleben zu lassen. Nachdem ich das fertige Auto gesehen habe, fällt mir schwer, es vom Original zu unterscheiden."

Mit seiner reduzierten Designsprache, den präzise gezogenen Linien und klaren geometrischen Formen ist der Garmisch ein Archetyp jenes radikalen neuen Stils, den italienische Studios wie Bertone, Italdesign und Pininfarina in den späten 60'er und frühen 70'er Jahren entwickelten und der bis heute ein wichtiger Referenzpunkt für Automobildesigner ist. "Beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este reflektieren wir die Vergangenheit, denken aber auch an die Zukunft", sagt Hooydonk. "Marcello Gandinis Entwürfe waren immer sehr klar und schlicht, dabei aber auch sehr dramatisch. Deshalb finde ich seine Arbeit so inspirierend. Er hat mit wenigen Designelementen stets etwas Spektakuläres geschaffen. Diesen Ansatz, mit einfachen Mitteln viel zu erreichen, halte ich noch immer für äusserst modern."


BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Im März 2019 wurde der fahrbereite BMW Garmisch Hooydonk und Gandini im Museo Nazionale dell'Automobile in Turin präsentiert. "Das fertige Auto zu sehen war ein besonderes Erlebnis", sagt Adrian van Hooydonk. Ich bin daran gewöhnt, ständig neue Designentwürfe zu begutachten. Nun stand ich plötzlich vor diesem Auto, von dem ich wusste, dass es brandneu war, das aber doch aus den 70er Jahren stammte. Ich denke, für Marcello Gandini war es ebenfalls ein bewegender Moment. Er stand neben mir und sagte, er fühle sich beim Anblick des Autos plötzlich 25 Jahre jünger. Wir betrachten das als Kompliment für das Team, das dieses Auto gebaut hat."


Grosses Publikumsinteresse am BMW Garmisch (1970) am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Marcello Gandini wurde 1938 geboren und gilt als einer der einflussreichsten Automobildesigner des 20. Jahrhunderts. Während der 15 Jahre, in denen er das Designstudio von Bertone in Turin leitete, entwarf er einige der mutigsten und revolutionärsten Automobile dieser Epoche, darunter scharfkantige Konzeptstudien wie den Lancia Stratos Zero, oder den Alfa Romeo Carabo. Die von ihm geschaffenen Sportwagen-Ikonen wie der Lamborghini Miura sind heute von Sammlern heiss begehrte Objekte. Neben dem Garmisch war Gandini mit seinem Designteam bei Bertone auch an der Entwicklung des BMW Spicup und der ersten Generation der 5-er Reihe unter der damaligen Leitung des ehemaligen BMW-Designchefs Paul Bracq beteiligt.

Gandinis Werke sind auf zwischengas.com gut dokumentiert, am besten suchen Sie selber nach Gandini .

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von b3******
02.06.2020 (20:07)
Antworten
Servus,

Da Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt, schlage ich mich auch auf die Seite derer, die den Wagen am liebsten von einer Klippe schubsen würden!

Ansonsten ist man durchaus versucht, in einem gewissen Blickwinkel der Seitenansicht, den FIAT X 1/9 zu erkennen, welcher ja bekanntlich aus dem selben Designhaus stammt.

Nur, dass bei dem aber designtechnisch alles stimmt!
von ps******
25.02.2020 (18:03)
Antworten
Glücklicherweise ist uns der Anblick dieses hässlichen Ungetüms
erspart geblieben.
Die Niere noch schlimmer wie jede Gucci Gürtelschnalle...........
Würg Peter
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